Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 32 (6.8.1891)
- Date
- 1891-08-06
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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n«ch hrnlhur. — Doch nicht mit StMchjweige» de» Meister der &4kbe mnnchea. welchem da« Bild der Sonne mit de«!Punkt inkten entlehnt ist, de« redliche«, herzigen, Herr- Wirkung Ichwarzen Ächen Leopold Stein. dessen Jede von melodischer Wi -auf jede feinfühlende Seele ivar/ Wenn aber von Frankfurt die Red« ist, darf man -auch nicht die redegewaltige Persönlichkeit -Samson Raphael -Hirsch'« vergessen, dessen geistesmächtige, sittlich erhebende 'Rede auch Denen unvergesien ist, die dem religidsen Standchnnktr Mi große» Lehrer« in Israel nicht zugrthan sind. Wer darf an Ungarn'« Löwen, Leopold Lüw, vergesien, -er, wie er zuerst in unserem Lande die Deraschah von allen Inhalttichen und äußerlichen Trübungen befreit und zu gedi^genem, mit klassischem Humor nicht selten auSgestattetem Portraae verarbeitet — so der nationalen Rede in der Landessprache siegreich die Bahn eröffnet hatte? Wer Mr- »ächte jemals der Leuchte zu vergessen, die am Altäre der Wissenschaft und der religiösen Rede lange Jahre der Be- »einde Prag geleuchtet hatte, de« Altmeister« der Sprach- Forschung und Echristauslegung, Proftffor« Dr. Kämpf, der. Bott sei Dank, noch lebt? Es ist nun freilich Jellinek« unsterbliche« Verdienst, dir Predigt zur hächsteu Bedeutung für Cultur und Leben "des Judenthums erhoben zu haben. Diese« Berdienst de« Jubilars t^ilt aber di« hochfühlige Wiener Bemeinde, welche Wort und Lied znr höchsten Vollendung im Totte«hause «ftaltet hatte und dadurch eine Tulturmacht für das gesammtr Judenthu« geworden war. . Denn in unserer Monarchie sind, die Lichter jüdischer "Lempesberedtsamkeit nur sehr spärlich. Das deutsch-slavische Oesterreich ringt sich erst durch von der alten zur neuen Rede, und der unaarische Staat hat die Cultur und Sprache fortzubilden und neu eichwohl habe» wir Deutschland ausaeetr Kräfte zugeführt, die in der Heimath nicht die tätte ihrer Wirksamkeit zu finden in der Lage waren, ns der Wiener Schule sind zwei der hervorragendsten Geistlichen in der Blüthe ihres Lebens leider verschieden: Mehemia« Brüll und P. Frankl. Unsere Lehrer in r. Israel aber, die Oesterreich-Ungarn in stattlicher Zahl in ^früherer Zeit aufzuweisen hatte, hatten in der Schule Markus 'Benedikt'« gelernt, au« von Bottesfurcht und Menschenliebe durchglühter Seel« heraus Botte« heilige Wort in Aber-engender und ergreifender Weise zu lehren. Und diese 1 -alte, stet« verjüngungsfähig« tolerante Schule wurde auch vorbildlich sür di« Pflanzstätte jüdischen Besites, über welchen die Flagge des theure« Namen« Zacharia« Frankel'« Weht. — MaMMn• MnRaeaß, 28. Juli. (Or^Cor.) In der vorletzten Nr. »Israelitischen Wochenschrift" finde ich einige rküngen bezüglich der Audienz, welche ich am Juli ». o beim rumänischen Minister dä Innern, Herrn Aöascar Catargiu, in Angelegenheit der Motion de« Jaffyler?Deputirten, Herrn Ceaur Aslan, hatte. Ich will Ihnen .kurz die Gründe au-eiuandersetzen, welch« zu dieser Audienz .Anlaß gaben und auch die Antwort mtttheilen, welche der Minister gab und e« Ihnen zu beurtheilen überlassen, ob .dasjenige, was unsererseits geschah, eine ,Kriecherei" genannt . zu werden verdient — wie es der betr. Lorrespondent bezeichnet. Am 4./16. Juni *. 0. interpellitte der obengenannte Deputtrtr von Jassy die rumänische Regierung,!oelche Maß- ^regeln sie zu «rgreiftn gedenke, um die masienhafte Ein- Wanderung der aus Rußland vertriebenen Juden zu ver- Nach Schluß seiner langen Rede, die von den antisemitischst Gemeinplätzen strotzte, und die von Kammer mit großem Beifall ausgenommen wurde, be- -«ttragte er die Einsetzung einer Commission, der zur Aufgemacht werde, bis zur nächsten Herbst-Sitzung «ine von namentlich anfgeführtm Besetzen auszuarbeitrn, -bindern. -׳ bekannten die »»« Ziel« Häven, nicht nur eine Einwanderung von russischen Fiüchtlin en in Rumänien hintanjuhaltea. sondern auch das fernere Verbleiben der im Lande ansässigen Juden geradezu uamäglich zu machen. Nachdem sich der Minister des Innern im Namen der Regierung mit dieser Motion einverstanden erklärte, wurde sie von der Kammer einstimmig angenommen, die Wahl der Commission jedoch wurde für eine spätere Sitzung vertagt. Da, gestützt auf diese Motion, d!e höheren und niederen Beamten sofort Verfolgungen gegen die Juden in allen Theilen de« Lande« in« Werk sichten, und Leute, die im Lande geboren wurden, oder seit vielen Jahren ansässig sind und durch ihre Aufführung nicht den geringsten Anlaß zu Ausstellungen gaben, mit der Ausweisung bedrohten oder auch thatsächlich auSwiesea, bemächtigte sich aller Juden, besonder« in der Moldau, großer Schrecken. Bon allen Seiten bekamen wir Nachrichten, daß die Lage der Juden in Galatz, Braila, Bakau, Botuschani, Jassy und anderwärt« unerträglich sei und man bestürmte und beschwor un«, doch Schritte zu chun, um die Befahr von un« abzuwenden. Wir beschlossen hierauf, den Minister de« Innern um eine Audienz anzugehen, um die Absichten der Regierung kennen zu lernen und sie zu bitten, daß sie den Uebcreifer der ludenfeindlich gesinnten Beamten zügele und etwaige Gewaltthättgkeiten gegen Juden Vorbeuge. Die Deputatton, die beim Minister vorsprach, bestand au« Dr. A. Blumenfeld und dem Schreiber dieser Zeilen; Dr. A. Stern, der sich derselben anschließen sollte, war inzwischen verreist. Soviel zur Vorgeschichte der Audienz. In dieser theilten wir dem Minister mit. daß in Folge der Interpellation und Motton Ceaur Aslan'« eine feindselige und bedrohliche Stimmung gegen die Juden Platz gegriffen habe, die, wie «S den Anschein hat, in rhätliche Ausschreitungen ausarten werde, da schon jetzt friedlich« Bewohner, die «inen Grund zur Unzufriedenheit gaben, behelligt und in ihrem Handel und Wandel gestört würden. Wir begriffen di« von Ceaur A«lan beanttagten Besetze um so weniger, als wir einer Einwcnderung von russischen Flüchtlingen keinen Borschub leistet,׳» und keinesfalls eine Strafe dafür verdienten, wenn die russisch« Regierung ohne Grund Tausend« von Familien in« Unglück stürzte. Der Minister erwiderte darauf, daß er uns wohl aus« Wort glaubte, daß wir die Einwanderung der russischen Juden nicht wünschten, aber diese sei denn doch eine nicht wcgzuleugnende Thatsache und gerade deshalb habe er an die Grenzbehörden die strengsten Weisungen erlaffen, keinen Fremden, der nicht im Besitz von ordentlichen Reise- Dokumenten und Existenz-Mitteln sei, rumänische« Gebiet betreten zu laffen. WaS jedoch die im Lande ansässigen Juden betreffe, so hätten diese gar Nichtzu befürchten, ihnen werde, soweit sie kein ungesetzliche« Gewerbe betrieben, kein Leid geschehen. Ich fragte ihn hierauf, ob man die Juden, die in Landgemeinden wohnen, und in Fabriken beschäftigt sind, oder sonstwie ein gesetzlich erlaubte« Handwerk betreiben, nüht auSwrisen werde. Der Minister beruhigte uns und wiederholte ausdrücklich, daß diese Nicht« zu befürchten hätten, und auf unsere Frag«, ob wir den Betreffenden diese beruhigend« Versicherung des Minister« mittheilen dürsten, gab er unS dazu die formelle Erlaubniß. Der Motton Ceaur ASlan'S wollte sich die Negierung, sagte ftrner Herr Lartigiu, nicht widerseyen, weil ste da« Recht der Initiative ver Kammern nicht verkürzen wollen, aber sie werde bestreb» sein, daß in die beanttagte Eominission nur friedliebende Mitglieder gewählt würden. Die Commission wurde zu unserer Freunde nicht gewählt aus dem ganz merkwürdigen Grunde, weil nämlich alle antisenlittschen Abgeordneten — und au« solchen setzt sich uttt sehr wenigen Ausnahmen die ganz« rumänische Kammer Mammen — als Landidaten auftraten und im Falle der Nichtwahl der Regierung drohten, die Reihen der lHpositton zu verstärken.