Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 36 (3.8.1891)
- Date
- 1891-08-03
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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.... «in einziger an» Rußland auDaewiesener Jude.' An einer anderen Stelle spricht der edelgesinnte Herr Verfasser folgend« Bermuthung aus: .TS könnt« sein, daß auch L der russische Kaiser, al» er 1890 mit Bismarck unter A--»i«r Augen ksnferirte, von Bismarck gelernt hat. ■y di« Juden und mit ihnen die Nihilisten aus Ruß- •*- fonb auSzuweisen." — ״Seine Dankbarkeit bezeugt der L Jude, indem er die deutsche Armce und in ihr den obersten £ Rriegshrrrn stündlich beschimpft." Da» erfrecht sich ein 7 Mensch zu schreiben, der selbst in der unehrerbietigsten Weise h Don unserem Kaiser spricht, so Seite 2: ״Der Papst ist nicht unfehlbar, wenn er ohne Concil ist; Wilhelm II. hat durch zahlreiche politische Fehler seine persönliche Fehlbarkeit £ bewiesen' jt1 Wenn Bismarck» Freunde alle von ähnlichem Kaliber find, so kann er wirklich ausrufen: Gott, bewahre mich vor f: solchen Freunden! F. (Wir haben den altersschwachen grollenden abgethanen Reichskanzler in Kissingen fast täglich gesehen; Jungen« i Lesen vor ihm her, wenn er seine Promenade an der Saline b- «achte, und schrieben in den Sand: Hoch Bismarck! Ueber £ diese Huldigung schmunzelte freudig der alte Herr. Wir ~ dachten an die Erfüllung des Bibelwortes Nvp זכרינכם משלי >' ^Euer Andenken ist in den Staub geschrieben!" (Hiob 13,12.) L M«gdeö»r>, 28. August. ES sind doch komische Heilige xdie Herren die dieser Tage in Berlin al» .evangelisch-lutWische Augost-Eonferenz" tagten. Da sprach gestern der Pastor G. Schulze aus der Altmark .über die Herrlichkeit der heil. Schrift als Offenbarung Gottes". Bei der Besprechung der von ihm ausgestellten Thesen warnt der Professor Dr. Grau aus Königsberg davor, ״jede» Bibelwort als «twa» Unantastbares anzusehen. Selbst die zehn Gebote des alten Testamentes seien nicht ewig. Wollten wir so fest am Worte halten, so müßten wir auch den Sabbath Wern." Also um nicht in Widerspruch mit sich selbst zu gerathen, und um dem Borwurf zu begegnen, warum dem klaren Eibelwort entgegen der Sonntag al» Ruhetag begangen Würde, erklärt nian lieber, selbst die Zehngevote des A. T. feien nicht ewig! Wahrlich, «ine gefährliche Logik, denn wa» hindert, d«s auch ans die andern Ge» resp. verböte: Du ollst nicht morden, nicht stehlen, nicht ehebrechen, nicht Ische» Zeugniß aussagen. u. s. w. zu beziehen und sie nicht r verbindlich zu erklären, und dann wundert man sich über die -«nehmende sittliche Verrohung und wachsende Anzahl der Verbrecher. S. 8p. AerN», den 30. August. (Or.-Lorr.) Die auch ׳Don Ihnen gewürdigte, glänzend geschriebene polemische Eroschüre von Dr. Ludwig Jacobowski liegt den »tisemiten gar schwer im Magen und in ihrem wüthenden roll, auch nicht da» Geringste gegen den Inhalt Vorbringen können, greifen sie, wie immer in solchen Fällen, zur und Berläumdung. Al» die Schrift erschien, da warnte die ״Staatsbürger» itung" ihre ״Genossen" vor Ankauf derselben und vor igen Tagen brachte sie über den Verfasser die Notiz, ״daß vor 2 Jahren unter dem Falschnamen Dr. Justinus ein ' geschrieben hätte, worin er den Juden bittere Wahrheiten sagte und da» von den Juden al» von einem Abtrünnigen hrrnd betrachtet wurde: ferner, daß er gar nicht Dr. «, nicht einmal Dr. Philadelphiae. — Zwei Tage später e sie aber folgende Berichtigung veröfftntlichen: 1. ich Hab« nlemel« unier de» H,»en Dr. gufitnab ein Buch geschrieben, 8. Der Dr -Titel wurde «tr von der philosophischer! Aakultät der UniverfiUU Arribura i. Br.zuerkanut. Dr. Ludwig JacobowTti. Dieser Berichtigung kann ich hinzufügen, daß gegen die Staatsbürger.Zeitung" die Klage bereit» eingeleitet worden. Und da sage noch Liner dre Antisemiten kämpfen nicht " eit und Veredelung der Sitten.- jtittw, 18. August. Der ״ ׳Clever Volksfreund' vom 22. August schreibt: Der Oberrabdiner Dr. Horowitz au» Erefeld ersucht den ״Boten", zur Beseitigung des hier ob» waltenden Verdachts dem Publikum mitzutheilea, ״daß von authentischer Seite erklärt worden ist. ei sei theils in Kleidern» theils in sonstiger Umgebung der Leiche Blut gefunden worden in eiaent Maße, wie e» bei solche« Fällen durchaus nichts Seltenes ist." Da» Blatt bemerkt dazu: Soll die authentische Seite der Herr Krei»physicu» von Moers sein, so halten wir seine Fachkenntniß in Ehren, bedauern aber, in diesem Falle seinem Urtheile durchaus nicht beipflichten zu können. Im Gegentheil war nach unserer Information der Blutbestand in den Kleidern rc. bei der vollständigen Blutentleerung der Leiche selbst ein verhältnißmäßig so geringer, daß gerade dadurch fast mit zwingender Gewalt di« Ueberzeugung sich ausdrängte, der Mord kann nicht dort vollzogen fein, ivo die Leiche gefunden wurde. Wer der THLtrr ist. weiß der Himmel! — Wenig erbaut hat vielfach in hiesigen Krersen die Pcoclamation de» Herrn Staats» anwaltS. Man war vollständig verdutzt, al» man aut den Zeilen herauSlesen mußt«: Das Resultat der Nachforschung der C'iminal-Beamten war gleich Null. Auch hat die Form, in welcher die Prämie ausgeschrieben wurde, mehrfach wenig befriedigt. Die Wendung ״bis zu 1200 Mark" läßt eben einen weitcu Spielraum. ffm, 25.August. Der hiesige Staatsanwalt (B a u m g a r d) erläßt durch die Zeitungen folgende Bekanntmachung: ״In der Untersuchungssache betteffend die Ermordung de» Knaben Johann Hegn.ann zu Lauten ersuche ich um schleunige Forschung nach einem umherziehenden Metzger Mathias Degen, genannt Mattchea oder Ma t j e, aus Mayen, und Festnahme desselben im Betretung»- falle mit alsbaldiger Nachricht ander. Desgleichen wird um wiederholte Festnahme de» ebenfalls umherziehendeu Metzgers Salomon Bellemann au» Leuwarden, Königreich der Niederlande, ersucht, sobald derselbe sich wieder im Inland« sehen lassen sollte." Mrnchsat (Baden). Dem dritten Jahresbericht de» ״Landesvcreins zur Erziehung isr. Waisen" entnehmen wir zunächst die Mitthrilung. daß der Großherzog demselben die Sürperschaftsrechtr ertheilt«, wodurch der Verein eine feste Grundlage erhalten hat, die ihm eine ersprießliche Wirksamkeit sichert. DaS Vermögen desselben hat im vergaagrnen Jahre einen bedeutsamen Foltschritt zu verzeichnen, indem Herr Ferdinand Sulzberger (setzt in New-Uork), zum Andenken an seine verewigte Frau Rosa, geb. Weil, de« Vereine ein StistungSkapital von 10,000 M. überwies, welche» von seinen Schwägern (Jonas und Samuel Weil) (ebenfall» in New-Aork) um weittre 4000 Mk. vermehrt wurde. Außer einer Anzahl namhafter Spenden und Miträge (in Höhe von 31,084 M.) wurden dem Verein in Folg« letznviuiger Verfügung drei weitere Stiftungen überwiesen. Die Zahl der zu versorgenden Waisen stieg von 17 auf 33. Bon diesen sind 17 in Pflege bei gut empfohlenen Familien untergebracht, 16 befinden sich bei Verwandten, denen der Verein «inen Erziehung»-, bezw. auch Unterrichtsbeitrag zahlt; für 6 Waisen zahlten die HeimathSbehörden Beiträge zu den BerpflegungSkosten. Die Gesammteiunahmen beliefen sich auf 35338 M.; die Ausgaben auf 24 847 M. Der Stand de» Vermögen» war am 31. März er. 77,074 M. Sammelbüchsen sind »« allen jüd. Restaurationen Baden» ausgestellt. Mögen Ee« meinden und Private dem Vereine zahlreiche Beiträge zugehen lasse». N. «w Iiag.r»,S0^^(Or^Lorr.) Daß in Pest der Tantor Lazarus und in Basa der CantorBerger »umCantor derReligions-Gemrin-e gewählt wurden wäre IrinEreMiß von so weittragender Bedeutung, daß ich diese» der gesch..Wocheuschr." mittheilen müßte, wenn nicht die Cantoratsfrage in unserem Santo der Lrtotrrnng werch »ä«. I« Ungarn nimmt. Dank.