Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 29 (16.7.1891)
- Date
- 1891-07-16
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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rtnictjwt Wettkampf mU de» übrige» Rationen trete»!- Da» verlas ge» M.r doch vv» jede« Balde, war»» solle» wir e» »Icht auch von ZuSen oerlaugen? Die Mehrzahl, etwa sieben Achtel der Juden wohnt im östlichen und im südöstlichen Europa und es ist bekannt, daß in Rußland, Rumänien, Türkei u. s. w. die jüdische Be» vülkerung die ärmste ist. Aber abgesehen davon ist e» auch mit dem berühmten Reichtume der Juden nicht so weit her; BleichrSdcr und Rothschild — sind daS rote Tuch, welches man dem unkritischen Publikum vorhält, um es gegen die Juden aufzureizen. Dann aber giebt eS auch in Deutschland hunderttausend« von Juden, die gern mit Herrn Fritsch tauschen würden; und wenn er einen Beweis verlangt, so mag F. es nur auf einen Versuch ankommen laffen; ich will den Anfang machen. ES ist nicht alles Gold, waS glänzt, und wenn man die Jorgen sehen könnte, die hinter den glänzenden jüdischen Schaufenstern -ihr Spiel treiben, da möchte wohl mancher stille Neider sich im Stillen segnen, daß er nicht mit dem Juden zu tauschen braucht. .Wohl mag eS nach außen nicht bekannt sein, wie groß die Armut in den Kreisen der Juden ist." Und die jüdischen Gemeinden in ganz Deutschland haben genug und übergenug mit der Pflege für ihre Armen zu thun. Jude mag in manchen Gegenden noch fast gleichbedeutend mit Kaufmann sein, es giebt aber im ganzen deutschen Reiche keinen Bezirk, in dem Israelit und Kapitalist identisch wäre. Wir leugnen nicht» daß einige Juden reich sind, aber darum sind noch keines- Wegs die Juden reich! Aber sollten die Antisemiten nicht Recht haben, wenn sie von den Juden verlangen, daß sie ein Kolonialland erwerben sollen? — Erstens sind die Juden wirklich dabei, für ihre verfolgten Brüder in der Weise ein Asyl zu schaffen, daß sie dieselben als Ackerbauer in Palästina ansiedeln. Oder sollten die Antisemiten nie etwas davon gehört haben? Sie wissen doch sonst so viel davon, wenn sie darauf schimpfen wollen, da diese Kolonisation ihnen doch immer ein Dorn im Auge ist. Wenn sich aber die Herren wirklich so sehr für die Ackerbaukolonisation der Juden intereisiren, so bitten wir sie, es nicht blos bei Motten bewenden zu laffen, sondern thatkräftig zu helfen. Sie werden sich den Dank von Tausenden verarmter Familien damit erwerbe«. Geldsendungen wären zu richten an: Verband Esra, Verein zur Unterstützung ackerbauender Juden in Palästina.**) Wir werden über jede antisemitisch« Geldsendung öffentlich quittieren. Fritsch'S Satz .und wenn man ihnen nur einen Teil derselben läßt', enthält den Gedanken: wir wollen aber den Juden auch nicht einmal einen Teil chreS Eigentums laffen, denn .wir haben ja keine Ursache, um deren Zukunft bange zu sein'. Zugleich aber zeigt er so recht die Unmoral deS Antisemitismus, denn cs mag manchen reichen Juden nicht sonderlich wessen, wenn man ihm einen Teil, sagen wir die Hülste seines Eigentums raubt, schwer aber würde eS auf der großen Zahl der armen Juden lasten. Man schimpst eben auf den reichen Juden und wifft seine armen Glaubensbrüder. Das ist die Moral des Antisemitismus. _ (Fortsetzung folgt.) Gerichte mrd CorrefP0»de«-e«. Dentschlaud. 8p. W«ßdeß«rg. Aus den politischen Tagesblättern hat man erfahren, daß Pastor Ziegler in Liegnitz durch einen EycluS von Votträgen, betitelt: »Der geschichtliche Christus׳, wann er die Resultate wissenschaftlicher Forschungen aus dem Gebiete entwickelt hat, sich eine Zurechtweisung seiner Kirchenbehörde zuzog und überhaupt daS höchste Mißfallen streng kirchlicher Kreise erregte. Während nun theologische Fakultäten, wie die der Kaffer Wilhelms-Universität zu Straßbura i H in ihrem Gutachten, sich auf die ZieglerS stellen und da« Recht, die Ergebnisse wissenschaftlicher^ Forschungen weiteren Kreisen zugänglich zu machen, bcat'* geistlichen Seelsorger sichern wollen, spricht selbstredend die .Kreuzzeitung" ihr Anathema über Ziegler in verschiedene» Artikeln aus, deren einer folgendermaßen schließt: ״Die - Feinde Christi und der christlichen Kirche sind. Bis herunter zu der demokratischen BolkSzeitung haben ihr die Blätter der Juden und Judengenoffen ihre Zustimmung ausgesprochen." An diesen unqualificierbareu Aeußerungen erkennt man wieder daS Bestreben der .Kreuzzeitung', die Juden für alles Mögliche und Unmögliche verantwortlich zu machen. Die Blätter der Juden, wie die .Israel. Wochenschrift" und andere, vermeiden egeradezu ängstlich, interne christlich» kirchliche oder dogmatische Fragen in den Bereich ihrer Er» ötterungen zu ziehen, obgleich die .Kreuzzestung" diese» Grundsatz ungegenüber nicht befolgt, aber bei der HetzwuL die ihr nun einmal eigen ist, hat sie jeden Sinn für tiveS Denken verlernt. -) «-resst: St Silberstein. eettteNW. *irdtftafcc 33. Auch das Stöcker'sche »Volk', das die Juden und Judenblätter für den kirchlichen Niedergang verantwortlich macht, und Zeter schreit, wenn z. B. 'das .Beil. Tagebl." es lvagt, über die Intoleranz eines christlichen Predigerzu berichten, hält sich berechtigt, in seiner Nr. v. 7. d. MtS. folgend« geistreich sein sollende spöttische Bemerkung zu ein« jüd. Predigt zu machen: ,Di« letzte Bummer der ,So»»- und Montag»jüdin' bringt anläßlich de» Jubiläum» de» Wiener Rabbiner» Dr. Jellinek die Schlußworte au» dessen Festrede, die nach de« Bericht« de» genannte» Blatte» s»lg«nder»»aßen gelautet habe» sollen: Da» Jndenthu« ist et»« Religion de» Lichte», da» israelitische Bolt ei» Volk de» Lichte» , seine Hoffnung der Steg de» Lichte»' u. s. «. — Dies« .lichtvolle' Red« de» Dr. Jellinek hat uu» mm einen kleinen Anhaltspunkt dafür gegeben, weshalb e» im »Bolle de» Licht«»' so viel« .Lichtblau'. .Lichtenstern', ^ichtenstld', .Lichtenstad»', .Lichtenstahl', .Lichtig", .Lichtmann', ,Lichtschein' und .Ltchlwltz' giebt. Eine« aber wußte» wir schon lang«, daß e» im .Bolle de» Licht«»' — ein ganz nette» Gelichter giebt!" So spöttelt ein streng kirchliche- Blatt über Jndenthu« und Judeuheft! Merk», 7. Juli. (Or.-Cor.) Sie haben, geehtter Herr Redaftrur, meinem Berichte in Ihrem Blatte vom 2. d. M. die Ueberschrift: »ein beachtrnswerther Vorschlag' ge-iege», ich bin Ihnen dafür sehr verbunden. Doch verspreche ich mir wenig von demselben. Die Apathie unser« großen, d. h. reichen Glaubensgenossen ist leid« zu groß. Sie »«kennen de» furchtbaren Moment, der in der Geschichte der Juden jetzt eingetreten ist. Diese Geschichte wird einst von den jüdisch« Finailzmännern, die unablässig jetzt Millionen auf Geschäfts« Unternehmungen verwenden, und für ihre Brüd« kalt sind,- gewaltige Rechenschaft für diese Apathie fordern. Sie denke», ' daß die Welt auch ohne ihr Zuthun forwolle. Wie viele ihrer Brüder dabei zettrümmert werden, kümmett sie wenig. Das ist sehr zu bedauern, um so bedauerlicher, als da- «- habene Beispiel des Baron Hirsch auch nicht die aeriuaste Wirkung auf sie übt und da» humanitäre Eingreifen aller S' י''''׳׳"”"“ ׳ Sammlungen, Theater und Loncerte bringen mühselig einige tausendMark zusammen, während ehi« jüdisch« Finanzmänner giebt — nomiua ■nnt odios* — die mit Millionen, ohne sich im mindestenwehe zu thun. herhalten können und nur wenig lxisten. Ich erinnere an das Distichon von Schillers .Rur zwei'Tugenden giebt'». O wären sie immer vereinigt. Immer dt« Güte auch groß, immer dt« GrSße auch gut.' Beh«ziget diese Worte, ihr Großen, od« Reichen, (die Reichen nur sind ja meisten» jetzt die Großen), damit einst Geschichte der Juden Euch nicht v«dammt und hinzufüat: J große Moment fand «in sehr kleine» Geschlecht". Die ~ mesi» schlummert nicht. — - - “ i» Ihr«, Watte Fr. 13 3 \ J ־ -