Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 36 (3.8.1891)
- Date
- 1891-08-03
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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i« eigenen Glaubenffnnnr ^a^ stündlich da« Hingt, da« trascht — wird sich mancher der geehrten Äser denken. — gar nicht betont, ja überhaupt nicht erwähnt zu werden. Und doch! denn dieser Gesichtspunkt wird im Leben namentlich von Seiten der ver» antwortungSvollev, aber nicht selten unklug gewissenlosen Eltern oder Bormünder außer Acht gelassen! Und dies geschieht leider entweder a«S Unterschätzung der jeder Religionsübung zu Grunde gelegten Eigenthümlichkeiten oder aus Berurtheclung der nicht mehr zeitgemäßen, Menschenfeindlichen(?) Lebensweise des alten Judenthum«. Letztere Art der Erziehungsweise hat wenigsten« den einen Entschuldigungsgrund für sich, daß es da« unterläßt, was eS für di« Entwickelung des -indes für nachtheilig erkannt zu haben glaubt. Aber auch diese Eltern sind zu belehren: denn jene selige Messiaszeit ist noch gar zu fern, wo die Menschheit in unerschütterlicher, durchgerungener Erkcnatniß der Wahrheit und des Rechtes, des schlichten galtähnlichen Menschenberrfes einer speziellen, bindenden Re» ligion vielleicht wird antreten können; erst dann, wenn der gefährliche Widerstreit menschlicher Gefühle und der Kräfte der natürlichen Wesen beseitigt und ein ewiger Frieden uns in dir Gefilde der Seligen versetzen wird, wird Israel vielleicht aufhüre», als eine Religion unter den Religionen zu gelten, wenn nach den Worten des idealen, gottbegeisterten Propheten .GottrSerkenntniß die Erde erfüllt', mit allem, was sich auf ihr regt, dann erst wird Gott jenen Berg von Israels Häuptern entfernen, mit dem er warnend es am Tage der GrsrtzcSgebung am Sinai umgeben. Unbesttitten aber schmachtet die Mcnschheit heut noch unter dem Einflüsse des Unglaubens, vom dem sie zu be» freien, Aufgabe und Zweck der einzelnen ReligionSsatzungeu ist. Und deren Kenntnißnahme und Ausführung ermöglicht die konfessionelle Schule am besten. Wtt dürfen uns bei objrrtiver Betrachtung nicht verhehlen, daß eigentlich eine jede Religion der andern, nicht den Bekenners einer andern, gegenüber intolerant ist und sein muß. E« hieße ja, sein« eigene Prinzipien verleugnen oder wenigstens nicht aner» kennen, wollte man e« unterlassen, für seine und dadurch gegen jede andere zu kämpfea. Ist nun die Schule in ihr Fahrwasser gelangt, ist sie durch di« Annahme des confefsionellrn Charakters der störenden Berautwortuni; überhoben, auf die Eigenthümlichkeiten, Feste und sonstige Umstände anderer Glaubensgemeinschaften Rücksicht zu nehmen, so gewinnt sie die rechte Zeit und Gelegen heit, die ihr ungehörige Jugend in genügender Weise anszubildeu. Und der Mangel an Zeit bildete ja bislang einen störenden Fak>or in der Ausbildung der Jugend. Die confessiooell« Schule bildet ferner die Stätte, wo ohne Störung das dem betreffenden Glauben angehürige Wissens- und Lehrgrbiet auch rn genügendem Umfange Gegenstand de« Unterricht« werden kann. Mehr als in irgend einer anderen Confessio» verlangt da« reale Juden» thum von seinen Bekenner« die Keantniß nud demgemäß das Studium seiner Schriften. Denn da in jener alten Zett-Rattonalität und Glauben von einer Idee getragen wurde«, da« äußer« Leben, den Bestand und die Entwicklung des Innern vorauSsetztt, La da« Judenthnm auch ein Stück Menschheit umfaßtt, so tragen auch die Ätteratnrwerke diese« Bekenntnisses den zwiefachen. Charakter an sich, sowohl dem allgemeine» Mensche«, als auch de« speciellen Juden als Faktoren der Bildung und Erziehung zu dienen. Und da in de» gesetzlichen Borschriften de« Judenthums Theorie und Praxi« in wunderbarer Weife überall auf« Engst« verbunden sind, so wird da« Bestreben jüdischer ErzieÄr und Lehrer dahin gehen müssen, für de» ausschließlichen Unterricht in diesen Fächern «ine« verhältnißmäßig großen Theil der vorhandenen Zett in Anspruch zu nehme». Der weiterhin unter den vorzubringendeu Srsichtspunktcu aufzu stellend« Stundenplan wird unsere vielleicht al« zu weit gehend erscheinende Forderung rechtfertige», daß für den jtür{4t di fügbare» Zeit in Anspruch genommy« werde» so! Einen ganz wesentlich«, Bortheil aber bietet die fessionelle UnterrichtSbehandluna dadurch, daß da«, den 1 speciellen Glauben betreffende Pensum einen weit stärkeren ־’ und nachhaltigeren Eindruck gewinnen kan«, als in der Simultanschule. Die Behauptung, daß der Geist der ständigen Umgebung sehr stark auf da« empfängliche Ge» 3 müth des Kindes einwirkrn, bedarf kaum eine« stärkere» A Nachdruckes. Und daß cr nicht zu unterschätze» sei. lehrt" 'q die Beobachtung des Ber Haltens zweier Kinder, von denen * da« eine einem streng-religiös lebende«, da« ander« eine« | in religiöser Hinsicht freier eingrrichtettn Hause angehört. '•*, Nebenbei bemerkt sei noch, daß die coniesstone-e Schule > den Lehrern, bezw. Erziehern die Möglichkeit bietet, ohne M Störung von Schule und Synagoge die ihnen anverttaute ׳A Jugend am Gottesdienste regelmäßig theil nehmen zn lasten, J wienwhl hierin durch die seit wenigen Jahren bewert»?Z stelligle Einführung von nachmittäglichen Sabbath» resp. 1 (FestgotteSdienst) Festandachten ein ziemlich ausreichender Ersatz geschaffen ist, bei denen jedoch eine weit stärkere .;י, regelmäßigeTheilnahme LltererPersonen erwünscht י wäre, al« rS Schreiber dieser Zeilen bisher zu beobachte» Gelegenheit hatte. Alle durch da« Bestehen der Simulta»- ~ schule bedingten Verlegungen und sonstigen Mängel bei« Gottesdienste schwinden augenscheinlich, wenn wir un« dazu entschließen würden, allen Einfluß für di« allgemeine Wiedereinführung konfessioneller Schulen geltend zu^ machen! Welch' großen Dienst wir dadurch unsrer Jugend leisten und welch« Erleichterung in unseren Erziehungspflichte» wir herdeiführeu. ist nun nicht schwer einzusehen. 4 Berichte ««> E»rrespO»ke»je». 8p. HKagdeünrg, 1. Sept. Welch ein llnkraut dem Gebiete der TageSlitteratur emporwuchert, erficht man | zur Genüge, wenn man einen Blick in die reklamenhaf Schundbroschüren des Herrn Max Bewer wirst. Ein Au« Hänger Bismarck« »an« pkrn«, verspricht er sich von de« Eintritt Bismarcks in den Reichstag eine bedeutsame Wandlung in der Geschichte des deutschen Parlament«, indem unter de» Altreichskanzlers Aegide ein ״d e u t sch e S Centrum" sich bilden wird, das ,eine monarchische Partei der Wehrkraft und de« Schutzzoll-' sein soll, ,aus der all« Lakaien, Juden und Demokrattn »d ovo ausgeschlossen sind': einen Gegensatz zu diese« Bestrebungen würde dann das jüdische Cmttrum, .flankirt von senttmentalen und dokttinären ״Gevildeten' und dumme» und gemeinen Philistern', bilden. So fabulirt Max Bewer, der Interviewer Bismarcks, in seiner neueste« Broschüre: ,Bismarck im Reichstage'. Daß die Juden an alle« Urwkück Schuld sind, ist dem Brochüreuschreiber etwa» ganz Selbstver» stündliches. Einige Stilblüchen möge« zur Charakteristik de» sauberen Herrn hier Platz finden. Obwohl er Seite 49 die Behauptung ausspricht: .E« fft wahr, diejenigen anttjüdische» Elemente, die bisher in Deutschland an die Oeffentlichkeit ge-- trettu sind, waren nicht immer die ftinsttn', leistet sich Bewer folgende Unverschämtheiten: .Die deutsche Judenschast ist also nicht nur giftig wie eine Schlange — nein, auch undankbar wtt ei« Schwein.׳ — ,So sind sie da« gemeinste, da» des Occideut« sind die Juden dtt Extremente der Menschheit.* — ,Rickert ist derjenige unter den freisinnigen Abgeordnete«, der am meisten zu den Juden hält «ud der somit ei» ״Zuhältrr der Juden' genannt werden kann.' — .Dadurch, daßder Kaiser den Phuosemittn Miquel für feine» Manu erklärte, ist der Jude lebendiß geworden wtt Quecksilber.' — ,Geilen, feilen und feilsche», da« ist de« Jude» Last.* —. .Hundett Jesuiten, vorausgesetzt, daß kein getqoftsr 8>Gü.׳j