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Israelitische Wochenschrift · 1891-09-17 · 38 (17.9.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
38 (17.9.1891)
Date
1891-09-17
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Wir fügen dem Obigen noch Zbtzen noch fotzende in der ,Saale- Zestung" befindliche Mitthellung aus Berlin hinzu: .Einer Anregung dä Bankiers S. von Bleichröder Fotze gebend, hat der Reichskanzler das Auswärtige Amt angewicseu. aus diplomatischem Witze bei der brasilianischrn Regierung die in großem Maßgabe geplante Ein- Wanderung russischer Israeliten zu befürworten. Dem kaiserlichen Gesandten in Rio sind in diesem Sinne bereit- Instruktionen erlheilt worden. Auch weilt dort seit etwa acht Tagen ein Delegirter des jüdischen Centralkomitees, das die Leitung dieser Ansiedelung in die Hand genommen hat." — <Diese Nachricht erscheint doch sehr fragwürdig.) Merkte», 10. Septbr. (Or.-Corr.) Ein wahrer Jammer ist es, daß in der Frage der Ein- und Auswanderung der russ. Juden in den führenden Kreisen noch immer keine volle Ein- «nüthigkeit herrscht. Saß noch kein zielbewußteS Programm vorliegt, daß in jüdischen Blättern Unberufene das große Wort fttitn mit einer oft an'S Unglaubliche grenzenden Untenutniß. Ich will nur ein Beispiel anführen: Die .Allgem. Zig. d. Judmthums" beantwortet die Frage betreffs der Kolonisation Palästina's ,nach dem Urtheil der tompetrntestenSachkenner"mit einem entschiedenen .Nein" und giebt in einer ihrer letzten Nummern (36) einem dieser ,kompetenten Sachkenner" einem fleißigen Mitarbeiter derselben, Bernhard Traubenberg. (ich glaube, derselbe ist hier Lehrer an einer Borstadtschule), das Wort u» diesem Thema. Die hohe Autorität uud Kompetenz des Hrrrn Traubenberg in dieser Angelegenheit kann wohl nicht angezweifelt werden, und er tritt denn auch mit einer Entfchiedenheil und einem Selbstbewußtseia auf, welches im gttllsten Kontraste zu der Unkenntniß steht, mit welcher er, wie ich im Folgenden beweisen werde, seine Aufgabe zu erledigen sucht. Zum ersten meint Herr Tr, sei seit 2060 Jahren der Boden Palästina's nach dem Urthell ,aller geographischen Schriftsteller" zu verwlldeit und verübet, um fruchtbar sein zu können. Nuu. wir wollen ihm einige geographische - Schriftsteller nennen, bei denen man genau das Gegenthell lesen kann: Ritter XVI S. 32, 124 und SSI.Raumer: Palästina S. 46. PH. Wolfs S. SS. Lynch: Americ. «zped. fol. 96, 245, 250. Robinson phys. Geogr. fol. 73 Palästina 164, 208, 388. Stangen: Syrien uud listina. Dies« mögen einstweilen genügen, sonst stehen ^Mch mehr zu Diensten. Was nun die 2000 Jahre der ^ABerödung aubetrifft, so war noch bis ums Jahr 1100 nach kr. Palästina eines der fruchtbarsten Länder und wurde st durch die Kreuzfahrer und besonders di« Mongolen und " owaresmier der Verwüstung anheimgegebeu. Da« sind "San nicht 2000, sondern vielleicht nur etwa 800 Jahre: '^tber wenn man die Weltzeschichte nicht kennt, so lasten sich eben sehr leicht apodiktische Bchauptungen aufstellen. Der i-Megenmangel, den Herr Traubenberg so geschickt hervorzu- -' Heven weiß, ist für ein Land, das Tranben als Hauptprodukt >sms den Weltmarkt bringt, geradezu eine Wohlthat zu nennen, 'ha er vor Reblaus und Melthau schützt. Rtzrnmang.l ist Fjafc« noch keineswegs identisch mit Wassermangel. Anoerersctz» ist Palästina dasjenige Land, von dem der in diesen Dinge» wirklich sebr ,kompetente" Kgl. Oekonomierach Classen in Ansbach schreibt, indem er Dr. Oskar FraaS' .Aus dem Orient cittrt, daß der Boden Palästina'- für die Bttväfferung nein empfänglich und dankbar, und daß der Jordan, rr dem tobten Meere innerhalb 24 Stunden 6 Mill. Tonnen (4 1000 Liter) Waffer, d. h. per Stunde 70 Cubikmrler zuführt, sebr wasterreich ist. Es wäre auch sehr! interessant, wenn daffelbe Land, das im Alterthum so unfruchtbar war und viele Millionen Menschen erjetzt mit Hilfe der modernen Technik, nicht wenigstens Theil der früheren Bewohnerzahl tragen sollte." DaS zweite Moment, das Herr T. inS Feld führt, ist dem »rnnde ungleich wichtiger, well es ans ideellem lstgt. und ich«, mit Geschichte beschäftigt hat, kennt die Macht der Nee ackf^ ' w Bälkerb« dem Gebiete der D»ß irr Zu, w« Hey«»» nach PalckKin» sich«, kann denn ־־ aber dieser Zug aus 6c| »ich« will habe», oder »ich« Herr T. schreibt: de» russisch«« Giauh,»>ge»»sse» lungtzwels« zuaegebrn werden Beruht , ren Senntnissen, di« st« »a« Lande lelinehr aus »ntlaren Phantasie» und »chldeutende» prophetischen Beidsaguagcu, denen «an in Zeiten der Bedrückung «tu« Bedeutung und Beziehung juur Jetztzeit beilegt?" Die Leiter der russisch-jüdischen ZionSbewegung sind die Herren Prof, der Mäthtzl. Schapira aus Wllna. Ingenieur Tumkin aus Elisabethgrad, Dr. PinSker in Odessa und Dr. Mandelstamm in Kiew, die sicher das Land und die Berhältniste etwas bester kennen, als Herr T., wobei zu de» achten ist, daß Tumkin seit mehr als einem Jahre in Jaffa selbst wohnt. Was die beiden zuletzt genannten Glaubensgenossen anbetrifft, so werden diese ,religiös״ sehr freisinnigen Herren nicht altzusthr sich durch prophetische Weissagungen haben leiten lasten. Wenn aber im Folgenden der Zuzug russischer Juden nach Palästina einztz von Herrn T. aus dem Umstande erklärt werden soll, daß die im Süden Rußlands wohnende« Juden nach dott billiger fahren könnten, so zeugt das wiederum von völltzer Unkenntniß der Sache. Gerade im Norde« Rußlands ist jetzt die Bewegung am stärksten. Wilna, Kowno, Minsk u. s. w. nennen sich die Genossenschaften, die sich jetzt zuletzt in Kanaan Boden gekauft haben, und es sind kaum 2 Wochen, daß ein in Berlin ansässiger Herr in Palästtna für eine ,Moskauer" Genossenschaft eine «nehrere tausend Hektar große Fläche Landes angekauft hat. Drittenaber ist nach Herrn T. der .Türke" intolerant, wie dies ja Marokko und Persien beweist». Freilich^ wenn man J-lam und Türkei, wenn man Nation und Religion verwechselt, und die Berbern in Marokko und die indogermanischen Perser nicht unter scheiden kann, sind auch die Türken intolerant, dieselben Türken, die vor gerade 400 Jahren unseren Bätern gastlich ihre Thorr öffneten, während “־ ־־־‘*"'י' ׳ ~ יי‘’'"' ״ ״ nannten. Wenn schließlich Herr T. Palästina für zu klein hält, so ist eS ja keinem eingefallen, alle russischen Juden dorthin auSwandern zu lasten, sondern nur so viele, als Raum und Berhältniste gestatten. UebrigenS ist Palästina nicht kleiner als Belgien, welches 7 Millionen Menschen ernährt, während in Palästina kaum '/, dieser Zahl augenblicklich wohnt, und dann nennen sich di« Kolonisation-Vereine stet- .Vereine für dst Kolonisation in Syrien und Palästina", ohne dabei Länder wie LYpern und Mesopotamien auSschliehen zu wolle«. Man sieht aus dem Ganzen, wie oberflächlich in dieser für Millionen wichtigen Lebensfrage gearbeitet und geurthellt wird. Ein Zion-freund. R. Mresk««, 10. Septbr. Unter überaus großer Thellnähme fand heute Bormittag 10'/, Uhr die Beerdig«»- des Professor vr. Sraetz von der Leichenhalle des hiesige» Friedhofes aus statt. Dst weste, mit erotischen Blattpfluuze« und mit Blumen-Arrangemeutreich dtzorirte Halle konnte di« große Zahl der zur Trauerfeierlichkeit Erschstnene« kam» fasten. LS hatten sich eingefunde« dst Lehrer und Hörer des Fränkel 'schen Rabbiner-Seminars» das Curatoriu« dststr Anstalt, der Rektor und mehrere Professoren uud Dozente« der hiesigen Universität, Borstand uud Repräsentanten der Syntzogen-Gemeinde, sowst Deputirte vieler Wohlthätigkeitsanstalten, fast sämmtliche Rabbiner der schlesische« Gemeinden, uud eine große Zahl von Seelsorgern israelitischer Gemeinde« außerhalb Schlesiens. Auch aus der Ferne waren vstle ehemalige Schüler und Freunde herbeigeeilt und umstand«^ zum Thell im Ornat, dst Bahre des großen Meisters. Nachdem ein ELngerchor unter Leitung des Obereantors Deutsch eine« Trauergesang iutonirt hatte, hielt der Gemeinde-Ra bbiner Dr.K osenthaldst eigentliche TrauerrÄe. Er gab daritt^ eine Darstellung derchsraefMe« uns

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