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Israelitische Wochenschrift · 1891-08-27 · 35 (27.8.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
35 (27.8.1891)
Date
1891-08-27
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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diaant;Ste mbtentn . . .״ — .Ich - bkauchc sie nicht", antwortete M. (M. war aitfaiw* in einem der Südhäfen Agent einer Dampfergrsellsrhast, sparte -sich dabei ein Kapital von SO 000 Rubel zusammen und zog lich dann, bereithochbejahrt nach Odessa zurück, wo er das ״Geld bei einem Bantier deponirte.) Kurz vor dem Tode Stroganow'S ereilte seinen Freund ein großes Mißgeschick: der fünsundsiebzigjührigc Greis verlor durch die Insolvenz seines Bankiersein ganze- Kapital »nd wurde zum Bettler. "Allein der greise Jude hielt den Schlag heldenmüthig aus. Eines Morgens erscheint Gras Stroganow, der von dem Unglück gehört hatte, bei seinem Freunde und fragt ihn so leichthin, warum er so niedergeschlagen sei. — .Ich weiß nichts davon", sagt M. — .ich bin derselbe, der ich war." Der Graf wollte von ihm eine Mittheilung über das Unglück herauslocken und versuchte cS auf verschiedenen llmwegrn, allein M. ließ kein Wörtchen darüber fallen. Da nimmt Graf Stroganow ein Packet auS seiner Tasche und legt eS auf den Tisch. — WaS wollen Sie sich vor mir verstellen," sagte er, .Sie haben Ihr ganzes Vermögen verloren, ich weiß es; nehmen Sie bitte diese 00 020 Rubel von mir an: in Ihren Jahren ist eS schwer, sich an die Armuth zu ge. wöhnen." — ,Graf", entgegnete M. — ,wir sind mitem- . ander lange Jahre befreundet; wie lange wir es noch sein werden, weiß ich nicht, allein, soviel ich auch noch zu leben habe, ich will nicht, daß irgend Jemand sagen oder denken könnte, daß Sie mich für die Freundschaft mit diesem Gelbe bezahlt hätten. Nehmen Sie das Geld wieder fortl" Der Graf, stolz auf sich und seinen Freund, begriff, daß sein Freund Recht hatte und nahm das Geld mit einer Entschuldigung zurück. — Bald darauf erhielt aber M. in "Odessa eine Anstellung, die ihm ein sorgenfreie- Leben sicherte. Ker«ijchte und »eueste A«chr»chte^. pagpebaea Der Abg Böckel tenuuttn tm .Reichsheroldden Prof. Straa »egen seines Buches: .Der vlutaberglaube bei Christen und Jude«-, al« Jutenschützer Und dabei ist Strack orthodoxer evangelischer Theologe und Ehrenmitglied de» antisemitischen ,Verein« deutscher Studenten-! — Herrn Böckel'« Autorität in der Krage de» Ritualmorte» ist bekanntlich der katholische Proseffor Rohling. Weist «an aber aus die Schimpfereien de» Lesterrn über den Protestantismus Hin, dann sagt Böckel: ,Dieser Herr geht die antisemitische BolkSpartei -««r nicht» an - — Nächste Woche will dieser widerspruchsvolle Böckel Hier eine Gastrolle gebe». OroMderg. Die Verwaltung de» hiesigen Rabbinat» ist mit chem 1. August er. dem RubbinalSkandtdaten Herrn Dr. Walter, ^Zögling de« Breslauer Seminar». provisorisch übertragen worden. K«et<d«d, 20. August. Baron Hirsch ist von hier abgereist. Lein Bevollmächtigter ö hite hat sich in Begleitung eine« Rabbiners l»»« der Provinz Posen» nach Petertburg begeben, um der russ. Re- ^Aterung de» Plan zur Organisirung eine« Eentral-AuSwanderungS» Gamite« » in Pttersdurg und Zweigeomitee'» im Land« vorzulegen. Hdarts, 28 August, vorgestern vollendete Joseph Derenbourg .lei» SV. LetenAjahr. (D. ist ei» geborener Deutscher, wanderte, wie Juituö Oppett, »ach Pari», und wurde, wie dieser, wegen seiner reichen »mfaffeute» wisse» sch«! tlichen Thättakeit zum Proseffor und Mitglied - de« ,Institut de Krane«- ernannt. Der greis« Orientaliftist aegenwättig ' mir der Herausgabe der arabische» Werte de» Gaon Saad!a zu deffcn Mtllenarium (im nächsten Jahre) beschäftigt; möge e« dem raftio« Thärigen brschieten sein, sein eigene» itentenalium zu erleben! Red.) V««U. I» Folge (intv LoncurS-AuSschreiben» der hiesigen Medizinischen Fakultät wurden »an den vewerber» 2 Juden zu ' wichtigen Posten ernannt und zwar Dr. Lyon al» Leiterder Klinik am Hotel Die« und Dr. Lion al» solcher am Recker Hospital D«>et-. Eine junge russische Jüdin, Krl. Dobrouökine, hat -<ut der hiesigen Universität al» Aerztin promoviri. Dieselbe, erst >L4 Jahre alt, absolvirte ihre vorbereitungSstudien in Tscherutaoff .. (Rußland), wo sie mit der Verdienstmedaille ausgezeichnet wurde. Ja »»serer Hauptstadt praktiziren zur Zeit 6 jüdische Aerztinnen, all« in ׳ 'Rußland geboren. Aus Beriangen de» Industriellen Win an» Elbrus ׳ wurde der Redakteur Olivter «ege» «v-tisemitischer Hetzereien zu 520 Frc». und zur UrtheiiSinsertion verutthetlt. >aa»»«r»«» (Holland). Herr A. Duparc, Präsident de» iädtijchen Schulvorstande», ist wiederholt zum Twdtratü gewählt worden, k ist der einzig« In»«, welcher tu beiden Körperschaften Sitz und »me hat und hat bei der Htadkrathäwahl von allen, welche in diese» berzffeu wurden und zu welch» christliche Kandidaten au» Muer Weisheit' in der öffentlichen Verwaltung Stadt, erwählten sein« dankbaren christlichen Bru Alderman, Friedensrichter und höchster Rath für die Graft Al» letzlen Beweis ihrer Hochachtung veranstaltete» sie ihm ltche« «egräbniß. Heine Menschenliebe, sein reiche» WIffen de» ersten wtk augesehowstr» FaniNI äus fich vercinigt. Beilfsel. Bei der Feier der silbernen Hochzeit de» Senator». Monlefiore hyt der königlich« Hos sich brihellig». Der König ließ dem verdiente» Jubelpaare durch seinen Adjutanten seinen Glückwunsch übermitteln. Der Bürgermeister Bul» hat tm Ramen de» Gemeinderathe» eine Adresse verlesen und namentllch dt« Berdlenste de» Jubelpaare» um den Unterricht und da» Armenwese» hervorgehoben Madrid. In der hiesigen Rational-Vibllathek befindet sich ei» seltene» spanische» Manascrlpt.da» Buch de» Rabbl Santob- 21V VV) von besten Existenz nur sehr wenige europäische Gelehrte Kirnte baten. Daffelbe enthält 626 Gedicht« über moralische Themata und ist dem katholischen Könige »Peter ter Grausamegewidmet In einem der Gedicht« werten dem Könige die Mittel genannt, durch welch« er sich die Lieb« und den Dank seine» Volke» erwerben kann. Eine Abschrift diese« Manuskript« befindet sich in ter Bibliothek de» ESeurial - B»rd«aar Hier starb ter Präsident de» llonsistottum», Alexandre Lton, ein um di« Stadt und die Provinz hochverdienter Mann, ter namentlich ans dem Gebirte der städtischen Wohlthättgkelisverwalrung sich große Verdienste erworben. Alle», wa» hier aus dem Gebiete de» Hantel», ter Finanz, ter Militär- und Elvilvenvaltung einen Ramen har, war bei ter Beerdigung vertreten. Außer dem Rabbiner sprach ter Präfecr und ter Maire von hier, ferner verschietene Notabeln ter hiesigen Stadt und tßemeinde an seinem Grate. Grzveseud. <im Sonntag, den 26. Juli, fand di« seierliche Grabsteinsetzung zur Erinnerung an den verstörte»«» Friedensrichter Rev. Henry Berkowitz in Gegenwan zahlreicher verwandten und Freunde de» Heimgegangenen statt. Der Earl von Darnley und Lord Rothschild legten prachtvolle vlumenkränz« auf dem Grabe nieder Da» Denkmal trägt folgend« Inschrift: .Dem ehrwürdigen Henry Berkowitz au» Gravesrnd. Kent, gestörten am fi. April 1891 im Aller von 72 Jahren. In Anerkennung seiner hochherzigen Handlungen und menschenfreundlichen Werke, sowie heit in ter öffentlichen Berwaltuna und Hebung dieser Bruder ihn zum Mayor, Graftchas» Kent. ein »ffent- WIffen und sein« üvjährige unermüdliche, theilnehmeate Sorge für die Armen, so wie leine sorigesetzte, erfolgreiche Vertretung de» Jutenthum» werten un» in ewiger Erinnerung bleiben.- Wir fügen noch hinzu, daß dl« Einwohner von Wravejend Vor» kehrungen getroffen haben, in Anerkennung ter Berdlenste de» ver» ftorbenen um da» Wohl ter Stadt, sei» Bildniß im Rathhause auszustellen. Au» Rußtand wird tem .Darksat Raaaiiau« ganz znverlässiger Quelle berichtet: ״Ein fernere» Unglück ist über mehrere slädt« mit zahlreicher jüdischer Bevölkerung hereingebrochen. Durch Brand» stistung wurde» zu O n i k s ch t y (Prov. Kowno)?00 Häuser nebst Hintergebäuden und Aaarcnlagern in Asche gelegt. Di« Synagoge nebst den SesetzeSrollen fiel edenfall» tem Feuer zum Opfer und an 1020 obdachlose Familien sind ter größten Roth anheimgesallea. In Rodoschkowltz (Pr. Minsk) brannten 500 Häuser und Läden nebst Syuagogen nieder. In Iwie (Prov. Wilna) wurden über 200Häuser und ln Mlschagoly (Prov Wilna' über 100 Häuser durch Feuer zerstört Ein ähnliche« Unglück befiel auch noch andere Städte. Im Ganzen sind hierdurch über 10,020 Personen obdachlos geworden. A«» tu früheren Zeiten ein solche» Unglück eine Gemeinte heimjuchte, so eilten die AlnubenSgenoffen der Rachbarstädte den ihre« Eigenthum« Beraubte» zur Hülfe. Die allgemeine Bedrückung ter Juden aber macht diese» heute unmöglich, denn wer selbst nicht» besitzt, kann auch andere nicht unterstützen. Herzerschütternd lautet ter Bericht eine» Augenzeugen über den Brand zu Lomsa. Da» Feuer brach plötzlich au» und zwar in solcher Ausdehnung, daß jeder Zweisel an eine Brandstiftung au-geschloff« werten muß. 184 Häuser brannten bi» aus den Grund nieder und über 2200 Personen wurden obtechlo». viele erlitte» schwere Brandwunden und herzzerreißend war ter Jammer uud da» Wehklagen ter Lerzweiseluten, welch« zuseheu mußten, >vie ihr einzige» Gut ein Raub ter Flammen wurde Di« vehörden sahen theilnahmSlo» zu uud nicht» geschah von tenselben, dem Feuer Einhalt zu thun. Wa» tha« ater nun die Regierung zur Linderung ter Roth dieser Unglücklichen, zur Entdeckung ter Braudstister oder zur Verhülung ähnlicher verbrechen? Mit einem Sorte — Richt»! Die Opfer waren ja nur Juden!- Au» Jeettsale« meldet ein Daziel-Telegramm, entgegen alle» andern Berichten, daß daselbst leider auch di« Lholera auögebroche» sei und schon »tele Opfer gefordert Hab«. (vlSher verlautete nur, daß in Syri-n Lholerafälle vorgekommeu seien.) Au» Jaffa tepeschirte vor. Woche Herr Pine» nach 2teff:: .Alle vorgestern au» Rußland zu Schiffe hierj Angekommenen wurden nicht au» Land gelassen, sondern mußten mit demselben Schiff« wieder zur Rkke Hern, Um de» Himmelt willen, haltet doch alle, di« hierher reis«» wollen, davon ab!" E» gtebt jetzt kein« Päffe »ach Palästina. Der türkisch« Konsul schreibt aus jeden Aupwa,terung»paß di« Watte: Mit Ausschluß »o» Syrien und Palästina.

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