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Israelitische Wochenschrift · 1891-06-26 · 26 (26.6.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
26 (26.6.1891)
Date
1891-06-26
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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0!c ■!!*tant* «atzrzunehtnen. L»» Gericht »ar d*her verpflichte: 1» p >rn. ob der Angetlagi« «irttich hierz» btnffot *tat, also derechtigi« ^Sr-rrefKH wntzrnahm Mer wenigste»*, ob er glauben ton*«, die* |U!■:!1 Ich vertrete, wie ich besonder» betone, *sch« die Ansicht, »aß t antisemitischer 8erei» berechtigt sei, schranken!»» jüdische Gejchilst»- zu beleidigen, aber in gewiffen Füllen mnß da« Gericht genau .!ersuchen, ob da«, wo« «in «ngeklagter gethan hat, über die Srenzen L-. llritik hinausgegangen ist, dir zu üben er für seine Pflicht hielt, ie handelt fich ja bekanntlich i» A 193 n'cht nur um RechtSinterefien, s--״sern auch um ethische Interessen. So kann z. B. der Redakteur r׳ner Fachzeitung die Wohlthat de« K ISS beanspruchen, wenn er von drn Zntrreffenten beaustrogt war, oder deauftragr zu sein glaubte. Ich bin der Meinung, daß die hier in Frage kommenden FiugvlStter arge stdignngen enthalte», aber die An und Brise, wie da« Landgericht Wi'tli( vvrgeh«, scheint mir mit den proeeffualen Bestimmungen mit dem jj 193 de« Strasgesepbuche« nicht ohne Weitere» vereinbar zu sein. Trletzte Bedenten würe schließlich noch, daß nur di« jüdischen Geia-estSleute von Görlitz und Umgegend deleidigt sein sollen; e« könnten rann ja noch bedeutend mehr Personen beleimgt sein, die keinen Strafa..!,ag gestellt haben. Wegen aller dieser Bedenken beantrage ich die A bhebung de» Unheil». Tos Reichsgericht entsprach diesem Anträge und vcrwicS die Sache an das Landgericht Görlitz zurück. Tie Urtheilsgründc entsprachen den Ausführungen des Herren Rrichsanwalts. (Es ist hiernach nicht ausgeschlossen, ja sogar zu erwarten, daß eine Vcrurtheilung der Angeklagten dennoch— ״i. r besserer Begründung — erfolgt. Red.) Hek», den 18. Juni. In der Wiedergabe meines R-ferates im Protokoll der Versammlung der Lehrer Schlesiens und Posens (Nr. 23) finden sich einige Irrry imer, die ich die geehrte Redaktion zu berichtigen bitte: 1. Hab« ich als speciell jüd. Ideen nicht .die Einheit Gottes, Messiasidee und Unsterblichkeit", sondern nur «die Einheit Gottes" bezeichnet. Ich sagte wörtlich: ,Auch ist es erforderlich, die Aufmerksamkeit des Kindes auf das Eigenthümliche unseres Glaubens, auf. die Lehre von der Einheit Gottes in ihrrm Gegensatz zu der Anschauung der anderen Religionen, ebenso auf die Lehre von der Unsterb-!ick,teil der Seel« als einen wichtigen Bestandtheil unseres Glaubens, sowie auf die Messiasidee zu lenken." 2. Habe ich zu den Hauptideen, die der jüd. Religion zu Grund« liegen, auch das Moral- und Sittengesetz gerechnet. 3. Habe ich nicht ein .lückenloses Wissen", sondern eilte ,allgemeine Bildung" vom Lehrer gefordert. Dr. ChodowSti. Ans Württemberg. (L'r.-Eorr.) In Stuttgart er» scheint seit 2b Jahren das ״Evang. Sonntagsblatt", jetzt unter verantwortlicher Leitung des Pfarrers Held, mit dem Symbole einer, den Oclzweig des Friedens(!) im Schnabel tragenden Taube an der spitze. Tie Tendenz dreses Blattes ist genügend charakterisirt, wenn inan sagt, daß eS die Zwecke der ״iinerrn Mission" zu fördern bestimmt ist. Soweit es nun humanitäre Ziele verfolgt, könnte man sich füglich mit dem Inhalte befreunden. Ein Anderes aber ist es, wenn das B-att sich herausnimmt, zu Rassen-, Klassen- und Menschen- Hofauszureizen und auszuhttzen, wie es jüngst in mehreren Nummern desselben geschah. Was Herr Pfarrer Held von den Juden hält, kann uns am Ende gleichgiltig sein, aber nicht gleichgiltig und ruhig können wir zusehen, wenn Tausende von harmlosen und frommen Lesern ohne derechtigten und triitigen Grund zum allgemeinen Judenhass« und zwar untcr dem Deckmantel .christlicher Liebe" ausgewiegelt werden. ES gehört wahrlich wenig H e l d e n muth dazu, Jemanden meuchlings und rücklings zu übersaL-.n, über eine fast wehrlose Minorität unter der Maske der Anonymität herzufallen, zugleich die Wahrscheinlichkeit berechnend, daß der Betreffende und Getroffene von de« Angriffe nichts hören und erfahren dürfte, demselben also leicht und gefahrlos Ein» am Zeuge zu flicken wäre. Dies ist weder christlich, noch deutsch! Um nun auf die obenerwähnte Artikelserie: Was wir von den Juden halten? (von W. K.) zurückzukommen, so gilt auch hier der Satz: C?*8t le ton, qm fait 1* amiiqae. Per Tenor des ganzen Auffatzes ist so antisemitisch, daß ihn ganz gut jeder Mucker und Stöckerianer hätte schreiben können, nstht aber eia Pietät erfüllt und beseelt sein sollte. Da heißt eS unter Anderem gleich im Beginn der Ein« leituug: Die Juden verdienen unser« Liebe. Da» ist viel verlangt für ein Bolk, da» uns nicht blo» im religiösen 1 Fühlen so gänzlich fremd, zu« Theil sogar widerwärtig ist, wie das jüdische; es ist viel verlangt für ein Bolk, da» erlittene Verfolgungen in alter und neuer Zeit mtt Zins und Zinse»- zinsen un» heimgezahlt. Später entdeckt Vers, sogar manche Tugenden im gefallene» Israel, die den Christen als Borbild dienen dürften, so z. B. ihr Zusammenhalten, den Familiensinn, die Nüchternheit und Sparsamkeit, die Sie für . Bildung u. dgl. Tbut aber nicht», der Jude muß doch verbräunt werden 1 E» ist wie in der Fabel vom Wolf unk Lamm, welches das Waffer getrübt haben muß. — Herr Pfarrer Held bedenft nicht, daß er nur da» Gaffer auf die Mühle der Sozialdemokratie treibt, indem er zum Haffe und zur Verachtung der jüdischen Kapitalisten anreizt und anrrgt. — Den Beweis dafür, daß die Juden in der Zeft ihre» Unglaubens, nachdem sie ihren Weltberuf verfthlt haben, eia Unsegen der Völker geworden, unter denen sie wohnen, ist der Schreiber jene» Artikel» wohlweislich schuldig geblieben, da ihm die Geschichte Spanien» nach 1492 und Amerika'» eher das Gegentheil hätte zeigen und sagen können. — Den Handel würde schließlich Herr W. K. schon gern den Juden verzeihen, nur da» ist ihm ein Dorn im Auge, daß die christlichen Händler mit ihnen nicht gleichen Schritt halten können. Das ist aber doch durchaus nicht die Schuld der Juden. Auch .gewisse rabbinische Lehren vom Eide" ttagen ebensowenig dazu bei, die Inferiorität nichtisraelitischer Händler zu bewirken. UebrigenS wäre e» zu writläufig,;Herrn W. ft. über dieses Kapitel eine» Besseren zu belehren und zu überführen, denn demselben ist eS ja nur darum zu thun, seine« blinden und blöden Judenhasse zu stöhnen. Vollends verlorenc Mühe aber wäre e». über da» alberne Märchen, daß ״in östlichen Ländern den tobten Inden Steine in den Sorg gelegt würben, um damit droben den großen Nazarener zu bewerfen", viele Worte zu verlieren. Wahr ist nur so viel, daß «in Säckchen Erde vom Grabe oder vom heil. Lande dem Todten unter den Kopf gelegt wird, denn ״zum Staube mußt Du wiederkehren." Gleichen Kalibers ist die Lüg-rüde von der ״Alliance Jsraelite", welche ״an Stelle der Kaiser und Päpste (?) ein neues messianisches Weltreich errichten wolle." Unwahr sind auch die Aeußrrungen, die angeblich der Präsident derselben gethan haben soll. Die durchsichtige Tedenz dieser Artikel läuft darauf hinaus, den Juden die wichtigsten und wesentlichsten Rechte zu entziehen; allein e» ist bereit« vorgesorgt, daß dem Himmel und Kaiser Wilhelm sei Dank, diese verpestenden Giftbäume nicht in den Himmel wachsen. N. #11 Ungar«. (Or -Torr.) In der Provinz giebt sich eine erfreulichere Rührigkeit in Betreff der russischen Jude« kund, als in der Hauptstadt. Im ״Egyenlöseg" lese ich heute eine Anregung au» Fünfkirchen von Dr. Lewy. Der humanen Ansprache des evang. Bischof» Pap aus Komorn wird demnächst ein Aufruf de» im ganzen Lande hochangesrhenen reform. Bischofs K. Szaz folgen. In Baja fand unter Vorsitz des Dr. Lemverger eine Generalversammlung der Alliance-Mitglieder statt Auch die Gemeind« daselbst leitet Sammlungen für die bedrängte» Glaubensgenossen in Rußland ein. P. 8. Jetzt hat sich auch in der Pester Rekigious-Gemeinde ein Lomitee für die russischen Juden gebildet. Den Vorsitz hat der ReichstagSabgeordnet« und G«»ei»d«-Präs«» M. Wahrmann, Schatzmeister ist H.'Deutsch von Ha Ivan. E» wäre auch für Ungarn zu wünschen, daß zwischen den Lokal,Lomitee'» der Alliance und den . Ge-. meinde-Korständeu ei» von einem einseitlicheu

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