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Israelitische Wochenschrift · 1891-08-27 · 35 (27.8.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
35 (27.8.1891)
Date
1891-08-27
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Echo« da« kiienmt gekennzeichnete Berhälturß dürft! »nS bei voller Würdigung der Frage hinreichend über» «, daß eine Schule» wäche sich vollständig den Sondersen einer einzelnen Religion onpoßt. and da« ist doch schließlich eine konfessionelle. die geeignetste Anstalt ist, um obiges Ziel zu erreichen. Der Stundenplan in Pensum und Zeitordnnng würde ander» eingerichtet werden können, die Umgebung, die Fühlung d«S jüdischen Knaben dürfte mit Weit größerem Erfolge sich aus ihn einwirkend zeigen, als «i Vi einer interkonfessionellen Behandlung der Schulfrage überhaupt denkbar ist. Denn in der simultanen Schule T wird die religiöse Geile viel zu wenig gc.flegt, und der U Mangel, der sich aus diesem Verfahren crgiebt. tritt erst recht bei einer solchen Rcligivnegenosfinschaft hervor, wo * Religionsunterricht und religiöse Erziehung nicht unter P: mächtiger Aufsicht stehen, sondern jedem Gelegenheit geboten L ist, seinen eigenen Weg zu gehen, wo aber weit mehr zu lernen und zu üben, ׳ und zwar dauernd zu lernen und zu üben ist. als bei irgend einer andern konfessionellen Richtung. Und da» ist zweifelsohne das Kennzeichen unseres Glauben« vor der Außenwelt und seinen Brkennern. — Allerdings ist es, wenn die Schule als simultane sungirt, leichter, den sriedkichen Menschencharakter zur Ausbildung zu bringen. Das mag bei oberflächlicher Betrachtung richtig erscheinen; lehrt denn aber nicht jede Religion Frieden und Liebe? .L«be Deinen Nächsten wie Dich selbst!" Aber das kommt ja kaum in Betracht! Das Kind ist ausschließlich l moralischen Auseinandersetzungen gegenüber wenig aufmciksam und wird Sittenreaeln weit leichter erfassen, wenn ihm nur hier und da ein Bissen Moral vorgesetzt wird. Lehre es nur zunächst durch die Kenntniß seiner Religion den Menschen in seiner Stellung und seinen Pflichten sich und Gott gegenüber kennen, dann wird es weit leichter die Pflichten gegen seine Neben menschen. die man als Kinder desselben Wesens als seine Geschwister anzu sehen und zu lieben hat, ei fassen. Der ideale Sinn, wrlcher den Schulmann beherrscht, wird ihn, indem er dies einsiehr und als praktisch anerkennt, dahin führen, mit aller Macht auch gegen die Wege gefürchteter Schäden der platzgreifenden religiösen Abschriduug und Un- Verträglichkeit tinzuschrxittn, auf daß von allen Seiten das Princip der menschlichen Gleichberechtigung und Pflichtübung gewahrt und geschützt werde. Das dürft« nicht viel schwerer halten, als bisher, denn derjenige Lehrer, der im Mißbrauch »nd Unverstand sich über seine Erziehungsaufgabe hinwegseht, und den Haß gegen Andersgläubige zum Ausdruck bringt oder gar lehrt, würde weniger Gelegenheit finden, sein Müthchen zu kühlen, im-Uebrigen aber durch eine be- Nördliche Eontrole nach Möglichkeit gehemmt werden können. Man fürchtet dadurch den ״Racenhaß" von Neuem zu kchüren, den; Verdacht einer ungerechten Behandlung deS ^.unterricht« bei gehässigen Personen. — Tfle Behörden, ^welche den Gchulgang beobachten und sich von seiner Forteatwickelung hier und da überzeugen, werden, wie es auch momentan in der Ueberwachung der bestehenden jüdischen Schulen geschieht, wahrscheinlich und hoffentlich zu einem andera Urtbeil gelangen und chr Entgegentrrten etwaigen Verunglimpfungen gegenüber dürfte nicht ohne beruhigende Wirkung sein. — Wir sehen absichtlich davon ab, die Bor- und Nachthrrle bis in chre kleinsten Details zu verfolgen und anfzuzählen: erst sei die Hauptfrage entschieden. Und diese muß momentan dahin entschieden werden, daß wir die Wiedereinführung der konfessionellen Schulen recht gern sehen müßten. Denn, wie wir selbst beobachten können, ist die ZeitrWung hinsichtlich der Geistes- und Eharalterbildung der Menschhett noch lange nicht in dem andauernden Kurs, der etwa «ine specifisch« Religion überflüssig macht; noch fern erscheint vielmehr die herrliche Messiaszeit, wo allgemeiner Menkchenfriede auf Erden wallet «rd dir Erd« von der Erkenntnis des Wahren und Rechnen «rschütterlich überzeugt ist und?von ihr sich alle Zeit Doch noch ein anderer, für den Pädagogen höchst wichtiger Umstand wird dir Wagschale der konfessionellen Schule Niederdrücken. Denndie strenge Angewöhnung einer von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Monat zu Monat, von Jahr zu Jahr in geordneter Folge sich wiederholenden religiösen Uebun g dürfte sich dem erfahrenen Schulmanne als ein überaus bedeutungsvoller Factor i» der Kunst der Erziehung Herausstellen, dessen Werth er kaum hoch genug anzuschlagcn vermag. Denn mit der diesbezüglichen Borschrist des Lehrers vcrbindet sich noch die Scheu vor dem altgeheiligten Gesetz׳, und bald müssen Ordnung und Sitte ein steter Begleiter eines geregelten, jüdischen Lebens sein, wenn sie nur einigermaßen mit Bewußtsein geübt werden. Der Gang zum Gotteshause, in dem die Andacht verrichtet werden soll, der feierliche Gottesoieitst. da» Sprechen der B'rochoh vor dem Genüsse der Speisen, das Tischgebet, die .Eeremonie" des Pflanzenbundes, das Anlegen von Talli» und Tfillin und bergl. m. wird bei strengcr, gewissenhaftrr Handhabung seines versittlichenden Einflusses kaum ermangeln. Kann aber die Schule mit dieser Borbedingung der Erziehung rechnen, ja, kann sie deren Erfüllung gar nach Möglichkeit übexwachen und im Unterrichte darauf ausbauen, mit einem Worte: kann die Schule in dem Gedanken leben, daß sie eine streng-contessionelle ist, dann kann sie mit größerem Erfolge dem Un lerrichte ihre Theilnahme schenken, und der Knabe wird denselben weit weniger als eine drückende Last empfinden. Berichte und Gorresp-ndeare». Deutscdlaud. Msgdelnrg. lieber den grausamen Erlaß des Ober- Polizeipräsidenten von Moskau, welcher die höheren Direstiven zu den Judeaausweisungen giebr, theilt die ,Neue Fr. Pr." nachstehende Einzelheiten mit: ״(£# lallen auS MoStau und dem Moskauer Gouvernement binnen kgr^r Zeit sämmlliche Juden vertrieben iverden Di« meisten der von diesem harten Schicksal Betroffenen sind Handwerker und LommiS, welch« nicht bis zum letzten Tage der ihnen gewährten Frist warten können, sondern Moskau schon jetzt veriaffe», um anderwärts einen neuen Lebensunterhalt zu suchen. Da« HllsScomlte«, welche« diese Unallcklichen bi» jetzt uiilerstützte, ha« nun wegen Mangelt an Mitteln seine Unterstützungen einstellen müffe», da die Leist ingSsähigkeit der hiesigen Juden durch' die Verfolgungen der russischen Regierung vollständig «rschstzft ist. Di« Sammlungen innerhalb der Gemeind« ergaben etwa Ü? 000 Rubel, welche aber schon jetzt ganz verausgab« sind; dabei wachsen di« Anforderungen an da« Eomitee tagtäglich, da in Folge der letzten strengen Pollzelmaßregel» nicht nur die hiesigen jüdischen; größtenthell« mittellosen Mitbürger, sondern auch viel« Juden au« der Provinz mir ihren Krauen und Kinder», welche an» da« Innern Rußland« auf ihrer Weiterreise «ach dem jüdischen Rayon Moskau berühren, sich um HUs« a» da« Moskauer Somit« wenden. Diese« kann aber k:in« Hiise schaffen, und in Folge dessen bleiben dt« AuSgewiesenen, da Ke von den Ktadteinwohuern au« Furcht vor der den Boulevards, von Huuger und von Durst gequälr, nackt und barfuß liegen. Dan» »erden die BeiammernSwerthen gleich Verbrecher» per Schub in ihre HeimathS- »der Geburtsorte gebracht. Di« grausen Schrecken dieser Transporte übersteigen alle Bofitellunge».' Zu dlkser herzzerreißenden Nothlage der Ausgewiesenen kommt nun noch der traurige Zustand der von der Hungersnoch heimgefuchten Zurückgebliebenen, den dir jüdischen Blätter in Rußland als erschreckend schildern. Sir fordern die Vereine der ,Lhowewe Hijon" auf, die Sammlungen und Geldsendungen für Palästina jetzt einzustellen und da-Geld lieber den Hunger leidenden im Lande zuzuwendeu. Möge das Berliner lüntral-Lomitre auch dieser Nochlage seine Aufmerksamkest zuwenden und baldige Hilfe leisten. Der den russischen Juden gemacht: Borwurf, daß dieselben an den Dynamit-Berschwörungeu bethriligt waren, findet seine gründlichste Widerlegung in folgenden statisttfchen Angabe«, welche wir einem längeren Artikel ans Nr. 2 des in London erscheinenden ״Dartrst Russia" entnehmen:

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