Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 27 (2.7.1891)
- Date
- 1891-07-02
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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o» nrhm« »ave«, wo die BarMherzinäett bn NMtenttg «en den Aufenthalt gestattet, (ft ctfftu vni mit Genugnung. zu wifim, daß diese beruhige» Thatsacheu sehr 2t den Engländern klar gemacht Werden und dies« hierdurch •n die ränkevollen Einflüsterungen der Anti-Emigrationsitawren abgestumpft «erden kännen. Nichts desto weniaer aber ist es um unserer unglücklichen issischen Brüder willen büchst wünschmswerth, daß eine rmanente Central-Commission ins Leben ge- ׳en werde. Nur durch eine internationale Organisation -in den auswandernden Juden der Rath, besten sie so sehr ,ürfen, ertheilt und die Richtung, in welcher sie ihre neue Umath zu suchen haben, angewiesen werden. Sie haben "nedies schon mehr als genug durch den bösen Willen ihrer >rrscher gelitten. Laßt uns daher für sie sorgen, damit r״f)t ihr Elend durch unsere unliedachtsamen Versuche, eS zu *>- dem, noch gesteigert werde. In der vergangenen Woche , chtete man, daß ״das Berliner Comitee' aus purer Unbestinntschast mit den Verhältnissen deS englischen Arbeiter- ׳ .!rkteS einen Haufen Einwanderer hierher schicken würde. _ 'halb sandte die ״Anglo-Jrwish-Affociation" eiligst einen :!egirten nach Berlin, um zu verhindern, daß das dortig« -nrtee einen Mißgriff begehe, der gar nicht von ihm be- ^ichtigt war. Ein internationales Comitee würde solche «--ereilte Schritte, die nur auS Mangel einer Concentration der jüdischen Organisationen unternommen wurden, als überflr1>׳lg hoben erscheinen lasten. Es müßte dem Berliner Comitee nicht überlassen bleiben, alleinstehend mit einer Frage zu kämpfen, welche nur durch bloßen Zufall für dasselbe einlocale ist. Es ist dieselbe aber eine wesentlich jüdische Frage und die höchsten Intelligenzen der Judenheit sollten sich vereinigen, sie zu lösen. Dir Zahl derer, welchen geholfen werden muß. beschränkt sich nun aber nicht ans die wenigen Hunderte, welche sich schon aus dem Wege von Rußland noch hier befinden, obre i» Begriffe stehen, das ungastliche Land zu verlassen. Wenn die russische Regierung bei ihrer barbarischen Politik beharrt, so ist es ganz gewiß, daß der Sttom der jüdischen AuS- Wanderung, so mäßig er auch augenblicklich fließt, mit der Zeit eine Steigerung erfahren wird. Diese Bewegung, weit enfferitt, entmuthigend zu wirken, muß im Gegentheil gefördert werden, so weit nach menschlichem Ermessen dieses Würstchenswerih erscheint; denn das fortwährende Zurückdrängen einer großen aller Existrnzmittel beraubten Menschenmasse in ein enges AnsiedlungSgrbret kann nur Elend in seiner schrecklichsten Ge׳!-rlt zur Alge haben. Wenn man Hunderte von Pflanzen sawmt den Wurzeln dem Boden entreißt und sie m einen eng begrenzten Hof auf einen Hausen wirst, so werde» sie verfaule« und rrn Heerd der Ansteckung werden. Daffrlbe wird geschehen — ist in gewissem Umfange schon geschehen — in Folge der grausamen, wahnsinnigen Politik der ruf fischen Regierung. Dir Armuth und da» Elend, welches die Juden durch den Zwang, in kleine» Städten zusammen wohne« zu müsirn, zu ertragen habe», zeigen uns nur eine Seite des furchtbaren Unglücks, welches die Rathgeber des Lzareu heraufbeschwürru. Den LuSbruch epidemischerlkrankheiten zeigt die andere Seite. Da aber Epidemien.— im Grgenscq in den russischen Behörden — keine« Unterschied unter den Personen machen, so werden sie all« Klaffe» der Bevölkerung, sowohl Nichtjndm als Jude«, heimsuchen. Das ist ein von der Natur ohne Rücksicht verbängtes Strafgericht für die Uebertretuug ihrer heilsamen Gesq>«, sogar wenn es ei» Kaiser ist, der zu ihrer Verletzung sinne Gewalt mißbraucht. Vielleicht mag aber die russische Regierung in ihrem charakteristischen Eyuismus nichts darum geben, wenn sie d« Kühlung ihres Muthes an den verhaßten Juden auch mit dem Leiden, ja sogar mit dem Tode einer Anzahl Anhännrr der orchodoieo Kirche bezahlt. Wir Juden können indeß einer solchen philosophischen Anschauungsweise nicht huldigen. Da« Elend, von welchem unsere innerhalb der sind, ist so schrrckkich. daß wir die änßrrPmeAnstreng machen müssen, es abzuwende». Die russischen Jude»1 au« diesem.eisernen Schmelzofen', in welchem die f grausamer Qual und Pein furchtbar brodeln, entferut «erde«. Das ist der Grundto«, welcher in einer Organisatio«. wie z. B». die der ,Thowawe Zion' wiederhallt. Während aber «in Gefühl uns drängt. Etwas zu thun, muß es auch seine» praktischen Ausdruck darin finden, daß wir etwa» Nützliches chun. Meinungen, 'die nach allen Richtungen herumschweifen, können nur schaden, nicht nützen. Was noch thut, ist ei» organisierter, sorgfältig ausgearbeiteter Auswanderungsplaa — keine Auswanderung im Großen, sondern eine allmähliche — welcher die russischeu Jude» von ihrer, gegenwärtigen Leide« befreien und sie gegen künftige Talamittten sicher stellen soll. Nur eine Organisationsform kann eine» solche» Plan aus» arbeiten und die Ausführung seiner Bestimmungen überwachen, und zwar: e i n internationales Comitee. Di« Nothwendigkest eines solche« wird heute von allen Jude» der Welt anerkannt und was uns daher noch zu chun erübrigt, ist, ohne Verzug dasselbe in» Leben zu rufen.' — Möge dieser Ruf nicht ungehürt verhallenI Red. d. Jsr. Wochenschrift. Ei» »e«chte»AWerther Vorschl«-. vo» »nserom rnsstkchr» Ich konnte Ihnen lange Zeit nichts au» Rußland schreiben. Ich habe es mit tausend anderen verlassen müffeu. Die Ereignisse folgteu so rasch aufeinander. Die Sprache stocket, wo die unglücklichen Fakta laut sprechen. »Die Würfel sind gefallen'. Ich Hab« in ihrem werttze« Blatte für die schnelle Gründung eines Juden-Asvls — seit Anfang vorigen Jahres beständig gestürmt — <>n Be» richten aus Warschau und Petersburg), *ußer dem Edelsten aller Edlen. Baron v. Hirsch, hat es keiner ernstlich genommen. Und so stehen die Tauseade von Unglück« lichen vor der Angst und Verzweiflung erregenden Frage: wohin auswandern? Ein bestimmtes Ziel hat Niemand von den Vertriebenen. — Wer noch in Rußland mit etwas Geld in der Tasche ansharren kann, will nicht heraus, weil km Ort geboten wird, wo er mst der Famllie sich endlich ruhig ansiedel« kan«. Die große« Pläne des Herrn Baron Hirsch brauche« noch viel Zeit, und von alle» Staate« kommen Andeutungen, daß die russische« Jude« unwill» komme» sind. Ich muß meine frühere» Mahoworte wiederholen: ,daß wie einst Bogdan Ehmiemicki's Kosaken '/, Million Jude» in Rußland ausrotteten — so auch der Torqnemado unseres Jahrhutidert», Podbiedonoszow, vor keinem Autodafä zurückschrecken werd«'. Darauf, daß der Vertreibung der ausländische« Jude» aus Rußland die Vertreibung der inländische« folgen würde, Hab« ich in ihrem «erthen Blatte vielmals hingewiese», man muß nun auf die wejteren Eonsequenze« sich gefaßt machen. Ist das — was jetzt in Rußland gegenüber de» Juden geschstht — nicht schon eine Vervollkommung der spanst«» Tortur? Man brandmark sie auf Schritt und Tritt. Mt dem Augenblicke, wo der Paßbramte mst riesig« Letter« dem Jude« das ,Lmroi' (Hebräer) auf d« in- «ud aus» lLndisch« Paß schreibt — wird ihm, wie einst durch dm Bann der Päpste, der Bod« unter dm Füße» entrückt. Vor allem liegt es Rußland daran, dkJude» verarmen zu lass«. Lieferung« an die Regierung werdm nirgmds von ihn« mehr angenommen, ihre Unternehmung« werden mit einer besonder« Strenge parteiisch controllirt und untergrab« — das Zeichen von oben wirk bi» auf dm Rewerowy (unterst« Polizeibmmtm). Ungerechtfertigte Durchfuchunge« find« statt und die angesehmstm Juden wüst« es sich gefall« last«, daß die Polizei »ach Willkür bei ihnen wmhschaftet. Dabei wird d« Dmunsatio«« WH