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Israelitische Wochenschrift · 1891-07-23 · 30 (23.7.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
30 (23.7.1891)
Date
1891-07-23
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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r gewissen Lebensstellungen be« ehrlichen Juden große Hinder- »ifle in den Weg gelegt' werden, die ihn oft unmöglich *. machen, während dem ,Getauften' Thür uud Thor offen fi' flehen! »Mischehen mit Inden «Lern für unzulässig zu erklären.' Also die Mischehe überhaupt soll gestattet sein, nur diejenige mit Juden verboten. »Wer aber da« wahre Wesen de« jüdischen Volke« studiert har, der weih recht wohl, daß obig« Korderung nie erfüllt wird, denn: Juden zum Ackerbau anhallen, wäre gerade so ersolgreich, al« wollte man Säue vor den Pflug spannen. Tie schachernd« und wuchernde Tyätigkei» Juda'« ist in seiner Raffen-Eigenart unau«rottbar begründet und da dethalb von einer Belehrung und Besserung keine Rede sein kann, so muß unsere beschetdensle Forderung zum Schuh« unsere« Volke« lauten: Die Emanciparion der Juden ist auszuheben: dieselben sind unter rin besondere« Fremdenges«« zu stelle».' L» thut uns beinahe leid, dag wir schon zeigen müssen, wie unwahr die Behauptungen des Katechismus sind. Also der Ackerbau widerstrebt dem wahren Wesen des jüdischen Volkes? Nun, da müffen wir dem geehrken Berf. des A.-K doch wieder einmal etwas erzählen, wovon er noch nie etwagehört zu haben scheint: Seit dem Jahre 1882 nämlich sind tu Palästina eine ganze Reihe blühend׳! Ackerbaucolonirn entstanden, z. B. Risclion leziSn, Rasch pinnah, Mischmar hajardSn uud viele andere: alles jüdische Ackerbauer mit jüdischen Gehilfen, die freiwillig sich diesen Beruf ei wählt haben, zu dem sie nicht erzogen, nicht vorgebildet worden find. Da habt Ihr ackerbauende Juden in Hülle und Fülle, «nd ihre Zahl nimmt täglich zu. Herr Fritsch, spannen Eie nur getrost Ihre Säue vor den Pflug, da die Juden sich mit aller Kraft und aller Liebe dem Ackerbau {»wenden! Herr Fritsch. Sie sollen auch erfahren, wie die lolonisation entstanden ist, und wie sie ihren Anfang genommen hat. Fünf russisch-jüdische Studenten, die ihre medizinischen Studien vollendet hatten, gingen nach Palästina in der Absicht, sich dort al» Ackerbauer niederzulaffen. Als ihnen hie Regierung den Häuserbau verboten hatte, blieben sie jahrelang in Zelten wohnen, lagen unter den höchsten Entdehrungen ihrem Ackerbau ob, und e« gelang ihnen endlich. Jetzt sind dort an *0 blühende Kolonien. Also nochmals Herr Fritsch, wir sehen Sie schon im Geiste mit den Säuen vor dem Pfluge! Wenn also der Jude Handelsmann ist, so ist das nicht in seiner Eigenart begründet, sondern er wurde von seinen Mitbürgern dazu gezwungen, und sein ganze» Bestreben geht dahin, so bald al» möglich diese» ihm ausgezwungene Geschäft mit einem Beiuft zu vertauschen, der ihm gestattet, der mütterlichen Erde ihre Erzeugnisse zn etttreißen! »g« Uebrige» werde» sie durch private Initiative mit der Zeit geschäftlich und gesellschaftlich isolirt werden.' Hier sieht man, daß e» nur darauf abgesehen, geschästlich d« Juden zu ruiniren; boykottiert man ja dieselben von antisemitischer Seite von Leipzig au« in einer Weise, di« jeder Beschreibung spottet. ES ist wunderbar, daß der berühmte Paragraph über »groben Unfug' bisher so selten dagegen angewendet worden ist. JedeSmal war aber bei solcher Verurteilung unmittelbar oder mittelbar der Verfasser -de- Anttsemiten-KatechiSmu» der Beru!teilte. (Forts, f.) Kericht« aut C»rrefpO*>e«;e». D«*»scht«u»d. MnGbeßMkG, IS. Juli. Die »JSr. Wochenschrift" hat wiederholt — schon vor einigen Monaten, und jüngst wieder im Leitarttkel der Rr. 27 (»Ein beachte nS wert her Vorschlag") — ans die Insel Typ ern als geeigneten Zufluchtsort für di« russischen Juden hingewiesen. Wir haben nun die Genugthuung, zu sehen, daß diese« Projekt nunmehr auch in einem palästinensische» Blatt befürwortet i^,Mrd. und zwar von einem der «iftigstrn firennd« der Har Dr. Skak d'Arbela. der IbäCäi tüchtige Leiter d«S Rothschildhospital« in Jausalem, empfiehlt in dem -dort erscheinende» hebr. Blatte האוד (»da» Licht") in Anbetracht da plötzlich üba di« russischen Juden herein» 1 gebrochene« Katastrophe, welche sie zu Tausenden nach dem heiligm Lande treibt, wo dieser unerwartete und unva» mittelte Andrang die Bodenpreise in» Unendliche zu steigern und da» ganz« TolouisationSwerk zu gefährden droht, daß mau während diesa stürmischen Zeit di« russischen Flücht» linge in einem Palästina benachbarten Land«, von welchem au» sic rege materielle und moralisch« Beziehungen zu Palästina selbst unterhalte» könnten, ansiedle. Al» solche» beanttagt Dr. d'Arbela die Palästina ungemein nahe Insel Eypern. England, dem die Jn׳el gehöre, werde er habe sich beste« »erflchert. die Lolonisation mit Freuden degrüßen. Dr. d'Arbela bezeichnet diese» Pla» als einen für dir Gegenwart und die Zukunft de» ZionSgedankens fege«»- reiche». Auch die von dem Wiener Advokaten Dr. N. Birnbäum herausgegebene ^Selbst-Emanzipation" (14tägige Zeit» schrift, die mit großer Energie für die Colonisirung de» heil. Lande» einttitt) nimmt hiervon Notiz. Es wäre zu wünschen, daß da» noch immer unschlüssige Berliner ,Central-Comitee" diesem Projekte näher trete, eventuell die »Alliance i»r. universelle", oder — da die Insel jetzt zu England gehört — die ״Jewish Association" in London. Wagbeßura. Di« in St. Louis erscheinende »Jewish Boice' veröffentlicht verschiedene Antworten hervorragender Christen auf die Frage: ״WaS soll denn mit den vertriebenen Juden geschehen?" Ihres bedeutung»- vollen Inhaltes wegen verdient besonders die Aeußerung de» Herrn GeneralvicarS Brady der Diücese St. Louis auch in weiteren Kreisen bekannt zu werden. Wir lassen sie daher in wortgeirruer Uebersetzung folgen: »Tie Stellung der katholischen lkirche gegenüber der Juden- Verfolgung ist, wie ich zuversichtlich hoffe, allgemein bekannt. Der Papst hat gegen dieselbe protestin. Die große Aatholiken-Bersammlung unter dem Borsitz« de« Cardinal Manning hat gegen sie protestirt. D>osc Protest: sind -ur der Wiederhall der Besinnungen aller amerikonischen Ikatholiken. Wir behaupten, daß ein Jeder da« Recht hat, Bott aus seine eigene Weis« und nach seinem eigene» Gewissen anzubeten. Hierzu hat er da» unbeschränkteste Recht. Wir glauben nicht berechtigt zu sein, ihm einen Glauben aufzwinge» zu dürfen. Wir ver» suchen nur, Andere durch Beweisgründ« und Beispiele zu überzeugen, und diese« ist da« einzige Mittel, zu deffen Anwendung wir un« berechtigt glauben. All« anderen Mittel entsprechen nicht den Zweck. Die Juden sind iutelligent, energisch und loyal. Hier zu Land« ge» HSrcn sie zu deffen besten Bürgern. Au« welchem Grund« man sie in Rußland versorgt, ist mir unerfindlich, wenn ich nicht annehme» darf, daß e« au« purem Neid und Haß geschieht, welch« die Jude» durch ihre geschäftliche Routine, durch welch« sie den Ruffen weit überlegen sind, bei diesen erwecken. Da wir al« freiheitliebend« Amerikaner, welch« von dem be» seligenden Geiste der amertkauischen Institutionen, sowie von dem der Denk-, Rede- und Glaubensfreiheit überzeugt sind, di« Intoleranz in solchen Dingen bei andern verabscheuen und gemeinsam dagegen protesttren, wie sie gegen die russische» Juden von der russischen Regierung geübt wird. Wir können jedoch mehr al» protestiren. Da ich nämlich an den Erfolg einer internationalen Bewegung, welch« ihr« Rettung uud Bert Heilung unter verschiedene Rationen bezweckt, nicht glaub«, so können wir sie in nnsere« Land« willkommen heißen. Tie werde» gut« Bürger sein, wen» sie amerilanisirt werden ES giebt Land genug, wo sie «lue Heimath finden können. Wir rönnen und sollen Alle» helfe», welch« nicht di« Mittel zur Selbsthilfe besitzen: sie werden sich dann bald auch selber helfen können. Unser Land tft groß und bietet Raum genug für Alle, welch« in der Absicht hierherkommen, amerikanische Bürger zu sein, i» amerikanischen Sinne de» Worte».' —tt. Werli», 15. Juli. (Or^Torr.) Die Wanderung der russischen Juden über Lharlotteaburg ist bekanntlich ab- , gelenkt. Wohl, kommen nah zahlreiche Unglückliche daselbst

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