Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 32 (6.8.1891)
- Date
- 1891-08-06
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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J. ftDctft• 28. Juli. (Or.^Lor.) In den Räumen de« BetsaaleS des jüd. Kurhospitam wurde vorgestern die erhebende Feier des Stiftungsfestes abgehalten, welche« Zeugnis ablegtr von dem herrlichen Gedeihen und der segensreichen Wirkiamkeit dieser Anstalt während ihre« 17!Lhrigen Bestehen«. Die Elite der Badegäste, die Würdenträger der iSr. Gemeinde Eolberg's, sowie der stellvertretende Bürgermeister waren an-!«smd und lauschten mit Andacht den feurigen tiefbewegten Worten des warmherzigen Predigers Dr. Goldschmidt, der al« Baker der Anstalt sich die grüßten Verdienste um den .Fortbestand und die Entwickelung derselben erworben. ,Kinder seid Ihr dem Ewigen Eurem Gotte", das war der kurze Text der inhaltsreichen Festpredigt, welche da« Wesen der Gottähnlichkeit behandelte in der heilsamen Bildung de« Geistes und des Herzens. .Jeder Stein dieser wohlthätigen Anstalt, so führte der Redner aus, predigt eindringlich diese TextrSworte. Die Geschichte der verflossenen 17 Jahre habe den schönsten Beweis geliefert, daß in der Mitte Israels die wohlchütige Liebe mit den größten Opfern bethätigt wird. Die Gotteskindschaft offenbart sich in dem weichen, barmherzigen Gemüthe. Wenn der Geist im Ebenbilde Gottes erstrahlt, dann weiht sich das Herz der Menschheit in milder Lieb« und barmherziger Güte." — Am Schluffe der Predigt banste der Prediger allen, welche mit Wort und That zur Förderung der Anstalt beigetragen und erflehte für sie Gotte« Segen und Schutz. Nach Beendigung der Predigt wurde die Seelenfrier für die oorstorbenen Wohlthäter avgehalten. Der Eindruck dieser religiösen Feier rief in un« das Wort des Psalmensängers wach: ,Aus den mächtigen Waffermaffen de» fluthenden Meeres ertönt uns mit donnerndem Getöse der Ruf entgegen: ,Mächtig in der Höhe ist der Ewige!" ES waltet em Gott der Liebe, der die Menschen geschaffen, daß sie sein Reich der Liebe und des Friedens «urf Erden gründen. Das jüd. Kurhospital EolbergS ist eine der schönsten Schöpfungen der jüd. Wohlthätigkeit, eine Berherrlichung de« Judenthums, des jüd. Herzens. Die Stimme Gottes rufet uns zu aus dem Toben und Tosen des unendlichen Meere«: Auf, Brüder und Schwestern in Israel, laffet uns die Wunden, die der tosende Kampf umS Dasein vielen Mitmenschen schlägt, heilen mit der Heilslehre echter Nächsten» liebe. Oeffnet die Hände, öffnet Euer Herz zur Linderung de« Elends und der Noch, zur Stillung der Seufzer der Kranken und Leidenden. An den Ufern des Meere« entströmt der Odem der Gottesliebe für die vom Pfeile des Mißgeschicks tief im Herzen Verwundeten, und ach! wie viele Kranke und Sieche müssen fern bleiben von dem belebenden und verjüngenden Quell der Gotte-liebe, weil die Menschen» liebe noch nicht den vollen Sieg auf Erden errungen. Wie viele Bittsteller müffen der größten Wlchlthat, der Wieder» Herstellung ihrer Gesundheit, verlustig geben, müffen von den Vätern der Anstalt zurückgewiesen werden an« Mangel an genügenden materiellen Mitteln. In diesem Jahre waren es 80 Bittsteller, denen die erflehte Aufnahme versagt werden mußte. Darum öffnet die Herzen, spendet reichliche Gaben, damit recht viele würdige aber' unbemittelte Heilsbedürftige Hülft und Heilung schöpfen aus den gottgesegneten .Quellen de« Heiles!" (Heber da- Eoncert zum Besten der Anstalt berichten wir in nächster Nr.) Gkdensnrg k. fr, 2«. Juli. (Or.-Eor.) Am gestrigen Sabbath fand die Amtseinführung des neuerwählten Land» rabbiner« Herrn Dr. Mannheimer, bisher Rabbiner in Lauenburg (Pommern) statt. Die Synagoge war zu diesem rc geschmackvoll von kundiger Hand dekorirt. Nachdem Dr. M. von den beiden Beisitzern hineiageleitet worden, wurde er von dem ersten Vorsteher*) im Namen des Landes» »gemeiuderaths mit wenigen, aber markigen Worten begrüßt «nd ihm im Namen Sr. Köuigl. Hoher» de« Großherzog« in Anwesenheit des Staatsministerda« Großherzogliche Landrabbinat in Oldenburg übertrage», mit der daß die Gemeinde de« Lande« ihm mit Treue and entgeaenkommea würde. Dann hielt Herr Dr. M. seine Antrttttrede, die auf die Zuhörer einen tiefen Eindruck machte. Al« Text waren die bekannten Worte Mose'«, 4. B. M, Kap. 27, B. 16, 17, zu Grunde gelegt. Um der Land» bevölkern«« dir Red« zugänglich zu machen, haben die Bor» stände beschlossen, ste dem Drucke zu übergeben. Möge e» dem noch i« jugendlichen Alter stehende»- neuen Rabbiner gelingen, den starren Jndifferentismus der au« ca. 40 Familien bestehenden hirs. Gemeinde zu brechen. 8. Ml«. (Or.-Corr.) Hier wie in Deutschland machen wir die Erfahrung, daß die Häuptlinge der anti» semitischen Bewegung, die ja allerdings auch den Stempel der Schmach an sich trägt durchweg mit sittlichnn Makel behaftet sind. Keine Ausnahme macht der hiesig« Mechaniker Ernst Schneider, der ungefähr S Wochen nach jener Gerichts- Verhandlung, in welcher gesagt worden war, daß er der in» famsten Schurkereien überführt worden sei, im ersten Wahlgange mit einer Stimmenmehrheit von 130V Stimmen zu« ReichsrathSabgeordneten gewählt wurde. Wie tonnte dieser Mann zu seinem Ziele gelangen'? Die llerikale Partei hatte , ihn dazu ausersehen, die österreichische Handwerkerbewegnag fl und den Antisemitismus seinen Auftraggebern dienstbar zn machen, für derartige Mandaten sind bekanntlich Männer lauteren Charakters nicht zu haben. Zuerst Schriftführer der Wiener Gewerbegenossenschaft, verstand er durch seine׳ rastlose agitatorische Thätigkeit gar bald die Führung der Körperschaft an sich zu reißen und so die gewerbliche Reformbeweguug in das klerikale Fahrwaffer zu leiten; hinsichtlich der antisemitischen Bewegung schwebst ihm dasselbe Ziel vor. Hierbei kam chm die dem Antisemitismus wohlwollende Haltung des Ministerium Taaff« ^u statten, gena« wir in Deutschland, wo dem Ministerium Bismarck die antisemitische Bewegung in die politische Berechnung paßte. Diesem Mann, der nunmehr mit dem Prinzen Lichtrnfsti» daschwarze Duumvirat bildet, konntt s. Z. mit Nicht von Bloch in einer Reich-rathSversammlung zugerusrn werden, daß er eher in« Zuchthaus, al« in den ReuhSrath gehöre. Genaueres über den Charakter Schneider« findet man an der Hand aktenmäßiger Darstellung in der Schrift von Dr. . OSkar Hein: ״Aus derMerkstatt der Reaktion. Die Prozeß» affaire gegen Mechaniker Schneider. Wien. Berlag von Leopold Weiß." E» wird hier urkundlich erhärtet, daß Schneider den Obmann-Stellvertreter de« Gewerbegenosseuschaftstage» zu falschem Zeugniß zu verleittn versucht hat, daß er ungefähr 4 Wochen vor Ostern 1885 einem antisemitffchen Stemdrucker ein Bild brachte, welches die Abschlachtung eines LhristenkindeS durch Juden dar» stellte, das für gewisse Zwecke in 20000 Exemplaren angefertigt werden sollte und wozu Ehren-Schneider den er» läuterten Text schrieb. Der Stemdrucker wiejedoch dieses 1s Ansinnen ab. Ein andere- Mal wurde die Anfertigung ' eines falschen Stempel» zurückgewiesen. Seine eigenen Ge< sinnungSgenossen ha den.,ihn einen Schurken, einen Schuft, einen elenden Feigling genannt, ohne daß sich Sch. beleidigt ■i gefühlt Hütte. Diese Thatsachen genügen zu Schneider« J Charakteristik. Wa« Dr. Hein am Schluß seiner Broschüre H als erstrebenSwerthes Ziel hinstellt, ,daß sich die an,tändigen Elemente aller Parteien vereinigen mögen, um der Partei^ der sittlichen Berworfenheit und moralischen Verkommenheit entg^enzutrestn" hat sich bereit« zum Theil vollzogen dunch die Gründung des Vereinzur Abwehr, dem die hervor» rageadsten Männer der Wissenschaft und Kunst, de« politischen׳ und gewerblichen Lebens beigetrestn sind. «. Zu» Mngckr», Mitte Juli. (Or.-Corr.) (Schluß.)' •) 9* tft diese« derselbe Herr, ber mrter de» früher» Lande«- sfr» ' ־" — gezr, dege» »tssrn »nd willen — «in Harmonin« Nicht möchte ich au Jelliueks .homiletischer Son« die schwarze» Punkte suche«. Diese Beschäftigung wäre l 1 In vor. «r. fehle, S. Mlb geil« M »«,oben hinter, »Wort.jüdisch", sowie