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Israelitische Wochenschrift · 1891-07-30 · 31 (30.7.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
31 (30.7.1891)
Date
1891-07-30
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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und stArMeMHWjittststr fest. Daraus ettheilt der Vorsitzende Herrn Robn»-Schl«»e da» Wort zu seinem Bortrage: ,Lehrplan für eiuklassige Schulen". In die Diskussio» eintretend, wird von verschiedenen Herren La»Wort theil» für theil» gegen den Bortrag genommen, ließlich einigt man sich zur Bildung einer Commission,!stehend au» den Herren Roberg, Meyer, Kameras«, welche L«r nächsten Versammlung einen Normal-Lehrplan für einklassiae Schulen al» Minimal-Lehrplan, für alle Schulen te» Regierungsbezirke« gültig, auszuarbeiten und dem Berein Dorzulegen haben. Damit war die Tagesordnung für den 1. Konftrenztag «rschöpft, und der ernsten Arbeit folgte ein gemeinsames 'Abendessen, bei dem heitere und ernste Toaste in bunter Reihe weMelten. Am Montag, den 13. Juli, erfreuten die Hrn. Rabbiner Dr. Hahn-Stolp und Dr. Goldschmidt-Eolberg die Anwesenden durch ihr Erscheinen. Herr Dr. Ho ff mann- Reu-Stettin war am Kommen verhindert, hatte aber schriftlich «rklärt, mit allen Ausführungen seiner Amtskollegen einverstanden zu sein. Nach langer, erregter Debatte wurde dem Rnttage der Herren Dr. Hahn und Goldschmidt, betreffend die Abänderung der ersten provisorisch abgesaßten Statuten Folge geleistet. D>« Herren Rabbiner treten dem Vereine nun nicht, mir ursprünglich bestimmt al- Ehrenmitglieder, sondern alt -wirklich« zahlend« Mitglieder bei. Mit der Abfassung der veränderten Statuten wird der neugewählte, zeitige Vorstand, bestehend auS den Herren: -Rabbiner Dr. Ha hn-Stolp (Vorsitzender), Prediger Bauer- SLoeSlin (Stellvertretender Vorsitzender) und Prediger Meyer- Bütow (Schriftführer) beauftragt. Alt nächster BersammlungsvN wurde Schlawe bestimmt. An dieser Stelle sei nochmal« den Herren des Vorstandes und de« Revräsentanten-EollegiumS der CoeSliner Synagogen- Gemeinde für ihre Liebenswürdigkeit und Aufmerksamkeit herzlich gedankt. Der Schriftführ«: M. Meyer, Prediger. Wtrztzurg, 23. Juli. Gestern hielt dahier der,ISra- -elitische Lehrerverein de» Königreichs Bayern" seine jährlich« 4Seneralversammlung ab. Di« Betheiligung war eine sehr -erfreuliche. Der Bormittag war dem geschäftlichen Theil vewidm« und ergab die Rechnungsablage em recht günstiges Resultat. Ausweislich de» RechnungSabschluffeS besitzt der Rerein ein Gesammtvermögen von M. 19748,04. Der Rerein zählt mrit außerordentliche und ca. 130 ordentliche Mitglieder. Der Rachmfttag war den Vorträgen gewidmet, von denen der eine den ,Entwurf eine» Lehrplane» für die israelitische ReligionSschule" von Nußbaum-Wiesenseld, der andere .die Aufgabe tur ReligionSschule und di« Bor- und Fortbildung de« iSrael. Lehrer»" von Mannheimer-Harburg zum Gegenstand hatte. Beide Vorträge konnten sowohl Ihrem Inhalte als ihrem Umfange nach al» sehr gediegene Arbeiten bezeichnet werden und fanden allseitige Anerkennung, in den meisten Aufftelluugen und Vorschlägen auch Annahme, so besonder», daß eine vermehrte Stundenzahl für den Religionsunterricht in den Religionsschulen wünschenSwerth und zu erstreben sei. N. JIm A«M<tr», Mitte Juli. (Or.-Cor.) Di« freudige Begeisterung, welche dem berühmten Wiener Prediger Dr. Jellinek an seinem siebenzigsten Geburtstage entgegen- -gebracht wurde, hat auch in unserem Lande entsprechenden Rachhall gefunden. Der Leitartikel in der Nr. 36 dieser gesch. .Wochenschrift" fand daher auch in unserem Lande vmfftändnißinnige Theilnahme. Gerade deshalb aber sehe ich mich zur Beleuchtung mehrerer in dem genannten Artikel angeführten Punkte veranlaßt. Dr. Jellinek ist in seine« homiletischen Leistungen über alle» Lob erhaben, doch liegt »er Schwerpunkt seiner Bedeutung in zwei Momenten: in £ct Aktualität und der exegetische« vorttefflichkeit der Rede. Da,'»»o Jellinek Zeftfragen erörtert in Betrachtungen, in welche er Stellen au» Bibel, Talmud und Midrasch in meisterhafter Anwendung und Auslegung verwebt, steht seine Rhetorik auf der höchsten Höhe der Anforderung. Ich habe Jahre lang Jellinek gehört und sämmtliche Rede« de» Meister» gelesen und diese Charakteristik überall zutreffend gefunden. ES» geschieht daher dem Dr. Jellinek kein Unrecht, wen« man ihn einen ,modernen Agadisten" im eminenten Sinne de» Worte» ueunt. Di« Reden, in welchen'Jellinek sich al» ,moderner Agadist" giebt — ich führ« z. B. die vorzügliche Rede ,Die veiden Loose" (HI. Bands an —, sind gerade von der größten Wirkung auf Hörer und Leser. — Dennoch kommt diese» Prädikat vorzugsweise dem sel. Salomon Pleßner zu, desteu Reden, abgesehen von der streng ortb». doxen Färbung, in dieser Richtung nicht genug empfohlen werden können, weil sie mit gediegenem Inhalt eine einfach«, aber zu Herzen gehende Sprache verbinden. Die Sprache Güthe'S zu reden aber, sofern darunter da» inhalt» und formvollendete Deutsch schlechtbin gemeint ist, war Dr. Michael Sach» im Stande, dessen Reden einer überzeugung-innigen, tief poetischen Seele entströmten; sie waren im edelsten Sinne und im erhebendsten Deutsch gesprochen. Wer darf aber bei der Nennung Jellinek» de» bahnbrechenden Kanzel-Genie'» Mannheimer« vergessen, besten zündende, gewaltige Rede di« That eineauf der höchste» ethischen Höhe angelanaten Charakter» war? Wer darf mäkln an den hinterlastenen Meister- und Musterreden de» leider so früh heimgegauaenen Jo»l, deffen vorbildliche Rede« populär-philosophische Reflexionen voll geistreicher Schriftauslegung in klassischer, reich pointirter und doch gemüthSwarmer Sprach: waren? Und wo ist denn der Meister aller Meister, Dr. Zunz, geblieben, der den ,gotte»- gienstliche» Vorträgen" Geschichte, Gestalt und Gehalt zuerst gegeben hatte? Wer darf da» nordische Zwiegestiru der Kanzel, Salomon und Kley, vergessen, welche in unstrrblicher Weise da» Judenthum zu ethischer Humanität verherrlicht hatten? Wer darf Abraham Geiger'» vergesse», gleichviel ob man die Tendenz de« Gelehrten theilt oder nicht, wie er meisterlich da» Wort zu handhaben und die Hörer hinzureißen verstand? Großbritruewieu. elouds». Die Ernennung de» Herrn Ney EliaS zum britischen General-Consul in Persien für die Provinzen Khorassan und Seistan dürfte in Anbettacht der wichtigen Dienste, welche dieser berühmte Reisende und Inhaber der Medaille der Königlichen geographischen Gesellschaft der indischen Regierung geleistet hat, zwar kine völlig entsprechende Anerkennung sein; immerhin wird sie aber auf seine jüdischen Glaubensgenossen im Reiche de» Schoh einen wohlchuenden Einfluß üben. Die Juden haben schon warme Freunde an dem Prinzen Zileus Sultan, einem Sohne de- Schah an Sir Henry Drumond Wolfs, unserm Gesandkn in Teheran, und an Herrn S. P. Aganoor, dem britischen Agenten in Jspahan. Die Thatsache aber, daß die regierende Königin einen Juden zu einem ihrer Vertreter in Peiffien ernannt hat, wird nicht ohne bedeuttnden moralischen Einfluß bleiben, wenn dieselbe in den Bazar» zur öffentlichen Kenntniß gelangt. Die beiden Besuch« des Schah in Europa und die persönliche Berührung, in welche er bei dieser Gelegenheit mit unfern hervorragendsten Männern kam, ttugen nicht wenig zn der Bessergestaltung de» Loose» seiner jüdischen UntertHanen bei. ES muß aber noch viel geschehen, ehe ihre Lage eine glückliche genannt werden kann und mir dürfen zuversichtliri hoffen, daß Herr Ney EliaS sowohl privatim als offiziell zur Realisierung unserer Wünsche beitragen wird. Der glückliche Erfolg, welchen in der Türkei die Ernennung von Juden zu Gesandkn der Vereinigten Staakn Nord» Amerika'« hatte, ist ein gute» Omen für die heilbringenden Resultate, welche wir von der Ernennung de» Herrn Elia» erwarten dürfen. J. Ch.

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