Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 31 (30.7.1891)
- Date
- 1891-07-30
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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einet MBf^ek mb amiBMai TWitwrijcbeil zn bieteii, »ich bemibe, sie וון befreien, sie ui •fbdtfaawi totalen her»»-; mb dndnrch bet Menschtzeit Meie «tm unb Mtyattoertie znznftkhren? Stobt» Btort t» brr »eschichte bei gab«, lehr« m», mit diesem Gedankru lei« Utopie »erfolge, uab ich hoffe znch, bah diefes Ziel «rrrichi Werbe» kan» Was ich!» 808• wünfthe, toab «Mb manche» schtveren UnglibNfUlen bat Ziel Lebe«» geworben ist und wofür ich bereit bi», «it weisem m uab mit »einen iateüelkaelle» Kräften etnzustehe», ist: einem meinet verfolgten, «u» ihren HeimathsstäNen vertriebene» lbenDgenoße» bie Möglichkeit »u geben, et« «ue «gifte»», in : Linie -«1• Merba«T, ferner auch «1* Handwerker, in solchen »» finden, in bene» bie Gesetze unb bie «ligiöse Tolerunz ihnen aeftottot, be» Kamps nm» Dasein als eble und verantwortliche i־ Utttorlhane» einer humanen Staat»rrgierung zu führen. - Es ist zur legendären Magime mb zn einem der typischen Bor- יי -Würfe, bie man gegen die Juden erhebt, geworben, daß sie weder zum . Lckervaue »och,um Handwerke Neigung habe». Da» ist ein Jrrthum, - ^be» nicht «ilei» moderne Beispiele, sondern auch die Geschichte widerlegen. - ' Die Israeliten in der Zeit vor ilhristii» waren Ackerbauer pae ׳HrapUane«, während der Handel, der, »»och der Beschäftigung der Juden heute z» schliehen, da» «rbtheil Jsracls sein soll, damals ausießklch in d!m Händen der Phönizier, Grieche» und Mittelmeervvlker Die Jade», so lange fie polllisch seldstständig waren, bestellten, gesagt, ihre Selber, trieben Viehzucht und waren Handwerker. Die Borneve für die Arbeit aus dem Felde und i» der Werkstatt cgifHtte i «1(0, und meine eigenen Beobachtungen, sowie diejenigen Anderer ^.chabe» bewiesen, bah es vollkommen mbglich ist, in der Rare diese Fähig- - iJrit und Liebe für die Agrieultur wieder zu erwecken und zu neuer vBethätigung zu bringen. Auf seiner eine«» Scholle wird als» der arme Jude, den bisher der Hah wie einen ibeächleten verfolgte, Frieden wnd Unabhängigkeit, Liebe für den Boden, den er bearbeitet, und für ע Me Freiheit erlangen, und er wird ein patri.lischer Bürger seiner £ neuen Hei Math werden Bon diesen Ueberzeugungen geleitet, lag der Weg für mein . ^Philanthropisches Wirken klar vorgezeichnet vor mir. Durch Errichtung ׳ Bon Stiftungen i« Orient und in Galizien wünschte ich den in }׳ ־ der Knlwr zurückgebliebenen Juden dieser Länder, ohne sie von dem " "—•־־ welches sie bewohuen, abzulenken, die Gelegenheit zu bieten, Ackerbauer und Handwerker zu werben, wozu die Schaffung ckerbau» und Hand werket schulen das Mittel bildet, «s jedoch eine andere Methode zur Unterstützung jener Juden adoptirt .__n, die ans ihrer Heimath vertriebe» wurden und gezwungen sind, י ^"jenseits des Oeeans neue Wohnstätten zu suchen. Und deshalb ist es gegenwärtig «ein größter Wunsch, ei» Werk von weit bedeutenderen Dimensionen und ganz anderem «harakter als die bisherigen zu vollführen, ein Ziel, an welchem am ehesten die erwShnIen.«rgebniffe erreicht ,.Werden können. «» handelt sich darum, den au« ihrer Heimath »er- * drängten russischen Juden zu neuen Heimstätten zu verhelfen, wo sie - ihre Kräfte frei entfalten, sich die Eigenschaften ihrer Urahnen wieder t-«naewShnen und schließlich zu nützlichen Insassen freier, allen Be- «wagmrn gleiche Rechte sichernden Länder werden könnten Bei diesem » ^Alane dachte ich natürlich auch an die Bereinigten Staaten Starb» r״jwerHa׳», deren freie Berkaffung die Garantie gedeihlicher Entwickelung fär die Anhänger aller llonsesftonen bietet. Ich muhte jedoch zur Einsicht gelangen, doh ei« zu starke Bermehrnno der ohnehin bereits st^zghlreichen Juden in den Bereinigten Staaten weder dem Lande selbst gs »och de» au» ihrer Heimath vertriebe«» Juden zum Bortheile gereichen .ktzane, wie ich denn überhaupt der Ansicht bin, dah die neuen Ansiedler '. aus verschiedene Länder und größere Gebiete vertheilt werde« sollen, f: damit iu kei«rlei socialen oder c»nsesflo«lleu Reibungen Anlaß ge- Heben hei. Ich lieh daher in andere Ander Umschau halten, und die L»s weine Beranlafiuna vorgenommenen Studien beweisen, dah die argentinische Republik, «anada und Australien in erster Linie die sten Garantie» kür die Ausführmg dieses Planes bieten. Ich itc mit Argentinien zu beginnen, und sind die Verhandlungen _ ״ Ankaufes bedeutender Anfiedlunaskomplere im Zuge. tr ' Bor einigen Jahre» find mehrere hundert jüdischer Familien aus Rußland nach Argentinien ausgewandert. Trotz unsäglicher Leide»', riesiger Hindernisse, denen sie begegneten, gelang es ihnen dennoch, in der neuen Heimath Wurzel »u fassen. Dieselben Familien, die noch A vor wenigen Jahren, unter schwerem Bündel keuchend, scheuen Blickes als »agante Handelsleute in Rußland umherzogen, sind jetzt tüchtige ^Bauern geworden, die mir dem Pfluge und der Hacke so umzugehen - 'Wissen, als hätten fie nie Anderes getha». Sie bestellen ihre gelbet tzans de« forgfawfto unb bauen sich so nette Häuschen, dah sie in der en Gegend als Zimmerleut« zum Hausbau verwende« werden. i ist Vinnen wenigen Jahren inmitten große» Elends aus den ׳russisch«, Auswanderern geworden. Diese Erfahrung leitet mich bei 'meinem Werte, an dessen Ausführung ich jetzt mit voller Kraft gehe.' Wie Baron Hirsch sein« Pläne auszuführen gedenkt, wird in der ,Times" anseinandergesetzt. Baron Hirsch sich nämlich über den Bericht des von ihm nach Ruß- »d entsendeten Mr. White eingehend ausgesprochen und ende Bemerkungen daran gelüpft: White's Bericht «acht es klar, daß bei der Organisation werde» ■wfc. Es ist inet« Absicht, damit «ei» philanthropisches Unternehme» tu praktischer Brise «narfaßt werde, eine große englische »esellschaft zu gründen, deren Aeiien ich sämmtlich »der zum großen Lheil übernehmen will. Es nimmt vielleicht Wunder, wem ich mtttheile, daß mir hiebei nicht di« Geldfrage, moh, aber die Frage, die geeignete« Persünlichteiten'zu finden, Schwierigkeiten bereitet. Mir fehlen dt« Direktor«» dieser Gesellschaft. Männer, welche die erforderlich« wo» wiffenhaftigkeit und gleichzeitig die geistigen Fähigkeiten besitze», mit einer so eomplieirte« schwierigen Aufgabe fertig zu werden, lassen sich nur schwer austret Ken Ich bin jedoch bemüh«, sie zu finden. Der nächste Punkt »etnes Programms ist die Bildung eines großen, aus hervorragenden Mitgliedern der jüdischen Gemeinden in der ganzen civilisirten Welt zusammengesetzten Ausschusses, welcher eine Egekuttve ernennen soll, die im Beretn mit den jetzt in Rußland in der Bildung begriffenen Ausschüssen die methodische Aus- Wanderung der Juden zu letten hat. Man hegt vielleicht Bedenken, ob es möglich sein werde, Menschen in so großen Massen mit Erfolg von eine« Theil der Welt »ach einem andern überzuführen. Es kommt jedoch momentan nicht hieraus an Hauptsache ist es, zunächst organisirte Gemeinwesen als erste Stationen für die in größerem Maßftabe erfolgende Auswanderung zu gründen, welche nicht ausdleideu wird, sobald der Erfolg der ersten Organisation festge» stellt ist.' Wir wünschen dem edlen providentiellen Manne zur Ausführung seiner Pläne Gottes Segen und ungestörtes Gelingen! _ Kerichlr ««> E«rrespo»dr»;e1r. Deutscdlesird. tl. k. Werkt»» 24. Juli. Die Austreibung der Juden aus Rußland nimmt ungeschwächtrn Fortgang und hat auch an Grausamkeit in keiner Weise nachgelassen. Die am meisten davon betroffenen Provinzen sind Kamenicz-PodolSk, Zotomir. Außerdem ftndet die Austreibung SV Werft längst den Grenzen, sowie den meisten Provinzen und den Dörfern statt. Eine Ausnahme wird in den Dörfern derjenigen Juden gemacht, die seit 2V bi- 25 Jahren ein Eigentbum in den Orten besitzen, jedoch wird auch dieser Vorzug hinfällig, sobald die übrige Bevölkerung Einspruch dagegen erhebt, von den Städten bilden Charkow, Kiew, MoStau namentlich, große AuSweisungSheerde. Bon den, dem Schreiber dieses besonderbekannten Fällen von Grausamkeit seien folgende vermerkt: Ein Mann wurde vor sechs Wochen auSgewiesen, man versprach ihm, die Frau am Orte zu belassen; nach sechs Wochen kamen Organe der dortigen Dorfbehör-'e und schleppten die Frau mit ihren ändern und loenigem Hausrath nach den nächsten Städten und ließen die Familie hilflos auf der Straße liegen. — Einem angesehenen gelehrten, Mann, SO Jahre alt, der seit langen Jahren eine Schube in Odessa unterhielt, wurde dieselbe aufgelöst und er sofort ausgewieftn. Liner Frau, die jeden Augenblick ihrer Entbindung entgegensab, wurde jeder Aufschub verweigert; dieselbe mußte die Reif« antreten; sie gebar während der Eisenbahnsahrt und liegt jetzt in OSwiecim schwer krank darnieder. Ein« Familie, deren Boreltern 66 Jahre in einem Orte wohnten, Hau» und Hof besaßen, wurde Ausweisung zugeschickt; dieselben mußten ihr Grundstück, dasie selbst SOV Rubel gekostet hat, für SO Rubel überlasten. — lieber Haupt wird den Unglücklichen von ihren Mitbürgern fast nichtgezahlt, mitunter nur wenige Rubel für eine ganze Wirthfchast, für deren Anschaffung sie jahrelang gearbeitet; demzufolge kommt «» häufig vor, daß dir AuSgetriebenen ihre Habsetigkeilen vernichten oder zerschlagen. Leider geht auch mit der Austreibung der UngUtcÜichen eine Ausbeutung Hand in Hand. Unter dem Vorgeben, dir Ausweisung außer Kraft zu fetzen, werden ihnen von den unteren Polizeiorgane» Gelder abgenommen, und dies so lange fortgesetzt, bis alle Mittel erschöpft sind nnd schließlich geht die Ausweisung erst recht vor sich. So werden die letzten Habseligkeitrn zusammen- . gepackt, und man versucht in das Nachvarreichzu ^langen. Einen recht regulären AiüswanderungSpaß zu erlangen, erfordert viele Kosten, die der Betreffend« nicht erschwingen kann; die Vertriebenen daraus angewiesen, durch mehrere m heimlich über die