Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 26 (26.6.1891)
- Date
- 1891-06-26
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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werde. ffa#l«ufc. 17. Juui. Die russischen Blätter thellen mit, baft eine bei« Ministerium de« Innern eingesetzte Kommission zur Lösung der Judenfrage in Rußland ihre Arbeiten beendigt habe,' und daß ihre Beschlüsse in Form eilte« Gesetzenlworss i« Herbst in den Reichsrath gelangen würde». Den Vorsitz i« Eomit« führte Geheiinrath v. Plchwe. Gehülfe de« Minister» de« Innern. Genauereist über die Ergebnisse der Berhandlunge» noch nicht zu büren, im Allgemeinen aber erfährt man. daß sie in der Richtung strenaer Einschränkung der Bürgerrechte dex Juden, namentlich in Bezug auf Freiheit de« Aufenthalte«. Handels- und Gewerbefreiheit, Erwerbungen von Grundbesitz re., sich bewegen sollen.' Die ״Nowoje Wremja" rückt heute zur Judenfrage mit einer sehr originalen Erklärung heraus. Sie schreibt wörtlich: »Die in »er ausländische» Presse so genannt« »Judenverfolgung" ist nicht« Andere», al« der legitime Wunsch der Regierung, di« Mißdrsnche der Loealgewalten in Bezug auf die Juden, wenu nicht ganz anSzurottea, so doch mindesten« z« vermindern." Weil also die russischen Organe der Verwaltung bestechlich sind und die Juden aussaugen, sollen die Juden au« Rußland fortgetrieben werden — da« ist die eigenthümlich« Argumentation de« russischen Blatte», dem damit ein Geständniß entschlüpft ist über dir-Zustände der russischen Verwaltung, dessen es wohl selbst nicht froh sein wird. Annas ist auch das Bekenatniß daß die Regierung es aufgiebt, die Unehrlichkeit ihrer Beamten ״ganz auszurotten", daß sie schon zufrieden sich giebt, wenn sie diese nur vermindert! Zur Erklärung fügt die ״Nowoje Wremja" noch hinzu: .Sen» da« wese» von jeder Loealbehörd« fest und ohne Rücksicht »udgesührt »vrden wäre, so hätte sich nur eine genaue Erfüllung de« Gesetze« ergeben, da aber da« Äefetz nicht au«gef«hri wird, so ergiebt sich «in« .Jndenverfolguno", d. h. dt« «»«fiedlnng derjenigen Inden in du« Bebtet ihre» Ans>«dluna»rechtr«, die kein Recht hatten, im Inner» Rnbiand» zu leben und dort nur in Folge der Gönnerschaft der LocalbehLrdtn sich aufhtelten." Eine .Jndenversolgnng" giebt es in Rußland somit nicht, sondern nur Maßregeln zur Verbesserung der russischen Berwaltu^! Unglücklicher hätte die .Nuuwje Wreuija״ ihr ,Heiliges Rußland" nicht rechtfertigen 'ör׳״rn! Kermijchlr «n* naufU W«chrichtr«. MaatzelbarO^ Hier hat stch ein .Provinzialeomitee für dt« russischen Juden" (sämmtllche Gemeinden der Provinz Sachsen umsaffend) ai» Zmeigderein de» Berliner .«entralcomitee«" constituirt. Den geschäft-führende» Ausschnß bilden di« Herren: PH. Rosenhetm lBormender), . S. Singer (stellvertr. Vorsitzender), Rechttanwalt Ahoyl«, A Heimaan, Justizrath Dr. Herrmann, S. Kauf- «an» (Schriftführer), Rabbiner Dr. Rahm er, OberftatEarzt Dr. Rofenthal, Adolf Rosenthal, Dl. Rüben«. Der Herr Oder- Präsiden« Ezrellenz v Pommer-Esch« hat zur »ffentlichen und privaten Geldsammlung bet den Wraeltttschen Bewohnern der Provinz die Genehmigung ertheilr. LD EiorU», 22. Juni. (Or.-Eorr.) Privatbrief« au« Warschau fordern aus, hier rin« jüdische fUravbanf zu gründen, wa« in Rußland unmsglich sei. Dadurch wurden auch menlger bemittelte Personen in der Lage sein, sich al« Ackerbauer sälfig zu machen. Dt« »drhtgen MapiMlim würden dt« polnisch«» und russische« Juden allein beschaffe», nur den Namen und dt« Gründung »erlang« man vom An«lande. ffeclla, 90. Juni. Wie verlautet, richtet« Salisbury an den englischen Botschafter hier «in Schreiben über dt« Judenemigration, in dem er ihn ersucht«, die mittellosen Jude» vor einer Auswanderung «ach London z» warne», da der dortig« Arbeittmarkt bereit» übt^rsülll sei. Der «orfchastrr consertrte mll dem Generalkonsul vletchrvder. Dieser erfuhr von de« Präsidenten de« LeMral-Hülfteomitee«, daß täglich durchschnitüich 700 russische Inden antomme», daß da« Komik« in Berlin zwar großen Schwierigkeiten begegne«, daß aber kein« Joden «ach Laudon gesandt würden, vleichrklder fügt« hinzu, er hätte sei» Mitglichst«« getha», um die Juden««»Wanderung von England ad» und »ach Amerika und Palästina Hinz »lenken. JnMeebnea , 99. Juni. Gestern sind für ganz Ostpreußen Eomitee« zur Hilfeleistung für di« durchwandernde» russischen Inden «onstitnirt worden. JttNtoMffUUft »trtn »ringen» Mtatt« Rn» anvOPrengtsch« H»n»e»«P»t «,ätz-»«,-»»», ־־ OtzbltznhwiN. 91. Juni. (Or.-Eorr.) Am letzten Mfttwoch war Herr llkbbiner Dr. Bamberger «u« K»nlg»berg hier, um di« Gründung eine« HLlfScomltee« für dl« russischen Juden »orzunehmen. An der Berathung nahm auch elne Abordnung de« ZIallupSner Hüls«- comitee«!heil. Gestern fand eine Aeneralverjammlnng statt, in «elcher die Liste der Eomiteemliglleder anaeftrtigt und di« Thättakeit derselben geregelt wurde E«!oaren ca. 30 Herren anwesend. An der Spitze de« Comitee« stehen die Herren B SchidorSky. Joseph Schere» schewStq, Loui« Glaser und l)r. mock. Jacob«. Herr Dr. Jacoby vertritt auch den sanitären Zlaadpunkt bei event vortommende» Krankheiwsällen der Auswanderer. An jedem Zuge werden 4—8 Herren anwesend sein, die den Au«wanderernbeim Geldwechseln, Eisenbahn- und Tchisi«karknkaus, Gepäckabfertigung und Leben«mit«elversorgung behilflich sein werben. Am Bohnbof wird wahrscheinlich ein« Barack« ausgeschlagea werden, damit die Auswanderer ohne Rosten übernachten und hier verpflegt werden können. Herr Polizeiraht v Roell sichert« seinen Schutz zu. Iu Benftien (O.-Schl.) hat sich ans Anregung de« Vorsitzenden de« Lokalcmnitee». Herrn AmtSgerichtsrath« Levy, ein .obc!schlesische« tzüls-comiter für di« russischen Juden" (im Anschluß an da« Berliner llentralcomite«) constituirt, dem alle Gemeinden Lberschlesiea« beigetrckn sind. Da« Comitee besteht au« IS Mitgliedern und hat seinen Hauptsitz an der Grenzstation Kattowitz. Matvz 23 Juni. (Or.-Lor.) Da« hier erscheinend« jüdischorthodoxe Blatt hat in dieser traurigen Zeit de« Judenhuste« und der ruff. Judruverfolguag nicht« Wichtigere« zu thu», al» in einem Leitarlitel den in mancher Beziehung verdienstlichen Hersoffer der im Winter erschienenen Schrift: .De» jüd. Culturbeamte — «in Stteskind der jüd Gemeinden", al« .jüdischen Antisemiten" zu brandmarken, wett die gen. Schrift manche bittere Wahrheiten und in jetziger Zeit unvorsichtige Bemerkungen über russische und polnisch« Eultu«beamte enthält. Wir sürchten, daß der beschimpfende Artikel zu eine« Skandal- Prozeß führen könnte, der unter allen Umständen vermieden werden müßte. Aus da« Urtheil eine« Blatte«, da« erst jüngst die jüd. Reformer für schädlicher al« di« Antisemiten erklärte, ist nicht viel zu geben. BLzxeMdkro. Rach der neuejte» Bekanntmachung zählt da« Großherzogthum 1009 israel. Seelen, wovon die Hälfte m der Stadt wohnen. (ttlni. Der 70. llleburtStag de» Herrn Dr. Jellinek wird Sonnabend, den 27. Juni, im Deinpel der inneren Stadt gefeiert, werden.*) Deputationen zur Beglückwünschung werden den 27. und oen 28. Juni im Sitzung»saale de« Eul>u»vorstand«S (Seitenstrtteagaffe 4) empfangen. — Die Sammlung für die ruff. Juden ha» auf der hies. Börse bi« jetzt schon über 20000 fl. ergeben. Münstlrche», 21. Juni. Der Kaiser erwiderte auf di« Lnspräche der jüdischen Deputation: .Mein Schutz und die vaterländischen Gesetz« sichern Ihne» Ihre staatsbürgerlichen Rechte und ich zwei»« nicht, daß Sir unter diesem doppelten Schutze auch fernerhin t« sri«»- llchen Zusammenleben wetteifern werden in der DreuE^Mtzd i« Patri»il«1uu« ml« jedem Bewohnrr diese« Lande«." ■' Wart* .L'Univer». t«rael " moquirt sich (mit Recht) darüber, daß die .Allgem Ztg d. Zudenthum«" bei der Besprechung der Wahl Dreifuß zum Oberrabdiner von Pari« sagt: Dreifuß sei 1881 nach de« Tode Astruc's nach Brüssel berufen worden. Man lacht hier über dt« oberslächltche Art diese« Berliner Blatte«. Astruc ist nicht nur nicht tobt, er lebt frisch und gesund al« Oberrabdiner in Bayou ne und dürste nächsten« wieder in Brüssel al» Oderrabbiner einziehen, denn man agitiri daselbft sehr für dessen Wiederberusung. Lvndvm. LS. Juni. Der Einführung de« Obberradbincr« Lc. Hermann Adler, weiche heule Nachmittag in der Synagoge ln Duke« Place stattfand, wahn.en unter Anderen auch der Oberrabdiner von Part», der Lord-Mayor. Lord Rothschild und die hervorragendsten Mitglieder der Gemeinde bei. L>»«ffa. Derveoollmächttgte de« Baron Hirsch, der berühmte Forscher über die ostasrtkanisch« Kolonisation, Herr Arnold Shit«, weilt augenblicklich hier, um die Emigration der russischen Jude« nach Südamerika (Argentinien) zu organisiren. Dt« russische Regierung kommt den Eolonisallon»plänen de« Baron Hirsch wohlwollend entgegen. Wat«o**nrp, 21. Juni. In hiesigen Hoftreiscn wird erzähl», daß der Kaiser e« »ehr Übel genommen hat, ersten«, daß der Kronprinz von Dänemark in sehr demonstrativer Weise dem Oberradbiner der in Dänemark lebenden Juden einen langen Besuch abgestattet bat: zweiten», daß er der Kaiserin, seiner Schwester, verschied«»« Schriften zugestellt hat, welche dt« Judensrage in sehr tvohlwollender Weis« bew«chen. Man weiß Hierselbst, daß weder der Kronprinz noch di« Kronprinzessin von Dänemark da» russisch« Reaierung«syst«m bewundern. Al« charatterisch verdient crwähm zu werde», daß kein« russische Zeitung e« gewagt hat, di« Mittheiluirg von dem Besuch de« Kronprinzen.be! dem Raobiner zu bringen. Ein Bevollmächtigter der Moskauer jüd. Gemeind« hat am rechten Ufer de« Jordan viel Land angekauft: rin Gleiche« beabsichtigt die Gemeind« der ruff. Stadt Pullawa. In Jerusalem, Jaffa und Tased haben sich jüd. Comitee'« gebildet, welche de« Ankauf von Land vermittelnd übernehmen. *) Iu Anlehnung an dt« ersten Berft der Sidrah rufen Jubtlar wir de« (אהרן לא׳י׳סן) zu: »Du hast der Lichter viel« angezündc^ m«tze» de» Lichtträger noch lauge bestrahlen!" (Red.)