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Israelitische Wochenschrift · 1891-09-17 · 38 (17.9.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
38 (17.9.1891)
Date
1891-09-17
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Selbstverständlich Tann zum Beginn die Zahl der LuSwandernden keine große sein, denn e» handelt sich nicht bloS darum, für die Ersten, welche fortgehen. Zufluchtsstätten zu finden, e» handelt sich auch darum, für Diejenigen, welche Nachkommen, die nothweadigen Vorbereitungen für die Ansiedelung zu trefft». Später kann die Emigration eine, größere Ausdehnung gewinnen. Bedenket, daß ich nichts für Such leisten kann, ohne die wohlwollende und gnädige Unterstützung der Kaiserlich Russischen Regierung Zum Schlüsse rufe ich Luch zu: Ihr seid die Erben Eurer Bäter. die seit Jahrhunderten so viel geduldrlt haben. Traget diese Erbschaft noch eine Weile mH der glrichen Ergebung! Habet also weiter Geduld und lastet denjenigen, die Euch helfen wollen, die Möglichkeit, dies zu thun! Ick, richte an Euch diese Worte der Mahnung »nd der Ermunterung in meinem eigenen Namen und im «amen von Tausenden Eurer Glaubensbrüder. Nehmt sie auf in Euer Herz und in Euren Verstand l Der gütige Gott möge Euch helfen und mir. sowie den Bielen, welche mit so großer Aufopserung Mitwirken, seinen Beistand verleihen, daß Such geholfen werde! Paris, September 1891. M. v. Hirsch.' . (Arhsliche» hat der groß« Trostprophet Jesaja» de» »»geduldigen Exulanten iu Babylonien zngerufea: □י לא בחפזון ועאו ובמנוסה לא תיכון .Den» nicht in überstürzender Eile sollt ihr anSzieheu, und nicht in Flucht von dauue« gehen!* Mögen die Mahuwort« gehört und da» groß« Re1tuug«werk wie damal» auch jetzt unter Gotte» Beistand und de« Schutze der Mächtigen zum Heile Israel» ge« lingen« אכי״ר. Red.) PSd«,»zische «riefe.*) von V. MSnIgSberger-Aattomi-. IV. Das verhtltntß »au Haus zur Schule. In einem erhebenden Ausspruch« unserer Weisen finden wir die Beziehung der beiden wichtigste« Faktoren bn Jugend» erziehung vereinet. »Wer ein Kind lehrt, uimmt für da», selb« dir Stxlle eine» B a t« r » cm.* E» ist eben schon nach altjüdischer Auffafluug di« Lebensstellung eine» Menschen nicht durch den GeburtSadel, nicht durch Reuhthum, sondern durch Wißen und Bildung bedingt, und solange der jüdische Vater seinem Kind« nicht ausreichenden Unterricht zu Theil werden läßt, hat er weder für seinen Lebensunterhalt, noch für sein eigentliche» Leben gesorgt. Welche Bedeutung ist da de» Schriftworte: Und ihr sollt lehren eure Kinder u. s. w. beigelegt! — Aber, wie der Talmud selbst erzählt, wuchs gar manche» Kind, so e» keinen Vater halte, ohne jeden Unterricht auf und um diesem Uebelftand« abzuhelsen. wurden in Jerusalem Kiodrrschulen errichtet. Doch nur derjenige Knabe besuchte dieselben, den sein Vater zum Schulbesuch anhielt; da» vaterlose Kind wuchs weiterhin ohne Unterricht auf. Die Schulen waren nicht allen Land«»- lindern erreichbar. So erwarb sich denn R. Josua ben *) 2» St. 96 6. 280 fink Spall« Zeile 20 0. 0. lies «nt» rathe» ft. «!trete«. Gamla da» rühmliche Berd ienst und führ« in alle» Schulen nnd de» «st in nrnerrr Zeit wieder in Gebrauch - gekommene» Schulzwang ei»! —So erzählt derTalmnv -i (Baba Bachra 2 l»). 1 Doch wozu, lieber Leser, in di« Jahre der Vergangen» heit zurückgveifen? Wir lebe» in der Gegenwart! Dieft wolle« wir schildern nud prüfen. Wa» sehen wir da? Mit allen Mitteln theoretischer und praktischer ErzirhungSkunst auSgeftattet. zieht de, Lehrer in sein dornenvolle» Amt ein, und anch der nicht al» Schul« mann geboren« Rabbiner sucht sich den würdevollen, wen« ׳ nicht liebevolle« Ernst zu eigen zu machen, den er al» Er» fordern!» für einen erfolgreichen Uiitrrrichi erkannt hat. Doch der jüdische ,Privat*-Unterricht erfordert weit mehr, stellt weit ander« Ansprüche an den Lehrer, al» der .gesetzlich ge» schütz«* in den öffentlichen Volk«- und höheren Schnlea. Warum? so fragst Du, lieber Leser. Nun, weil man sich batan gewöhnt hat, dem jüdichen Religionsunterricht,' der keiner staatlichen Aussicht untrrstellt ist, den keine behördliche DiSciplin regelt, über dre Achsel zu sehen, ihn nur al» pietüt»» volles Beiwert zur Ausbildung denun einmal jüdischen Kinde» zu betrach«». Da» hat die allgemeine Zeitströmang mit sich gebracht, die im erwachenden Bewußtsein von der Freiheit de» Menschen, sich dem gefährlichen JuVifferrutiSmn» hmgiebt, der da» bisherige Anschauung-Vermögen mit seiner ganzen versittlicheaden Kraft ertödtet. Wa» rst doch schon über diesen leidigen JndifferentiSmu» «schrieben und gesprochen worden. Wohl gründet man aller Orten mft Aufwand von Zeit und Geld Vereine, um die politische Gleichgültigkeit zu bannen, da» Selbstbewußtsein de» einzelne« Staatsbürger» für sein« Rech« (und Pflichten) zu wecken: für die Weckung de» religiösen Leben» bricht kaum Einer der Große» seine »goldene Lanze*. Und darum ihr Herren Eollegen ist «S unsere heiligste Pflicht, so sie un» auch nicht ausdrücklich al» Recht zugesprochen wird, mit aller Strenge und allem Ernste darüber zu wachen, daß der jüdische ReligionSuaterricht je eher, je lieber wwder zu seinem alten Glanze, i. e. zu seine« alten Einflust« gelange. Dabei ist e» aber gar nicht vonnöthen, daß der zwei, bi» vierstündige Religion«nntrrruht <t« Gymnasium »verstaatlicht* werde; da» hat stet» ftine bedenklichen, zum Mindesten zweifelhaften Folgen. Und der Erfolg dürfte die Mühe kaum aufwiegen. Kaum eine Seele JSrael» dürste durch diese» Minimum von Unterricht gerettet werden. — Wohl aoer sol.tr mft dem allergrößten, intensivste« Nachdrucke da« Elternhaus auf seine Verantwortlichkeit für b* Erziehung der Kinder hingewiesen und namentlich vor einer falsch«! Auffassung der Pflichten bewahrt werde«. Folgende» Erlebniß diene zur Illustration dieser Haupt» fordernng: Während der großen Ferien ward mir von einer Dame; welche der Berliner Resormaemeinde angehötte, ei» Nachhilf», unterricht in den Gymnasialfächern bei deren etwa l ö jähngem . Schn« übertragen. Ich übernahm denselben gern, weil ich auf den angesetzten, häufigen Ausflügen Selegenheft zu finden . hoff«, mft meinem Schüler vertraut zu werden und vielleicht einigen Einfluß auf fern Empfindungölebeu zu üben. Alle» überlras meine Erwartungen, denn im sah bald ein, daß ich, de» Knaben Vertrauter gewochen. Auch e r hatte bald au» mir herausgebracht, daß ich zur Zeit meinen rabbinische« Studien oblag und gestand, daß er mir dankbar sein würde, wenn ich den ReligwnSunterricht» den chm seine Mutter angedeih«« zu laffen gedenke, (eiten wollte. Jchwilligtr mitFreude» ein, hatte ich doch längst erkannt, daß ich in meinem Schüler nicht nur einen naiven, empfindung-vollen, sondern auch geweckten, zie>.rlich reift» Geist und Sum weiterzubilden hatte. Auch die Mutter schien mft, namentlich hinsichtlich der Be» urtheilung der Erfolge, ein aufmerksame», richtig sehende» Auge zu haben, wie man e» in vornehmen (jüdischen) Häuser« ftften antrifft. Der Unterricht ward begonnen, nachdem mft dft Mutter de» Knaben ihre Freude über meine Fähigkeit ־ jj

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