Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 35 (27.8.1891)
- Date
- 1891-08-27
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Bn der Ermordung de» Kaiser« Alexander H waren 12 namhaft angeführte Personen betheiligt. von denen 10 der griechisch-orthodoxen und eine der katholischen Kirche angehörten. S von diesen waren männlichen und 2 weiblichen Geschlecht«; außerdem zählte zu denselbeneine Jüdin, welch« nur da« Werkzeug ihre« Liebhaber« — eine« orthodoxen Geistlichen — gewesen zu sein scheint. Während der 26 Regierungsjahre Alexander II. wurden «> Attentate auf sein Leben unternommen. Bon den Altentätern gehörten 12 zur griechisch-orthodoxen und I zur katholischen Kirche. Unter den Verschwörern aus das Leben des jetzigcn Kaisers und seine« Vaters war auch nicht e i n Jude, sondern nur eine Jüdin, welche ihr Schicksal einem Mitglicdc der orthodoxen Kirche anvertrauete und deshalb kaum mehr als Jüdin betrachtet werden konnte. M,§d«»»rß. (Zur Notiz für Freunde der Allianz.) Au« dem Druckschristrnbeftande des Berliner Bureau's der ״allgemeinen israelitischen Allianz" (Berlin 6-, ׳Reue Friedrichstr. S bei Herrn Croner) stehen von den Allianzberichten vollständige Jahresreihen (zum Theil von 10 Jahren und noch mehr), sowie Einzeljahre Jedem zur Disposition, der von der Allianz Kenntniß nehmen oder solch« verbreiteu möchte; ebenso den Localcomitees oder Gemeindebibliotheken und ähnlichen Instituten zur etwaigen Ergänzung ihrer Sammlungen. Aus dem Bureau erfolgt die Zusendung — im Interesse der Allianz — gratis und portofrei. In dem Bestände sind auch: der 2SjLhrige Jubeldericht der Allianz (und zwar die Berliner Ausgabe,, die vollständige Wiedergabe des Originalberichts mit einer Karre der Allianzschulen), sowie sonstige die Allianz denrsiende Schriften ^Dr. S. Neumann, ״Die neueste Lüge über die israelitisch« Allianz"; Dr. Silberstein, ״Unsere Allianz"; Bericht des Beiliner Localcomitees über die Jahre 1669—1872; Oppenheim, ״Die Judenverfolgungen in Rumänien": die Londoner Rathhausversammlung für die russischen Juden 1881; 6 Aktenstücke zum Prozeß von TiSza-Eßlar) vorhanden und werden in gleicher Weise wie die Allianzberichte verabfolgt. Llelefekd, 18. Aug. (Lr.-Eorr.) Am 16. d. M. hielt der ״Verband der Synagogengemeinden Westfalens" seine zweite ordentliche AuSs«H1ß-Sitzung im Kölnischen Hofe zuDort» mund unter dem Vorsitze des Herrn M. Katzen stein- Bielefeld ab. Der rege Besuch der Sitzung beweist, welch' großes Interesse man allgemein dem jungen Verbände entgegenbringt. Den ersten Punkt der Tagesordnung bildete ein Bericht des Schriftführers Herr F. Loblenz.Bielefeld über die bisherig« Thätigkeit des Verbandes. Wir heben daraus Folgendes hervor: Es gehören dem Verbände bis jetzt die sämtlichen großen, sowie die meisten mittleren und kleineren Gemeinden unserer Provinz an. Für diejenigen Gemeinden, , welche eines geprüften KultuSbcamten und Religionslehrer», > und mithin auch eines geordneten Religionsunterrichts ' entbehren, wurde die Abhaltung von deutschen Wissenschaft« lichen Vorträgen durch sogenannte Wanderprediger, sowie die Vertheilung geeigneter Erbauungsschriften eingeführt. Die bis jetzt in dieser Hinsicht erzielten Erfolge entsprechen durchaus den gehegten ^Wartungen. Unter Anderem sind zwei besonders geeignete Predigten, von denen die eine in ttier verwaisten Gemeinde gehalten worden war, bereit« als Flugschriften in zahlreichen Exemplaren in sämtlichen kleinen G«neinden unserer Provinz zur Vertheilung gebracht. Drei Gemeinden erhielten durch Vermittelung und pekuniäre Unterstützung seftens des Verbandes einen Lehrer, mit zwei weiteren Gemeinden sind Verhandlungen im Gange. Mit besonderer Aenugthuung heben wir hervor, daß auch der D. I. G. B. dem Verband« seine thatkräftige Unterstützung zugesagt hat. Ueber die Gebetbuchsrage hat das Mitglied der Knltuskommission, Herr I. R o h st a d t - Soest, eine von Verständnis und vieler Sachkenntniß zeuaend« Srbeft einzerrickt, welche demnächst beiden üMgeu Mitglieder« der Kommission zur Begutachtung cirkuliren soll.*) — Behufs geeigneter und wir sanier Bekämpfung der antiseckitischen Bewegung, übermittele der Verband den beiheiligten Gemeinden sein« diesbezügliche« ' Ansichten. Einen weiteren Punkt der Tagesordnung bildete die' Vorlage eine« Entwurfs über die Regelung des Armen- Wesens innerhalb der jüd. Gemeinde Westfalen. Hr. Lieber» selb-Bochum hatte nach Muster de« Bochumer Armen--^ Verbandes den Entwurf ausgearbeitet und diese Arbeit, die' viel Zeit Mühe und Umsicht erforderte, in meisterhaf Weise auSgeführt. Der Verband hieß den Entwurf gut und ׳ tritt demnächst in die Agitation zur Verwirklichung H desselben ein. Auch constituirte sich der Ausschuß als Provinzialkomitee im Anschluß an das deutsche Ecutralkomitee für die: russischen Juden. Die Beschlußfassung über den Lehrplan für den Religionsunterricht, der jüd. Volksschulen mußte vertagt werden, weil die Kommission die Vorarbeiten noch nicht ganz deendet hatte. Einstimmig erklärte sich der Aus-j schuß bereit, etwa an ihn herantretenden Gesuchen, für die! Leffentlichkeitserklärung jüd. Privatschulen zu wirten, bereit-s willigst Zftlge zu geben. SMirß'ich wird der B.rband eS sich angelegen fein l lassen, die Einführung eines regelmäßigen JugendgotleSdienstes j in den größeren Berbandgemeinden zu erstreben. Dies in kurzen Zügen ein Bild seiner bisherigen! Thätigkeit. Zur Erfüllung der Aufgaben, die er sich gestellt,! ist also ein kräftiger Anfang gemacht. Mögen diejenigen! Gemeinden unserer Provinz, die ihm bis heute noch fer»1 gestanden haben, daraus Veranlassung nehmen, sich ihm zuschließen, um auch ihrerseits das gute Werk fördern zu.' helft» zum Helle der Judenheit Westfalen«. F. 0. H. chstr«»«, 19. August. (Or.-Lorr.) Dem Präses uuseres Gemeindevorstandes, dem Kgl-Ockonomie-Lommifsarius' Herrn David Gold stein, ist von Sr. Majestät durch Aller-" höchstes Patent vom 27. Juli cr. der Lharakter als? ״Oekonomie-Lommissionsrach" verliehen worden. Dieses Auszeichnung, zugleich ein Ehrenmal für unsere Gemeinde,^ hat in derselben allgemeine freudige Theilnahme hervorgerufen, und dies um so mehr, als der Herr Oekonomie- Lommissionsrath neben seinem Staatsamte sich seit Jahre»’4 der mühevollen Verwaltung unserer Gemeinde mit regem? Eifer und selbstlojer Hingebung widmet. Bemerkt sei noch,^ daß Herr G. unsere« Wissen« der einzige unserer Glaubensj brüder in Preußen ist, der dieser Klasse höherer Staats-- beamten angehört und daß G. vor etwa 13 Jahren erst in'" diese Stellung einzig und allein auf Grund seiner uugewöhnlich hohen Begabung uud seiner gachkenntnissr, die er durch Selbststudien sich angeeignet, beruftn wurde. Herr G. erfreut sich zugleich bei unserer christlichen Bevölkerung der höchsten Achtung, wofür der Umstand Zeugniß ablegt, daß er seit einer Reihe von Jahren als Magistratsmitglied in der städtischen Verwaltung fungirt und in letzter Zeit zum Mitglied« des AreiSausschusses ernannt wurde. Purmüost, 17. August. Gestern wurde auf dem isr. Friedhofe das Grabdenkmal für den verstorbenen Landesrabbiner Dr. Landsberger enthüllt, welchedem Berstorbenen von Freunden und Mitgliedern der hiesigen israel.! Religionsgemeinde auf seinem Grabe errichtet wurde. Die A ernste Feier wurde durch den erhebenden Gesang ״Wie selig; sind dft Tobten" eingeleitel, woraus die Hülle von dem Grad-H stein fiel. ES folgte alsdann die Gedächtnißrede durch de« l ' Herrn Rabbiner Dr. Selvtr, welcher den Verblichenen als; Rabbiner wie als Gelehrten schilderte, worauf Hr. Kommerzien^ rath Blumenthal Namen» der iSrael. Räigionsgemeinde! da» Denkmal der Famllie übergab, welche durch die beide»? Sühne uud den Schwiegersohn des Verstorbenen vertreb war. Der ältere der beide« Söhne dankte der Gemeind« für! *) Sollte» i»׳