Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 39 (24.9.1891)
- Date
- 1891-09-24
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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tauft, ftBtx Rechft nntz Priviftgten mufci Mette«, wüche nach. r-ftMg stet nützlich stütz, sm Me Calonisationlzwecke zn erreichen. Asch solle» kommerrftlft, landmirthschastltche sstz »stete Nieterk^unges in irgend welches Zentteries oder erworbenen Lastereies (mit Ausnahme von Europa) eröffnet wertes, «s Lastereies urbar .1waches. CI wir» ferner Me Errichtung usd Usterstiitzssg von gemeinsützigen Einrichtungen, wie vagen, Straßen, Tramwayl. Etsenbahneu Brücken. WastertaiSlen, Stapelplatzes. Fortifieationen, Telegraphen, Telephonen, Mühlen, Faktoreien» Synagogen und anderen Sattel- Hassern, Büters, «rholmiglplittze» und anderes Einrichtusgen öfsentltches ober privates Charakters, welche für dal materielle und morali» sche Gedeihes der Lolonie für vortheilhaft erachtet »erden, in Aulficht genmswcn, ferner die Schaffung von Institutionen, Clubl. und Geftäschafte» »um Vesten der Colonisten, zur Befriedigung ihrer religiösen . sanitären und eriiehlichen Bedürfnisse, zur Beschaffung von Geldmitteln für dieselben. In »7 l e n Theilen der Veit sollen Zweigniederlassungen gegründet, in den verschiedenen Theilen von Europa, Asien rc. Aulwanterunglagenturen errichtet, besondere Schiffe für den Tranlport von Colonisten erworben und mit allem Nothwendigen zur Erfttchftrung der Aulwanterung eingerichtet werben. Sie Gelder der Gesellschaft find in englischen, französischen, belgischeu, holländischen, deutschen und amerikanischen Staatspapftren anzu- 1****l. Sie Haftpflicht der Mitglieder der Gesellschaft ist eine beschrünkte i. Dal Aktienkapital beträgt 2 Millionen Pfund Sterling und iit in!0,« 00 Aktien zu je 100 Pfund etngethellt. 6. Die Einnahmen usd dal vermögen der Geftllschast soll aulschließlich zur Erretchuag del Zweckel der Gesellschaft verwendet und den Aettonörrn keine Dividende oder sonstige Antheile heraulgezahlt werden. 7. Bei Auflösung der Geftllschast ist dal vermögen nicht unter die Mitglieder zu »ertheilen, sondern einem ähnlichen jüdischen Zwecke tuznwenden. Der Gesellschaftsvertrag ist unterschrieben von Baron Maurice de Hirsch, Lord Rothschild, Julian Goldschmid, Ernrst Josef Cassel, F. C. Mocatta, S. H. «oldschmidt (Pari-) und Benjamin Louis Cohen. Au dem Plane bemerken die ,Times״: »El handelt sich in jeder Beziehung um ein riesenhastel Untersehnten. Einige eminent praktische Geschäftsleute haben ihre Billigung aulaesprochea. Dennoch kann »an eingft Besorg«iß nicht unterdrücken. El muß sich erst zeigen, ob Me russischen Indes sich zu Anlwnud-rern und besoaderl nach einem neuen und unentwickelten Laste eignen. Arnold White hat all Ergebniß seiner Untersuchungen gefunden, daß viele russische Jute« gute Lasdwtrthe find, aber alle guten Lastzttirthe machen noch nicht gute Colonisten, und Me land» «Mrthschaftkichen Talente der russischen sind doch immerhin noch nicht über alle gweiftl erhaben. Auch können sich leicht Schwierigkeiten mit den Negierungen und de« Völkern, wohin die kompakten Massen der «nwasderer gebracht «erden solle», erheben. Ebenso scheint e! nicht ustnöglich zu sein, daß Me Regierung des Zarl sich weigern wird, Me Leste ziehen zu lassen, wie Pharao!) MagRußland auch dftJuden noch sosehr verabscheue», so kösnte el doch kaum gleichgültig zuschasen, wenn zahlreiche seiner Unterthanes sich seiner Flagge entziehen. Selbst Me Inten find gutes Kaaotftnfutftr in Srteolzeiten und Steuerzahler in FriedenIzeiten. El ist ferner zweifelhaft, inwieweit eine In solchem Maßstabe unternommene Aulwan de rung wirklich dal Lol der Mehrheit der Jude« lindern würde. Lieft möge« ihre Lage verbessern, Me grvße Masse der Bevölkerung aber würde verarmen durch den Verlust der Blüthe ihrer Naee. Endlich liegen Me Gefahren vor, welche alle ln großem Maßstabe unternommenen Operationen in sich berge». Gerate ihrer Größe setzt sie unendlich vieftm Risiko aul. El ist bah« ftdensalll Me äußerste Vorsicht nöthig." Jeder Besonnene wird diese Bemerkungen der .Times״ nicht »»beherzigt lassen; in keinem Falle dürfte man mit der Lmigration provokatorisch Vorgehen. 8p. Witgdeßnra, den 20. September (Or^Eorr.) Ls ist nach meiner Ansicht ein durchaus unhaltbarer Standpunkt, tat viele jüdische Eitcrn einnehmen, indem sie ihre Kinder «ksttnglich am chrisüichen Religionsunterricht b». am biblischen Geschichtsunterricht theilnehmen lassen. Ja, sie äußern sogar Hre Freude darüber, wenn die Kinder mit Erfolg diesen nw " ' ' ־“.!erricht besuchen. Natürlich haben die Eltern keine Ahnung vos de» U _ von. dem Seelenleben der Kinder. Denn einmal ist der erste biblische Geschichtsunterricht christlich gefärbt dogmatisch eingeschränkt und zweitens ist die Seele der Kinder dem welchen Wachse gleich und äußerst empfänglich-' für die erste» Eindrücke. Jnbyug auf diesen G«eusta», fand ich i« hiesige» städtischen Archiv folgende Schriftstück^»', die für weitere Kreise Interesse haben dürsten. Dte Königs, liche Regierung zuMagdeburg wandte sich unter« 2V.Mai18LS! an den Oberbürgermeister Franke, sich gutachtlich zu äußer»;, sd. 1 .ob Me Gegenwart jüdischer Kister beim christlichen- Religionsunterricht nicht Störunge» verursacht, da manche! g RötPge um derselbe« »Illen wohl vom Lehrer verschwiegen werden muß, ad 2, ob sie den Ka lechilmul und den christlichen Glasten,- mit aulwendig lernen und hersagen * Consistorialrath Zerenner, dem diese Anfrage» zur Beantwortung vorgelegt wurden, entledigte sich seiner Ausgab^. indem er unterm 2. August 1830 folgender schreibt: V sd. 1. ,Daß Me Gegenwart der israelitischen Kister bei dem-' Rellgionlunterricht der öffentlichen christlichen Schulen dsrchanS' keine Störung verursach«. Kein tlrael. Kind ist verpflichtet, dem christlichen Religionsunterricht betzuwohnen; allein, mn Me Elften diel «ollen, ivtrd angenommen, daß sie el wünschen, baß ihre Kinder Me christliche Religion kennen lernen nntz. - eben delhalb wird vos den Lehrern in ihrem Unterricht nicht!! verschwiegen und durchs ul keine Rücksicht auf Me tlrael Kinder ׳ genmnmen. Diel zu hintern, halte ich mich nicht für befugte da mehrere itraelitische Eltern ihre Kister taufen zn lasen׳ «illenl sein können, wft Mel auch schon mehrfach geschehen ist/ sd. >. Wo Me tlrael. Kister auch in den ReltKonminNbeNO nach de» auldrücklichen Villen ihrer Eltern gegenwärtig sind, wird von ihnen dal Auswendiglernen del Katechismus MS: christlichen Glaube,1 und der ckütftlichen Lftserverft dennoch nicht gefordert, wen« nicht, wal öfter vorgekommen ist. Ms Eltern auch diel auldrücklich wünsche», vir haben in u,seren Schulen österl ilraelittsche Kinder gehabt, von denen ich «st MeL... S.. . vorführen will, welche fast alle christlich« Kinder in Reltgioalkenntnissen und an Fleiß un» Eifer in tes Reiigtoulftunden übertrossen Meiner Aasicht nach kann el nicht:- in unserem Interesse liege», ein änderet all dal bisher beobachtete׳ Verfahren in dieser Hinstcht eintreftn zn lassen Diese beide« Schriftstücke sprechen eine verständliche Sprach«; wer die nöthige Einsicht hat, wird die sich daraus ergebenden Schlußfolgerung in der Praxis verwerthe«. Die - Königliche Regierung erkennt einen Zwiespalt an, wen» jüdische Kinder am christlichen RelegionSunterricht theil» nehmen, während das Lonsistorium leinen eigentlichen Anne» spalt in dem Umstande erblickt, denn «S geschehe dies doch ans - Wunsch der Eltern, die ja ihre Sinder ta ufe n zu lasse» willensein kä nuten. Merk». Die .Kreuzzeitung", die, wie alle antisemitischen Blätter, an der Manie leidet, hinter jedem Ding,׳: das ihr nicht gefällt, den schuldigen.Juden" zu suche», ' hatte auch den abfälligen Beschluß des JuristentaaeS - 2־. über das Trunksuchtsgesetz zum Teil auf de« Mnfiuß^^ jüdischer Redner zurückgeführt. Im Anschluß an diese« SR*» ' \ nüver der . Kreuz zeitung" empfängt die .Nattonal-Zeitung" aus Mainz folgend« Zuschrift: von sämmtlichen Rednern, Me gegen Me Bestrafung spracht» gehören nur zwei der ilraelttischen Konfession an; hingegen ist der Unterzeichnete, welcher sowohltzalGutachten zu Gsnften der dal Mort ergriffen hat, tlraeltttscher Konf esston>"*^aß es unter de« der Geburt nach dem Judentum angehörtgen Personen gerate Me entschftdeustea Befürworter einer strafrechtlichen Verfolgung der TrsnftM«. - heitgftbt, zeigt vor allem dft Thatsache, daß der Geheime Sauitätl» . rat Bär in Berlin, dessen Buch über den Alkoholilm ul den Anlaß . zu der ganze« Bewegung gegeben hat, metnel vissenl eben f«NI *■ Jude ist. Dr. Fuld, Rechtsanwalt ES wäre nicht übel gewesen, wenn Herr Dr. Fuld die .Kreuzzeituua" noch daran erinnert hätte, daß einst der Antisemitenhäuptung Dr. Henrici den Jude» vorgeworsen hcch daß sie — zu wenig tränken. — Daß an den.Lohengrin-Lrawallen" in Paris auch-! nur die Juden Mutt» seien, welche Mryerbeer'S Licht dutetzl den Schatten .Wagner" desto Heller hervortreteu lcssciwollten, hat das StÜcker'sche Antisentitrnblatt ebenfalls längst schon herauSgesundeu.