Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 36 (3.8.1891)
- Date
- 1891-08-03
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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jtm von Natur an* für Gesang veranlagten, zum mindeste« gestimmten Botte, der Eautor eine hervorragende Stellung msosrrn ei», als in den meisten größeren jüdische« Gemeinden derselbe, von allen Unterricht»- und Ritual-Leistungen befreit, nur der religiösen Kunst und der eigenen wissenschaftlichen Fortbildung sich widmen kann. — Die Tantoren der Groß- und Mittel-Gemeinden bilden daher einen sehr geachteten Stand, der sowohl in der ungariscken .Beamten-Zeitung" (Redakteur Tantor Friedman«, Budapest), als auch in der ,Oesterr.-llngar. Tantoren-Zeitung" (Redakteur Tantor Bauer, Wien) sein Organ «t. Dennoch steht die Wiege de* isr. Tantorat» der Monarchie in seiner den modernen An- Forderungen entsprechenden Weise und Weihe in der sauglustigen und sargeskundigen Metropole Oesterreich». Denn auch der jetzt Krankheitshalber pensionirte Oberkantor der Pester Gemeind«, Prof. Friedmann.*) ist ein Jünger de» sei. Prof. Sulzer aus Wien. Auch nach dem Tode diese» Altmeister» de» geregelten Tempel-Gesange», der da» ,Lied Zion»" begeistert gedichtet und gesungen hatte, lebt und bebt da» jüdische Lied gar mächtig im Herzen der Wiener Gemeinde, und c» gehört zu meinen schönsten Trinnrrungcu, bei festlichen Gottesdiensten dir Kantoren Singer. Goldstein, Bauer, Fischer u. A. singen gehört zu haben. Auch in andern ung. Gemeinden machte ich die herzrrhedend« Wahrnehmung, daß selbst in unserer von materiellen Bestrebungen und Strömungen, nach Innen und Außen von religiösen Gegensätzen und von! Schmerz über da» Schicksal unserer russischen Glaubensgenossen erschütterten Zeit die Harfe Zion» nicht verstummt ist, vielmehr Lieder auf ihr erbrausen, »elche Herz und Schmerz der Gemeinde bewegen Ich hatte Gelegenheit den Agramer Eantor LewandowSky zu hören urd war ergötzt über die Melodie, mit welcher er in der Höbe einer glänzenden Tonlage da» Göttliche Prie» und verherrlichte. Vortrefflich in Haltung und Bortrag, voll Lnmuth und Würde in seiner gottesdienstliche« Leistung war der Tantor Mohr in Veßprim. Al» Meister de» gcsanglichen Bortragcs in Solo und Thor erwies sich der Tantor Katschmarof in TotiS, und hinreißend durch Umfang und Klang der Stimme und musikalisch geschulten Vortrag wirkte der Eantor Weiß in Ofen. — Wenn Wort und Lied im Tultus de- Judenthums übereinstimmend zusammenklingen in Predigt und Gebet, ist Hoffnung auf Erhebung und Erlösung der Gemeinden zum Guten und Wahren durch da» Söttliche Wort, zum Schönen und Edlen durch daheilige!ied in Israel. — Es wäre übrigen» ebenso nothwendig, Lehranstalten für Tantoren zu begründen, wie wir bereits Hochschulen zur Heranbildung von Rabbinern in Ungarn, Deutschland, Frankreich, England und Amerika haben. Fraakreicd Varl», 31. August. Der Nestor der jüdischen Wissenschaff in Frankreich, Herr Joseph Derenbourg, geboren am 21. August 1811, beging in geistiger und leiblicher Frische am Freitag vor acht Tagen fern.» 81 ten Geburtstag. Di« verschiedensten humanen und wisienidaftlichen Gesellschaften, so die All. Jsr. Univ. und die 80ci»tä de« »tun«« jaivea haben dem greisen Jubilar durch Adresien geehrt. Etwa 2V Schriften sind ihm zu diesem Ehrentage gewidmet worden, die wir schon um des wissenschaftlichen Interesses willen hier verzeichnen wollen, wobei nicht unerwähnt bleiben svll, daß es nicht blo» jüdische Autoren waren, die sich diesen gelehrten Huldigungen angeschloffen haben. Die Titel der Schriften sind, wir Herr M. Schwab in den Arch. iSr. berichtet, folgende: Philipp Berger: Die punilche Inschrift von Alftburo«. (frnnz.) Dr. Berliner: Auszüge au« de» Briese» de« Herrn Joseph Derenbourg. (deutsch.) Auguste Larribre: Lose« und die Geschlechtdauszühlungen der Urväter, (sranz.) Henri Lordter: Dt« Juden in Shina. (sranz.) Ntorttz Bloch: BratulMioutgedichl«. *) Lbertantor Fried««»» ist seiner Krankheil diese Goch« erlege», («ekrolog sotgt in nlitster Xu 3«mc* Darmrftetee: «in jüdisch-persische« «ebrt. (ftmi.) Haetwig D«r«»b»»rg: Di« saboeische« und hiwsarfti 8««dental«lei der Nanrmalbiblioehek. (frnnz.) Zadok Kah«: Biographie de« Jubilar». (sreaa.) Epstein: Kasuistik de« Nabdi «ose, KalanywaS. (hebr.) Frirdlinder: Di« socialistischen Sekten t« Judenthu«. (deutsch:' vgl. dt« Necrnsion t« beiliegende» Lltlbl.s . ' , Ludwig Steiger: »n« Leopold Zuaz' Nachlaß, (deutsch. Nach.4 1i(M bmulacaebeKC 6tMt.); M. Stultmann^Dte Philosoph ie de« heilige» Lho«a» von Aqntn» in ihrer Beziehung zum RabbiniSmu». (deutsch.) --- Joseph Jaftrow: Fremdwörter im Talmudische«, Hebräische» nab' «haldaischen. (englisch.) H Israel LewI: Di« Juden und die Inquisition in Sübftantretch»i (französisch.) . Salomo» Retnach: Ein« Episode au« de« Leben der polnischem, Juden im 18. Jahrhundert. ■ SS01(« Schwab: Zwei jüdisch-babylonisch« Bafta mit magisch«»'- Inschriften, (sranz.) Sie ln schnei der: Die arabischen Uebersehungen der Werte griechischer : Aerzie. Steinthal: Der Sadbath-Psalm. (deutsch.) Dr. Victor Wibal: Moussah, der Narr, ein« algerische Beschichte-^ (französisch) Heinrich Weil: Di« Hermokopidea und da« athenisch« Volk. ES sollen, wie man vernimmt, noch einige Bervffent» S lichungcn nächstens folgen. KuMlnlo. ENC. MmtareK, 30. Juli. (Schluß.) ES soll aber': mit dem (in Nr. 32) Miigckhellten durchaus nicht gesagt^! sei», daß wir uns in völlige Ruhe wiegen künunen; wn^- wissen eben nicht, »va» uns der Herbst bringen wird, r» ift^ nur Zeit gewonnen und nur die Hauptaltiou ist für »ich A vorläufig von der Tagesordnung abgesetzt, di« Aufreg« im ganzen Land« dauert aber fort, unter den Zeitung herrscht ein Tohuwabohu mit Lärm und Getöse, wie e» bei' Erschaffung der Welt gewesen sein mag, die Regieruna ist. genvthigt, den von Aßlan entfachten autisemitischn» Letoen»! schäften durch entsprechende' Administrativ-> MaßnaAneir* Rechnung zu tragen, und die Eoncessione« an den Anti- ‘ semitiSmu» werden von unserem allezeit auf ,Backschich" lauernden Bramtenthum weidlich au«gr»ützt zu Lhikane»? und — Erpressungen; denn diese letzteren sind in unserer- .Judenfrage" stet» des Pudel« Kern und die Triesfeder׳^ aller Beranstaltungen. Ich muß leider Raummangel»^ wegen aus eine auch nur aadeutuag-weise Wiedergabe der: sich streitenden Zeitungen, selbst Bukarest'» allein, verzichte«? und will nur hervorheben, daß wir unter denselben endlich^ auch drei» ehrliche und uninteressirte vertheldiger Habens andere drei sind, wenn auch liicht gerade gntgesinat, so doch gegen die famose.Eommission", wa» immerhin ^u unseren > Gunsten; mehrere audere sind offen antisemrttsch, unddarunter nicht blo» dte verderbten sogen, ,liberalen" des^j verflossenen Bratiaau, sondern leider auch di« jetzt osficiös ״Romania"; rin anderer Theil bekämpft die Aßlan'sck Jascenirung nur au» Opposition gegen die Regierung^ und schließlich giebt r» weich«, die blo» rin ,Geschäft" durchs Straßenverkauf machen wollen, dprum heute so, morgen umgekehrt schreiben. Daran» können Sw sich da» Bild^ de» mit rumänischer Heftigkeit geführten SchlachtgrtümmelSi der Zeitungea herstrlle». Bo» der Regierung sind Tircular» an die Uaterbrhörden ergangen, die - gegen di« befürchtetes Einwanderung russischer Israeliten gerichtet sind, aber mangels solcher durch.die anbefohlcu« Wachsamkeit und Aufsicht bif 1 rumänischen treffen. Der Minister de» Innern instruirtej die Präfekten,' auf ,Vagabunden" Jagd zu machen, bcr] des HandclS, den Hausirern die Betreibung ihre» Gewerb unmöglich zu machen, der de» Kriege», dichte Grenzwache»! aufzustellen, der de» Auswärtige» an die Vertretungen int; Ausland« di« Bekanntgabe, daß der Eintritt von Rrlseude, in Rumänien ohne von jene« visirt« Pässe, angeblich ,in Folge mehr und mehr zunehmender Einwanderung «tttelj loser Personen", untersagt sei., Dies« an sich scheiabsr.^ »orwnrfSsreie» Maßnahme» sind «ine O«ll« W '* für ns« uab — ei