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Israelitische Wochenschrift · 1891-07-23 · 30 (23.7.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
30 (23.7.1891)
Date
1891-07-23
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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curq. aber di« müssen dann da» Comitee aufiuchen, wenn > curch, s:e Hilfe für die Weiterreise wolle». Ich will heute einmal ei» anderes Thema berühr do» Sie überraschen wird, nämlich da» Theater. B> gestern wurde im Kroll'schen Theater die ,Jüdin vollem Hause gegeben. Die Hauptrollen hatten Glaubensgenossen unter italienischem Namen. Den Eleasar spielte .Selmar Cerini", die Jüdin ,Irene Bincenti". Beide stamme« au» Polen und haben vorzügliche Stimmanlagen. Aber, wenn ich in da» Theater ging, um den Triumph einer der wundervollsten Tondichtungen eine» Juden zu sehen, wurde ich bitter enttäuscht. ,Cenni", ein ehren» Hafter talpmdisch gebildeter Kantor, der tausende von Hinder» nissen überwandt, spielte den .Juden" al» einen im hüchsten Grad« fanatischen, rachesüchtigen Lhaßid mit langen Locken ״nd wilden Geberden, und wo nur da» Wort ,Rache" gesungen wird, und da» ist ja in dieser Oper gar oft der Fall, da brachte er diese» Gefühl mit einem so tiefen Ausdruck, mit einer Donnerstimme hervor, daß die Antisemiten ihre höchste Lust daran fanden. Der Sänger hat eine große Bühnenlaufbahn, aber diese Karrikaturdarstellung muß er ändern, wenn er nicht durch die Aufführung seinen jüdffchen Zuhörern in'»Fleischschneid«nwill.Diegroßart^eMusikHalevy'» sollte den judenfeindlichen Text veräreln. Diese Beredlung verlangen wir auch durchaus vom jüdischen Künstler, aber nicht daß er in unerhörter Weis« den Juden noch tieftr iu den Koth ziehe und einen poteuzirten Shylok abgebe. Frau ,Vincenti" war al» .Jüdin" etwa» befangen, doch ist die holde Keuschheit zum schöne« Ausdrucke gelangt, sie spielte mit Weihe. An manchen Stellen entwickelte sie einen hoch» dramatischen Sopran, während Herr Ceriui durch großartige Toloratur und meisterhafte Triller sich al» vorzüglicher Tenor erwie». Beide haben alle Aussicht, al» Sterne am lHernhimmel zu glänzen, wenn sie noch fleißig studirrn und vor Allem ihre Rollen richtig auffafsen werden. 8. K»me»t»d«, Mitte Juli. (Or^Cor.) Wir hatten hier Gelegenheit, da» Dampfschiff ,Polaria" in Augenschein zu »ehmen, da» circa 400 russisch« Glaubensgenossen cmet neuen Welt, hoffentlich nicht de« Jammer» und LlecwS, zuführen soll. Wie die Paffagiere, so botru auch die innern Räume de» Schiffe» einen höchst dürftigen Eindruck. Da» Reiseziel rst Amerika. Am 18. Juli stach die ״Polaria" in See. Wöge die Fahrt von den günstigste» Umständen begleitet sein und möge auch die weitere Lebensfahrt der Au»- «anderer nur eine glückliche genannt werden. — Au» einem an Herrn Hermau» Lehmann - Stettin, der hier augenblicklich zur Kur wcilt, gerichtete» Schreiben au» L i b a u vom 10. Juli entnchmeu wir folgend«»: ,DieJudenverfolgunge« in Rußland sind Ihnen gewiß wohlbekannt. Jetzt ist auch die Reihe Libau gekommen. Die Ausnahmegesetze geißeln und foltern an 1. £>tc »usnaymegesetze g, schonungslos. 600 Au-weisung-formulare stad bereit» gedruckt, wach« wenigstens 3000 Persoaeu au« der Stadt bannen werden, ien, welche schon mehrere Jahre ansässig uud eingenistet erworbenen WinhschaftSgegenstände um ein Nicht» abgebea und den Wauderstab in di« Hand nehmen. Und wohin? Wohin reisen, wo eine Nahrungsquelle au-fiudig machen? Auch meiner harrt die AuSweisungSordre und einer grausigen Zukunft sehe ich mit Schrecke» entgegen u. s. w." Hier heißt e», nicht ermüde» m der werkthätigea Menschenliebe; mit schönen Redensarten ist hier archtS n; Sie haben, geehrter Herr Redakteur, vor einiger bei Besprechung derselben Angelegenheit mit Volk« das Goethe'sche Wort, das überallhin beherzigt werden «»ge, citirt: ,Begeist'rung ist keine Heringswaare, die man ««pökelt auf einige Jahre." Aus Litze« in Ostpreußen, den 12. Juli, erhalten wir da» nachfolgende vom GreivfEomite« Prostken-Lyck ausgenommene Protokoll zur Berüffentli, 4» ׳ «schien«: 1 «»•fl« 41 ok* «lrtscht» <Grodn»), 80 Iahe» alt. »erhttrakhet, Krau und Kinder. S r,dla» Schlepp»«, Fleisther 1« X«dHn!•tafem), «4 Iah« alt, vechetrachet Fra» »nd vier «»der. Diesel»«» dep«»t»«r׳-Z Lb«einftt»»end: .Wir find »ar et»a sech« Monaten, unter Belasftmg unsrer Ka«ili« i» der Hetmath. stk eigene »echnnng »ach «werik» - anägavandert, u« dort Arbetizu finde» und dadurch uns« -,«Ute E.. .. . ... -•-־ —״> -- —■«-* -— —״■ S-htthätigkell zur La» falle», kein« gesunden, «»gleich wir un» z» i der niedrigsten «erricht»», anboten Wir entschlvffe» un« daher z»r Heimkehr uud «» «laug «ui. mit dreizehn SchtcksalSgenoffen. Hand» werkrrn uud Arbeiter» au» de» verschiedensten Sstltcheu Ländern, auf ei«« mit Ochsen beladenen Transportschiffe gegen schwere Arbeit frei« ־־ Fahrt »ach Hamburg ,u erhalten. Rach ziveitSgige« Aufenthalt» t» «eywarzvroe. von arm mir au, »rr z»ru>m>^ra w vollständig mittellos sind, bitten wir da« Lomitr« um Gewährung von Mitteln, um über di« Grenze und in unsre Heimat zu gelangen.- Soweit die Aussage dieser Leutr. Da» Comitee über« ugte sich au» den Papieren derselben — au« inländische« äffen von 11V23. Januar d. I. — sowie auch durch ein« gehende Fragen von der Wahrheit der Angabe» dieser Leutch welche auch persönlich einen vollständig Vertrauen erweckende» Eindruck machten. Daher beschloß da» Comitee, die armen Meuschen durch Bewilligung der erforderlichen Mittel in dea Stand zu setzen, zu den Ihrige« zurückkehre« zu könn e» hält e» aber für äußerst nothwendig, daß diese auch vo« andern Comitee» berichtet^ fortwährende Rückkehr früherer' oohl zur al« da», welche« Jonathan zu gesprochen: Du wirst vermisset «erde», vleibea wird. (Sam. I. 8V). 1 Ja, auch Ludwig Lhronrak wird 1 «, »»hin da» groje »nt wohloerdirwe vermißt »erde» «nt Um ד-: Ausgewanderter allgemein bekannt gegeben werde, sowohl zur Warnung der Au»wand«rung»lustigen iu Rußland, a!» auch die an der Grenze eingesetzten betr. Comitee» zu mahnen» nur mit der größten Vorsicht vorzugehn. (gez) Dr. Bamberger-KöntgSberg. I Htrschberg-Lpck. I. I. Jsserlin-Prostke». Ahrenfeld-Lätzen, v. Meiningen, 14. Juli. Vorgestern morgen fand hier die Bestattuug de« im 54 Lebensjahre am 7. d. Mt», ver« storbeneu Geh. Hof- und Jnteudauzrath» Ludwig Ehro»eg k statt. VondemsemerWohnunggegenüberliegeadeaH.izogl. Hof» theater wehte eine schwarze Trauerflagg« und die brennende« Kandelaber vor demselben waren mit schwarzem Flor um- - hüllt. Hatten Sein« Hoheit der Herzog und Höchstseine Gemahlin dem Verblichenen noch im Tode zahlreiche ehrende Zeichen der Anerkenn uug und Zuneigung gegeben, so waren auch von vielen hiesigen und au-wärtigeu Verehrern desselben herrlich« Blumenspenden, Lorbeerkränze. Palme» rc. an seinem Sarge niedergelegt worden. Biele davon wurde» dem Leichenwagen, auf welchem der mit Hut uud Degen der HofrathSuniform gezierte Sarg mit der irdischen Hülle de» Verblichenen ruht«, vomuSaettagen; ebenso wurde» die ihm verliehenen zahlreichen Hoven OrdenSauSzeichuungen vo» Herrn Hoffchauspiel« v. Maixdorf auf werßseidene« Kiffe« vorau»getrageu. Hinter dem Sarge gingen die nächste« Angehörige« de» Verstorbenen, denen al» Vertreter Seiner Hoheit de« Herzog» Höchstdeffen Flügeladjutant, Herr Hauptman» v. Kutzleben, folgte. Der Geistliche der i»raelitische» Gemeind«, Herr Laadrabbiner Dr. Deffaner, uud Lehrer Lang, schloffen sich daran an, wonach dann der, der Leidtragenden, der Spitzen der Eivil- «nd Militärverwaltung, Mitglieder de» Hoftheater» re., folgte. Wie der Sarg unter de» Klängen de» Trauermarsche« au« der »Iuagfrau von Orleaa«", von Mitglieder« dr» hiesige» Musttvereiu« auSgeführt, au« dem Trauerhause getragen worden war. so wurde er auch am Eingänge zum Friedhof wieder mit Trauermusik empfangen, während der Singverein am Grabe dem geschiedenen Meister eine« Trauerchor widmete. Herr Landrabbiaer Dr. Deffaner hielt sodann folgend« Grabrede: Vir können kein passendere« Schriftwon unser« Rachruf« voran» ... JU s,tae« Bundesgenosse» David weil Dein Platz leer

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