Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 27 (2.7.1891)
- Date
- 1891-07-02
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Na«k etwa brtiafetttlf Lind ן larat Menschen erziehen Aufenthalte setzte sic! und gar man! wesende», als die ainneu Aulgewieseaeu «it Händedruck und Hochrufen auf den anwesenden Rabbiner Dr. Rohmer und das WohlthätigkeitScomits von uns Abschied nahmen, und «in ״Lohen" au« ih«r Mitte die Hände auS dem Loups auSstreckte und den ahrouidischen Segen: ״LS s«me Dich der Herr und behüte Dich" über uns sprach. Wehmuthsvoll schauten wir den Dahinfahrenden nach. — »Ja, es segne und behüte Euch der Herr, er lasse nach so vielem Trübsal Euch die Sonn« seiner Gnade wiederlruchteu, und gefeite Euch in Frieden nach dem Ziele Eurer Wünsche!" ttmia. Im Verlage von Friedrichs & Eo. ist hier ein« Schrift erschienen, welche von der Leidensgeschichte der Juden in Rußland handelt. Der Verfasser derselben nennt sich Paul Dimidow, er ist ein genauer Kenner der russischen Geschichte und der gesellschaftlichen wie politischen Verhältnisse des weiten Zarenreiches. Gleich in der Einleitung erklärt er: »daß Zar Alexander III. ganz allein verantwortlich ist für all« Greuel, di« seil zehn Jahren in Rußland an de» Jude» begangen »erd«». Das jüdische Blut, das man in seinem Reiche vergießt, schreit wider ihn und wider ihn allein gen Himmel und klagt ihn an! Beim die Schal«, di« sich mit dem Zorn des wahrhaft entrüsteten Europa'» er HI. iten, die unter seinen Auivtjte» geschehen, und sie mit blutrothe» Buchstaben in ihre« Annalen ihm auf» Konto setzen." Der Verfasser dieser Schrift — aus dir wir noch zurückkommen werden — rälh jedem Juden, sich und die Seinen hinaulkurettru aus dem Lande der Rmnanow's. — Daß aber Millionen Menschen in die Hülle solcher Knechtschaft, der grausamsten Verfolgung und moralischen Mißhandlung »etrirben werden künnen, das ist nicht nur ein« Schmach für Rußland, sondern für alle Kultursiaaten Europa'«, die «it verschrenkten Armen diese Gräuel am Ende des 19. Jahr- Hunderts ruhig mitansehen. Wertl», 28.Juni.(Or.-Lorr.)Jn der heutigen Sitzung der Rrpräsentanten-Bersammlung stand die Festsetzung der ltturgischen Einrichtungen in der neuerbauten Synagoge (Lindenttraße) auf der Tagesordnung. Die Gemeinde hat vor einigen Jahren in der Synagoge Kaiserstrahe einen wahrhaften Mustergottesdienst eingerichtet, in welchem sowohl der konservativr, wie der etwas freisinnigere Jude Erbauung findet. Verlangt der Letztere mehr Gesang und Musik, weniger hebräisch«, mehr deutsche Gebete, so gewährt ihm der Gottesdienst in der ״großen Synagoge" dieses Alles. Wir sind kein Gegner einer gemäßigten Reform in der Liturgie. Ein fchleader Jekum purkan oder ähnliche Kumpane künnen uns nicht in Aufregung versetzen, — aber die Beschneidung deS Gebetbuches darf nicht allzusehr in» Fleisch gehen und di« Aenderungen und Kürzungen nicht in so kurzen Pausen vvrgenommen werden. Zuerst Aud's Gebetbuch, dann Qbtua/aH Gebetbuch, dann nochmalige Kürzung durch eine Kommission und nun eine »eitere Kürzung durch den heutigen BescPuß. Mau kann jetzt schon das ״Gebetbuch für das ganze Jahr" bequem in der Brustlasch« tragen, demnächst werden wir es wohl in di« Westentasche stecken künnen. Der Referent betonte bei der Vorlesung des Antrages, eS seien nur unbedeutende Kürzungen vorgenommen worden, — allerdings — «an kann leuht aus einem dicken Hauptbuch« einige Bogen herauSrrißen, als eirtzelne Blätter aueinem Notizbuch«. Ich konnte alle als überflüssig anerkannten Gebete nicht notieren, bemerkte doch ein Repräsentaut (Herr Lüweuberg) er künne den Vorschlägen nicht fiügen und noch weuiger beistimmen, da derartige Aenderungen im Kultus doch gedruckt den Pepräseutautea zugehen müßten. Zunächst solle» die Eantoren nicht mehr singen, sie sollen me Gebete mehr recitativ vortragen. Die alten Sange-weisen (Mgunim) müsse» au» dem jüd. Gottesdienst kiiiJB'1■!י:י& hat auch das alte Kol Nidre hier erlebt. Zunächst man selbst in conservative» Gemeinden eine entspi hebräische Formel, dann daS deutsche ״O Tag des i schließlich in Berlin den Psalm 130 hebräisch und jetzt ist für die neu« Synagoge nur noch der erst« de« Vers geblieben. Die Debatte dauerte genau zwei Minuten und wurde der Antrag der Lommission und de« Vorstandes mit alle» gegen etwa zwei Stimmen angenommen. Herr Leonhard ׳ Sachs, Mitglied der Lommission, betonte zur Wahrung seine« konservativen Standpunkte«, er hätte nur a«S dem; Grunde sein« Zustimmung zu den Beschlüssen gegeben, weil man der Jugend durch das vermehrte deutsche Element Rechnung tragen müsse. — Die Diskussion über den «inzu-' führenden gemischten Lhor wurde in die geheime Sb verlegt. n Werk«. (Or.-Eorr.) Gerüchtweise verlautet, dazwischen der Hauptgemeind« und der Adaß-JiSroäl llnter- Handlungen eingrleitet worden sind, zum Zwecke der Auflüsung der Sondergemeiude und ihre« AnschluffeS an die Hauptgemeinde. Die Adaß-JisrvSl, der das Zustandekomm«» eine• - Lompromiffes nicht unerwünscht wäre, da der Kontrakt ia der GipSstraße abaelausen ist und die Gemeind« sonnt eventuell vor die schwierige Frage eines EyaagogenbaueS gestellt würde, Hai di« Bedingung gestellt, daß chr die Synagoge m der Heidereutergaffe ausgetieferl werde, woselbst als bau» ein streng-orthodoxer Gottesdienst wieder «»geführt werden sollte. Da« Antwort von der Hauptgrmeiuo« ist bis znr ' Stunde noch nicht eingelaufm, doch ist ein« Verständig»»- auf dieser Basis nicht ansgeschloffen, da der Vorstand der Hauptgemeinde von vornherein ia conlautester Weife erklärt hat, «ulen berechtigten Wünschen der Orthodoxen entgegen kommen zu wollen. Gppek», 28. Juni. (Or.-Lor.) Es wird die Leser dieses gesch. Blattes gewiß in dieser Zeit der Lrauer über me Barbarei und Stumpfheit, um nicht zu sagen Berthiertheit, in di« ein Theil der Christenheit versunken ist, die Mittheilung mü Freude erfüllen, daß wiederum ein Christ, ein katholischer Geistlicher, seiner vollen Entrüstung über die entsetzliche ruff. Judenverfolgung Ausdruck giebt. Er antwortete auf me Bitte eines hiesigen Israeli»«, bei seiner (Dorf-)Gemei«de für die Unglücklichen zu collectiren, unter Anderem, ms» sich hier nicht mittheilen läßt — ich habe das Schreibe« vor Augen — würtlich: .Die Russe« sind kein« Me»' sie stehen weit unter ««Niveau de« uncivilifirtesten Sie uud ich, wir halte« uns überzeugt, daß ein! Gott Jedem vergelten wird nach seinen Werken, er bewährt sein« Langmuth bis das Maatz voll ist, läßt aber nicht ungestrgft.... ״Mein« Pfarrkinder", so fährt er fort, ״stiw leider nicht mtt GlückSgütern gesegnet, aber ich gebe Ihne«, was ich gerade habe. Sie werden rS wohl jetzt schon verwertheu künnen". De« Schreiben lagen 3V M. bei und der vortreffliche philanthropische Geistliche fügte noch hinzu: .Ich weiß nicht, ob eS opportun wäre, Ihren Brief an mich, ohne unser« beiderseitigen Nameu zu nennen, der Veröffentlichung zu zu übergeben." (Wir unterlaffen es daher, um der Bescheidenheit des braven Seelsorgers nicht »u nahe zu treten.) Leipzig. (Or.^Lorr.) Bor Kurzem fand hier die feierliche Wiedereröffnung der reuovirte» Brodyer Synagoge, welche seit einigen Jahren unter der finanziellen Berwaltuäg d«S Vorstandes der israelitische« ReligwuSgemeiud« steht, statt. ES versammelten sich außer dem Vorstand, den Rabbinern. uud den Eantoren der Hauptgemeinde, «ine große Anzap von Mttgliedern in den würdig auSgestatteten Räumen «sek" gottesdienstlichen Stätte, um au der ' theilzuueAne^ welche uo» dem ei!