Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 37 (10.9.1891)
- Date
- 1891-09-10
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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fiimwbrgobtcT und scchknndiger Lautorr, «ufweisen können, für wclche d«r hervorraaendsie Lantor des Laude». Prcheffor Mrritz Friedman,, nur» Beawtenverem und ein Beamten« argon im Jahre 1882 gegründet Kalle. A» der Spitze deidrr Pond drr in Wcrken dir Humanität und. der Standesehre »nuwfifclid,« Oturkaolor drr Prsler Religions-Gemeiude. der, seit längrrrr Zcit kränklich. nunmehr durch dcu Tod vo» feinen Le,de, erlöst ist. Oberkantor Prof. Frirdmann u»r ein Meister de» Sange« und drr Tondichtung, ein hervorragender «esanglehrer dr» Radbin» rstmiuars, ein gewiegter Lrvnlr drr heiligen Sprocke, begeistert für da» Ideal drr Religion, dc» Baterlonte« und der Menschenliebe. — Wer jemals in dem großen Tempel in der Tobakgosse zu Pest Eirsrn ist, wird die grtvaltig« Stimme und die herrliehe scheinvvg dr» srl. Obrrlai.tor» Frirdmann nicht vergessen, drr würdevoll, wie stin srl. Lehrer Prof. Sulzer, nur« hohe, Priester gleich feine« heiligen Amte» waltete. Aber auch i« gesellschaftlichen Leben war er durch die Reinheit {eine» Eharaktrr», die Hochherzigkeit seine» Wirken«, durch eine geistreiche und nicht selten mit glänzendem Humor au»- Sstattete Unterhaltung nicht nur in feiner Gemeinde, sondern dcn weilesiru Kreisen seinrr StandrSgenofien beliebt ünd hochgeehrt. Er war der Schwager de» berühmten Eomponisten Goldmark und sein Berlust wird in Familie, Stadt und lkatrrlavd tief und aufrichtig beklagt. GeoObrita»«1e». Lau bau. Folgende» ist der Auszug au» dem Briese eine» Correspondenten der,Lall RaU Saaetta*, welcher stch augenblicklich in Rußland oufhält und an dessen Glaub- Würdigkeit nicht gezweiselt werden kann: ,11 ist »»ch nicht allgemein bekannt, d»b »er Prinz von Sale», »nchdkm er die russische Jaden frage gründlich stndtrl hatte, in solchem Grade »nd in solcher Weise zu Gunsten der Inden sein Jntrresse bekündet hat, daß Tr. Sönigl. Hoheit hierfür der Dank aller Juden Enroha'1 nnd Amerika'» iu rrichstrm Maste gebührt. .2* ist »usterst schmierig, dieser Frag« in irgend welcher Weis« »«her zu trrte», denn di« Empfindlichkeit Stnstland», wo et feine internen Angelegenheiten betrifft, ist sehr leicht gereizt. E» war daher de« Wrinze» nicht möglich, zur Milderung der traurigen Lage drr rufststhen Juden direkte Rastregeln zu ergreifen. Indirekt aber und in einer Weis«, welche auch in den reaktionörstrn Veamlenkrrisen keinen Anstoß erregen konnte, hat der Prinz von Wale» wesentlich zur Körbe» rnug der Mastnahmen beigetragen, welche man heute zur Linderung der Roth drr arme« und anglücklirhen jüdischen Bevölkerung Anstland« in Anwendung bringt. Ich erfahrr au« glaubwürdiger Quelle, dast hei «ehr al« einer Stelegen heit der Prinz mit Herrn Arnold Sihte dt« ganz« Frage eingehend besprochen hat, wa» u. A. auch zur Folg« hatte, dast die Prinzessin von Wale», welche in dieser Angelegenheit mit dem Prinzen Hand in Hand gehr, Herrn White mit Briese» au den ruffische» Hof versah, welche zur Lösung drr obwaltenden Schwierigleiten sehr wesentitch beitrugen. .Die Stellungnahme be» Prinzen von Wale« in dieser Logelegen heit» fährt der Correspondent fort, »oerräth eine» nicht gewöhnkicheu Arad von »rostmnch. denn in einer früher erschienene» Schrift ״Irin «t Tmth* wurde er von Herrn White heftig und in ungerrchtrr Weis« angegriffen. Hätte der Prinz nun gehandelt, wie die «eisten Menschen unter derartigen Umständen gehandelt habe» würden, so würde er fich ganz bestimmt ferngrhalten haben, den verfolgt«» Jude» durch Bermittelung einer Persönlichkeit, zu welcher er fich au« gute» Gründen uicht htngezogen fühlen konnte, seine Hilfe angedeihen zu taffen. Ich halt« e» aber für geziemend, dast die Inden erfahren, »er derjrnig« ist, der ihnen sa thatkräftig betgestanden und da» in einer Weist, «eiche Grohmnch und Herzen«adel nicht verkennen läßt" KaOa. (Wieder die Kabel vom ״rituellen" Mord!) In der LreiSstadt Wratzü. in welcher etwa 200 Jude« wohnen, kam am 17. Juni d. I. ein sechsjähriges taubstumme» bul- «rische» Mädchen abhanden, nachdem e» Morgen» da« «tternhau», welche» weit entfernt vom Judenviertel liegt, verlosten hatte. Da die polizeiliche« Nachforschungen nicht zur Auffindung de» Linde» führten, so sprengten einige bäüvWge Lenste, an dem» DMHt. stch der Pope da» Gerückt an», di« Inden hätten da» Mädchen gefti , mb ermoRMt, um besten Blut zu rituelle« Zwecke« zu gebrauche«. E» ist natürlich, daß daraufhin in dem Städtchen׳ eine große Aufregung entstand «nd die Inden bedroht wurden.' Dank de« Einschreiten der Regierung, welche ihre Orga anwie», die Ordnung aufrecht zu erhalte» und sofort Untersuchung emznleiten. wurde da» Volt beruhigt, obschon die Juden eine strenge Durchsuchung ihre» Tempeln ihrer Häuser und Läden erdulden mußte«, so kamen ' ___ diesmal doch mit dem Schrecken davon. Am vorigen Sonnabend wurde «nu unwert Wratza am Balkangebirge das seit zwei Monate» vermißte Mädchen tobt ausgefunden; die'! Kente stellten fest, daß dasselbe erst vor einigen Tagen ge-/ starben sein konnte und daß die an dem Halse befindliche» Schnitte erst nach dem Tode dem Körper beigebracht seien. Trotzdem wurde bie alte Geschichte vom ״rituellen" Mordewieder anfgetisch», und circa 2000 Personen begaben sich. in» Judenviertel und bedrohten die dort wohnenden SO Jude»« familien, indem sie ihnen ohne Weitere« die Fenster einschlngen.^ Die Juden wandten sich im ersten Schrecken telegraphisch an den bulgarischen Großrabbiner Dr. Daakowitz in Sofia..,- welcher bei der Regierung die geeignete» Schritte that, worauf der augenblickliche Leiter de» Ministeriumde» Innern. Generalsekretär Guranow, an den Präfekten nach Wratza die telegraphische Weisung ergehen ließ, mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln jede wie immer geartete Ausschveitund zu verhindern und eventuell au» dem bei Wratza befindliche» Lager militärische Hilfe zu verlangen. Diese energischen Maßregeln der Regierung haben ihre Wirkung nicht verfehlt, denn zur Zeit soll wieder Ordnung in Wratza herrsche«. EDsei hier betont, daß die dortigen antisemitischen Rädelsführer Mitglieder der Opposition sind «nd die Judenhetze nur darum inszenirten, um zugleich der Regiernng Unannehmlichkeiten zu bereiten. Zum Lobe der Regierung sei gesagt, haß dieselbe bei diesem Anlasse da» Jntvwste ihrer jüdischen Staats» augehärigen energisch wahrte und sofort jene Organe, die sich bei der Affaire als unzuverlässig erwiesen hatten, des- Dienste» enthob. E» ist gleichzeitig gegen die Tumultuanten eine strenge Untersuchung eingeleitet worden. — Trotz der energischen Maßregeln der Regierung habe« sich die Exzesse jedoch wiederholt. Ein Pristaw, welcher wegen seinesparteilichen Borgehen» bei der Judenverfolgung seine» Amte» enthoben wurde, hat sich an die Spitze der Bewegung gestellt. ES ist ferner den Antisemiten gelungen, die nvthige falsche Zeugin auszutreiben; e» ist die« ein bulgarische» Weih, welche« bei der Polizei aussagte, daß der Jude Jochanan be» Bastat und besten Mutter zu ihr gekommen wären und sie gebeten hätten, da» tobt aufgefundene Mädchen gegen gute Bezahlung zu verbergen. Beide Personen wurden deshalbverhaftet. Zwei Tage später wurde infolge weiterer Denunziationen im Hause de» Juden Mordocha» Lewi eine Rachgrabung vorgenommen und dabei der Strick gefunden, nnt welchem da« Kind angeblich erwürgt sein soll. Eine weisere Haussuchung soll ergeben haben, daß in dem Wäscheschrank beim Juden Baruch Dawid ein blutiger Leinwandlappeq ge« fuudea wurde, welcher vom Hemde be« unglücklichen Opfer» herrühren soll. Man sieht dem Ganzen die ״Mache" an. hierzu kommt, daß die antisemitischen Rädelsführer sämnttlich der ״Partei Zankow" angehären, welche der Regierung um jeden Preis Ungelegenheiten bereiten will. dem ein KabinctSrath avgehaltrn, auf welchem die Frage über die Zulassung der russischen Flüchtlinge discuttrt und der Beschluß gefaßt umrde. di» zu 5000 Fa miliea aufzunehmen. ■: Merkwürdiger Weise wurde der Beschluß am nächstes Tage wieder — aufgehoben. Uetoet die Gründe eurfire» zwei Brrsioaeu. Rach der einen soll eine diplomatische Liuwirtnntz. nach der andereu sollen Porstelluage» seitens der dulggrr^— Judeu bte Veranlassung hierzu