Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 29 (16.7.1891)
- Date
- 1891-07-16
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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: russische Unterthaurn zur Emigration strenge bestraft. Alle diejenigen Prrßorganr, die Dm» derartige» Unternehmen begünstigen oder fördern, müßten "" "1 zur Verantwortung Wogen werden. Die ״Nowost crtirte unlängst die Wort«, welche der ehemalige ter de» Innern, Graf Ignatjew, an eine jüdische De- »tion mit de» Baron Hora« Günzdura an der Spitze, chtet habe. Ans die Beschwerden der Deputation, oe- »der» jedoch ans die Bemerkung eine» der Mitglieder der- (de» Herr» Sack, Dirrctor» der Diskoatobank), daß Jude« in RuUand unmenschlich hart behandelt werden, .erwiderte Ignatjew Folgende»: ״Warum vollzieht Ihr nicht ' den Auszug au» Rußland, wie ihn Eure Voreltern 1500 Jahr« vor der Geburt de» von ihren Nachkommen gekreuzigten Heüaad« an» Egypten vollzogen? Wo ist denn Euer Moses? Ich würde ihm mit Vergnügen Vollmacht geben, daß er!.-Euer Volk in da» Land Kanaan führe. Pharao wollte ^Each nicht fortlaffe«. Ich aber im Gegeutheil werde Euren Auszug nach Kräften erleichtern!" Es ist hächst wahrschein- ^lich, daß der Exmiuister diese Worte gesprochen hat, obwohl :׳ die .Pestrsburgskija Wjedomosti" die Möglichkeit eine» solchen ^Ausspruches seiten» eiue» Mitglieds der Regierung ^׳«uergisch in Abrede stellen, denn ein solches Ansinnen seilen» eiue» Minister» wäre geradezu Hochverrats; sechs Millionen friedlicher industrieller Bürger zur Emi ent auffordern, hieße die Bast» de» Staate» erschüttern, Prinzipe der Einheit einen heftigen Schlag versetzen; Hieße Anarchie und Gesetzlosigkeit predigen. Uno selbst ein ׳Ignatjew habe diese» nicht wogen können. In dieser Berthe!- dignng Ignatjew'» liegt eine schwere Beschuldigung seiner Nachsolger, und deshalb ist e» möglich, daß dieser Artikel dem ' Blatte nicht ungestraft hingchen wird, denn der ״Mephistopheles de» Orients" kann sich sagen, daß di« böse Saat, die er vor acht Iahten mit so kunstfertiger Hand ausgestreut, reichliche Früchte getragen und daß feine Nachfolger ihn in dem System rosfintrter Grausamkeit der Judenverfolgungen weit übertroffen haben. ״II fftot T0ir poar croire“, (Man muß eS sehen, um e» zu glaubest), sagt ein französischer Aussteller, dem in Moskau die Gelegenheft geboten worden war, einer Judenrazzia beizuwohnen. Ueberhaupt sind die nach Moskau aeklommenen Franzosen außerordentlich enttäuscht und die ׳früheren glühendsten Sympathien für Rußland erheblich erkältet. Selbst diejenigen Franzosen, die mit den Juden nicht souderlich sympathisiren oder sich in Bezug auf dieselben mindestens indifferent verhalten, sind durch va», wa» sie in Rußland gesehen, empört, ganz abgesehen davon, daß sich die Franzosen, die nach Moskau gingen, verschiedenen Plackereien ««»gesetzt sahen. Bevor sie da» Recht erlangten, die Grenze ^Rußland» zu überschreiten und ihre Produktionen in der Sremlstadt auszustellen, mußten sie dokumentäre Beweist arbringen, daß sie zu einer christlichen Kirche gehören, ja, »er urchristlichen Familie entstammen. Wer diese Beweist beibringen tonnte» wurde al» des JudenthumS verdächtig kgewiestn. Trotz allen diesen Präventivmaßregeln drangen ^mehrere Juden nach Moskau durch, wo e» jedoch den Argusäugen der Orlspoltzei gelang, sie zu entdecken, und dieselben ׳ wurden, trotz Tauffchein und elegantem Französisch auSge- ׳ wiesen. Da» war auch der Grund, der Herrn v. Laboulaye, ׳ den französischen Botschafter am russischen Host bewog, seinen ׳ Abschied einzureichen. Da mehrere von dem Interdikt der moSkv- -haitischen Polizei betroffenen französischen Juden beim Vertreter Republik iu Petersburg um Schutz baten, so hielt «S Herr : v. Laboulaye für geböte«, einzufchretten und gegen dft Aus- »maßregeln, denen französische Bürger unterworfen worden, energisch zu protrstiren. Herr v. Laboulaye hatte .«ine Unterredung mft dem Minister de» Innern, $mn Durnowo, und beklagte sich bei demselben über die Betung, die französijchm Bürgern zu Theil geworden, blo» *־ Grunde, weck sie mosaischer Eonstssion seien. Die in ihr seien all« Würger Leich And alle hätten gleichen Anspruch auf Schutz, sti e» im Inland«, sei e« im Ausland«, e» müsse also der Ministers versuchen, dft gegen französische Juden ergriffenen AuSnahmsmaßregeln zurückzunehmen. Herr Durnowo ererwiderte kühl, daß er sehr bedauere, diesem Ansinnen nicht Nachkommen zu können, da da» Gesetz in dieser Beziehung formell sti und keinen Unterschied in Bezug auf Juden iraenv welcher nationalen Zugehörigkeit machen könne. Die russische Rezteruna könne, bürst und werde keine Einmischung in ihre inneren Angelegenheiten dulden und übrigen» «fügte der russische Minister ironisch hinzu) könne sich Frankreich revanchiren und in Bezug auf russische Juden dteselben Au»- nahmSmaßreaeln anwenden. Herr von Laboulaye hielt «B unter seiner Würde, mit dem russischen Minister sich in irgend eine Polemik «inzulassen, er ignorirft auch die Ironie de» Minister» in Bezug auf die Revanche und sagft nur kalt, daß er an seine Regierung berichten werde. Die beiden Staats- Männer schieden sehr kühl. Auch eine längere Unftrhaltong mit Herrn v. Gierführte zu keinem befriedigenden Resultat. Der Minister de» Auswärtigen erklärte sehr höflich, daß er in dieser Angelegenheit nichts machen könne, da die Gesetze zu formell seftn. Da ein von Herrn v. Laboulaye in dieser Angelegenheit an die französische Regierung einM> sandter Bericht au» leicht begreiflichem hochpolinschen Grunde igaorirt wurde, so hielt e» der Botschafter für mit seiner Würde unvereinbar, ferner auf einem Posten zu bleiben, wo ihm dft Ausübung seiner Pflicht nicht nur erschwert, sondern oft auch ganz unmöglich wird. Er war jedoch der Ansicht, daß unter den gegebenen Verhältnissen die ftanzösische Regftrung nicht anders habe handeln können; da sie wegen einiger ihrer jüdischen Bürger nicht die Sympathien des einzigen mächtigen Aliirten aufs Spiel setzen dürfe." Gründliche WiderlegnnO de» ״«nlisemiten- »nlechi»««»". (Fortsetzung.) »»- Was f»> tu« «der mit »«« I«»«« »er»«« 7 ״La» Ist eigentlich nicht »nftre Sorge. Der Jude, der einen Baner H* auf* (*mb ausgewuchert hat und von Hau» und Hof vertreibt, fragt auch nicht danach, was au* dem Bauern werde« .soll Er setzt ihn aus die Laitdstratze und kümmert sich nicht darum, ob er verhungert, zum Dieb wir», sich da* Leben nimmt oder im Irrenhaus« stirbt. Er besteht aus seinem ,Schein", — fordert sein .gute« Siecht" nach dem Buchstaben und erachtet sich damit aller Pflichte« gegen seine« Mitmenschen enthoben. Aber r* ist rin guter Zug am Deutschen, daß er sei bst da, wo er nur «i» gerechte* Urteil vollzieht doch noch ein« Tetlttahm« für den Schuldigen bekunde». Ja, trotzdem der Jude in der ärgsten Nesse am deutschen Volke gefrrvelt hat, zerbricht sich der Deutsche i» seiner «aenbltche« Veduld doch noch den,stopf"«) de* Juden und fragt: .«a« soll au» ihm werden?" Run diese Sorge ist überflüssig. Es ist ein guter Zug des Deutschen, daß er fragt: .Was soll aus dem Juden werden?" aber der Verfasser des A.-K. hält dft Sorg« für überflüssig: und Recht bat er damit. Es wäre zu gutmütig, den Juden nackt und arm zum Lande hinauszujagen, und dann gar noch ״in seiner unendlichen Geduld" zu fragen, was nun aus den Juden werden soll. Der Deutsch« vollzieht ja nur rin gerechtes Urteil, hat man doch tm Jahre 1870 in Frank» furt a. M. einen Aufruf erlassen, einen Verein nichtjüdischer Deutscher zu gründen, um den ״Nachkommen der Urbewohner Deutschlands den Aufenthalt erträglich zu mache«." O dies« armen, von den Juden geknechteten Ur» bewohoer. .Run, dies« Sorge ist überstüsfig. Di« Mehrzahl der Jude« besitzt grobe Xeichtümer und wen» man ihnen nur einen Deil derselben liebe, so habe» wir wahrlich kein« Ursache, um bereu Zukunft bau« zu sein. Sie kvnneu damit behaglicher leben al* wir. Aber selbst, wen» da* nicht wäre: Thun wir denn «in Unrecht, wenn wir verlangen, dab dft Inden sich au* eigener fcaft ernähren sollen? Miiar» sie doch irgendwo ei« Lolontalländ « /«erben, dasselbe urbar. machen und bebaue», setost ein« Sultur schaffen und dadurch in einen *) Hier zeigt Fritsch, dab er dft deutsche Redeutatt: sich den; «g» UM» »chächt»» «Hw»* nicht »ersteht.