Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 37 (10.9.1891)
- Date
- 1891-09-10
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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§ hstrstlkst!«scher zu schl»HM nicht «füll« könne ^«nd mit der Mage abzuweisen sei. Hramöerg, 4. September. (Or.-Lor.) Einen recht rrzlichen Verlust Kat die hksige Gemeinde -u beklagen. l. September starv plötzlich in Folg« eine» Herzschläge« ' der Brauereibesitzer Herr Wilhelm Russak. Der «erstorbene ^Gehörte nahe 21 Jahre der hiesigen Gemeindeverwaltung an f anb bekleidete lange Jahre hindurch da« Amt eine« Synagoge». Vorstehers mit seltner Treue, mit Umsicht und Eifer. Durch sein stet« vermittelnde« Wirken wicht« er den vrrschiedensten י’ religiösen Parteirichtungen gerecht zu werden und den Frieden ' in Synagoge und Gemein« zu wahren, wodurch ihm von 1 «Hat Seiten Anerkennung und Verehrung gezollt ward. £. Sein schlichte« Wesen, setn biederer Charakter verschafften ihm die Hochschätzung seiten« aller Klassen der Bevölkerung hiesiger Stadt. Ein beredte« Zeichen hierfür war die große Theilnahme, welche da« Leichenbegängniß fand. Selten hat Wohl zuvor unsere Stadt einen imposanteren Lcichenzug aesehen. Auf dem Friedhof gab der Herr RabbinatSvcrwestr Dr. Walter in beredten Worten den schmerzlichen Gefühlen Aller Ausdruck. Die hiesige Gemeinde wird dem Dahin« geschiedenen, der sich namentlich um Berbesserung der cultuellen Gmrichtungcn große Berdieoste erworben, für immer ein dankbare« Andenken bewahren! H. Hodens,tde, int August. (Or.^iorr.) In der Streitfrage, ob der hebräische Unterricht rin sprachlich-grammatikalischer sein, oder «ehr vom religiösen Gesichtspunkte au« «theilt »erden soll, wird gewöhnlich ein großer Umstand außer Acht gelassen. Di« Frage (die übrigen« mehr theoretische al« vractische Bedeutung hat) wird von der einen Seit« damit erledigt, daß da« Hebräische für un« Juden nicht eine fremde, sondern gleichsam eine zweite Muttersprache sei, »ährend von anderer Seite mit Hinweis auf die (leider) ' Gehenden tatsächlichen Verhältnisse gerade da« Gegentheil uptet wird. Nun muß sich die Schule, namentlich die ische Religionsschul«, de« Leben auvequemea, und irder rsuch, eine da« Leben domiairend« Stellung der Religion«- schul« yerdeizuführeu, muß sonach scheitern.; Wir haben zwei Klassen von Eller«, die ejue besitzt _ Kenntniß de« Hebräischen, liebt die hebräische Sprache, bte r andere nicht. Ohne mich bei einer Lharakterisiruna derselben i. ankuhallen, möchte ich die Frage aufwerfen: Welche von diese« beiden Lianen würde «men sprachlich-grammatikalischen Unterricht im Hebräischen begehren? Die letztere, die selbst eiuer jtbttt Kenntniß de« Hebräischen , baar ist, sicher nilht. E« genügt derselben, daß sie au« . Pietät den hergebrachten Unterricht duldet. . Dagegen würde« diejenige«, dte Kenntniß de« Hebräischen und damit Liebe }u demselben besitzen, wohl schwerlich gegen «inen «ehrsprachltchen Unterricht etwa« einzüweadeu haben. — >, Soll «in höhere« Ziel im Hebräische« erreicht werden, so ist r «tue Unterweisung Tn der Grammatik nicht zu umgehen. Für ‘ de» Uuterricht im Siddur aber wäre die Grammatik nicht blo« zu entbehren, sonder« die Grammatik würde geradezu «int «Schiebend« Wirkung haben. Wie viel grammatische Kenntnifst sind nicht erforderlich, um da« Stück ,-,VVI V?7»t regelrecht übersetzen zu können?*) Die Parallel« «it der Lehr» Werse in fremden Sprachen, der lateinische» und griechische«, ist ganz falsch angewendet. Die gelehrte» Schulen haben ihre Schüler vi« -um 18. oder 20. Lebeajahre. Die Schüler sollen befähigt «erden, die Elassiker in der Ursprache zu lesen. Unsere Schüler aber sollen sie auch soweit «bracht ׳Wochen, di« hebräischen Elassiker zu verstehen? Die schwierigen hebräischen Werke sind nicht wegen ihrer Llassi- -cität, sondern wegen ihre« Inhalt« zu lest« und za ldieren. Für den ersten Elementarunterricht kann die DK Haupuegel» der hebr. GeommotU (Klerlim de« Haupt- ־ ~ ltu-atio» M Mtln. Zeitmarw kS»«n recht aut bet« emn»», mt •UM t» de» -grnmmattsch» vor- ^.»aserer Mae» ftnstnWits« duachgrsthr» Mrchode de» Hebräisch« i» Wesmtlichen nur die hergebeacht« sein und bletoen. Worauf aber «it der größte« Strvrge gchalten werden «nß, ist, daß die liebertraguag in reine« Hochdeutsch geschehe, und daß «an au die Uebertraguug deutsche sprachliche Erörterungen ankuüpfe, damit nicht durch stanleere« Rachplappern die Schüler an Gedankenlosigkeit gewöhnt werde», oder ihre Sprache verderbe». Darauf ist nun um so mehr zu achten, al« die gedruckten Uebersetzunaen nicht immer i« reinen Deutsch geschrieben sind. Die sprachlichen Uebungen im Deutschen erleichtern auch eine schärst« Erfassung de« Hebräischen. Auf richtige« Hebräisch-Lesrn ist unnachsichtlich zu halten. Uebrigen« bin ich der Ansicht, daß für die Kinder, die eine mehr als estmentare Bildung im Hebräischen erreichen sollen, da« חומש ein« weit bessere Vorschule ist, al« da« INS, weil erste«« mehr conc«te Ausdrücke enthält, die sich durch häufigere Wiederholuna und dadurch, daß sie mit der bibl. Geschichte innig verbunden sind, wett besser einpräge«, al« die mchr abstracten Ausdrücke de« Siddur«. L. Weinberg. Ct ft-rretch-Uwgar» •r. ZU« H-ßmen, 30. August. (Or -Lorr.) Kaiser Franz Josef wird demnächst di« Prager «»«stelluna besuchen. E« wird dadurch den panslavistisch - deutschstindlichen und dem reich«» und judenstindliche» Bewegungen und Treibunge» mit der Begeisterung der thron- und ftaatsekgebenea Bevölkerung e« Gegengewicht geboten werden. Haben doch beide Rationalitäten, die slavisch wie die deutsche, in Böhme» di« Aufgabe, gemeinsam zu arbeiten au de» Werke« de« Frieden«, der Lultur und der Vaterlandsliebe. Man mache nur von antisemitischer Seite den Jude« nicht de» Borwurf, sie seien zu wetlig national. In unserem Lande hat seit dem Bestand« de« mit der Gesammt-Monarchie vereinigten Staate« und der gesetzlich ausgesprochenen Gleichstellung der Juden da« RotisnolitätS-Bewußtsein so sehr unter unsere» Glaubensgenossen znaeoommen. daß man nur beklagen kann» daß damit da« Rttigion«-Bewuß«sein abgenommen hat. Immer «ehr überzeugt man sich bei gewissenhafter Prüfung der S^ellschast, ihrer Bewegung und geistige» Stimmung und Bestrebung, daß de« Jude» der au« de» Tiefen der Botte«lehrr geschöpfte reine SottrSglaube mit der thaterzcugenden -rast der Menschenliebe ein ethische« Leben«-- erforderniß ist, dem gegenüber alle äußerlichen Verhältnisse in Hau», Staat und Gesellschaft, hinstchttich der Abstammung und Eigenart ganz untergeordneter Natur sind. Seit einigen Tagen beschäftige« sich sämmtliche Zeitungen unter der Rubrik ״Äericht«halle* mit einem verbreche« eine« Prrßbnrger Juden Namen« Schreiber gegen stine Ehegattin Adele Figdor, die er mit dem Revolver tvdte» wollte, aber nur schwer verletzt hatte; weil sie in de« Momente, al« der Mann zum .Einbrecher' ward, sich vo« demselben lossagte. Die Drohung mit Mord übernuttelte der anaeklagt« Gatte seiner Gattin mit Zusmduag der Tolstoi'schen »Kreutzer-Sonate-, die er mit entsprechende» Randbemerkungen versah. Nun ist vom voltspsychologische» Standpunkte au« der Jude, anhänglich seiner Familie, ei« Feind der Mordwaffe und de« gewaltsamen Verbrechens und statistisch wird die« auch durch die Ehroait de« Lriminal« bestätigt. Doch woher hat sich die Scheu vor Verbreche» dieser Art sonst im jüdischen Bolle au»gebild«t? Offenbar au« der Lehre und dem Lebe» de« Julrenchums. Erhalte» wir daher die Religion al« bk wahre Sittlichkeit fördernde Macht unserer Glaubensgemeinschaft, »ad wir erweisen mit der Treue im Glauben dem Staate und der Ration unsere» Lande« einen wichtigeren Dienst, als wenn wir patriotisch schwärme», national auftreten, deiik Glauben der Väter aber un« entfremden. Wir wolle» mit ganze» Herzen liberal feen, aber in einer da« religiöse Leben läuternden, ver- «delnde» und erhaltenden Weise. N. #*• Hnanrn, 30. (Or.-Äor.) Jüngst erst hatte ich Ihne» berichtet, sehr erfreulich die Erscheinung in unserem Laude ist, daß wir eine stattlich« »«zahl musikalisch gebildeter^ U