Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 38 (17.9.1891)
- Date
- 1891-09-17
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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M oorte. Dr. Nosin an den Sarg und Lehrerkollegium» de« Seminars ergi > sprach reisende ' ^Schweigen ttn Ab- Er knüpfte an da» Psalmwort an: .Für Dich — Lob?* und sprach demgemäß kurz, aber innig!tiefbewegt. Rabbiner Dr.Mahbau« au» Berlin sprach 'Namen der Berliner Hochschule für die Wissenschaft de» dcnthumS und gab durch künstlerischen dramatischen Bor- Da» seinen schönen Worten eine erhöhte Bedeutung. Hier- Ef spray Professor Dr. Bacher au» Budapest im Namen M Lehrkörper» der ungarischen Lande-anstalt für Heran- Rkung von Rabbinern: sein Text war da» Wort Elisa'» Mt Elia: .Mein Vater, mein Vater, J-rael» Wagen und Witbarr HcrrrSmachtl- Er erinnerte daran, wie Graetz kw»r zwei Jahrsiebende»- im Namen de» Breslauer Semi- «rS die Pester Töchterschule begrüßt habe. Hierauf trugen fci6c und frühere Schüler de» Scminar» den Sarg zum {■tote. Mt» im vorigen Jahre Rabbiner Dr. IM beerdigt Wirde, hatte die hiesige Synagogen-Gemeinde bestimmt, daß Anschließend an sein Trab eine Reihe reservirt bleiben sollte die Rabbiner au» der h'esigen Gemeinde und andere Inner, die sich um die Wissenschaft de» Judenthum» berö verdient gemacht Hütten. An dieser bevorzugten ^Stelle de» Friedhof» wurde Profesior Graetz zur Rüde gei»ta. Ehe der Sarg der Erde übergeben wurde, ries Rabner Dr. Walter dem verehrten und geliebten Lehrer ein Ine», wohlgrformtc» Abschiedswort im Namen der gegen- Hörer de» Rabbinerseminars nach. Ein Trauerral beschloß die Arier, die etwa» über eine Stunde dauerte d einen tiefen Eindruck zurückließ. 1 Arevkan, 13. September. Die heutige Nummer der ^KreSlauer Zeitungbringt bezüglich der auch von un» Shnten Mittheilungen der .BreSl. GerichtSztg.-, wonach in preußischer Richter seit ungefähr zwei Jahren an Zeitungen «d an jüdische Einwohner BreSlau's und der Provinz, vor- ^ugSweise an Geschäftsleute (zumeist unter dem Pseudonym an Meister Braschkch, Postkarten antisemitischen Inhalts ).nebst Flugblättern gleicher Tendenz versandt und dadurch i'fete Empfänger belästigt und gekränkt hat, noch folgende )frnsationelle Ergänzung: .ES sind nun — schreibt das Blatt seit der Veröffentlichung diese» unsre» Appells an die ^Vorgesetzte Behörde des schuldigen Richters zehn Tage verngen. Weder ist in dieser Zeit in der .Br. GerichtSztg.- krwch an irgend einer anderen Stelle amtlicherseit» eine Erzu Gunsten de» betteffenden Richters erfolgt. ES wie wir leider constatiren müffen, der Schluß geat, daß e» nicht möglich zu sein scheint, di« öffent- Lch erhobenen Anklagen gegen den betreffenden Herrn Amt»- richtrrS zu entkräften. Inzwischen ist un» au» der amtllchen Thätigleit de» Herrn Amtsrichters ein Faktum bejannt geworden, wrlchä e» sehr wahrscheinlich macht, daß derselbe auch anßrramtlich sehr wohl der Diuge fähig sei, ,Hie ihm, ohne daß er selbst oder seine Vorgesetzte Behörde bisher dagegen öffentlich protestirt hat, öffentlich zur Last '-grfegt wototn sind. Der Herr Amtsrichter hat nämlich, ^»te die un« im Original vorliegenden amüichen Schriftstücke ^Erzeugen, kein Bedenken getragen, einen angesehenen jüdischen »Kanfmann, den er al» Zeugen zu vernehmen hatte, mit ׳ Bezug auf desien Lonfesston auf» Schwerste zu beleidigen. Jener Zeuge war Gläubiger eine» österreichischen Kaufmanns, ' Hegen welchen di« Einleitung eines Strafverfahrenim Gange ,war. (ES mag hier vorweg bemerkt werden, daß da» Strafverfahren nach näherer Prüfung der Sache niedergeschlagen worden rst.) Der Herr Amtsrichter hatte den lmer Kaufmann (nennen wir ihn X.) u. A. darüber zu chefragen, ob sich derselbe in seiner «genschaft al» Gläubiger chterreichischen Kaufmannes A. einem gegen diesen «ur-!steten Strafverfahren anschließen wolle oder nicht. X. verdie Frage mit der B^ründuug, daß er dem A. da» Äst gel«te Vergehen nicht zutraue, da er ihn al» rechtschaffenen und braven Mar» kenne. Dem tat Scfaqa. de» Herrn Amtsrichter» Wiedemann, Märung ist also, sich doch dem Strafantrage anzuschließen, gab Herr X. gleichwohl au» dem angeführten Grunde nicht nach, worauf Herr Amtsrichter Wiedemann erklärte: »Ich werde ihnen sagen, weshalb Sie sich dem Strafantrage nicht anschließen: Sie sind jüdisch, und f). (der Beklagte) ist auch jüdisch.- Selbstverständlich beschwerte sich & über den Herrn Amtsrichter wegen dieser unerhörten, beleidigenden Unterstellung. Die Thatsache, daß er den Zeugen X. in dieser Weise haranguirt habe, mußte der Herr Amtsrichter bei seiner Vernehmung durch die Vorgesetzte Behörde zugeben. Herr X. hatte die Genugthuung, daß der Justizminister durch Bescheid vom 29. November 188V der an ihn gelangten Beschwerde Folge gab und den zuständigen OberlanoeSgerichtS-Präsidenten anwies, dem betr. Amtsrichter das Unangemeffene seiner Aeußerung vorzuhalten. Also nicht einmal im amtlichen Verkehr mit dem Amtsrichter Wiedemann war man sicher vor der Bethättgung seiner antisemitischen Gesinnung. Interessant ist jedenfalls noch die Thatsache, daß der inzwischen »ach Berlin übergesiedelte Kaufmann X. feit der Zeit, da er mit dem Herrn Amtsrichter in amtliche Berührung gekommen war, durch Zusendung von antisemitischen Schmähschriften und Flugblättern von Breslau aus belästigt wurde. Memek, 13. September. Das hiesige von Herrn Rabb. Dr. R ü l f redigirte »Memeler Dampfbootschreibt in seiner heutigen Nr. über die Auswanderung der russischen Juden und die Thätigkeit des hiesigen Eomitee's wie folgt: ,Da» Comitee zur Unterstützung und Beförderung russisch-jüdisch: r Auswanderer an unserem Orte hat bis vor kurzem mit un - geschwächten Mitteln und Kräften weiter gearbeitet und hat bis zur Stunde nahezu 70VV Personen die nöthigen Mittel »ur Auswanderung nach überseeischen Ländern durch örtliche Unterstützungen und Uebrrweisung an die auSführenden Eomitee's in Stettin und Hamburg geboten. Alle Geldmittel bezieht daS hiesige Comitee gegenwärtig vom Deutschen Lentral-Comitee zu Berlin. S:tt kurzer Zeit ist nun ein gewisser Stillstand in die Angelegenheit gek ommen. »Zurück! zurück!- heißt die Loosung. Die Hafenorte, die Auswanderungsziele sind überfüllt von Ausgewanderten, welch: von allen Punkten der russisch-preußischen und russischösterreichischen Grenze denselben zugeströmt sind und kein Unterkommen mehr finden können. Bon allen Seiten sucht man jetzt den Strom zurückzudämmen, was freilich viel leichter angeordnet als vollführt, viel leichter gesagt al» gethan ist. Die Delegirten des Deutschen Eentral-Comitre'S bereisen die Grenze, um den Unterstützung»- und Sichtung»- Comitee'» in dem überaus schwierigen W:rke d:r Zurückbeförderung beizustehen. Der H:rr Rentier S im me l au» Berlin, welcher zu diesem Zwe« hierhergekommen war, hatte unseren Ort kaum verlassen, da war auch schon ein anderer Mann, von Ehdtkuhnen kommend, hier angelangt, um sich an dem Werte zu becheiligen und dem hiesigen Comitee die Richtung und Ordnung anzugeben, wonach gegenwärtig verfahren werden müffe. Herr Rabbiner Bla-ch aus Jarotschin weilt nun schon seit Dienstag Abend an unserem Orte und hat in Gemeinschaft mit dem hiesigen Eomitee sein Möglichstes gethan, um die hillfesuchendca Auswanderer mit Gnvähruug angemeffener Unterstützung zur Rückkehr zu bewegen. Mit größter Geduld, Mllde und Beredtsamkeit sucht er einen Irden zu überzeugen, daß die Rückkehr zur russischen Heimach vorläufig für ahn das beste sei, daß, wie die Dmge gegenwärtig liegen, der Auswanderer nur in'» Verderben, renne, da er nirgend» Beschäftigung, Unterstützung und dauernden Aufenthalt finden werde; an e» auch, I den allermeisten Fällen gelingt den Auswanderer zu Eiftr gleich den Anderen erfüllen, ist selbstverständlich: aber nicht so hänfig dürste e» Vorkommen, daß sie in dieser Stellung durch ganz besonder» hervorragend« Leistungen die Achtung