Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 39 (24.9.1891)
- Date
- 1891-09-24
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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t« de Va| K 1•r öS oc{M auf otc mt!en10tKunt VttßjuitMsfO 852 Lehranstalten (270 öffentliche und 82 Privaten, inel. 2 jüdische) zu Anfang 1891 eingeschult gewesen: 104,790 Evan^listhe, •8,011!katholische. 12,176 Jüdische, 789 Dissidenten. Der Zuwach» in de» fünfjährigen Zen- ״? timte von 1886 bi» 1890, tn welchem die beiden Bolk»- Mlungen stattfanden, betrug 25.89» Evangelische, 3432 »ADcholtsche, 1766 Jüdische, >60 Dissidenten. Die evangelischt Bevölkerung ist um 18 pEt. ihre» früheren Bestandes gewachsen, di« katholische um 36, di« jüdische um 23; von der evangelischen Bevölkerung waren 14 pEt. in den Schu« len, von der katholischen 10 und von der jüdischen 15. Pauzlg^ Bon dem hier (bei A. W. Kafrmann) er» scheinenden ,Antisemitenspiegel' ist soeben die dritte Äeferung «»«gegeben, welche wieder ein sehr reiche» Material .zur Widerlegung der lügenhaften Behauptungen der Antisemiten -auf Grund von Thatsacheu uad gründlichen wissenschaftlichen Untersuchungen bietet. Diese Lieferung enthält folgende Kapitel: I. Der Wucher und da» Judenthum. II Die Antisemiten und die Reichsbank. III. Der Talmud und die Sitten» lehr« de» Judenthum«. IV. Eine antisemitische Güterschlächterliste. V. Die Juden und da» Handwerk. — E» werden überall iu ruhiger, objektiver Weise und ohne gehässige, persönliche Angriffe die falschen Behauptungen und gehässigen Auariffe der Antisemiten beleuchtet, nicht mit Phrasen und Beschimpfungen, sondern mit Gründen und Thatsachen wird gekämpft. Au» den historischen Beiträgen zu der Wucherfrage heben wir da» Folgende al» Beispiel hervor: Et, Privileg Kaiser Karl« V. m» o April 1641 verordnet: ^daß t* de, Juden, da fl« l» viel höherer Weis« zur Leistung von Ab» Gtzbrn »nd Steuer, heraugezogen find, al« die Christen, dabei aber »»der legend« Ciüter befitze« und bebaue», »och ander« stattliche Ha»- itrnng, mcmttr oder Handwerk haben und betreibe, dürfen, gestattet »erde» soll, ihr» Saarfchast zu HSHere» Stutzen und Zinsen anzulegen «nd zu verwenden, al« die« de« Christ«« erlaubt ist.' — Wladislaus von Sltat« «riteß im Jahr« 1497 ei» Edikt, worin e« heißt: ,Wo der Ehrist 10 Schott nimmt, soll der Jude 90 im Jahre nehmen dürfen, Weil, wen« der so wenig nehmen würde wie der Christ, er nicht leben könnt«, da er z»erst und gegenüber seine» Pflichten Nachkommen muß. zweiten« dem Herr», defleu Schutz er sich empföhle» hat. zahle» muß. drittens selbst die Interessen zu derichlige» hat. vierten» selten eia Amt. deflen Dienst tr nSthig hat, ihn umsonst entlaßt, und er endlich selbft «tarn« haden muß, um davon mit Weib und Kinder» lebe« zu können." Ale»», 17. Sept. Salomon Bellemann au» Leuward«, welcher selten» der diesigen Staatsanwaltschaft in Awgeiegenheit de» Lantener Knavenmorde» steckbrieflich verfolgt wurde, der sich jedoch am 4. September der Gerichtsbehörde keiwtllig gestellt; um seine Unschuld zu beweisen, ist heute Morgen nach 13 tägiger Untersuchungshaft, nachdem erwiesen worden, daß Bellemann'» Anwesenheit in Xanten und Umgebong während de» Tage», an dem da» scheußliche Verbrechen begangen, damit in keiner Weise in Zusammenhang gebracht werden kann, au» der Hast entlassen worden. Die Ergreifung de» Metzer« Matthta» Degen, genannt Mattchen »der Mattje, au» Meyen, der übrigen» ntcht der israelittscheu Lonstion angehört, steht jedoch noch au». B. #•» G»«rs»I«ße» (Eine israelitische Kinder- Heilstätte.)' Die im vorigen Jahre in dem altbewährten Soolvade Koenigsdorff-Jastrzemb begründet« israelitisch« Kinderheilstätte hat sich nunmehr im zweiten Jahre ihre» Bestandes durch ihre umsichtige und thatkräftige Verwaltung, deren Sitz inGleiwitz sich befindet, zu einer hervorragenden Musteranstalt emporgeschwungen. Da« freundliche AnstaltSaebüude, da» nach den Anfordernngen der modernen Gesundheitspflege eingerichtet ist, ist von einem wohlgepflegten Garten umgebe« und liegt in unmittelbarer Nähe de» großen Lurparke». An den schönen sonnenhellen Tagen sieht man die Pfleglinge der Anstalt in dem Garten sich tummeln und auf den Rasenplätzen unter schattigen Bäumen de« Spiele und dem Frohsinn sich hingeben. Die kränklichen Kinder, die in der rrstern Zeit an Mt Bewegungsspiele» nicht cheilnehmen können, sitzen auf “ GartensWchen und erfreuen sich am Spiele der Ge- «off«. Nach einiger Aett erstarke» auch sie, e» röchen sich ihre bleiche» Wangen und mit Freuden reiben sie sich de:« stühlichen Reigen an. den die anderen im Garten auffüh'.eu. Tritt man nun in da» Hau» ein, so erblickt man.ink« den mächtigen, mst Kaiserbildern geschmückten Speisesaal, der den Kindern bei schlechtem Wetter al» Spiel- und Gesellschaftsraum dient. Zu den festgesetzten Zetten versammeln sich hier die Kinder bei gegebenem Glockenzeichen zu den gemeinschastlichen Mahlzeiten. Es bietet einen herzerfreuendea Anblick, wie die Pfleglinge, sichtlich gestärkt durch die frische ozonreiche Lust, den nahrhaften Speisen zusprechen und «« dte kleinen bleichen Großstädter, die anfang« im Esten etwa» schwierige Pattone und besonder» für die Fleischbrühe unzugänglich sind, im Gefühle der wiedererwachenden Gesundheit, die ihnen - reichlich zu bemessenen Rattonen bi» zum letzten Rest vertilgen. Rührend aber ist e» zu sehen, wie die Kinder nach aufgrhobener Tafel da» Tischgebet gemeinschaftlich verrichten, und wie da di« Größeren die Kleineren unterweisen — «in anziehende», ergreifendes Familienbild. Wir verlaflen den Speisesaal, werstn im Borrübergchm einen Blick in di« Küchenräume, deren praktische Einrichtung und reinliche Sauberkett die Wonne jeder Hausfrau bilde» würden und betretea die luftigen Schlafzimmer. Wie freundlich und zweckmäßig sind dieselben auSgestattetl Welche Liebe und Sorgfalt waren erforderlich um durch Formen und Farbe» in die Eintönigkeit eine» Institute» den Zug der Behaglich» keit hineinzubringen, der da» 'Kinderherz besonder» erfreut und e» so traulich anmuthet. Mit Vergnügen mustert da» Auge die in der Flucht der Zimmer harmonisch geordnete» Gegenstände. Nichtist vergessen, auf Alle» ist Bedacht genommen. Besonder» aber wird da» sanitäre Moment i» der ganzen Hau-führung berücksichtigt; emaillirte Waschservir«, sowie ein Kleiderschrank zum ausschließlichen Gebrauche überwiesen. Unter dieser sorgfältigen Pflege und liebevolle» Be- Handlung erholen sich die Kinder in sichtlicher Weise und erblühen oft überraschend schnell zu einem neuen kräftigen Dasei». Di« ärztliche Leitung der Anstalt liegt in den bewährten Händen de» Badearztes Herrn Dr. Karfunkel. Die erziehliche Aufsicht und Pfleg« der Kinder ist einer dazu geeigneten jüdischen Dame, die mit leidende» Kindern umzugrhen versteht, anvertraut. Küche und Oekonomie werde« von einer zuverlässigen Persönlichkeit geführt. Außerdem verfügt die Anstalt über ausreichende» Hülfspersonal. Di« Anstalt, welch« während der Sommermonate ge» öffnet ist, kann gleichzeitig 18—20 Kinder beherbergen. In Folge der sehr zahlreich eingehenden Aufnahmegesuche sind alle Brtten auf Wochen h.nau» stet» belegt. Die Aufnahme der Kinder geschieht serienweise. A» demselben Tage zi״ht der eine Trupp etn und wftd nach Ablauf seiner Lurzeit zu gleicher Zeit entlasten. Da» Hau» und die sämmtliche Einrichtung wtrd dann in rin bi» zwei Ruhetagen von Grund au» gereinigt und in Stand zesetzt, worauf die neue Serie in die gesunden Räume ihren Einzug hält. Di« meisten Kinder werden ganz unentgeltlich aufgenommen, die bemittelteren oder die von Wohlthättgkeit»- vereinen der Anstalt überwiesenen Pfleglinge zahlen «inen mäßigen, ft nach den Berhältnisten bemessenen Zuschuß zu den Berpflegungskosten. Bon dem hohen Vertrauen, ntelche» da« gemeinnützige Unternehmen in weiten Kreisen genießt, zeugt besonder« der Umstand, daß Kinder oft au« bedeutender Entfernung, beispielsweise aus Berlin, von hervorragenden humanttären Bereinigungen nach der Anstalt geschickt werden. Da» segen-reich« Jvstttut wird durch Beiträge erhalte», welche Synagogengemeiadea, Wohlthätigkeitsvereiw:. di« Logen B'n« Brith, sowie edelgesinnte Einzelpersonen dem Lteb^werke in hochherziger Weis« zur Verfügung stellen. Möge -um Nutzen uad Segen der armen leidende» Kinder dftser Kreis edler Wohlthäter sich immer mehr vergrößern!