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Israelitische Wochenschrift · 1891-07-30 · 31 (30.7.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
31 (30.7.1891)
Date
1891-07-30
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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rabtrt aber wie in anderen fttyfcn, »alt i» Sooft de« Antisemiten A. v. E^F. v. L. sich die Welt. Die Wirkung war bei ihm «ine umgekehrte, und er läßt sich (Seite 32) hierüber folgendermaßen au«: .Mit VntaafiMC der französischen fliebt H außer der.österreichische» 'ruft leine einitae Arm«, welche jüdische Officierr austnweisen Hütte, »nd jede« denn«» OsficierScorp« würde von» Obersten di« zum jüngste» ^-ruienant herunter seinen Abschied etnrriche«, wollt« »an ihm zu- Ruthen, einen Inden bei sich als Kameraden auszunehmen. In Oesterreich giebt e» fofpr einen jüdischen General und zehn bi« fünf» «£* iSraelttische StabSoffieier«, und mit der den Semiten «igenthümsiche» «efdhiguuo. sich überall festzusange», wird e» auch nicht lang« Sauer», bi« jede« Regiment ein haibr» Dustend jüdischer Officierr de- 1,tzt und schließlich der größte Lheil der österreich-unga rischen Arme« verjudet sein wird!" — Qnod erat demoostrandam I Diese giftgeschwollene Seite schließt nach einer un> o:betenen Jnterpretirung von Worten Seiner Majestät de« deutschen Kaiser» mit dem pathetischen Ruse: .So lang« ei» Hohenzoller ans Preußen« Thron« fitzt. ' sc lange wird kein Jude Officier in der Kvntglich Preußische» Armee!" ES beschwert das Herz des vorsichtigen Schreiber« schon weniger, den Kaiser als Kriegsherrn über jfib. Officierr au» den Bundesstaaten nicht zu sehen. Der Berf. hält diesen seinen Tadel der österreichischen Armee für so wichtig, daß ihm am Schluffe seiner anmaßlich geschriebenen Broschüre, wo er sich berechtigt glaubt, seine Wünsche in 21 Forderungen an die k. und t Heeresverwaltung zu formuliren, die ,Aus- Schließung der Juden von den Offizirrkreistn" (Forderung 16) — der Reihenfolge nach zu schließen — mehr Kopfschmerzen ver. msacht, als etwa das Abschaffen de« barbarischen Kurz» schließstns und des AnbindenS sFord. 16) oder die Erhöhung der Wehrkraft durch Verleihung von Lanzen an sämmniche Kavallerie-Regimenter (Ford. 21) und gründliche Ausbildung Ser Einjährig-Freiwilligen, bevor sie zu Reserve-Officieren befördert werden (Ford. 11). Wa« soll man zu alledem sagen? In Frankreich hatte «an keinen Augenblick Ursache, die gewährte Gleichltrrchtigung zu bereuen. Ja, kein Jude hat sich beffpiel«- weist einer solchen ehrenrührigen Handlung schuldig gemacht, wie jener nichtjüdische General D . . . , der im Jahre 1871 seine« Ehrenwortes ««eingedenk, nach seiner Entlassung au« der Gefangenschaft in den feindlichen Reihen gegen Daulschland weilerkämpste. Und in Oesterreich verlangt der Antor, soll man einer Handvoll jüdischer Officierr da« Recht nehmen, Kameraden zu sein von Officieren, welche — nach der eigenen, wenn auch für un« etwas unzuverlässigen Anaafe: des Berf. (S. 33) — .allabendlich in den verschiedenen Nachtkaffee'S Wien« mit lüderlichen Frauenzimmern auf dem Schooße fitzen und sich mit chnen Freiheiten erlauben, die Schöoße fitzen und sich mit chnen Freiheiten erlauben, die geraoezu skandalös sind und einen Schmutz leck auf de- Kaiser- Rock werfen!' Wohlverstanden, der Herr Antisemit spricht hier nicht von jüdischen Officstreu. wenn solche auch darunter wären, würde seine Tendenzmacherei ihn wohl veranlaßt haben, sie hierbei besonders, wenn nicht gar — da der Haß blind macht — ausschließlich 111 mamren. Wahrscheinlich haben di« meisten jüdischen Ossiciere in ihrer Strebsamkeit BeffereS zu thun, als Locale zu besuchen, die .ein deutscher Officier nur in Eivil besuchen darf, wenn er nicht riSkiren will, vor ein Ehrengericht gestellt zu werden." (ibid.) Soviel unS übrigens bekannt, darf ein deutscher Ofstcier überhaupt nicht in Eivil auSgehen, also ,erklärt mir, Graf Oerindur u. s. w." Auch hat der Berf. den jüdischen Officieren nicht etwa Untüchtigstit oder Sittenlosigkeit vorgeworfen und nachgewiesen — das hätte doch der angeblichen Tendenz der Broschüre entsprochen, und wäre dann von anderm Gesichtspunkte aus diskutabel — nein, er kann chnen weder Unehrenhaftigkeit noch unedle Gesinnung zuschreiben, auch nicht, daß Einer von ihnen sein Vermögen im cavaliermäßigen Sportoder Spiel vergeudet hat, den Dienst quittirt und hierauf*«!« sicherer Ferne seine frühere« Vorgesetzten, verunglimpfte: der Berf. aber benWtzt eben die Juden, «»1» «fierrachischeu Krieg«- minister Frhr. v. Bauer und den Generalsti v. Beck zu besudeln, uich ihnen au« eigener Ma kommenheü Ncwbfolger zu bestimme«, welche ihm^ Nennung ihrer Namen bei dieser Gelegenheit schwerlich wiffen werden. Es wäre eine Herkulesarbeit, allen — uichtmilittr — Unsinn au« dem Schriftchen herauszusäubern, die führten Proben sind für un« hinreichend. Al« Deutsche müssen wir aber entschieden Verwahrung einlegen, daß — wie erwähnt — jede« deutsche Off u. s. w. So schlecht disciplinirt ist unser Offlcierkorp» n wir glauben vielmehr, daß kein Officier mit der Wir zucken würde, wenn eine solche Allerhöchste Verordnung " Der Berf. lebt aber in der Hoffnung und Zuvers daß kein Hohenzoller je einen solche« Befehl gebe« werde; sind hier ausnahmsweise mit ihm einer Ansicht — all mit der Einschränkung, daß die« ohne Zwang kommen 7 und kommen wird, denn die Gerechtigkeit fordert es die muß siegen. Dn antisemitische Hexensabbats wird wohl bald in da« wohlverdiente Nicht« aufgelöst habe», k der Antisemitismus ist eben ein Geschwür am gesunden deut GtaatSkörper; je öfter e« sich erneut und je länger e« dauert, desto geringer und schwächer wird stine schädigend Kraft. Der Autor muß noch sehr jung sein, sonst würde schon 'mal gehört haben, daß bereit« vor 3—« De« ein jüdffcher Major der preußischen Armee ehrenvoll hört hah und zu jener Zeit, al» die antisemitischen Wo noch nicht aufgepeitscht waren von gewissenlosen Hetzavost, die die Ruhe bc« Bawrlandes ihren ehrgeizigen Leidenschaften j opferten, wäre der Gedanke, daß ein anständiger, gebildeter! jüdischer junger Mann — so gut, wie er als Nwsertw-Officiex״ sich bewährte, wie auch jetzt noch in Bayern — auch Ofstcier'A in der Linie werden könne. Niemandem so ungeheuerlich doc«-^ gekommen. Run, wa« gewest«, wird wieder fein; wa denn auch nicht? ES können doch Juden, di« die T empfangen haben, Officier werden, trotz der Unwirksamkeit^ derselben, welche Herr Stöcker im Abgeordnetenhaust proclämirtoj — und er, der Antisemitengott und frühere Hofprchiger, muß j eS ja wiffen: warum sollten glauben«- und charakterfeste^ Juden enicht werden können?! Wenn die Wandlung zum Bessern einaetreten, und __ Welt von dem Alpdruck, der jetzt auf ihr sHoer lastet, io-' freit sein wird, dann wird der Herr Antisemst A. v. E-F. v. 8. seiner .offenen Worte" sich scStmen, in welcher seine religisih , Nächstenliebe Orgien stiert, wie durch die menschenfremidliche-' Aufforderung (S. 29), ,die jüd. Börstugötter besonder«?' strammer zu beteuern, um Mittel zur Reorganisation de׳ Armer heroeizuschaffen." Warum die besonder«? Ist die überhaupt des Schriftchen - Pudels verdorbener Kern? Berf. kann nicht schlimmer kritisirt werden, als ' lichrn Werth, und der Schreiber hat sich selbst gerichtet. Eoblenz. _ Dr. Singer. Der L»l»»ifattv«spla« de» Vere» Baron Hirsch hat in der »North American Reviews einen Artikel veröffentlicht, in welchem er sein Prograv für die Versorgung der au« Rußland vertriebenen Jud darleg;") Der große Philanthrop legt darin sein« Ansicht«rks über Wohlthätigknt dar und schreibt u. A.: "n »Kür «ich hat das Geschick ein besondere« Feld philanthravischiffi Wirksamkeit anSersehen. Wenngleich ich bei Linderung merdchlicher^ Leiden niemals frage, ob der Nothschrei von Angehönge» «ein« Glauben» komm« «der nicht, wa» ist dennoch natürlicher, als daß f meine höchste Ausgabe darin erblicke, den durch tausendjährige» ~ verkommenen, in Gleud ' ' darbenden Anhängern de» Judenthu»» *) Dies« Revue hat ihm, wie di« .Presse" meldet, tSOo^ramS.als Honorar Leiste«. " "

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