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Israelitische Wochenschrift · 1891-09-10 · 37 (10.9.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
37 (10.9.1891)
Date
1891-09-10
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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nicht wesentlich mindern kann; die Frische, die Jugendlichkeit, die über dasselbe ausgebreitet ist, sichern ihm einen bleibenden Werth; dieses Werk, das die jüdische Geschichte erzählt, gehört selbst der jüdischen Geschichte an, durch die groben Wirkungen, die es hervorgerufen hat. Man hat Graetz mit vielem Lärm Mangel an Objektivität vorgeworfrn; Niemand wird behaupten, daß er mit Absicht die Wahrheit verletzt oder nur verschwiegen hat: aber allerdings ist sein Herz nicht kalt geblieben, er hat mit seinem Herzblut von den Leiden seines Kolkes geschrieben; das Judenthum ist ihm nichts Todtes und Abgestorbenes, wie etwa die ägyptische Borzeit; darum lodert rin heiliges Feuer in seiner Darstellung. Die Rahel hat einmal von Wilhelm von Humboldt gesagt, er gehöre keinem Alter an; dies Wort paßt auf G r a e tz in seinem persönlichen, wie in seinem schriftstellerischen Wirken; er besaß in seinen jungen Jahren die Reife des Mannes, er hatte als Greis die Frische der Jugend. Diese Lebhaftigkeit kam besonders seinem Lehramt am Seminar zu Gute; er lebte und fühlte mit der Jugend, so sehr er durch seine umfaffende Gelehrsamkeit und die Geuialität seiner Ideen selbst die bestea seiner Jünger überttaf; mehr noch als Frankel hat er seine Schüler zu selbstständiger Arbeit erzogen. Bis in seine letzten Tage hinein hat er wissenschaftlich gearbeitet; ein großartiges bibel-exegetisches Werk, an dem er ein halbes Jahrhundert gearbeitet, ist kurz vor seinem Tode zum Abschluß gebracht worden und wird als Be-^uSchtniß de» kühnen Bibelexegeten allen Bibelforschern willkommen sein. Mit der vielen großen Gelehrten eigenthümlichen Illusion erwog er noch in den letzten Monaten Pläne, deren Aussührung der alte Mann kaum erhoffen konnte. — Glücklicher als Ioöl ist er heimgegangen, ohne daß eine Abnahme seiner Geisteskraft oder seiner Arbeitsfreudigkeit bemerkbar geweseu wäre. Ganz Israel trauert an seiner Bahre, nicht nur die jüdische Wissenschaft, sondern auch die deutsche Wiffenschaft hat eine» unersetzlichen Verlust erlitten. An seinem siebzigsten Geburtstage*) sind auallen Welttheileu Glückwünsche eingetroffen; so wird die Kunde von seinem Tode die Grmüther Israels aus der ganzen Erde zur Trauer stimmen. Die Familie des Verstorbenen darf sich an dem Bewußtsein erheben, daß mit ihr ganz Israel zu den Leidtragenden gehört; wir alle haben den Trost, daß eS dem verewigten Meister gelungen ist, Werke zu schaffen, die noch in späteren Zeiten unsere Glaubensgcmrinschast belehren und begeistern werden. Graetz' Andenken wird gesegnet bleiben für alle Zeiten! Eie Würde der «rdeit i« der vele»cht««g «sserer heilige» Schrift»«. Das sicherste Mittel, die Judenftindschaft zu bekämpft«, ist nächst der perjünlicheu Bravheit und Tüchtigkeit die Stündliche Darstellung unserer Lehren. Da» Judenthum hat iichts zu verstecken, Nichts zu verleugnen, wir könneu ge» trost auch unsere Feinde führen auf die Gefilde der Bibel, in den schacht des Talmud, in die weitverzweigten Gänge der nachtalmudische» Lilteratur und wir dürft« uns der *) «» *1. t>t»ser 1887; rt mi in Lions (Pr«. gifcrrt*. Hoffnung hingeben, daß Jeder, der sich belehr« kaffen: auch wenn er als unser Feind die Wanderung durch Littcratur angelreten. gar bald bekehrt sein wrrd. Die Polemik ist ja zutdeilen nicht zu umgehe«, die best«, die würdigste und wirksamste Form, den Haß gegen! Jude« und Judenthum zu bekämpft», bleibt doch immer die, j schlicht zu sagen, wie denkt, was lehrt das Judenthunn I über alle sittlichen Probleme, über alle Fragen, welche die^ Zeit bewkfen. Darum halten wir eine Schrift, welche Herr Rabbiner Dr. M. H. Friedlä«der aus Pisek veröffentlicht uich Herrn Dr. Jellinek gewidmet hat, für vorzüglich ge» eignet, antisemitische Borurtheile zu entwurzeln. Der Titel der inhaltsreichen Schrift lautet: ,DieArbeit nach der Bibel, dem Talmud und den Ansprüchen der jüdischen Gelehrten' und wir wünschen, sie käme in recht vielen Exemplaren in die Hände christlicher und jüdischer — Antisemiten. Denn bekanntlich giebt es auch diese letztere Abart, Leute, welche in Folge der Schäden, an denen unser Re» ligionsunterricht leidet, vielleicht einige formale Kenntuiß sich in der Jugend erworben haben, aber über den sittlichen Ätt» derselben nur schwach unterrichtet worden sind. Dieft nun können es nicht glauben, wft verlogen unsere Feinde sind und holten wenigstens einen kftineu BruchtheR von dem, wa» die Antisemiten behaupten, für wahr. Auch dam it noch geschieht dem Judenthum schweres Unrecht. Soweit die Antisemiten auS den Quellen citften, setzt sich ihre Gelehrsamkeit au» absichtlichen oder unabsichtlichen Miß» verständniffen zusammen. Herr Dr. Frftdländer hat sich die schöne Aufgabe gestellt» nachzuweisen, welche Würde die Arbeit im Judenthum acaießt und welcher Segen ihr beiaemesftn wird. Vielleich! wäne. dieft Schrift eine sehr passende Lektüre für unsere groß- ' städtische Jugend, damit sie erfahren, daß ,nach der Lehr» de» Judenthums die Arbeit als eine der ersten und wichtigste» Pflichten des Menschen zu betrachten sei.* In vier Kapiteln behandelt der Berf. sein Thema: die Arbeit, der Arbeiter, der Arbeitgeber und da» Produkt der Arbeit-, Er hebt es auch hervor, wie man unter Juden die Härten'und Rohheiten deS Sklaventhums nicht gekannt hat. . Hiob giebt die jüdische Anschauung korrekt wieder, wen» ' er in die Klage ausbricht: ,Habe ich je das Recht meine» Knechtes und meiner Magd verachtet, wenn ich Streit mit ihnen hatte?' (Hiob 31, 13.) da» Recht meine» Knechtes! Das war ein Begriff, der dem heidnischen Alterthum fremd war. herodes, wie er in so vielen» Andern jüdischer Sitte in'» Gesicht schlug, that es auch darin, daß er Juden als Sklaven an Ausländer verkaufte. Da» waren die Fort« schritte auf dem Gebiet« der Moral und des Rechtis, welche man griechisch-römischem. Einflüsse verdantte. Jndeß w!r wollen nicht auf Einzelnes eingehen, wir wollen nicht gleichsam den Rahm abschvpftn, und empfthlen besonder« dem gebildeten Publikum dft Lektüre der durchw«. anregenden Schrift. Könnt« sie auch in christliche Kreise getragen werden, die ein unbefangenes Urtheil über unser» Glauben und unsere Glaubensgemeinschaft haben, so würde sie die Aufllärung über den Grundgehalt unserer Lehre i» ausgezeichneter Weise fördern. Der Berf. hat sich durch seine Schrift wohlverdient gemacht. Gerichte mrd Gsrrrspontzr«)»«. Deutschland. Zklaadesura, 8. Septbr. (Or.-Eor.) Die Jndenheit hat ihre« gr»ßte» »eschtchtofthreider »erlare» — Pres. Graetz Ist fttt gester« utcht mehr »uter de» Leben de»!- Wir erhalten aus München, wo er starb, folgendenähere Mittheilungen über seine letzten Lebenstage: »Der Telegraph hat Ihnen und dem größten T heil Jh gesch. Leserkreises di« Trauerbinde von J‘־־“־־־^* ~־־

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