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Israelitische Wochenschrift · 1891-08-20 · 34 (20.8.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
34 (20.8.1891)
Date
1891-08-20
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Gericht» mrd G-rrefpmide^e«. Dr»ts«dl«»d. Eine der jüngsten Nrn. de- »American Jsraelitc' (vom 6. Juli) bringt folgende Mittheilung au- Maugolia (Georgia), die als eia Beitrag zur Aufklärung der heutigen Gcffchehnisfe in Rußland anzusehen ist: ,Der Czar ein Judenhasser, als er noch Thronerbe war. Tin auch nur mittelmäßig gebildeter Amerikaner oder Engländer findet eS unglaublich, daß ein so aufgeklärter Herrscher, wie es der Czar von Rußland nothwenoia sein muß. die Verfolgung und die au den Juden seines Reicheverübten Grausamkeiten billigen sollte. In Folge dessen wird oft behauptet, daß der Czar an denselben unschuldig fti und die Mißhandlungen den niederttächtigen Motiven seiner untergeordneten Beamten zur Last zu legen seien. Diese Bertheidigung des Tzaren der öffentlichen Meinung gegenüber ist aber hinfällig angesichts eines früheren geschichtlichen Zeugnisses, nach welchem der Czar seinen Judenhaß schon lange vor seiner Thronbesteigung bewiesen hat. Zum Beweise meiner Behauptung will ich eine Thatsache anführen, welche zwar nicht von so weittragender Bedeutung war, daß ihr allgemeine Beachtung geschentt wurde, nichtsdestoweniger aber die russischen Juden in berechtigte Auftegung versetzte, da sie so recht zeigte, welchen Charakters Alexander Hl., der damalige Tbronerbe, war. 30 viel ich mich erinnere, veröffentlichte im Jahre l 882 ein Russe, Namens Liantostansky, verschiedene Pamphlete, in welchen er die Juden schraklich verleumdete und behauptete, bestimmt zu wiffen, daß sie zur Feier ihre- Osterfestesich deS Christenblutes bedienten. Herr Liantostansky war moralisch nichts besser als alle andere Judenfeinde. Sein Charakter war arg compromittirt und er selbst als Schurke und Fälscher entlarvt. Durch besonderen Einfluß von hoher Stelle wurde auf die Behörden dahingewirkt, ihn wegen der verübten Bersehen nicht zu verfolgen. In Folge der Bemühungen des Herrn Zeder bäum, Herausgebers eines in Petersburg erscheinenden hebr. Blattes, wurde aber Liantostansky dennoch endlich verbafttt. Durch beigebrachtr Beweise wurde er vielsacher Verbrechen beschuldigt, in Folge deren Sibirien ihm >n Aussicht stand. Um der Schande zu entgehen, legte er, all« Warnungen von hoher Stelle unberücksichtigt lassend, verschiedene von dem heutigen Czaren an ihn gerichtete Schreiben vor, in welchen dieser die Schriften Liantostansky'- aufs Wärmste empfahl und ihn ermunterte, das begonnene Berk fortzufttzen, d. h. di< Mafien gegen die jüdische Be- Völkerung aufzurrizen. Solche Aeuherungen von ihrem dereinstigen Herrscher fttzten natürlich die jüdische Bevölkerung Rußlandin Specken und von dieser Zeit an sind tue Juden immer auf ihrer Hut gewesen und wiffen nur zu gut, daß alle Mißhandlungen von einer Quelle herrühren, und daß diese der Ezar selber ist. Was das fernere Schicksal Liantostansky's betrifft, so wurde er, so viel ich mich erinnere, aus > Jahre nach einer weitentlegenenen Provinz verbannt. Dieser Vorfall genügt, wie leicht bewiesen werden kann, den Eifer derjenigen abzaküÄen, welche den Charakter de- Czaren auf Losten der russischen Masten, die in ihrem halbbarbarischen Zustande doch von Natur gutherzig sind, ocrtheidigeu zu wollen. 8. 6.- dt- & Werlt». (Or.-Corr.) Bekanntlich hat sich der Rettor a. D. Ahlwardt durch seine Charaktereigenthümlichkeiten würdig gezeigt, in den edlen Bund der Antisemiten aufgeaommen zu werden. Er spielt sich nun nach be—rühmten Mustern al» deutscher Sittenheld auf, indem er in allerlei Machwerken diejenigen sittlichen Mängel, die er an seinen Genoffen wahrnimmt, zu spezifischen Eigenheiten der Juden crnfbauscht So ist sein neuestes Elaborat: ,Der Eid eine- Jude»', worin er die schmutzige Wäsche eine- Juden der Orffentlichkeit preiSgiebt und dabei allen Juden die sattsam bekannten Liebenswürdigkeiten zu sagen weiß. Herr Dr. Ludwig JaeobowSkY hat hierauf Beranlaffuua genommen, in Broschüre, betitelt: .Offene Antwort emeS Inden auf Ahlwardt'« »der Eid eine« Juden" (Verlag von *5arf: Küchenmeister, Berlin, Alexandnnenstr. 23), nicht etwa de» Mohren weiß zu waschen, sondern mit der scharfen Waffe der Logik und in trefflich sarkastischer Weift die Trugschlüße auf'den Ltrruz- und Ouerzügen deüber ftden sittliche» Defekt erhabenen Rektors a. D. aufzudecken. Wer diesen »Offenen Brief' liest, bekommt einep vortrefflichen Einblick *׳ in da- Treiben des antiftmitischen Gelichter« und wir möchten ihn zu diesem Zweck« weitrren Kreisen angelegentlichst empfthlen. Ltettl«, 15. August. lOr-Lorr.) Di« Zahl der hi«r durch» kommende» audgewieseuen ruff. Jude» nimmt »och immer zu, und es ist auch sür die nächst« Zeit eine erhebliche Verminderung der Durchzüge nicht zu erwarten. Gestern trafen wieder 270 dieser Alücht» ling« hier «in, wahrend, »och weiter« ISO heute erwartet werden: di« Bestlmmtzahl der bi« jetzt Durchgekommeaen betrigt bereit« über 6000. Di« ringetroffenen werden sogleich in dem groben Pietzschttz'schen Getreibespeicher in der Oberwiek »ntergebrach«. Ja den weiten Kaum«» de« erste» Stockwerks ist ein Sveisesaal mit langen Tische» und Banken hergerichtet, wahrend i« zweiten Stockwerk zwei Helle und luftig» Raum« zu Schlafstanrn dienen. Augenblicklich befinden sich dorr etwa 800 Ausgewanderte beiderlei Geschlecht«, ganz alt« Leute sieht man jedoch nur wenige unter ihnen. Wegen der maffenhaften Durchzüge ist die THStigkrit der Mitglieder de« hiesigen HülfseomUee» ein« sehr angestrengte und mühevolle. Jedem der HeimalhRofeu mutz di« Schief» stütt« angewiesen, jeder rinzeln« mit Speis« und Trant versorgt werden, da weitaus di« Mehrzahl säst ohne all« Mittel ist: oielsach muh auch noch di« Kleidung beschafft »erde». In stiller Gesthaftigkeit suche« di« Ausgenommen«» i« Gefühl ihrer Lerlaffenheit und in der Ungewißheit über ihre Zukunft dt« weuizen Habseligkeiten zu ordnen und sich an der ihnen für kurz« Zeit angewieftne» Stell« einzurichte». Alle erhalte» aus Kosten de« Komitee« de« Morgen» Kaffe« und Zubrod, «arme- Mittageffen, da« in zwei Küche» hiesiger jüdischer Einwohner hergerichtet und auf Wagen «ach de« Asyl geschafft wird, sowie Abendbrob, welche« entweder au« Kaffee mit Zubrod »der au« Kartoffel«, Hering und vier besteht. Der Kaffe wird nur gegen Marken, die da« Komitee ansth-ilt, bei dem Wirth de« nahen Gchanklocal« oder in der Volk«» küche im Sisenbahn-Emvsangtgebaude verabreicht. Auch erhalten dl« Leut« zu jeder Tageszeit heiße« Waffer zur Theeberrituag. Ebens» wird für di« Gesundheittpfleg« nach Möglichkeit Sorge getragen. Sech» hiesige Acrzle halte» abwechselnd tLglich von 5 bi« 8 Uhr Nachmittag« im Asyl Sprechstunden ab. Di« Arzneien werde« uaentgeltltch Mm•» folgt. Bisher sind »och keine ernstlichen Fieder-Krankheiten vorgekommen; e» handelt sich meist nur um geringere, durch dt« anstrengende Reis« und dt« überstandene» Strapaze» hervorgerusen« Unpäßlichkeiten, dir bei. der sorgsamen Pfleg« bald gehoben «erden. — Die Kosten der Weiterreise konnten di« wenigsten au» eigenen Mitteln bestreiten, die meisten wäre« auf di« Unterstützung de» Hülfseomitees angewiesen. Die Flüchtling« begaben sich vou hier hauptsächlich nach »erschiedenen Orte» Nordamerika'« und nach Argentinien, sowie nach England. Di« jetzt hier »och Anwrsenden werden am nächsten Dienstag mit de» inzwischen noch Angekommeae« tzusamme« etwa 1000) auf dem Dampfrr .Italic,- »ach Newhork eingrschisft. Itmle«, 7. August. Der Herr Crimiaal-Commiffar BerhülSdonk war m den letzte« Tagen auswärts. Da» Resultat seiner Forschung bleibt selbstverständlich noch eia Geheimniß. Alle diejenigen, welche Auskunft geben könne», welche Fremde an dem Tage der Mordthat hier verkehrte» und in welcher Gesellschaft sie gesehen wurden, mögen dieftS vertrauensvoll dem Herrn Criminal - Commiffar mittheilea. Es wird eine solche Mitteilung beim augenblickliche« Stande der Untersuchung für wichtig gehalten. »ES sind bereits, wie man uns.mittheilt, 30 Personen protokollarisch vernommen.) Aus Aken« wird der .Rkein.-Westf.-Zeit.' geschrieben: Die Untersuchung in der Angelegenheit des am 2S. Juni zu * Tanten ermordeten Sjährigen Knaben Johann Heaman« hat noch nichts zu tage gefördert, was über die Ausführung der Thal und die Thäterschaft Licht verbreitete. Für die Entdeckung der Thäterschaft ist nunmehr mft Zustimmung des Regierungspräsidenten zu Düsseldorf eine Belohnung bis zu 1200 Mk. auSgesetzt worden, und der erste Staatsanwalt ersucht. Jedermann, der eine zur Sache dienliche Auskunft z» gebe« vermag, dringend, solche umgehend und unmittelbar chm zugrhen zu lasse». — Herr Beigeordneter de Ball fand sich veranlag folgende wiederholte Warnung zu oerüüoül«hra-

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