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Israelitische Wochenschrift · 1891-07-16 · 29 (16.7.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
29 (16.7.1891)
Date
1891-07-16
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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des Rabbiners Nachdruck zu verleihe». Dieser Bl phluß»urdral»- baldHrn.Dr Rippner durch «ineDeputation derGemeinde-vertrriungen unter Führung de» Vorstands-Borsitzenden, Bankier» Landsberger, übermittelt. Dr. Rippner sprach feinen iunige» Dank für diese deutlich« Anerkeunungseiner dies. Wirksamkeit an». -Iratzönrg i. K., 1. Juli. (Or.-Eor.) Borgestern Abend hielt Herr Dr. Johann Müller au» Leipzig, der Sekretär de« ״Evonaelisch-lutherischen Eentralverein« für Misflon unter Israel" in dem Betsaal in der hiesigen KnoblochSgaff« «wen ziemlich gut besuchten Borttag über di« bisherigen Erfolge der JudenbrkehrungSversuche. Redner führte aus. daß sich der Eentralverein hauptsächlich die osteuropäischen Länder: Polen. Galizien, Bukowina u. s. w. zum Arbeitsfeld gewählt und unter den Israeliten trotz erst zehnjähriger Thätigkeit schon recht erfreuliche Resultate erzielt habe, wenn auch nicht verkannt werden dürfte, daß gerade die Judenmission ihre großen Schwierigkeiten biete, hauptsächlich wegen des innigen Familienlebens, daS schon in den ältesten Zeiten eine Zierde drrsrs merkwürdigen BolkeS bildete; es halte darum sehr schwer, rin Familienmitglstd audiesem festen Gefüge herauSzureißen. und wenn die» doch dann und wann gelinge, so müsse diese» alle mäglichen Verfolgungen seiner Glaubensgenossen, sowie deren Haß und Spott erleiden. Unter den einheimischen Juden im deutschen Vaterland« Hab« man schon längere Zeit missionirt, doch seien die Erfolge hier keine besonder» ermunternden gewesen. Die gewöhnlichste Antwort, die die Missionäre zu hören bekommen, sei die gewesen: ״Wenn Ihr nicht für Euer Gefchäft bezahlt würdet, würdet Ihr sicherlich nicht zu unS kommen, und übrigens glaubt Ihr ja selbst nicht an da», was Ihr sagt." Redner konnte an den Gesichtern seiner Zuhörer deutlich genug wahrnehmen, was sie in ihrem Innern denken: wahrlich, die Juden haben Recht, daß die Herren Missionäre nichr im Interesse der allein seligmachende« Kirche, sondern in ihrem materiellen Interesse missivniren. Gerade deshalb biste er Jedermann, damit der Borwand bezahlter Missionsthätigkeit Wegfälle, selbst missionirend mit einzugreifeu und jede paffend« Gelegenheit im Verkehr mit Israeliten zu benützen,um sie aus den rechten (?)Weg zu bringen. Ob die andächtigen Zuhörer dieserAufforderungFolgr leisten werden, ist freilich noch fraglich; denn sie werden sich sagen: wenn daSBekehrungsgeschäft den bezahlten Missionären nicht gelingen will, um wieviel weniger dürste eS uns gelingen, aus bloßer Glaubenstreue das .merkwürdige- Bolk Israel zur Taust zu bewegen! Aatserokanter», 3. Juli. (Or.-Eor.) Zu dem Legat, das seit vielen Jahren das kinderlose M a n o h'sche Ehepaar LA. zu Otterberg, einer früher nicht unbedeutenden Gem.! Rabb.-Bezirks Kaiserslautern, vermacht, «st der Bestimmung, den Todestag durch ״Lernen" und Kaddischgebet Ju begehen (diese Bestimmung wird nun, da in Otterberg rin MiH}u1 mehr vorhanden, auf Beranlaffuug unsere- Bez.» Rabb. Dr. Landsberg und mst Genehmigung der vor» -esetztcn Behörde alljährlich pünklich und feierlich in hiesiger Synagoge im Sinne des Testaments beachtet) gesellt sich e», Bermächtniß von 10000 Mk., das der vor ca. 6 Jahren hier verstorbene ledige Herr Nathan May s. ». der hiesig. Gemeind« durch seinen in Amerika wohnenden Onkel Salomon May gestiftet. Der Testator, au» Wallhallen stammend und schon bei Lebzeiten seinen WohlthäügkeitSsin« zeigend, bestimmte, daß die hiesige Gemeinde über otngeS Kapital zu verfügen habe, jedoch an seinem Todestage die Armen hiesiger Gemeinde, sowie der Gemeinden Wallhalle« und Haschdag entsprechend zu unterstützen. Herr Dr. Landsdrrg nahm Veranlassung, am letzten Labbach in einer Münzenden und tief zu Herzen gehenden Rede dies« schön« Wohlthat des Mannes, der mst großer Liebe dem hiesige« Gemeindeleben zugethan war, zu preisen und somit sein Anbcntcn zu ehren. Möge des Redner'» Wunsch sich erfüllen, daß die Wohlhabenden der Gemeind« auf ähnliche Weis« nach Unsterblichkeit streben, sich erheben zur Ehre des Jude»- chum» und zum eigenen Helle hier und dort b D. TMßmTi. Juli. Dieser Tage unter de» Vorsitze de» Gemeinderathe» Dr. Ster« uns SitzungSsaast der israelitische« LultnSgemeinde Dien EnquStr statt, in welcher die Modalitäten berathen wur unter denen dst Bereinigung der LultnSgemeinde« der 80 orte «st stner von Wst« vor sich zu gehe« habe. E» er«: schienen dabei BorstandSmitglieder der Wiener Gemeinde׳ und Vertreter von zwei Vorortgemeinden und erklärten sich, sämmtliche Deiegirte im Princip mit der von der Regiernng «wünschten Bereinigung aller EultuSgemeinden im neuen stn einverstanden, doch gingen die Anschauungen bei ein-H inen wichtigen Fragen west auseinander. Während stner Cultusgemeinbe «in« centralistische Verwaltung an•; strebt, wurde von den Delegirten der vorortlichen Cult«»»; gemeinden die Meinung geltend gemacht, daß dst Verwaltung . der vereinigst« EultuSgemeinden keine centmlistische sei« j solle, sondern daß die Äitung der einzelnen EultuSgemeinden den in den betreffenden Bezirstn seßhaften, mit den Bezirk»» bedürfnisien vertraust« Personen überlassen blstbe. Dst Wiener EultuSgemeinde verlangt ferner, daß dst Vorort Gemeinden ihre nicht unbedeutenden BermögenSbeständr * an sie ablieserc, ihre Betbäuser aber durch BethauSvereine selbst erhalten sollen. Dstsem Ansinnen setzten die Vorort« Delegirten entschiedenen Widerstand entgegen, indem sie nicht mit Unrecht sagten, daß, wenn dst Wiener CultuS» gemeinde di« LultuSstruern einhebt, sie auch für dst Er» Haltung der Bethäuser in den Vororten Sorge tragen müsst. Ebenso vcrlangen die Vertreter der Bororst, daß ihre Beamten und Diener in den Etat der vereinigten Lull«»» gemeinde ausgenommen werden. Der Vorstand der Wiener EultuSgemeinde. Ritter v Goldschmid hebt entschuldigend hervor, daß bei der Berfaffung de» neuen Statustnentwnrf» auf dst Vororst deshalb keine Rücksicht genommen tvurde, weil damals von einer Bereinigung derselben mit der Wiener EultuSgemeinde noch nicht dst Rede war; er ver« spricht aber, daß da- Versäumst nachgeholt werden wird. Dst Berathungen über die Bethäuser, die Matrikenführung, die Erhaltung de» Religionsunterrichte» werden bi» zur nächsten EnquSt« im tzstptember vertagt. Auch behufs der Gründung und Abgrenzung der ein« zelnen EultuSgemeinden in ganz Nstderösterreich und Fest» stellung eine» Musstrstatut» für dieselben fand letzthin bei der Statthalstrei eine Enquest statt, bei welcher vierzehn Vertreter der Landgemeinden erschienen und zu welcher außerdem von der Statthalstrei die Vorstandsmitglieder der Wiener EultuSgemeinde Dr. Alfred Stern und Ritter von Goldschmid als Experten beigrzogen wurden. Der behördliche Restrent beanttagte die Einthellung der 10 528 Bewohner NiedervsstrreichS (mit Ausschluß de» Gebiete» von Groß» Wien) in zwölf zu bildende EultuSgemeinden. DaS Muster« ־. statut stellt an seine Spitze den dem Reichsgesetz« vom 21. März 1890 entsprechenden Grundsatz, daß alle JSraelsten, welch« ihren Wohnsitz innerhalb des Sprengel» einer TultuS-?gemeinde haben, dieser Gemeinde angehöre« müffen, ihnen onach alle Rechst und Pflichten als Mitglicher dieser Grmeinde zussthen. Dst EultuSgemeinde ist verpflichtet, Anstallen für den öffentlichen GotteSdstnst zu unterhalten, de« Religionsunterricht zu besorgen, zu leistn und zu überwachen^ für dst rstuelle Bestattung der Todten, sowie auch für, anderweitige rituelle Zwecke Vorsorge zu treffen: ebenso soll׳ sie ihre Fürsorge ihren Stiftungen für Arm«, für Wittweu und Waisen, für Krankenpflege und Altersversorgung widmen. Zur Verwaltung wird der EultuSvorftand von de« Mitglstdern der Gemeinde gewählt und werden von demselben je «ach Erforderniß Beamst und Diener bestellt. Für die. Leitung der religiösen Funktionen ernennt der EultuSvorftand einen oder nach Bedarf mehrere Gemeiuderabbiner, als sob aber könne« nur österreichische Staatsbürger ang " werden, deren Verhalten in sittlicher und ~ Hinsicht vorwurfsfrei ist, «chMMM-s'

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