Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 35 (27.8.1891)
- Date
- 1891-08-27
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/6492344-5935076-5959677--0757-5374515- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
י*, ffftitt. weil das rituelle Dokument nicht den Charakter einer Rechts.Urkunde besitze, sofern die gerichtliche Eheffriibunfl für die Bekenner des israelitischen Glaubenvon *-'.״nie■ wegen vollkommen auSreicht, um die alte Ehe zu ISfcn und zur Begründung einer neuen zu berechtigen, der rengiöse Lchcidungsakt daher lediglich als Privat Angelegenheit Parteien zu betrachten ist. Frankreich. Wart». Bor einigen Wochen hielt Rodocanachi einen Bortrag über .die Beziehungen der Juden in Rom zum Papstthumunter dem Borsitze I. Opperk» und vor einer sehr zahlreichen Zuhörerschaft. Der Bortragende begann mit dem Aufenthalte der Juden in Rom in der heidnischen Zeit und zeigt,! wie die Juden später unter den Päpsten St. Greaoire und ן tznnoceiiz dem VIII, ivelche wahre Zchdenfreunde gewesen, höchst j glücklich sich befanden. Erst im XHI. Jahrhundert beginnt ן die Aera des Mißtrauens, hervorgerufeu durch die ReformbtL^uug in der christlichen Kirche. Karl IV. machte sich Mn Organ diesrr neuen Aera und sucht dir Juden Rom's der Welt und ihren römischen Mitbürgern obzuschließen. IS. Jobrhnndcrt entstand durch die Aiifrichttmg des -5s-cito's, dessen Herstellung zwei Monate erforderte und die 4 Jahrhunderte inerte, diese LeidenSzcit der Juden. Der Vortragende führte unS in das Innere dieser unglücklichen w.slern Wohnungen, zeigte unS den Fleiß und die Intelligenz j»uier Insassen, wodurch dieselben die Glänbiger des sie ver- Agenden Papstes geworden. Im 16. Jahrhundert wurden unglücklichen Juden von der Aristokratie bei dem « srneval in der entehrendsten Weise zum Spielball des Pöbel» ׳.vendet. Halb nackt mußten sie als Schnelläufer, als Äadspnngcr re. dienen. Zu dieser Grausamkeit gesellt sich , Unduldsamkeit, denn Jude» wurden gewaltsam getauft, andere mußten die BekehrunMiPredigten m der Kirche del Pranto anhörrn. Am Schluss« seine» Bortrage» verlaugte der Redner Amnestie für den römischen Stuhl und zwar Namens der Duldsamkeit und der Philosophie; er glaubte, daß dcrielbe sich auch de» IS. Jahrhunderts würdig zu Reformen den Juden gegenüber zeigen und seine wichtige Stimme gegen den Antisemitismus erheben werde. zDas blieb bi» z^tzt leider ein picun ckooickorinm). Hkark». Karl Söller. Mitglied de» Colonial rache», hielt einen Bortrag über seine Streifzüge in Marokko und durch die Sahara. Er schilderte die unerhörten Leiden, welche unsere unglücklichen Glaubensgenossen in Marokko aasgesetzt sind. Söller, der Katholik ist, ließ in seinem Bornage den Israeliten mi bedingte Gerechtigkeit widerfahre«. Die Wissenschaft und die Kunst, di« Cimlisation wird in diese» barbarischen Ländern durch die Juden vertreten, dieft allein sind auf der Höhe jeglichen Fortschritt». ^art». Der Graf von Camondo ist zum türkischen Generalkonsul für Frankreich ernannt worden an Stelle des rrrslotbenen Alexander Ellissen. — Ealmann Lrvy, Inhaber der weltberühmten Buchbandlung und BerlagsgeschästS, bei welchem Ränan und alle ntterarische Koryphäen ihre Werke vorlegten, ist jüngst hier gestorden Derselbe, iu Pfalzburg geboren, gründete in Gemeinschaft mit seinem 1875 verstorbenen Bruder Michel seine Buch- Handlung die aus kleinen Anfängen durch Ehrenhaftigkeit, durch seltene Intelligenz und Energie zur bedeutendsten Firma iu ihrem Fache sich emporschwang. Alle großen und berühmten Persvnlichleittn vom Theater, der Litteratur, der Kunst und der Politik verkehrten geschäftlich und privatim in diesem Haust. Der Berstorbeue war Mitglied de» Central» consistoriums für Frankreich als Vertreter der J»roelitrn Algiers. Seinem Leicheiibcgängnisse wohnten u.A. Alexandre Dumas. Jules Simon, Sardou, Räuau, Halevy, Mrilhae, Admiral Jurstn u? t» Graviöre, Claretie bei. Zadoc Kahn hielt die Leichenrede, in welcher er besonders Levys schönen Charakter und desstu Anhänglichkeit an der jüdische» Re" ° ־ ־--־ ־ forad) über den geliebten Chef, Bedarride« über Verdienst« al» Lonsistorialmitglied. ^5e»de», 31. Juli. Unter den vstlen fürstlichen Persönlichkeitcn. welche von Zeit zu Zeit an unstren Küsten landen, giebt cs wohl keine, welcher die Juden England lieber ihre Ehrerbietung bezeugt haben würden, wie den Kronprinzen v o n I t a l r c n, wenn dessen Reise nicht inoognit» geschehen wäre- Der Sohn des König« Humbert, unter welchem so viele Juden verantwortungsvolle Aemtrr bekleiden, und der Königin Margerita, der enchusiastischen Verehrerin de»- Hebräischen, muß allen englischen Juden, welche im Vollbesitze der bürgerlichen und politischen Rechte die unermeßlichen Dienste, welche daS italienische Herrscherhaus der Sacheder Freiheit und Gleichheit geleistet hat, zu würdigen verstehen, ein Gegenstand des höchsten Interesses sein. Es ist überflüssig, hier die Geschichte der Juden Italien» von dem Zeitpunkte an zu erzählen, da Victor Emanuel, der .Königliche Ehrenmann' einen Juden in der Person des noch lebenden Senators Jsaac Artom als Gesandten an den Hof von Copenhagen schickte. Auch unser Jahr liefert uns ein Beispiel von der hohen Stellung, zu welcher italienische Juden gelangten, in dem Factum, daß der hochwichtige Posten eines Finanzministers, der höchste nach dem des Premierministers, durch unsecen Glaubensgenossen Herrn Luzzatti besetzt ist. Bezeichnend für dir hohe Stellung dieses Würdenträgers ist auch der Umstand, daß in jüngster Zeit bei dem Besuche eines englischen Kriegsschiffes in den italienischen Gewässern in dem Gefolge des Königs Humbert außer dem Marinrminister nur noch Herr Luzzatti sich be« fand. Ebenso interessant dürfte die Mittheilung sein, daß unter den Mitgliedern der italienischen Gesandtschaft, welche vorige Woche den Kronprinzen von Italien bei seiner Ankunft in Charing Croß begrüßte, der Gesandtschaftsrath, Graf t" London, 14. August. Heir Gladstone ertheikst dem Sccietär des russisch-jüdischen Hilfsausschusses, Herrn N. S. Josephs, aus die ihm übersandte erste Nummer des- 0״»rke»r. Kmwia“ unterm 18. Juli folgende Antwort: . .Mit aufrichtigem Danke habe ich Ihren Brief nebst Anlage empfangen. Ich hoffe ernstlich, daß eine vollständige und klar« Dar» ftellung der bedauerlichen Thatsachen hinsichtlich der Lag« der russischen Juden mit der Zeit die öffentliche Meinung zu Gunsten der Humanität und Gerechtigkeit einnehmen und auf das Verhalten Rußlandselbst und seiner Regierung einwirken möge. Möge es Ihnen gelinge», der Zeitschrift auf dem Kontinent eine weit« Berbrritnng zu verschaffe», da der öffentlichen Meinung hier mehr als in England vorwärts ge» Holsen werden muß.- — Der Herzog von Westminsler schreibt an ein Mitglied׳ des .Russisch jüdischen Lomitees' u. A.: wie folgt: .Dir Ding« in Rußland scheinen immer schlimmer zu werden^ denn die Umnenschlichkrit der Behörden ist erschrecklich, ja fast nnglaublich. Der Ezar macht sich selbst dafür verantwortlich, wen» er zu jene» Herrschern gezShlt wird, die, wir Philipp U van Spanien ihre unbeschränkt« Gewalt nicht zum Heil und׳ zur Wohlfahrt von Millionen ihrer Unlrrthanen, sondern zn deren Ruin und Unglück ae» brauchte« und dadurch sich die Brrachlnng und den Abscheu aller Veffergesinnteu der civilifirten Welt zuzogen." StwOlawd. Hdeßn. Der dieser Tage verstorbene General Graf' Stroganow war unter Nicolaus zwei Iah« Minister de» Innern. Nach seiner Demission zog er sich nach Odessa e «. - --־* ~ ' ־ ־* ■׳ _ genossin, und sein Verkehr beschränkte sich nur noch auf ei» einzigen Freund, Herrn M., einen ebenfall« sehr alten 1u& würdigen Odessa« Einwohner. Dieser Herr M. war “ aber ein Jude, aus den» wst der ,GraManin" zugiebt, die ganze Menschheit stolz sein kann! Zur Zeit, als noch Graf- LüderS Ober-Commandirender in Odessa war, also de» Srimmkriege», bot dieser dem Jude« M. ein für'» Militär an. SR. ". * ־־