Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 34 (20.8.1891)
- Date
- 1891-08-20
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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L*iben Rabbinerseminarien sein« Znflücht, ־Mt ein mäßig billige« und nicht selten recht tüchtige« Lehrerrontigent .n ihren Mitgliedern besaßen, wenn auch der naturgemäß . äufige Wechsel im Unterricht-personal störend wirkte. Wer :och regen Sinn hatte für ei« echt jüdische« Leben, dessen Herz jubelte angesichts der Lebhaftigkeit dieser Bestrebungen auf, und wer früher gleichgiltig der Pflege des jüdischen Geistes gegenüberstand, mußte unwillkürlich diesen veräadertrn Verhältnissen Rechnung tragen und sich ihnen anschliehen. Auf Grund dieser Erscheinung konnte ein Mitglied eine« Berliner SynagogenvereinSvorstande« die scherzhafte Bemerkung machen: .Es wäre lohnend, eine Aktiengesellschaft zur Gründung von Religionsschulen in- Leben zu rufen." — Auch in kleineren Gemeinden wurde von denjenigen Rabbinern, welche sich um den Posten eine» geistigen Oberhaupte« bewerben wollten, als hervorragende Bedingung Befähigung zur Leitung einer ReligionSfchule und zur Ertheilung de« Unterricht« in derselbe« gefordert. Für die erwachsenen Mitglieder de« syoagogalen Sprengel« genügte sie Predigt, und da der Rabbiner sonst außer einigen Hochzeit»- und Leichenreden für die Gemeind« nicht« nennen»- werche» zu leisteu hatte — und hat. so hatte er Muße und da« Bewußtsein der Menschen- und Ehrenpflicht, einen großen Theil seiner AmlSthätigkrit der Erziehung der ihm anvertrauten Jugend zu widmen. Die Gemeinde stellte also «ine berechtigte Anforderung an ihre Seelsorger, wenn sie von ihnen ein lebhafte« Interesse für die Religion-schule verlangte. — Doch fragte mau sich, was diesen Umschwung herbeigeführt haben möchte? Nur wenige thaten e«. Und sie erkannten beschämt, daß nicht ein bewußte« ideale« Interesse für die alte Religion erwacht war. daß e« nicht die Beredsamkeit und der Eifer begeisterter Männer gewesen, wodurch diese Veränderung eingetrrien, durch welche an Stelle de« unwürdigen JndifferentiSmu» ein wohl überlegte» Dirke» sür die Beachtung de» göttliche« Gesetze- Platz gegriffen hatte. Den« mehr oder weniger war e« ja die dvwalganz besonder» stark wuchernde und um sich greifende antisemitische Bewegung, die Israels Selbstbewußtsein weckte. »Rehre einen Tag vor Deinem Tode um!" sagen die alten Weisen, und angesichts der Fahnenflucht gar mancher WanfenSgenoffen, die, ohne Jnteresie und ohne ideale« Streben für jede positive Religion, die alte, durch die Pietät geheiligte Religion der Bäter von sich schüttelten und einer anderen sich zuwandten, die ihnen mehr Ruhe vor Berfolgnngen und mehr Bortheile in der Erlangung öffentlicher Stellungen bot, angesichts der widerrechtlichen und grausamen Bersolgungen de« eigenen Stamme« fürchtete man seinen Wauden dem Tode nahe und kehrte zur alten Religion zurück, um zu leben! Ja, da« war da- Erlüsuug-wort stir die jüdische Menschheit: Zur alten Religion znrückkehre», um zu leben! Wa« schon vor mehr als drei Achttausend«« unser' Lehrer Moscheh verkündet: Ln, ich gebiete Dir heut, den Ewigen, Deinen Gott, zu .Hefe», in seinen Wegen zu wandeln und alle sein« Satzungen zs beobachten — daun wirst Du leben und de» Legen« Deine« Gotte« Dich überall da erfreuen, wo Du festen Fuß V» fasse« suchst" (5. B. M. 30.18), hatte sich jetzt von Gene» bewährt! Mit welcher Freud« ward dies« Erkennt««- fegrüßt! Bald, so durste man hoffen, wird ja auch die eng kommen, denn מתיך שד* לשמה בא רשפה! Dilehrt beten: «ber da« Beten, wie überhaupt die relig Empfindung muß auch in ruhigen Zeiten im Mensche» bleiben, damit da« veredelnde Bewnßffeiu vom Walten gerechten und allgütigen, allmächtigen Gottheit, da« sich erziehend und belebend in den Zeiten der Noth bewäh hatte, fort und fort sein« hohe erziehlich« Kraft bewäh da« erwie« sich bald dem denkende» Glanben-genoffr« ast sonnenklar und unumstößlich, und man hielt e« für eüf unabweisbare Eltern- und Erzieherpsticht, dem Hera» wachsenden Geschlecht« da» nunmehr durch Mühen Leiden gefundene Leben-elexir zukommcnzulaffen und grünt Religion-schulen. um den Kindern eine religiöse Er-k ziehung zu geben. Da« sollte der Zweck der neuen u1#J alten Schule bilden! Die Jugend sollt« den hohe» der jüdischen Religion kennen lernen, sollte erkennen, wies ungerecht all' die Schmähungen waren, welche Berläumder^ aus de» jüdischen Glauben zu häustn sich erkühnten, sollte durch Aneignung und die Senntuiß dieser erhabenea Satzungen in sich erstarken und in d« wechselvolle Leben das stärkende Bewußtsein mik hinausnehmen, daß die bisher erhobenen, nieder« trächtigen Schmähungen an seiner Religion kein« Anhalt fanden. V-HMfch« Dörfer. IV.') Zu der Geschichte von dem alleinseligmachenden kos, Fleischer und seuren merkwürdigen Bezng-qnellen will ich«Ä konstatieren, daß meine Informationen au« sehr zuverlässigeuiI Quellen stammen, die ich begreiflicherweise nicht namhaft machen kann, daher begnüge üb mich mit der nicht wegzuleugnenden Thatsache, daß derseloe alleinseligmachende Metz sein Geschäft ,aufoegeben" hat. Für un« gieot e« ״ stände von viel höherem Interesse als alwiciettr Metzgers ganz besonder« in der jetzige« Zeih wo wir eine Verfassung«- mäßige Regelung der Verhältnisse unserer Gemeinde zu er-'? warten Hafen, wobei auch der über unsere Indiskretion so: eittrüstrtt Herr Oberrabbiner ein« Rolle zu spielen berufen —-_ gewesen wäre. Darum soll hier der Bericht der Landesjudenschaft«» repläsentanz in der Sitzung vom 14. Mat d. I. wörtlich; citiert werden: ,E« ist nicht nöchig hervorzuheben, daß die autonomen Rechte der Eultusgemeinde im Statute in vollem Umfange (diese Worte sind im Berichtt ftlbst fett gedruckt)-" gewährt wurden, wiewohl die (?) de» Herrn Rabbiner» eingeräumten Befugnisse, soweit überhaupt nur möglich und zulässig, Rechnung «tragen wurde, wofür da- Sota» de» chrwüroigen Herrn Oberravbiner« Dr. Ehren fe ld als Enquete- Mitglied allein (!) spricht." ,Nichtsdestoweniger soll, wie mir von mehreren Seite» mitgecheilt wurde, von einigen Herrn Rabbinern ein Pro«»- mona hohenortüberreicht worden sein, in welchem wegenangeblH nicht entsprechender Wahrung deren Rechte (!) und - deren Nichtbeiziehung (!) zur Enquete-Berathung Beschwerde - gefühtt sem soll." ,Zur Beruhigung der betreffenden Kreise kann konstatier» werden, daß die Enquete-Eommrssion nicht nur die in de» bezüglichen Entwürfen der LandeSjudenschaftS-Repräsentuntz sowie de« Lenttalverein« den Rabbinern eiugeräumten Rechte voll gewahrt, sondern daß auch über warme« Eintreten de» Herrn Oberrabbiner« Dr. Ehrenfeld die zur Erhöhung bet; ף «che Nr. M.