Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 35 (27.8.1891)
- Date
- 1891-08-27
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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— 278 — E. K• %f; M L' »Lm■ I He Errichtung brt Grabsteins, der jüngere stattete seinem 'Vater in tief empfundenen Worten den Dank ab für die Sorgfalt, welch« derselbe stets für seine Familie geübt. Mit dem tief ergreifenden Gesang (,Aufrrstehn, ja Auferstehn') schloß die sehr ernste und würdige Feier. Der Grabstein, nach dem Entwurf des Herrn Architekten Mückcrt ist in schwarzem Syenit in ganz vorzüglicher Weise durch Herrn Sttinhauer E. Wittmann hier auSgeführt ^worden und wird für alle Zeiten ein beredtes Zeugniß ab- -geben von der Liebe, deren sich der Da Hingeschiedene während seiner amtlichen Tätigkeit zu erfreuen hatte. chschwege (-Lchluß.) Bon der geschichtlichen Ent- "Wickelung dä iSrael. Schulwesens wie der Stellung der iSrael. Lehrer ausgehend, schilderte der Bortrag die Stellung "deS Lehrers der Jetztzeit in sozialer Beziehung und lieh -auch kaum eine Seite derselben unerwähnt. Besonders wurde mit Genugthuung hervorgehoben, daß an die iSrael. Lehrer in beruflickser Beziehung gleiche Anforderungen wie an die -christlichen gestellt, ihnen dagegen aber auch durch die Schulbehördc gleiche Rechte und gleich wohlwollende Behandlung In theil würden, daß ferner rin inniges Verhältniß sie mit den chrisllichen Eollegen verbinde und daß sie von diesen zu <lllen den Lehrerstand hebenden Bestrebungen herangezogen und ihnen auch gleich« Rechte an den Genüssen aus den das materielle Wohl befördernden Bcranstaltungen zugcstand.n feien, sowie daß sie sich genau dieselbe achtunggebietende Stellung in der Gemeinde, wie bei den Ortseinwohnern überhaupt zu verschaffen verstanden hätten. Zu den sozialen Aufgaben des Lehrers übergehend, fordert der Vortragende, daß der Lehrer nicht nur an sich selbst immer weiter arbeite, daß er nicht nur in der Schule immer weiter strebe, daß er vielmehr durch Wort und Beispiel wohlthätigen Einfluß auch auf das geisttge und sittliche Leben der Erwachsenen zu ge- Winnen, daß er die Sache der jüdischen Schule, des jüdischen GemeindrwefenS, wie des Judenthums üoerhaupt zu heben suche. In geeigneter Weise und bei geeigneter Gelegenheit lasse er sich auch das Wohl der übrigen Einwohner und das Gedeihen des Gemeindewesens seines Heimathsortes angelegen sein, wodurch er gewiß auch das rechte Verhältniß. in welchem di« Mitglieder der verschiedenen Religionsgemeinschaften zueinander stehen sollten, mit Herstellen hilft und dadurch eine gerade in unserer Zeit so bedeutungsvolle soziale Aufgabe erfüllt. Der Vortrag, mit grobem Fletße uab vieler Wärme ausgearbeitet, und in edler, oft humoristisch angehauchter -spräche geholten, hat auf «B< Hörer einen nachhaltigen Lindruck hervorgerusen, und die Dankes» »orte des Vorsitzenden wurden von jedem Anwesenden getheilr. Da der Herr Referent bei der Eigenartigkeit des Themars von der Aus- Peilung von Leitsätzen abgesehen hatte, konnte in eine Spezialdebatte nicht eingerrelea werden; auch die Generaldebatte, an der sich Hauptsächlich die Herren Dr. Prager, Gotthe lst und Justizralh Hirsch,; Vetngarteu-Bebra, Blach-Gudensberg, Stein-Rabolshausen HetheUiäten, ergab t« allgemeinen vollständiges Einverstäudniß mit '-de» Referate. Da der ltorreferent, Herr Levi-Hofgeismor, am . Besuche der Konferenz verhindert war, mußte da» ilorreserar aussallen. Ls eriolgte nun im Aufträge de« Ausschusses, veranlabt durch einige MaßrHelungen von Vorsängern durch di» Vorsteherämler, durch den Unterzeichneten Amram»Borken di« Besprechung der geglichen Stellung der Lehrer in ihrer Gaenschas« als Vorsänger, wie sie die Verordnung vom 80. Dezemb 1825 regelt. Schließlich in einem Appell >rn die anwesenden Herren Rabbinen ausgehend, die Lehrer in dieser ׳Stellung zu schütze» und zu stützen, glaubt der Ausschuß durch diese Besprechung de» hessischen Lehrern «inen Dienst erwiesen zu habe». Der Unterzeichnete Oppenheim-Treysa leg« alsdann namens de» Ausschusses eine Zusammenstellung derjenigen Gemeinden vor, welche infolge de» Schulentlaftungsgesrtze« da» Einkommen ihrer Lehrer «rhühl haben. Di« in der Versammlung »och vervollständigte Zusammenstellung erweist, daß erfreulicherweise bereit» ungefähr der dritte Theil nnserrr Kollege» VortheU aus de« «nannten Gesetz hat. Zweck der Vorlage der angeführte» Zusammenstellung war, auch den übrigen i Lollegen zur Erlangung eine» erhöhte» Einkommen» behilflich zu sein. Alt Ort für di« nächstjährig« Konferenz wurde Fulda gewählt. Herr Löweastein dortseldst übrrntmmt da«Referat über da»Thema: »Wodurch kann dt« Krnnwiß der jüdischen Geschichte unter der Heranwachsenden isrmlft. Jugend »ehr verbreitet werden?י ' at aus de» Herren Dr. Stein de» beiden Unterzeichneten, wurde durch Zuruf wiedergewähil. Mit dem Autdruck« der Befriedigung über den Verlaus der Versammlung und dem Wunsche eines frohen Wiedersehens in Fulda schloß Herr Dr. Stein dt« 28 Jahres- Versammlung, worauf Herr R o s e n b a u m » Zierenberg namen» der Versammlung dem Herru Vorsitzenden Dank sagt für di« umsichtig« Leitung der Verhandlungen An die ilonserenz schloß sicheln In der Restauration Löwen st ein eingenommene» Mahl, welche» eine animierte Stimmung unter den Theilnehmern hervorries. Tischreden wurden gehalten: von Herrn Dr. Stein aus Sr. Majestät den Kaiser, vom unterzeichn. Oppenheim aus den Herrn Vorsitzenden, von Herrn ütutkind auf dir Gäste, von Herr llornelius aus den Res renten, von Herrn Gotthelst auf die Lehrerconsrrenz, von Hezrn Dr. Munk auf die Synaaogengemeiuden. von Herrn Dr. Prager aus das gute Verhältniß zwischen Rabbinen und Lehrern, von Herrn Blach-Gudensberg aus die Lehrersrauen und von Herrn Rosenstein-Herleshausen aus den Vertreter de» D.-J. G-B Herr« Geheimrath Dr. Krtsteller, wel-tem lelegigpbtsch di« Verehrung der ilonserenz übermittelt wurde Rur zu rasch nahte di« Zelt der Abreise. Aber neu ermuthigt für die Beruslakbeit durch den schsne» Verlaus der Versammlung eilten di« ilonserenztholnehmer der Heimalh und der gewohnten Ardett zu. Die Schriftführer: G. Oppenheim-Treysa. Amram.Borten tvesterreied-Un-arn. Zn» Aößmev. 23. August. (Or-Lor.) Wenn die Freundschaft Rußland'- mit Frankreich diese Großmacht oerhindert, zu Gunsten unserer schwer i>edrängten russischen Glaubensgenossen einzutretcn, da die ,hohe Politik' die Völker und Glaubensgrsellschaften erlösende Nation der Franzosen in einen Enthusiasmus stürzt, auS welchem heraus sie zu ihrer Lultur- und FreiheitS-Sendung nicht erwachen und die Kraft erraffen will: so ist ebenso und noch mehr betlagensja belachenswerth, die Verbrüderung der rntisemitischcn Jungczrchrn Prag'», mit den germanischen Anrisemiten Wien'S Dre Bertteter der beiden Parteien mochten bei ihrer jüngsten Umarmung gedacht daben: Riemais hast Du mich verstanden Und niemals auch verstand ich Dich, Rur wenn wir unS im Kolh« fanden, Da verstanden wir uns gleich." Da küßte der lb kannte Schneider einen jungczechischen Antisemiten auf der Sophien-Jnsel Prag'- und glaubte Millionen Antisemiten mit dem antisemitischen Comüdiauten zu umschlingen und seinen Kuß zu geben ei 1er ganzen antiscmitijchen Welt. So groß war die antijeir.itischc Begersteiung bei der Landesausslrllung in dem ^goldenen Prag', m welcher Metropole an der Moldau heißköpfigr Jnngczechrn den Plan ersannen, aus Oesttlreich-Ungarn einen Sklavcn-Staat unter dein Titel der ,vereinigten Staaten Oesterreichs' zu machen. Wie dem russischen Welthetrschastsgelüste — schade, daß nicht auch der russischen Barbarei gegen Menschen mit dem Gla'iben an einen einig-einzigen Gott — der frieden- und kulturgebietende Dreibund gegen übersteht, __ so bietet dem - Oesterreich unterwühlendrn PanjlaviSmus' judenfeindlicher Tendenz, der die Gleichberechtigung aller Religionsbekenntnisse gewährleistende ungarische Staat ein geivalttges und ent» scheidendes Gegengewicht in unserer dualistisch einheittichen österreisch-ungarischen Monarchie. N. JImu«, 2. August. (Or.-Corr.) Seit einiger Zeit werden in den öffentlichen Blättern Fälle diskutirt, m denen mit der rituellen Scheidungsurkund« (dem Get) insofnme Mißbräuche gemacht werden, als die Ausfolgungen von nicht selten wucherischen Geldbewilligungen abhängig gemacht werden, welche nicht nur das religiöse Gewissen verpönt, sondern auch zu Unterlassungssünden oder Störungen des Familienstandes führen. ES wäre wirklich an der Zeit, daß die rrligionS-gefetzlichen Autoritäten unseres Landes sowohl hinsichtlich der Rettung der religiösen Institution als auch der Aufrechterhaltung der Wohlfahrt der Familie und de» staatlichen Ausehens Stellung nähmen. Daaus die Quellen geprüfte jüdische Eherecht gestattet wohl eine Bereinigung der religiösen und staatlichen Anforderungen in der Ehescheiduna. Wie sehr nothwendig die« wäre, beweist, daß Mgst der König!. Gerichtshof zu Budapest sich mit der faß Mischen Scheidungsbriefes (Get) beschäftigte x« der Last der Anklage befreit