Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 39 (24.9.1891)
- Date
- 1891-09-24
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/6492344-5935076-5959681--0793-5374547- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
fitfm (Anhalt). Bor einige Zapn, als da Äanfwan« outiuf Frank in dem nicht weit von hur liegenden Städtchen Radeaaft Abends vor seinem Hause saß, wurde er plvtzkch vom Schlage gerührt. Seine Frau, halbtodt vor Schreck, ies um Hufe; wohl bürten Nachbarn die Hilferufe; aber denselben Folg« zu leisten, fiel den Leuten gar nicht ein. Der zitternden Frau blieb nicht Anderes üfctia als allein, mit Hilfe ihrer Kinder, den schweren Mann in va« HauS zu tragen. Julius Frank war t«r einzige Jude in Radegast; daher diese echt christliche HilsSbereimnlligkeit seiner Mitbürger, "luch als der Leichnam des ManneS hierher tranSportirt werden sollte, fand sich unter׳ den Radegastern Niemand, der ihm den letzten Dienst »nd die letzte Ehre zu erzeigen bereit gewesen wäre. Der Führer des Leichenwagens mutzte mit Hand onlegen, um den Sarg auf den Leichenwagen zu heben »nd von all den christlichen Radegastern, mit denen der Berstorbene zu seinen Lei^eiten für das Wohl der Stadt gemeinsam, oft bis in die späte Nacht, gearbeitet hatte, fand eS Keiner für paffend, ihm auf seinem letzten Wege auch nur eine Strecke weit da» Geleite zu geben. Wenn eS aber Sammlungen für wohlthätige Zwecke galt, oder Arbeiten für va» Gemeinwohl, da wußte man den .Juden Frank" zu finden und er hatte nie gezaudert, seinen Beitrag zu zahlen, seine Zeit und Mühe zu opfern, und als eS nach den bekannten Betrügereien des Bürgermeister» Eonrad in Radegast sich darum handelte, in die Bücher de» BorschutzverernS wieder Ordnung zu bringen, nachdem Eonrad durch eigen« Hand geendet und man seine Frau «nd seinen Schwieger» vatrr ebenfalls in den Tod getrieben hatte —, da war eS der .Jude Frank," der, in den Vorstand de» BorschutzverrinS gertUjft wurde. Erwähnt sei, »atz Frank ein durchaus ehren- «rrther friedliebender Mann war, der fiine zahlreiche Familie lacht Kinder) mit Ehren durchgebracht hat und keine Schulden ymterlätzt. Seine Kinder hatten in der Schale gleichwohl von ihren christlichen Mitschülern durch Verhöhnungen und Schimpfrrden viel zu leiden, die Lehrer haben aber, so scheint eS, nie davon etwa» erfahren. (Solche Vorkommnisse in den Schulen sollen übrigens imAnhalrscheu jetzt nicht selten sein. So wird ein ähnlicher Fall aus Dessau berichtet, der vor dem dortigen Landgericht nächsten» seinen Abschluß finden wird.) Ein Einwohner von Radegast hat auf die Frage deS I h־. Friedrich «äußert: .Den Judeu Frank habe ich liegen sehen; er war schon halbtodt; aber ihn anzufaffen, habe ich mich gehütet." -- Ut daS nicht echt christlich? Wahrlich die Antisemiten haben eS schon herrlich weit gebracht in der Verbreitung deS praktichen ChristenstumS nach ihrer Auffaffung. Wenn die vorstehend mitgetheilten Ereigniffe nicht von den Mitgliedern der Familie Franks die alsball» nach Berlin überzusiedeln gedenkt, verbürgt worden wären, würden wir diese Vorkomniffe kaum für glaublich gehalten haben, obgleich Radegast und Umgebung den Beinamen .die schwarze E« in Anhalt" sich schon längst , erworben hat. Oeftersoichllugar». Me». Derjenige, der znrrst klar und mit vollem Bewußtsein die Id« der elektrischen Kraftübertragung bereits vor einem Menschrnalter ausgesprochen hat, ist (nach einer Mitthellung de» ,N. Wiener Tagebl.") der hiesige Elektrotechnikrr Joseph Popper, ein Israelit. In «ivem im Jahre 1882 bei der hies. Akademie der Wiflenschasten mrdagelegten Dokumente schrieb er »über dir Benutzung der Raturkrästr" wörtlich Folgendes: .Die» Alle» ist aber zu bewerkstelligen, wenn der Motor, z, B. der Wasserfafljl. eine paffend ausgestellte magnet^lektrisch« Maschine bewegt; der hierdurch eutslehrnde galvanische Strom in einer An TÄegraphculeitung über Berg und Thal geleitet und am gewünschten Orte mittels einer elektromagnetischen Maschine zu mechanischer und unmittelbar zu chemischer Arbeit — also zur Elrkrolyse im Großen — verwendet wird." Dieser Satz zeigh wie deulich der jüv. Autor desselben das Problew der ckektnschn, Kraftübertragung bereits vor SS Jahr» erfaßt hatte. Wie», 1«. Echt. Agitator Abg. Mechaniker Schneider wird obermaIS^-1 schwer« Beschuldigung erhaben. Bekanntlich stand Mann an der Spitze de» nunmehr behördlich a«fge>I reaktionären Wiener Gewerbegenossenschaftstag«». Eine gr Anzahl von Kleingewerbetreibenden hat nun an die StaM Haltern eine Eingabe gerichtet, worin die Behauptung aufS. gestellt «rd. daß die GenosieaschastSgelder vielfach für metz^ oder minder abseits liegende agitatonsche Zwecke verausgabt^ wurden und ein« detaillirle Verrechnung niemals statfi» gefunden habe. Mit einet deutlich» Spitze gegen Schnett der wird in der betreffenden Einzalu hrrvorgehoden, dag ech unzulässig sei, daß Personen, welch« scheinbar e,n G.׳>verbs, tnreiben und sich ausschließlich mi« politischen Agitationen/ angeblich im Interesse der gewerblichen Genossenschaften, be» saften, ihren Lebensunterhalt an» den Mitteln der Genossen» schäften suchen und finden Trotz mehrmaliger Aufforderung habe sich Schneider bisher noch nicht veranlaßt gesehen, übe»׳ die An der Verwendung der ihm aus Genossenschaft»» vermögen zur Verfügung gestellten Geldmittel (22.000 Galden) Rechenschaft adzuieqrn und dränge sich überhaupt bei eingehender Beobachtung der Lebensweise Schneider» die Frage auf, woher dieser Mann seiuen Lebensunterhalt nehme- Krawikseteb. Wart». DaS E»tralco«sistorium erhielt von dem KriegiUf minister Abschrift der Oibrt, ivelche» der Krieg-minister mG Ministerpräsident an die Ärneralcommando'S und au die Gouverneure von Pari» und Lyon in B.trcff der jüdisches Herbstfriertage gerichtet hat: ,Met» lieber Srseral l Dt« Herbstsetertoge de« jSbftche« Lull»» solle» tn diesem Jahr« 1 vom 2. Ortober früh dl« b Oktober früh, 9. vom 11. Oktober srtth M« IS Ortoder früh. — Ich rftmtze Li« bei dies« «elegenhelt auf bi« «usfühniug brr Vorschriften met»«S Runbschrribe»« vom >0. Derembrr 1888 über de« Urlaub bet de» gesetzliche» Feiertage» Bedacht zu uehmen ll. de Areyrinet." Varia. Das hiesige WohlthätigkeitSbureau vaöffeni» licht sein Jahresbericht. V87l Personen wurde» unterstützt und zwar mit 23,000 Franc», außerdem wurden 22;000 Anweisungen auf Brod, 5800 auf Fleisch, 25,000 auf Hotz und Kohlen ausgegcben. An Mlethsentschädigungen an bttz dürftige Familien wurd» 9096 Frcs. verausgabt. Warmf Speise« wurden an die Kinder der jüdischen Schule veraw abreicht für 7893 FrrS^ an Kleidung für 31,412 Franc«» Zur Unterstützung armer und verwahrloster Kinder wurdiU 33,808 Frcs. veranSgabt. Die Eioaahm» belrefia sich auf 327,025 FrcS. und zwar Geschenke 153,177 FrcS.; Sam»« lung für Mozzoz 885 Frcs.: Armenbüchs« l9,027 FaS- Ertrag der Lotterie 24,254 FrrS. Die TuSaaben betrug«» 309,512 Franc-.— Die BerwaltungSkosten betrüge« 30,009 Frcs. also ei« Zehntel der Einnahmen, war Ba> anlaffuna zu verschiedenen tadelnden Bemerkungen gab. DaA- Geld der Armen gehört nur den Armen. אשרי משכיל «ל דר Veste. Dank der Anregung des Obara bbmaS gadak Kahn ist die Anwendung da portegiefische» Aussprache, uirgeadS i» de» hiesig«« GottrSbüuferu «wetpemet »urbL in da Etzaagoge rne de la Vrrtoerr abgqchafft ward«.- Gelegentlich da Erueummg Drryfuß zu« Oberrabbin« von Paris Mau die .Archive»' die Brügäuga i» Amte m|i~ Michel «iawau» 1809—1829, Ennery Mmchaud 1830•; bi« 184«, More Lazare 1847—1888, «ab» Zadoe 1» bis 1889. Mit Ausnahme SeligmauuS sind sämmlsiche Oberrabbinern von Frankreich vorgerückt. AnSgeuomm nottte Det Kfqaagcr Mh WaVkN fmmknu« URcn901M(: einschltetzlich DrchfnL «Plffa. fladite. Hle»-H«rü. Dir Vertrauensmänner da Baron Hirf Stiftung haben die erste ihra Lolonien in Eape Ma^ Lounty im Staate R,»-Jersey eiugaichtet. Sie Wvodbiae gruauut und bestecht an»