Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 37 (10.9.1891)
- Date
- 1891-09-10
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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׳Jftttntm Hsnsckieiden dr« Herrn Prof. Graetz wohl »ermittelt. I» ln verfloffenen Wrche kam er au» Karl»! Mit stiner Gattin zum Besucke seiner Kinder — sein ältester Sohn ist Professor der Mrchanik an der hiesigen Universität — leidend hier an. Am Schlüsse seiner Karlsbader Iknr wurde er vrn einer, von den Nerztrn gleich sür bedenklich erklär tcn Ohnmacht besallen, von der er sichredech rasch er» Dvlte. Hier ongelangt, erschien er guten Muthe» und an- «regt wie immer, trotzdem eire dazu tretende Anschwellung oer Füße ihm da» Gehen erschwerte. Am Sobbath Morgen ibrat er den Weg in die Synagoge an, mutzte aber sckon n ach wenigen Schritten wegen eine» SchUindelanfalles wieder n mnhren. Am Sonntag besorgte er noch die Eorrektur seine» neues eu Werke». In der Nacht vom Sonntag zum Montag klagte er über Herzbeklemmung und kolikartige Schmerlen, schlief jedrch nach angevaudten Gegenmitteln ruhig ein, um — nicht mehr zu erwägen. Ein Herzschlag hatte seinem arleitSrrichen Leben ein sanfte» Ende bereitet. Tie Leiche wurde beute (Dienstag) früh nach Bretlau überführt. Trotz der frühen Morgenstunde und der durch hie Anwesenheit de» deutschen Kaiser» bedingten Berkehr»- stockuug in der Stadt, hatten sich mit Herrn Rabbiner Dr. Perle» die Bor stände der Gemeinde, die Religionslehrer und Eantoren und zahlreiche Mitglieder der Gemeinde im Vahuhofe eingefunden, um dem berühmten Tobten da» letzte Geleit zu geben. (Herr Rabbiner Perles. br zu den ältesten Schülern vd Freunde« de» Verewigte« j&üit, wird dem Heim- «gaugruen schon am nächsten Sahnath in der Münchener Synagoge eine Gedächtnißrede Hallen; ein Gleiche» wird wohl iw den nächsten Wochen festen» aller seiner Schüler auf dem Urdrnrunde geschehen, denn כל בית ישראל יבכו את השרפה .Da» ganze Hau» Israel wird den schweren unersetzlichen Verlust auf's Tiefste beklagen!“) Mugdeßwrg^ Man schieibt un« au» New-Kort, den 24. Aügust: ,In dem großen RrttungSwerke der au» Rußland nach Amerika auswandernden Juden dürste es dem Orden B'm Brith beschieden sein, eine große Rolle zu spielen und «in« Lhätigleit zu entwickeln, die die besten Erfolge verspricht und zu den schünsten Hoffnungen berechtigt. Diese groß« und mit Einsicht geleitete Organisation, deren Mit- «der über ganz Amerika veibreitet sind, ist besonder» ge-!»et. sich wirksam an dem Werke der Bertheilung der üchtigen über weit ausgedehnte Gebiete zu bethätigen uud durch zu verhüten, daß sie in den großen Städten zußrmmeugcdrängt werden. Wir erwarten daher zuversichtlich, daß da» vou de« Gxrcu tive-Eomnee an alle Logen in den Vereinigten Staaten «lassen« Circular sowohl bei den Beamten al« auch bei den «iuzelnen Mitglied«« de» Orden» die wohlwollendste Berückfichtigung finden und jede Einzelloge e» sich zur besonderen Pflicht machen werde, mst Energie die Borschläge de» Executive-Comitee» zur Ausführung bringen za Hilfen und ernstlich dafür zu sorgen, daß eine Anzahl der Flüchtlinge in ihrer nächsten Umgebung lohnend« Beschäftigung finde. E» ist z« hoffe», daß die Bemühungen de» Ordensich nicht blo» auf den schriftlichen Berkehr zwischen dem Gxenrtive-Lomstee und den einzelnen Logen beschränken, faudern, daß die Beamte« der verschiedenen Großlogeu e» al» ihre Pflicht erachten werde«, ihren ganzen Einfluß zur Ausführung dervarschläge de« Exccative-Lomiter» zur Geltung zu bringen. Da»General.Comitee jederDistriktS-Großloge sollte Gleichzeitig Brrtreter ernenne», die jede Loge ihrer Jurisdiction 1« btt» Zwecke zu besuchen hätten, di« OrdenSmitglirder für riefe hesttg« Sache zu lüg«isteru,״^hne» die Roihwendigtest rascher und energischer That an» Herz »u lege« und sie in ihren Bet»üho»geu thatkrästig zu unterstütze»'. Luch in Australien regt sich da« Jntetefse für -«eignet« ngung unserer verfolgte» russischen GtaubenSbrüder. 'dort wird de« *30». Chron.* geschrieben: .Ich halte e» für sehr zweckentsprechend, auch Ren- Seeland unter die in Aussicht genommenen Ansiedlung»- gebiete oufzunehmr», wo» sowohl für dir Auswanderer al» auch sür unsere Colonie von Nutzen sein würde. Außerhalb Ren-Ecelaud'» ist e» noch nicht allgemeiu bekannt, welche Vorzüge diese» Land in sich vereinigt. E» ist eiu Land, worin Milch und Honig fließt, welche» Uebev» stutz an Raturrrichthümern aller Art und dabei ein unvevglrichlich gesunde» Klima hat, welche Vorzüge es zu einem kostbaren Edelsteine in der Kraue Britanien» machen. Al» Jude kann ich natürlich nur wünschen, daß meine Brüder an diesem Ueberfluffe theilnehmen mögen, und da ich ihre Geschicklichkeit kenne, so bin ich deffen gewiß, deß e» sich reichlich lohnen würde׳, wenn man sie auf dies» Boden verpflanzte. Alle», wo» ein Monn nöthig hat, sich und seiner Iauulie in Neu-Secland eine angenehm« und ge» achtete Stellung zu verschaffen, ist Kcnutuiß de» Ackerbau(» und ein keines Kapital sür den ersten Anfang. Die russischen Juden würden also hier am ehesten reufsirrn, da sie Ackerbauer sind. Au Geschäftsleuten haben wir hier genug und wa» un» fehlt, sind, wie ich schon gezeigt habe. Leute, welche ihre au-gedehnten Ländereien bebauen können und auch wollen. Die gegenwärtig hier ansässigeu Juden wohnen Hauptsächlich iü den 4 Städten Suckland, Wellington, Christchurch und Dunedin und bethelligen sich an tat verschiedenartigsten Geschäften. Der Grund, weshalb sie in de» Eentren verbleiben, ist der, daß eS ihnen an hinlänglicher Erfahrung zur Abreibung eine» Ackerbaues mangelt. Die gegenwärtige Zeit ist besonder» geeignet, da die ueugewählte Regierung gerade die Kronländereiea — mehrere Millionen Morgen — für die Ansiedler zur Verfügung stellt, d. h. ihnen geeignete Loose aoweift. Die beste Bestätigung deffen, wa» ich gesagt Hab«, kan« au« eioer Vergleichung der Exportartikel Nru-Seeland« mst deffen Einwohnerzahl ersehen werden. Diese Artikel, Haupt» sächlich Korn, Wolle und Fleisch, repräfentiren einen Werth von mehreren Millionen pro Jahr, während die Bevölkerung»- Ö"־ ' Nähere Auskunft ertherlt bereitwilligst der General- Agent für Neu-Geeland in London.*) Spr. Merkt». 7. September. (Or^Eorr.) Seit de« ältesten Zeiten giebt e» Leut« von eigenartiger moralischer und geistiger Qualifikation, die nach einem unsterbliche» Ruhm i 1» Herostratu» dürsten. Zu solchen Geschöpfen scheint auch Carl Paasch, der be .. rühmte Verfasser de» Werke»: .Line jüdisch-deutsch« Gesandtschaft und ihre Helfer* zu gehören. Dieses Werk, worin der kaiserlich deutsche Gesandte in China, Herr von Brandt, dinc den Jude« zugnählt wird, stark kompromsttirt werden soll, ist den höchsten Behörden zugesandt, so daß schließlich der deutsche Reichs-Anzeiger vom 27. April 18Sl dir Notiz brachte, der Inhalt der Schrift erwecke den Eindruck, ,daß der Berfaffer sich in einem bedauerlich krankhaften Zustande befindet* und daß aber trotzdem bie strafgerichtliche Verfolgung eingeleitet sei. Herr Paasch, ein Mann von charakterfester Gefinnung, fand m dem Pafsu», der von seinem Zustand in eigener Weist sprach, eine Beleidiaung und sandte dem Direktor de» ReichSanzeigev» Herr Dr. Klee eine Aufforderung um Berichtigung, erhielt stdoch leider die Antwort, datz die Direktion nicht gesetzlich verpflichtet sei, feine Berichtigung aufzunehmen. Die weiter« Verfolgung dieser Sach« unterblieb au« folgendem wirkich naivem Grund«: ״trc Jude soll nicht dst Freud« haben, daß sich zwei Deutsch« vor Gericht seinetwegen herumzanken, während er selbst unfaßbar im sicher» Hinterhalt steckt". So heißt «» wörtlich in P.'s offene» Brr« an den Herrn Reichskanzler von Laprivi. Die gröbste» Beleidigungen will der gesinnungstüchtige P. gern *> Der Schreiber dr» abiaeu VrtefeS ift Herr A. <lhod»»»tt t» MrißchurS,