Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift · 1891-07-16 · 29 (16.7.1891) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
29 (16.7.1891)
Date
1891-07-16
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/6492344-5935076-5959669--0704-5374468
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

"#ט• da» Einspruch»- und Abberufnngürrcht jeßöch Ist der . Staatsbehörde, «wahrt. Trauungen, Scheidungen dkrsrn nur durch bestallte Eemeinderadbimr vorgenommen werde». K: den Religion»unt«rricht muß. soweit erforderlich, durch tallung von Wanderlehrern gesorgt werde». Hinsichtlich der Matrikeuführuua entspann sich eine längere Debatte. Bon der Staatsbehörde wurde gefordert, Haß die Matriken nur an dem Sitze einer jeden Eultuü- ' «meinde geführt und in den einzelnen zu derselben gehdrigen . iortschaften, wo J»raeliten wohnen, Anmeldestellen creirt ׳»erden. Die anwesenden Experten sprachen sich jedoch dagtaen au» und meinten, daß eine größere Zuverlässigkeit der Matritrnführung dadurch zu erreichen sei, daß den politischen und kommunalen Behörden, sowie auch Aerzten, Hebeammen die Pflicht der Anzeige an da» Matrikelamt auferlegt werde. Durch dies« Organisation wird wohl in die Verhältnisse der in Niedervsterreich getrennt wohnenden jüdischen Bevölkerung eine feste Ordnung gebracht »erden und wird besonder» nicht so leicht ein x-beliebiger Mensch rabbinische Funktionen vornehmen können. Ker«chchte tut* »r»rstr Wschrtchte». I seinerzeit auch Bon uns «tlgelheilte» Aufruf : Kmnornrr evangelisch-resormlnc Bischof l P a p im Juterrffe der verfolgten russischen Juden erloffen Han«, sendete di« autonom« israelitische Religio« »-Gemeinde zu Pest an demselben eine Dankdepesche. Aus dtes« traf ein Antmortschreibrn de« Bischof« ein, in »elchem es unter anderm heißt: .Wer seine Pflicht erfüllt, veroient »och Eine» Dank. Ich Hab« nur mein« Pflicht getha» sowohl als Mensch wie als Priester, da ich 1» Interesse der unaerecht verfolgten, ihrer Hab« beraubten russischen tsraelititchen Mitbrüder mein schwaches Wort erhob. Als Mensch Io»»«e ich es »ich« stumm mit anschen, daß dt« Nächstenliebe, dieses tzehk« »rsetz der Lieb«, mit Küßen getreten wird, und als ein Mit» «MPfrr der Freiheit sah ich mit Befremden, daß auch im neunzehnte« Jahrhundert di« ungerechte Mach« die Menschenrechte in den Staub zu treten vermag und daß dagegen nicht da» ganze etvilisirtr Europa sei» Wort erhob mit jener Energie, di« der uag Ich dl Msadis»»». Ans den s (.Goldene Wort«') den der GabrtelPap tmJnterrff« de tzroerstirend fei» Wort erhob mit jener Energie, di« der ungerechten, »»menschlichen Verfolgung «in Ende bereiten könnt«. Ich bin überhe reit« verschieden« sengt, daß jene retrograd« reaktionäre Richtung, deren traurige« Zeugniß «i« Verfolgung der russischen Inden ist, nicht haltbar sein kann. Dt« "«»eine rhetlnahm« und Svmpathie, di« sich mit Ausnahme des folgenden russische» Reiche« bei allen unser« Erdkugel bewohnende» sirten Völker» gegenüber den verfolgten knndgiebt, ist eine versichtende verurthelluna der russische., Unbarmherzigkeit, bedeute« die ssnröthe jener besseren Zukunst, in der Niemand nirgends mehr!in« religiöse Uebegeugung «!rfolgt werden wird.' Gkapdabarg. Au« der Kr der des Baron» Hirsch ist in der th Ameriean Review- «in bemrrkenswerther Beitrag unter dem «l .Meine Ansichten über Philanthropieerschienen, in welchem er Aber seine Pläne zum Schutz« seiner Glaubensaen offen nöher äußert, a der Ansicht »»«gehend, daß die landwinhschaftlichen jüdischen Kolonie» in Galizien und Palästina für die groß« Meng« der au« Rußland ausgewiesene» Juden nicht aus reichend und auch wohl tu anderer Hinsicht «»genügend sind, ist Baron Hirsch zu der Folgerung : gelaugt, daß sich dt« argentinische Republik, Kanada und Australien am Veste, znr Ausführung seine« Plane« eignen. Er gedenkt, so führ« er 1» dem Artikel au«, in der argentinischen Republik de« Anfang zu mache» nnd unterhandelt gegenwä ctig mit de« dortige« vehsrden wegen Mnkauss gemiffer Landstrich«, aus welchen er jüdisch« Kolonisten an,»- siedeln, sowie landwirthschaftlich« und industrielle Schulen zu errichten vaabfiehtigt. Er ist in der Lag«, auf den Erfolg " ' - ־־־־ ־ . : Fa» rusfisch-jüdischer ' ״« hinzuweisen, welchen mUien als Farmcr in f■ Kraentinirtv-amielt habe» und welcher ein «eiterer Beweis für die de« jüdischen Volk innewohnende Energie ist. B. J BseRw, öl. Juni. (vr^Eorr.) Sowohl das Rabbiner» simtnar von Breslau, wie auch dasjenige Dr. Hildesheimer'« Hab«» «ine eigene Seminarftznaaog«, während es der Hochschule f. d. W. de« Lldenthums an einer solch«! Einrichtung vollständig mangelt. Dieser Mangel machte sich erst am letzten Feie na ge in höchst unangenehmer Welse geltend Wer später einmal selber predige» will, muß doch vor Allem Gelegenheit habe«, Predigten zu hören. Zu dem Predigt. , Gottesdienst an den letzte» Feiertagen wurde nur gegen Karten der Eintritt gestattet Es ist aber bekannt, daß gerade die Studiosen der jüdische» Wissenschaft meistens nicht in der Lag« sind, große Extraan«gaben z» machen. Es wäre daher zu wünschen, daß den Hörern Wagte» Anstalt von Gemeinde»«««» in den Synagogen Freiplätz« ge- Wfltzrt würde». Wir Hofs«», daß dies« Anregung genügt, um oben täte« llebelsMud« gründlich atynhelfen. Wieslan« ü. Juli. Auf Einladung de» Vorstandes Per Herr!Dadtllter »r. Rtppner au» - —. ־ tiatr IW hiesig« Emnite« für di« ruff. Jude» hat tu der hiesigt»'Zeitung «ine» von den «tnflußreichstr« Männer« der Gemeinde nnd Stadt untermichaete« »Aufrufum Beitrüge veröffentlicht. Uöslin. Hier finde« am IS. und 1». d. «. die «st» Generalversammln»! der Inltusbeamten des Reg>Bezirk» »«'in statt. nWnllK Montag, SV Juli, finde« hier di« HI. Generalvrrsi-mmlikng des israelitischen Lehrervereins für da» Königreich Bayer» statt. Auf der Dagesorduung siche» außer de« Geschäftsbericht und Anträge» folg ende Vorträge: ») Lehrplan für d'e jüd. Reltgiousschuie. Res. Nußbaum-Wlesensel». b) Religion»!«-« und Reli-ionsschule. Ref. Mannheimer-Harburg. Au» Leipzig, S. Juli schreibt man: Gestern Abend fand hier eine Versammlung der deutschsozialen (antisemitischen) Partei statt, i» welcher der neue Redakteur de» ,Daaesanzeigers-, Herr Dr. Erwin Bauer eineu Vortrag gegen die Einwanderung der ausgewtesrnen russischen Juden in Deutschland hielt. Am Gaaleinaange wurde ei« Eintrittsgeld erhoben, da« aus den anaeheftrte» Plakat«, ausdrücklich als ein fmiwilliges bezeichnet wurde. Gegen Diejenigen aber, die den Eingangszoll «ich« entrtchteten, wurde ein ebenso u»anftändig«« wie rohes Verfahren beobachte«, sie wurden von einer überlegene» Rotte gepgckr und hinausgeworfe». Sogar die amtliche .Letpz. Zeitungsieh» sich veranlaßt, den Antisemiten über ihre Rohheiten Vorhaltungen zu mache». valptzt» 10. Juli. Earl Paasch, drrversaffer der sensattonelle» Broschüre .Eine deutsch-jüdische Gesandtschaftist unter der Anklage der Beleidigung de« Auswärtigen Amt« in Haft genommen worden. hötl,»». An Stell« de» als Oberrabbiner nach Lemberg berufene» Herrn Dr. Caro wurde hier Herr Rabbiner Dr. Fischer aus Raab in Ungarn gewählt. Man hatte allgemein rin de« Mitbewerber Herr» Rabbiner Dr. Posnanskt in Reichenberg (Böhmen) günstiges Resultat erwartet, der hier außerordentlich gefallen hat. Au» Geltzlete. Durch Wolkenbruch sind di« Gebirgsftröme Litomirz und Iablonka ausgetreten. Ein jüdischer Gastwirth ertrank mit seiner Familie. Dateetzeg» 10. Juli. Nach der .Gazetta di Veneziaist die Gährung unter den Griechen Korfus neuerdings im Wachsen begriffen. Man befürchtet den Ausbruch neuer Juden-Exzeff« »e»rrab»rg, 10. Juli Mit welcher «ransamkeit bei de» Ausweisungen vorgegaagen wird, zeig« u. A. folgender Kall: Hier lebte «in verabschiedeier Soldat, der noch zu Zeiten Ntcolaus I. ein» gereiht worden war und folgltck> 30 Jahre gedient halte, «in alter sehr würdiger Mann, der Dank seiner Tüchtigkeit und Energie zu« Polizeirevterausfther befördert worden war, «in Posten, den bisher noch kein Jade beNeidet Hab«. Al« die Judenverfolgungen begann«», wurde auch dieser Man» entlaffen, blieb aber In Petersburg wohnen, wozu er auf Grund eine« Gesetzes berechtig« war, da» den ehemaligen Soldaten «stattet, außerhalb des Judenrayon» ihre« Wohnort z» nehmen vor Kurzem ließ sich dt« achtzehnjährige Tochter dieses Mannes, nachdem sie au» de« elterlichen Hause geflüchtet war, taufen. Das war für den Greis «in harter Schlag. Nach alttestamentarischem Gebrauch zerriß er sei» Oberkleid, schüttete Asch« aus sein Haupt, saß sieben Tage aus dem Erdboden, betete und weinte und las Tobten- «bete für sie. Durch irgend welchen Zufall erfuhr der Polizeichef, daß der Vater um seine Tochter, di« da» llhristenthum angenommen, trauere wie um ein« Tobte. Diese Trauer erschien dem Ehef der Srei» wurde mit seiner Familie sofort ausgtwiesen und in dr» Juden» rayon zurückgeschickt. Der Aermste kann nun darüber nachdenke«, daß man unter den g-zenwärtigen Zeitverhältniflen auch in seinen Gefühlsäußerunge« nicht vorfichttg genug sein kann D«r«n»p»rg, 9. Juli. Die .Nowoje Wremjaeröffnet einen Feldzug gegen di« von Juden unterhaltenen Buchdruckereie«, das Blatt beruft sich dabei ans den Zensur-Ustaw, nach welche« Juden nur gestattet ist, Typographien ausschließlich zum Druck hebräischer Bücher zu eröffnen und zwar nur in den jüdischen Ansiedluugsrayon» an den Orten, wo es das Ministerium des Innern für möglich und zweckentsprechend erachte, besondere jüdische Eeusoren zu haben. OetmepöteNch. Die jüd. Millionäre Dreifuß und vrodski haben je eine halbe Million Franc» für dt« in Organisation begriffen« Auswanderung der ruff. Juden gespendet. (Die Berliner jüdischen Millionär« find über einige .Teufendnicht hinausgegangen Man vergleich« die Eorresp ,Berlin.-) VoterPbNrg» 10. Juli Arnold White, der Bevollmächtigte des Baron» HiM, hat sich ins Ausland begeben, nachdem er die Gebiete Rußlands, in denen Juden ansässig sind, bereist hatte. O»rfs«. Der amtsührend« Oberrabbi »er «achte jüngst de« Stadt-Gouverneur sein« Aufwartung zum Zwecke der Mittheilung, daß er beabsichtige, während »er bevorstehenden Senatssitzungen eine« Käst» und Betrog für sein« Gemeind« anzuordnen Der Gouverneur verweigerte in höflicher aber entschiedener Weise dieErlaudntß hierzu und drohete, im Fall« der Zuwiderhandlang dt« Gemeind« mit Gewalt auseinandertreibe» und di« Synagoge schließe» laffen zu wollen. Sonftnmklnopol, 8. Juli. Gegenüber der in vor. Nr. gebrachte« Meldung des .Jetvish Lhronicle-, dag 200 bis 800 jüdische Familien wöchentlich in Jerusalem «inträse» und daß in Jerusalem Krankheit«« und Hunoersnoth herrschten, wird der .Aaeace de Eouftaatinoplevon maßgebender Seite versichert, daß di« Regierung nur den zu einer Wallfahrt nach Jerusalem sich begebende» Juden di« Landung in Jaffa und Beirut gestatte und daß dieselbe» innerhalb eine« von der Behörde sesltz^etzende» Zeitraumes Jernsaldm wie der variassen müßte».

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.