Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 37 (10.9.1891)
- Date
- 1891-09-10
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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ertragen, um nur den Juden kein« Freude zu bereiten. Li. um ten«*tis amici! — Der brr egte offene Brief ist «ine dicht zusammengedrängtt Darstellung aller Nichtswürdigkeiten, ־bic sein mit Beschlag belegte» Werk: -Eine jüdisch-deutsche Gesandtschaft" rc. enthält. Die Feder sträubt sich, auch nur einen winzigen Theil der erlogenen und erdichteten Beschuldigungen gegen Juden und Judenthum wiederzugeben. Daß e» auf eine Lüge mehr oder weniger nicht ankommt, ersieht man daraus, daß von Herrn von Goßler al» von einem ,notorischen Judensproß" geredet wird. Wir wollen fjict nur eine THatsache festnageln, die von den Herrn Antisem'ten in ihrer bekannten Wahrheitsliebe immer wieder geleugnet wird, daß sie nämlich nicht gegen die jüdisch« Religion als solche zu Felde ziehen. P. sagt dagegen: »Mir will es aber scheinen, daß es dem Deutschen durchaus nicht einerlei sein kann, was der Jude in der Synagoge treibt, denn was dort «lehrt und gepredigt wird, daß »st eine Hetze gegen die stich tiuden. L» wird in der Synagoge gelehrt, daß e» i*n Juden erlaubt ist. uns zu berauben und uns sogar zu tödtei׳. wenn sie es ungestraft thun können." DaS behauptet P. ganz apodiktisch, aber da ihm selbst diese Lüge denn doch zu fadenscheinig ist, fügt der ehrenwerthe Verfasser «nditiouell hinzu: .und wenn diese Lehre ihre Religion ist, dann haben wir allerdings gegen diese zu Felde zu ziehen. Denn dann (das ist köstlich!) sind die Synagoge- und die Talmud-Thoraschulen und alle», wa« damit zusammenhängt, die Brutstätte und die Schul« der jüdischen Verbrechen"; in dieser Tonart fährt dann P. noch eine Weile fort. Diese Auseinandersetzungen beweisen zur Genüge, daß die vom MeichSanzriger über den Geisteszustand des Verfasser-gefällte Behauptung nicht audem hohlen Faß geschöpft ist. Weiter will es uu» bedünken, daß dies« und ähnlich« buchhändlerisch« Unternehmungen — da bekanntlich di« schändlichsten Pamphlete «in lesegieriges Publikum finden — nur darauf Hinzielen, die Börsen hungernder Buchhändler und Schriftsteller zu füllen. An diesem erworbenen Gut klebt sicherlich kein Segen. Mredan, 8. September. (Or^ir.) Mit Rücksicht auf die de« .Stelleu-NachweiS Berein?MV שומרי• tägtich zugehenden Gesuche, denen er nur in seltenen Fällen genügen kann, sieht sich der Vorstand deffelben veranlaßt, «n die Gesetzes treuen in Israel zu appellieren. Seit Begründnng unserer Gesellschaft ist unser Ruf sehr oft in den Irdischen Blättern erhoben worden, und gar Manchem, der rächtet dastand, ist G. L. durch uns HUfe geworden. Aber wohin soll es führen, wenn gerade in den zugehörigen Kreisen die Bemühungen des Vorstand«» so wenig Unterstützung finden? Braucht man es erst zu betonen, daß. wenn irgendwo, hier jedes Sonderintereff« zurücktreten müsse, und daß es darauf ankomme, durch die Tendenzen de» Vereine» auch der Erhaltung des JudenthumS zu dienen. Ls geht daher die erneuerte Mahnung an alle Geliunungsgenossen, sich der Helligen Sach« anzunehmen und rür sie zu wirken; ganz besonders richten wir nochmaldie Bitte an die Herren Ehef«, bei denen Vakanzen «intreten, sie dem Vorstand«, (BreSlau, Schwertstraße 5») ungesäumt anzumelden, um deren Vermittelung zu gewärtigen. Lu» ^üffekdarf geht un» di« Traueranzeige von dem am Mittage de- 2. September erfolgten Ableben des Rabb. Dr. L. Wedel l zu. Die ganze Gemeinde und die weitverzweigte hochachtbare Familie — der Verstorbene war ein Schwiegersohn des sei. Land-Rabbiners Dr., S. Meyer in Hannover, deffen Nachfolger zu werden er ebenso würdig wie befähigt war — betrauert tief den schmerzlichen Verlust des in den besten Lebensjahren ihnen entriffentn Seelsorgers, Gatten und Vaters. Es war ein längeres, Unheilbares Leiden, daS er ergebung-voll trug, von dem der Tod ib:: im eben begonnenen 48. Lebensjahre erlöste. Sein Berüi t wird aber auch besonder» noch in den wellen Kreisen jüdischer Handwerker beklagt werden, die in ihm eine »triso me Stühe verlieren, denn der Verstorbene hatte sich große Verdienst« durch die Gründung de» Vereins zur Bet des Handwerk« unter den Juden erworben. Wo er Zwecke dieses segensreichen Vereins fördern konnte, da scheute er weder Opftr an Zeit, noch persönliche Mühen, und Lnsttengungen. A.rt pia anima! Wir theilen auder von ihm selbst geschriebenen Geschickte der jüdischen Gemeinde Düsseldorfs *) die Skizze seines Stubienganges hier mit: Dr Abraham Wedelt, geboren am 4. Juni 1844 zu Post», besuchie bt» Ostern 18 >8 da« dortige -gl. Friedrich-Wilhelm-Aymnafiu« und wurde gleichzeitig von dem Rabbiner LLwenstamm in die rabbinische Litteratur eingesührt Dann bezog er da» Raddtnerseminar und die UniverfltSt zu VreSlan. An letzterer vhilosophtkchen und Philologische» Studien obliegend, promovirte er aus Grund seiner Jaauguralusser» totion: «Da Mnmaationiba■ in lihria aaeria Vetaria Taat«m—y propoaitia“ Au« dem Rabbinerseminar mit dem Rabbiner-Diplom entlaffen, stand er seit Ostern 1867 abwechselnd im Dienste der vre»- lauer Gemeinde und seiner Vaterstadt Posen, bi« er von vreKau an»' im Jahre 1874 nach Düsseldors »l« Rabbiner berufen und 187ö in sein Amt eingesührt wurde. — Seine Vorgänger waren Dr. Aeilchenselb von 1800—?8 (jetzt in Posen) und Dr. Plato von 1872—74 (jetzt Seminardirettor in JKln). Au» Akene wird der .Avlniscken BolkSzritung" unter« 4. September geschrieben: Der jüdisch« Metzger Ealmon Bennemann an» Leeuwarden, welcher in der Untersuchung-- fach« de« Xanttner Knabenmorde» verhaftet, freigelassen, nun aber steckbrieflich verfolgt wurde, hat sich gestern Abend der hiesigen Staatsanwaltschaft freiwillig gestellt. Heute Nachmittag wurde Brnuemann von einem hiesigen Polizeibeamt«( nach Xanten gebracht, um dort verhört zu werden.. L» Bahnhöfe hatte sich «ine Men« Neugieriger eingcfnnden. Wir erhalten kurz vor Rcdactionsschluß noch folgende Mlltheilung: Salmon Bennemann hat sich nach Bv» richten von Xanttner jüdischen Handelsleuten nur au- »em Grunde freiwillig gestellt, um unbehelligt wieder in Deutschland seinem Gewerbe nachgehen zu können. Er weißs im Bezug auf die Mordaffaire Nichts auszusagen, da er am Tag« vorher schon abgerefft war. Z>anzig» 4. September. (Or^Lor) Lin Prozeß, der für weitere Kreise Juttrefl« haben dürfte, ist unlästgft hier »nr Entscheidung gelangt, nachdem er Jahre lang das Geruh« beschäftigt hatte. — Rach der Bereinigung der fünf ftüherrn hiesigen Gemeinden war es da» Bemühen des Rabbiner» und de« Vorstandes, da« rituelle Schlachtwesen in einherdlicher Weise zu organisiren, umsomehr war dieses nothwendig geworden, als früher trotz aller Anstrengungen das Schlackt» wesen infolge der Zersplitterung der Semeindeorgane Vieles hierselbst zu wünschen übrig ließ. Zu denen, die sich den Anordnungen nicht fügen wollten, gehörte ein Schächter, dem infolgedeffen seittu« de« Gemeinderabbiner« die.Sabboloh' (das Qualifikatiouszengniß als religiöS-geprüfttr Schächter) entzogen wurde. Lin christlicher Kleischermeisttr schloß ttotzde« mit de« erwähnten Schäckttr einen Kontrast auf ein Jahr, auf Grund desieu derselve gegen ein bestimmte« Gehalt bei ihm ,koscher" schlachten sollte. Kurze Zell darauf entließ der Fleischermeister, der infolge der Bekanntmachung seitens des Gemeinderabbinerden größten Theil seiner jüdischen Kundschaft verloren hatte, den Schächter mll der Erklärung, daß derselbe nach rabbinische« Gutachten Hierselbst nicht rituell schlachten könntt und somit sein Kontrast vor der bestimmttn Zeit gelöst werden dürft. Der Schächter verklagtt den Fleischer bei dem hiesigen Gericht auf Erfüllung des Kontraktes, riffp. Schadenersatz und schlug mehret« aus« wärtig« Rabbiner als -Sachverständig« vor, btt bekunden sollten, daß er ttotz de» Berbotts des Gemeinderabbiner» koscher schlachten könntt. Nach Vernehmung des hiesigen Herrn Rabbiners Dr. Werner enffchied das Gericht zu Gunsten de« Fleischermeister« «ll der Begründung, daß der klagende Schächter nach der Bekanntmachung des Ortsrabbiners nicht als «in, den rituellen Anforderungen genügender Schächter zu bettachttu sei, daher die konttastlich übernommen« Ber» ») In »er: Geschichte der Stadt Düsseldorf, hermwgegebee Gischtchwvewt», dessen stelvertt. Varsitzender der