Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 34 (20.8.1891)
- Date
- 1891-08-20
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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I -*fr«—--1 - --» L :.* e 0pt juuwuitr, fORnc -uucsi TODQqKnuij cryoipcr״ > Ca»tele»> soweit überhaupt nur möglich und mit den l Zststereffen der Eultusgemeinde nicht kollidierend (IX erweitert wurden.* Wie recht hotte doch der selige Tallyerand, wenn er «einte, die Sprache sei den Menschen nur gegeben, um seine Mtdanken zu verbergen! Warum sagt denn der Herr Berfasser de* stierten Beruhte» nicht gerade heraus: Es ist unwahr, daß die Enquete die Anstellung de» Rabbiners auf dreijährige .Dauer mit 4—6 wöchentlicher Kündigung beantragte, und daß man erst über Intervention de» RrgierungsvertreterS sich dahin einigte, dem Minister die Feststellung deS Begriffes ״längere Zeit* zu überlaffen? Warum sagt man nicht, e« ist uuwahr, daß der Vorsitzende der Commission Vertreter verschiedener Richtungen verlangte und man da» als über- «; bqeichnete? Warum die diplomalische Sprache, daß echte der Gemeinden in vollem Maße, die Befugniffe der Rabbiner aber, soweit nur möglich und zulässig, Gewahrt wurden? Run! Wir wollen offener sein. Ja, es sind mehrere Rabbiner für die Wabrung ihrer Standesrechte eingetreten mb haben eine dieSvezügliche Petition an die Regierung überreicht. Was sie verlangen, brauchen sie nickt hinter den Schleier von autonomen Rechten und zuverlässigen Befugrüsten zu verstecken, sondern können es offen vor aller Welt, selbst vor der Repräsentanz der Landerjudenschaft, vertreten. Sie wollen, daß man nur gebildete und fachlich geschulte ,Männer zu Rabbinern wähle, sie wollen nicht, daß der Rabbmerstand da» Asyl sei für verbummelte Studenten, für stimmlich unbegabte, brodlo» gewordene Cantoren oder richtiger «sagt Schächter, denn ordentliche Cantoren geben sich nuht l dazu her. Lakaien eine» Hausierer-Vorsteher» zu werden, s« wollen noch weniger, daß der Rabbinerstand ein Asyl sei? für Leute, die e» nur der unbegmiflichen Nachsicht d«S Staats- Ef;' auwaltS verdanken, daß sie nicht im Zuchthaus sitzen, ein Fall, dessen bi» jetzt wohl nur Böhmen sich rühmen kann. Sie wollen ferner, daß dem Rabbiner bestimmte, chm ^. dilligerweise zukommende Rechte eingeräumt werden, daß nicht!* am Ende solche Ideen in den Musterstatuten Ausdruck finden, " wie diejenigen, welche ein Herr Moser in einer BersamuNung; de» CentralvereinS im April d. I. vorgetragen hat, dahin ‘י lautend, daß der Wirkungskreis de» Rabbiners nur dasjenige umsaffe, was der Herr Vorsteher ihm auftrage. Und dieser r Moser, der nebenbei gesagt, Vorsteher einer Gemeinde di« für ihre CultuSzweck von den Juden aller Welt »ft Tausenden alljährlich unterstützt wird, fand in dieser .Versammlung keinen anderen Eimvand als denjenigen, den er eigentlich hätte vorher wissen sollen, daß das Gesetz die ung verlange. 9tun wollen sie aber nicht allgemeine »arten, sondern unzweideutig auSgedrückte. genau umschriebene Rechte, d. h. sie wollen, daß in den Statuten die 'natürlichen Rechte de» Rabbiner» in Schule und Synagoge Ausdruck finden, kurz sie wollen, daß an Stelle de» persönliche» Wohlwollen und etwa» Bonhommie ge» milderten Absolutismus der Borstebergewalt eine gesetzliche Schranke trete, ein Zustand, der selost im Reiche dä Aaren als ordnungsmäßiger gilt. Daneben wollen die Rabbiner allerdings auch eine de׳ sioitiv« Stellung, d. h. wieder, sie wollen nicht, daß über einem Mann«, der eine zwanzigjährige verdienstvolle Wirk« ßunkeit hinter sich hat, jederzeit da» Damoklesschwert einer grundlosen Kündigung schwebe« könne, und sie wollen nicht, d»ß eine definitive Stellung als Gnade des Vorstand«» ertheilt werde, sondern daß sie dem Rabbiner auf Grund einer 'entsprechenden Probezeit gesetzlich gewährleistet sei. Wenn man ״dir betreffenden Kreis« beruhigen" will, so \l׳ veröffentliche man doch die Ergebnisse der Enquete oder man wenigste«»: Wir haben in dem Musterstatut dafür vorist», daß tue. allgemeine Bildung de« Rabbiner» die e« uamöglich macht, daß stimmlos gewordene Cantoren oder unwissend« Schächter sich dadurch ein Krod verschaffen, daß sie von eiuem Schnorr-Ra bbiner — e» giebt nämlich solche Rabbiner, die neben Bettelbriefen auch das Zeugmßschreiben als Melier handhaben —Jtör Geld und , Serie der verkannten Genies al« letzten Nothanker den rabbinischen Beruf betrachte, man sage uns, daß man gegen ungerechtfertigte Entlastung «ine» Rabbiners Maßregeln getroffen habe, oder daß man ein Mittel gefunden habe, um dem Rabbiner eine Stimme in allen Fragen, die Kultus und Unterricht angehen, zu sichern, daun wollen wir zufrieden sein, aber mit solchen bauernfängerischen Redensarten, daß .dft (?) den Herrn Rabbinern eingeräumten Befugniffe, soweit nur überhaupt möglich und zulässig, Rechnung getragen wurde", bleibe man unS vom Leibe. Sehr erheiternd in dieser traurigen Zeit wirkt die Be» rufung auf da» Votum des ,ehrwürdigen Herrn OberrabbinerS". Man hat einen Automaten mitgenommen, der, wenn er aufgezogen wird, .ja" nickt und beruft sich auf sein Votum! Wir kennen den Herrn als einen Orthodoxen ungarischberliner Mischung. Wir wissen daher, daß er wiffeuschastliche Theologie als eine Abirrung von der einzig wahren Theologie MoseS Sofers betrachtet, der seinerseits unverblümt behauptet hat, die Schulen von Sura und Pumbeditha hätten alle heutigen Universitäten nach jeder Richtung übertroffen. Wir wissen ferner, daß er den Schwerpunkt seiner Seelsorge in die Küche und in das Badehaus verlegt; wir wiffen ferner, daß der Gottesdienst für chn so sehr Nebensache ist, daß er im Gegensatz zu Talmud uud Schulchan Aruch beschworen hat, Unfug tm Gotteshaus« sei keine ReligionSstürung; wir wiffen ferner, daß in derJ&timatf) de* Herrn Lhrenfeld im vorigen Jahre ein greiser Rabbiner am Neujahrstage an der Ausübung seine» Amtes durch Beleidigungen und Mißhandlungen gehindert wurde, daß dort Spaltungen in der Gemeinde aus rein persönlichen Motive» an der Tagesordnung sind. Uud ein solcher Mann soll al» einziger Sachverständiger über Vorbildung, Pflichten und Rechte des Rabbiners vernommen werden! Da* Votum eines solchen Manne» soll eine Bürgschaft für dft gerechte Würdigung der Bedürfnisse de» rabbrnischen Standes sem! Vielleicht hätte der Antisemiten-Cbef Dr. Lueger edensovftl Gerechtigkeit und Wohlwollen unseren modernen religiösen Bedürfnissen entgegeugebracht, als der Bersaffer der zweimal gedruckttn Predigt zur Einweihung de» neuen Friedhöfe», welche bei Bestattung der ersten ,erwachsenen Leiche" (wie es zu Anfang dieser Predigt heißt) gehalten wurde. Wir wollen un» übrigens über den gelehrten Herrn Lberrabbiner nicht ärgern, er ist un», mit Lagarde zu rede», ' so gleichgültig wie das Zopfband der Kaiserin von China; wir hätten ihm auch von Herzen das Votum in der Enquete gegönnt, aber man hätte doch noch einen anderen Rabbiner von liberaler Richtung, der mit den Bedürfnissen de» Lande* vertraut ist, einberusen sollen. Doch da» ist leider pro מעוות לא יוכל. Wir wollen nur den Herren von der LandeSjudenschastSreprSsentanz und den sonstigen fiihrrnden Persönlichkeiten e» an'» He» legen, daß sft sich lxmühen, einzusehen, daß eine gedeihliche religiöse Entwicklung nur durch die Hebung de» rabbinischen Stande» möglich ist, daß es dazu unerläHich ist, daß man in den Rabbinern eine BerusSfreudigkeft erweck, dft getrübt werden muß wenn man sieht» daß Männer von geachteter Lebensstellung, von hervorragender Bildung und mächtigem religiösem Gefühl, an der Unterbindung der Kräfte eine» Stande» arbeiten, der nicht» sthuiicher wünscht, al» Hand in Hand mtt ihnen, an dem Woble der Judenheit, an ihrer religiöstn und moralischen Förderung mftzuarbeften. CoamM Pragenaia.