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Israelitische Wochenschrift · 1891-07-30 · 31 (30.7.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
31 (30.7.1891)
Date
1891-07-30
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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renze zu kommen, resp. sich bun^ irgend welche Bestechung .oer die Grenze in schmuggeln, meistentheil» werden sie jedoch «bei ertappt und find froh, wenn sie, ihr Gepäck im Stiche essend, sich und den Ihren da» nackte Leben retten. De», uxgen ist der grüßte Theil der Auswanderer von allem entbliHt, und sieht man dieselben in zerlumpter Kleidung, mit schmutziger Wäsche, voller Jammer und Elend. Die Zahl der Vertriebenen an der russisch-österreichischen und polnischrussischen Grenze dürfte sich wöchentlich auf lOOO Personen clausen, von denen der kleinste Theil mit eigenen Mitteln reist, während die Mehrzahl durch die seit einiger Zeit vrrbundenen Komitee» der Wiener Alliance-Israelit, sowie de» deutschen Central-Comitees befördert werden. Al« Central» punkte der Auswanderung für vorerwähnte russische Grenzen gelten österreichischerseits die PlätzeLembr'q, Krakau, Oswiecim, deutscherseits M^owitz. Die dorttgen SichtungS-Komitee's, welche in aufopferndster Weise ihre schwere Pflichten erfüllen, ,arbeiten nach genau ihnen vorgeschriebenen Instruktionen. Sie haben namentlich die Pflicht, dafür zu sorgen, daß ungeeignete Elemente von der Auswanderung fern gehalten werden, sowie auch darüber zu wachen, daß die Vertriebenen selbst diejenigen Mittel auftreiben, welche die weiten Reisen erfordern. Da nun einem sehr großen Theil der Auswanderer es gänzlich an jeden Mitteln fehlt, so war e» dem Beauftragten d«S am 18. Juni in der Philharmonie stattgehabten WohlthättgkeitsfesteS Vorbehalten, unzählige» Leid zu stillen und im Sinne der hochherzigen Geber große Wohlthaten auSzuführen. Bei denen in den letzten beiden Wochen stattgehabten Expeditionen waren jedesmal eine größere Zahl von Familien zurückgestellt, um wieder nach Rußland zurückgcsandt zu werden. Der Jammer und die Verzweiflung dieser armen Menschen waren unbeschreiblich. DurchUeberweisung von Geldern au» jenem WohlthätigkeilSfonds ist es möglich acA'<ftn, mehrere hundertMenschen von dem schrecklichen Schicksal >er Rücktreibung nach Rußland zu bewahren. Ferner war e» dem Delegirten vorbehalten, den größten Theil der Auswanderer, welche ihre allerletzten Baarmittel zur Bestreitung der Paffagekosten hergegeben hatten, mit Geldern zu unterstützen, damit dieselben nicht schon als Bettler die neue Welt betreten. Die Mission de» Delegirten wurde von den Organen de» Hilfskomitee'» öl» eine segensreiche betrachtet י und in einer jeden Weise unterstützt, da durch diesen freiwilligen Aft der Wohlthätigkeit deren Arbeit erleichtert wurde. In Krakau, woselbst sich gegen 500 Ausgewiesene in größtem Elend und Roth »orfanden, wurden während der Anwesenheit des Delegirten regelmäßige Speisungen einaeführt und Mittel zur Begründung einer Suppenanstalt zurückielaffen. Obwohl nur ein Theil des UrberschusirS jene» Wohltl«n'gkeit»festes Verwendung gefunden hat, so dürften doch dadurch Millionen Thränen getrocknet sein. Die weitere Verwendung de» Fond» wird in ähnlicher Weise zum Besten der Bertnebenen geschehen. Iftmte» (am Niederrhein). Am 29. Juni gegen v Uhr Abend» fand man in der Scheune des Wirtes Küppers Hierselbst das Sjährige Söhnchen des Schreinermeisters Hegemann mit durchschnittenem Halse. Da vom Mörder keine Spur zu entdecken war. man auch sonst kein Motiv für di« That fand, so wurde die Sache von nichtswürdigen Menschen zu einem ״rituellen Morde' aufgebauscht und der in der Nähe wohnende jüdisch« Metzger Buschoff der That bezichtigt. Das Blatt des Hospredigers a. D. Stöcker. .Das Volk', bemächtigte sich zuerst der Angelegenheit und meldete, man habe das Knäblein ganz blutlos in einer Scheune müten in der Stadt vorgefunden und fährt fort: .In L-»nt«n und zwei bi» drei Stunden im Umkreis ist da» LoU in Erregung, und «an bezeichnet einen Lantener Jude», der da» Kind zu rituellen Zwecke» abgeschlachtet haben toll, al» der Mordrhat dringend verdächtig. Dir Strafe, in der der Jude wohnt, mußte abgesperrt und da» Hau« sowie der Jude Polize'-Iicherseit« geschützt werben.' Eine derartige von anttsemitischer Seite ausgehend« Verdächtigung war Oel i» Feuer. Die Fabel wird von ^tru Werbern geglaubt, obschpn Ostern längst vorüber ist. E« fanden klein« Ansammlungen statt, dem thockräftigen Einschreiten de» Bürgermeisters de» Polizei» anwalt» und der Pfarrer keine drohende Gestalt anuahmen. Der Auflauf hat sich auch am Sonntag, den 12. d». Mt», wiederholt, in Folge deffea hat Herr Bürgermeister Schletz im .Boten* den Aufruhr Paragraphen in Erinnerung ge« bracht. Der erste StaatSanwaft von Eleve war zwei Ta^e in Lauten anwesend, um persönlich die Untersuchung m die Hand zu nehmen. Buschoff kann sein Alibi vollständig feststellen, gebe Gott, daß der wirkliche Thäter bald entdeckt' werde. Die rheinische Lenttumsprrsie sucht in anerkenn«,»^ werther Weise (im Gegensatz zum Stücker'schen Hetzorgane) die aufgeregten Gemüther zu beschwichtigen. Der,Bot« für. Stadt und Land' (in Xanten) schreibt: .In der traurige» Angelegenheit de» ermordeten Kinde» finde» fortwährend Zeugenvernehmungen statt. Möge e« bald gelingen, Licht in da» Dunkel der grausige« Lhat zu bringen. Da» Publikum aber wollen wir hiermit bitten, sich vor grundlose» Berntuthnuge» und Berdächtignngen hüte» zu »ollen ' Der .Riederrh. Bolttzeitung' zu Krrftld wird au» Xanten, 10. Juli, geschrieben: .Daß unser Städtchen durch den niederträchtigen Mord andauernd in Ausregung fehalten wird, ist leicht begreiflich, namentlich nachdem einmal da» Gerücht von de« rituellen Lharakter de» verbrechen« sich verbrriten konnte. 5־ uud die Untersuchung, wie e« scheint, noch kein« feste Moment« für dt« Ermittelung de» Thäter» finden kann. Bei dieser Sachlage sollt« man unnütz« Besprechungen der Sache in der Presse thunlichft vermeide», iedmsall» aber bei der Berichte rstannmtz sich sorgfältigst vor Unwahrheiten und Uedertreibungen hüten, kamt nicht Mt Aufregung der Bevölkerung noch gesteigert und die ohnehin schwierige Untersuchung erschwert werde. Unwahr ist ferner in de« Bericht«, daß auf An» dnung de« Staatsanwalt» der vermuthete Mörder verhaftet sei. vorläufig schwebt leider ei» tiefe« Dunkel über der scheußlichen Unthat. Gebe Gott, daß «« der gerichtliche» Unterfuchmg, , di« mit allem Eifer i« Gange ist, gelinge, daffelb« bald auszuhellen. Bi» dahin aber ist e» di« Aufgabe jede» besonnenen Manne»,!«de un» nütze Anfregung der Bevölkerung zurückzuhalten. Zknnte», 2b. Juli. Der ,Bote für Stadt und Land' schreibt: »Wie wir vernehmea, wird riae sehr bedeutend« Prämie demjenigen -»gesichert werden, der de» Thäter de«' ruchlosen Morde« wirksam zur Anzeige bringt. ,Der Herr« Criminal»Commjffar hat in diesen Tagen eine äußerste rege Thätigkeil entfaltet. Hoffen wir, daß e» ihm gelinge, der grausigen Unthat auch die gebührende Sühne vor de» H weltlichen Richter zu verschaffen. Die Bewohner unserer: Stadt mögen dem Herrn Commiffar in seiner amtliche») Wirksamkeit vertrauensvoll entgegenkommen, sich aber vor " der strafbaren Thorheit der Aufreizung und Gewaltthätigkeit sorgfältig hüten.' Der von dem ,Boten* in dieser traurige»^ Angelegenheit bewahrten verständigen Haltung, ebenso wie den Bemühungen der Herren Geistliche» und anderer iwj gleichem Sinn«, gebührt vollste Anerkennung. Wtts» (Pommern). Am Sonntag, den 12. uud^ Montag, den 13. d. Mt», tagte in EoeSlin die eiHke' Conserenz der jüd. Beamten au» dem RegieruogSb Corslin. Der Wichtigkeit dieser ersten Conserenz entsprechend,! war die Theilnahme an derselben eine recht rege. Fast alle^ jüd. Beamten de» Bezirke» waren, soweit nicht zwiv Gründe sie fernhielten, erschimen. Die Fehlenden hatte« ihr Nichterscheinen brieflich entschuldigt. — Am ersten Tage der Conserenz waren anwesend Herren: Bauer-Loeslin, Bial ostotzky-Neu-St Burin-Coerlin, E h m a n n - Tempelburg, Kahn- Walde, Kameras«-Belgard, Levy-Zachan, Meher» Meyerowitsch-Stolv, Notenberg-Stolp, Robert Schlawe. Die anwesenden Herren de» Vorstandes und Repräsrntantrn-Eollegium» der Loe»liner Gemeinde begr ־ die erschienenen Beamten herzlich und nahmen mft Interesse an den Verhandlungen der Conserenz cheil. Der zeitige Vorsitzende, Herr Bauer-CoeSlin, erös die Versammlung und stellt in ausführliche« Worten Tendenzen des Vereins fest. Nachdem auch er die erschie Herren b«rüßt uud seiner Freude über ha«^ Erscheinen i LoeSliuerEhnagogen^orstatMsAMdtuck ן dit?

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