Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 33 (13.8.1891)
- Date
- 1891-08-13
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/6492344-5935076-5959675--0737-5374497- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
״S&ttttembager Hof' hier statt. Bor vegiim der «er- Handlungen erfreute der Synagogewchor in der prächtigen Synagoge die Lehrer durch «ine nmsttalifche Produktion, die allseit« Beifall und Anerkennung fand und wofür dem Dtrigenten, Hrn. Kantor Dreifuß Per, allgemeiner Dank gezollt wurde. Um 9'/, Uhr eröffnet« der BereinSvorstand, Hr. Oberlehret Stern-Eßlingen di« Bersammlung, welche von Hrn. Rabb. Dr. Einstein hier namens des iSrael. Kirchenvorsteheramt» begrüßt wurde. Der Stand des Unterstützung»- BereinS ist ein sehr günstiger; e» wurden 1750 Mk. UnterstüHungen vertheilt; auch hat das Vermögen wieder ein« Zunahme von 1700 Mk. Di« Zahl der BereinSmitglieder betrügt 60. Die iSrael. Gemeinden des Landes wenden dem Bereu« fortlaufend Spenden und Beiträge zu, besonder» zeichnet sich darin die Gemeinde Stuttgart sehr rühmlich au». Der Borstand berichtete nun über die Beschlüsse de» Vorjahr» betreffend die Lage unser Lehrer- und Borsängerstande» und unsere Lesebuchftage. In letzterer Hinsicht wurde beschlossen, ein von einer Kommission zu bearbeitende» Gutachten über dir Art und Weise der Bearbeitung de» Lesebuch» der A. Jsr. Oberkirchenbehbrde zu unterbreiten. Den Hauptgegenstand der Verhandlungen bildete der vom BrreinSsrkretär Lehrer Schmal«Ludwigsburg über .die religiöse Fortbildung der J»raeliten'. Derselbe faßte den Inhalt des Bortrag» in die unten folgenden Thesen zusammen, die allgemeine Zustimmung fanden. Der wichtige Gegenstand rief ein« sehr lebhafte Debatte hervor, in welcher die verschiedenen Ansichten zum Ausdruck kamen; endgültige Beschlüsse wurden aber der vorgerückten Zeit wegen nicht gefaßt. — Ein Mittagsmahl, bei welchem Hr. Oberlehrer Stern einen begeistert aufgenommenen Toast auf das Königshaus ausbrachte, vereinigte »och die Tbeilnchmer in kollegialischer Fröhlichkeit. Die Schmal'schen Thesen lauten: I. Jede« Wissen kan« nur durch fortgefchte Uebung oder dnrch KtaMUigc Wiederholung oder aber durch praktische >u»»»du»g de» Mttntea erhalten und vermehrt «erde«. Die« gilt naturgemäß auch VOM religiösen Bissen. Saar« doch schon die alten Belsen aüalo ■Mrif joaait (wer nicht zuvimmt, nimmt ab'. II. Zur songeseptrn theoretischen toic praktischen Hebung ist der Zbraelit verpflichtet, zur theoretische«, weil unser« Weise« sage» ,W—lmad Tbonh k’na^ed kalom“, zur praktische« nach den Warten .,Walo hamidrocoh Qckor elo hamaasMh‘‘. III Jttt der theoretischen Uebung im religiöse» Wisse» ist es im hruktgen Jtrael grohentheil» schlimm bestellt: der der Religionsschule «nNoächfrn« Israelit genießt ein« oft kaum noch nennenswertke religiöse FortbUdnng; denn ») da» Bibellesen wird seiten» der Itraelttea wenig «üb«, d) die Predigt bildet nur ein« Zulage zum geistigen Festmahl«, ». h. «» wird in den meisten Synagoge, beinahe nur an de» Festt»gen gepredigt, c) die in hebräischer Sprache »blich« Vorlesung au» der Thora wird «ich« verstanden, d) so bleibt für «ine Anzahl von Gemeinde» lediglich der allsabbathliche Schiur, eine quantitativ und analitativ sehr magere geistige Mahlzeit IV Früher war die« ander»: E» gab, besonder» in größere» Gemeinden, dem Zwecke der religiösen Fonbildung dienende B«reine (Otobroth). di« dem tzerständniß ihrer Mitglieder angemeffen waren: ») rin« Sotmo» obobrob für Talmudkundio«, d, eine Ohebn für Mvchnaknndige und o) «in« solch« für die Pfleg« de» Pentateuch mit Nafchi. Di« Frauen lasen fleißig ihr« Z'aoo ar«ao. Selbstverständlich reme da» Studium in der Cnebra wieder da« de» Einzelnen an. Sa «oktte die «esammtheit aus de» Sin,einen und dieser aus ln« Gefammtheit. V. ») Ermunterung zum Bibellese» hat wenig Erfolg d) Die -orlesang au» der Thora bet« Äollesdienfte könnt« nur dann von Benh sei», wenn jeder Israelit di« hebräisch« Sprache genügend verstünde. Auf diesem Gebiet ein« ve״«rung herdeiznführe», lös» sich . Am» hasse», da der itrael. Schüler nicht Zeit hat, »eben alle«, wa» er sonst lerne» soll, de« Studium der hebräischen Sprache genügend Zeit zu widme«, e) Allsabbathliche Predigt ist nicht wähl einzufüyren wpge» der ohuehin langen Dauer de« «otte-dienste« und Ueberbürdung de» Lehoervorsänger». VT Die Bedürknißfrage ist leider zu verneinen, d. h. der Ztraelit fühlt gar nicht, daß ihm durch de» Mangel religiöser Fortbildung «tum» »»gehe und oerlaagt nicht darnach. VII. Die Folg« hiervon ist ») «in« krasse Unwiffenheir aus ^lgiösem Gebiete und beschämende Beku»duug derselbe» de« bester »»»richteten Christen gegenüber, b) Die Uhr scheint von früher her «och so aut t» Gange,, daß moralische verirr»»«, in «»serrr Mitte z»m miadeste» nicht häufiger find als außerhalb Z»roel»; ab» da auch diest» Uhrwerk kein vaexatauw na«bei« ist, so wird es einmal stille stehe», mm» »ich»» geschieht, »» es im Gang m . y VI1L Wie ist da. . mittelbar auch auf« Hau«, b) Beachtung u»d, sabbathkiche« «attthese», d«»e» ater dl« Gr^mavmkfucht »er fomb, Mso»d«» i» de» ettbm, feiudttchi« Otm steht, ließe sich oiellrichi der Mi»chah<G-«!e»»ie«st am Savbath bet sch, so»st kurzen Dauer homiletisch erwetter». Ob dt« Gemeindme da Interest« g«wt»»eu worb«, läßt sich »ich« voran« bestimme». «» I» wohl darauf an, ihnen Geschmack daran beizndrinP». Etwa» ähnlst ist da und dort mit de» sog Joaeadgottelidienst« schon einoeführt. j □ chk»«W i« Juli. (Or.-Lorr.) Meine« Brrsprecheu, ttia die AmtSnrederleguna mtb da» Scheiden unsere» Rabbiners de» Herrn Dr. Rothschild, wovon eine kurze Anzeige in dies.ß^i gegeben worden war. ausführlicher zu beritten, komme ich' endlich nach. Die Angelegenheit ist doch von allgemeinere» Interesse. Die Zustünde in den Gemeind«! Israel», besonder» di«SttllungderRabbinerund dieMißstünde in der Gemeinde- Berwaltuna. mögen vielfach gleiche oder ähnliche sein, aber dieA Art und Weise der Entlassung unsere» langjährigen and würdigen» thüttgen und pflichttreuen Rabbiner» (er war hier 30, nicht 33 Icchrr im Amt, une ich berichtigend bemerket deffe« Wirksamkeit auch aurwürt» bekannt und geschützt war, drünat doch zu einer öffentlichen Darlegung de» Sachverhalt». Dr. R. stand und steht bei der Gesammtzemeinde in hoher Achtung und erhielt durch Adressen und Geschenke vielfache Baveise der Auer» kennuna; viele Einzelne und FamUiea gaben ibm auch bei« Abschied theurr Andenken und LiebeSaeschenke und vermndete» laut wiederholt ihre Trauer über Mn Scheiden. E» gehörte eine^ tüchtige Kraft dazu, sich solche Achtung und Liebe in einer Gemeinde zu erwerben und zu erhalten, in welcher der kür»- lich in Rew-Uork verstorbene Dr. Adler Jahre lang gewirkt hatte. Boa Dr. Adler sprach man noch mit Liebe und ~ achtung, al» Dr. Rothschild sein Nachfolger wurde, hatte lange nach einem würdigen Ersatz gesucht und mühung de» damaligen Borstande» und der Freundschaft Dr. Adler gelang, Dr. R. zur Annahme der Stelle iu wegen. Der Vorstand und di« Gvneiade ginge« ständig einig mit dem Rabbiner, bi» der frühere Borstand in dem jetzigen und einem Theil der Gemeinde Gegner fand, die ihn zu stüwen suchten und verdrängten. DerRabbiner war der Prügelknabe bei diesem Streite, nicht weil »an etwa, chu und seine amtliche Wirksamkeit anklagte, sondern weil man über sein« Gehaltszulagen und soustigen Begünstigungen durch den Borstand zur Anerkeanmw und Belohnung seiner vielfachen Verdienste klagte, da diese, wie man andererseits, jedoch mit Unrecht, glaubt«, zur übergroßen Belastung der Gemeinde führen würden. Der alte Borstand glaubte nicht, daß et dem Rabbiner gelingen werde, sich dem neue« feindliche» Borstande gegenüber zu Hallen und bot diese» au» Privatmittel« einen entsprechenden Ruhegehalt an, der aber dankend abgelehnt wurde. Dr. R. blieb trotz der vieljührigen Kämpft, welche ihm in Aussicht standen, und die er auch zu bestehe« hatte. Endlich mahnte ihn sein hohs Alter von 74 Jahre« an di« abnehmenden Kräfte und nöthigtt ihn, an Erleichterungen im Amte zu denken. Er bot dem Borstand an, trotz vermehrter Anstrengung, so weit und so lange e» gehe, mit aller Kraft weiter wirken zu wollen, fall» man chm in später« Jahren, wenn er in Folge der sich jetzt mehr und schneller aufreibenden Kräfte invalide geworden sei, einen Ruhqgchalt in Aussicht stelle, oder man chm gestatte, für die freiwillig ■*- übernommenen Funktionen sich Erleichterung zu verschaffen, ' speeiell und zunächst an den Tagen, wo grpvckigt werde, di« H deutsche' Haftara von dem Eantor vottragea zu lassen. Alle» wurde abgelehnt. Sin befreundete» MitgliÄ de» Borstande«, welche» auch dem früheren Borstande angehört hatte, suchte »u vermitteln und verriech chm, daß schlmun« Beschlüsse gefaßt werden würden: er rat« de-holb, vir «stellten Anträge zurückzuziehm, da der Vorstand dir gestellten Anträge al» unger«btsertigt ansehe aud darin e«en ״Arbeiterstrike^ e»< keime; dvm ״die Gemeind«; welche.»-üe Zahlung leiste, wolle auch Völle Lrl ׳ m A 1