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Israelitische Wochenschrift · 1891-06-18 · 25 (18.6.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
25 (18.6.1891)
Date
1891-06-18
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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l'' - £ sab die 9aj«ntfttckcht btfttgt Hielte,, Lberdmpt ml bn ®totem der Semnndemit^ieder außer- »rdrnrliche Ausgaben zu bewilligen. Dieser Grundsatz ist ja cm und für sich ganz richtig, ober die Anaelegenheit gehört eben nicht vor die ReprSseatanten-Bersammlung, sondern vor dir WohlthätigkeitS- resp. Armen-Tommission. Doch diese hat eS ja noch in der Hand, ihrerseits einen höheren Beitroq zu jenem humanen Zweck zu bewilligen. AuS der Schlußrechnung für das Jahr 1890 hole ich ein: Zahl hervor: Di« Gemeinde hat 12,878 Eensittn, die zusammen pro Jahr 760,000 Mk. Steuern, — also f s Kopf ca. 60 Mk. zahlen. Aul der vorige« Sitzung der Repräsentanten habe ich ncch folgende veschlüffe aachzutragen: Der Vorstand unterbreitet eiuen Antrag, daß die Plätze in der Lindenstraßen - Synagoge nicht verlauft, sondern nur vermiethet werden sollen! Dieser Antrag wurde ohne jede Debatte angenommen. Für die anderen Synagoae» aalt bis jetzt der UsuS, daß die aemietheten Plötze alljährlich erneuert werden lönnen; dies«! Recht soll jedoch den Miethern der Plötze in der Lindenstraßen-Synagoge nicht eingeröumt werden. Dieser Beschluß hat one lange Borgeschichte und ist nicht sa ungerecht, wie «S den Anschein hat. Bei dem Mangel an Plötzen in ständigen Synagogen an den Herbst, friertagen, haben diejenigen Inhaber einer -arte, die diese »or 10 oder 20 Jahren zu einem minimalen Preise er- Worden ein Privilegium, das ihnen nicht gebührt. Nicht» «itjüiÄer verfügen mitunter über Plötze, die im Jahre 1868 . »ui 10—18 Mk. gekostet, während Mitglieder, die «ine hohe Aultulstruer entrichten, für den zehnfache« Preis keinen Matz erhalten können. — Würde heute ein solches Privilegitim für die schon besteheadeq drei Synagogen nicht b«. -stehen, so köunte man ans dem Mehrertrag der Plötze be» ffnem ein« neu« Synagoge bauen. — Der Borstand hat auch beschlossen, daß sämmtliche Gyuagogendiener in derLindenstraßen-Gynagoge auS ansässigen Deutschen gewählt werden sollen. In der Germanisirung der Beamten beginnt der Vorstand von »nten hdrauf! Derrl», 18. Juni. (Or.-Tor.) Die hier domizilirende rm Jahre 1813 gegründete .Gesellschaft zur Verbreitung del Handwerks und des Ackerbaues unter den Juden im Meußischen Staate', hielt. ihre Generalversammlung am 7. Juni cr. in der Aula der jüdischen Gemeinde-Knabenschule ,tan den Jahresbericht vom 1. Januar 1890 bis 31. Dezbr.?1360 vom Borstand entgegen zu nehmen und die statu- «arischen Neuwahlen zu vollziehen. Den «Mitthnlungeu des Vorsitzenden , . öeun Lesser ־. eutnrhmen wir, daß auS dem Jahre 1889 71 Lehrlinge übernommen, im Jahre 1890 44 Lehrlinge neu ausgenommen wurden; davon sind 10 als Gesellen und 12 anderweitig «iSgeschieden, so daß i. I. 1890 sich 94 Lehrlinge unter der Obhut von 8 Inspektoren befinden. Außer diesen liegen noch 14. Gesuche um Aufnahme zur ordnungsgemäßen Erledigung vor. — Obige 94 Lehrlinge vertheilen sich auf die folgenden Gewerbe: Borbier 1, Buchbinder 9, Buchdrucker 3, ׳Eiselenr 2, Tonditor 1, Drechsler 3, Elektrotechniker 1, Maser 3, Gelbgießer 3, Goldarbeiter 3, Goldschmied 2, Graveur 1, Gürtler 3, Holzbildhauer 8, Instrumentenmacher 1, Klempner 2, Kürschner 2, Lederarbeiter 1, Maler 8, Maurer 1, . Mechaniker 8. Souttler I, Schlofier 1, Schneider 14, Schuh- «scher 2, Schriftsetzer 1, Steindruck« 1, Steinmetz 2, : Taxierer 6, Tischler 2, Uhrmach« 2, B«gold« 2, Zahn- Technik« 2.*) AuS dem Kassenbericht eraiebt sich, daß an Mitglieds, :beiträgen Mt. 4138,80, an Geschenken für allgemein« Zwecke 1 vielleicht gelingt e» den «»sichtige« vorstchers de« Bereis«, Oe««Ichü eisige Zseltsg« auch der. Londwirthsthast dnmtt auch do» andere Kck,BerdreUssg de» Ackkrbau» sster de» Jude»' reolistet-toerdr. » (Red.) r*t und au Zinse» Mk 3918,38 Mk. 328. für Lehrlinge direkt Mk 8703,14, für ReltzimS- und Fachunterricht 98. 888, für neu augekaufte Effekte» Ml. 8839.08 auSgegeben worden sind. Die Einnahme« und Ausgabe, balancrcrn auf jeder Sorte mit Mt. 28044^1. Dal baarr GesellschastSvermögen besteht auS Mk. 114628,00, welche in zinSbrinaendea Papieren angelegt sind. Die Ge» sammtmitgliederzahl beträgt 433 — eine, d« großen jüdischen Bevölkerung Berlins nicht im Berhältniß stehende Zahl, di« noch sehr vermehrungsfähig ist. 11. Juni. Bom Landgerichte Görlitz waren, wie wir z. Z. bericht«, am 26. März cr. der Major a. D. v. Mitzlafs und der Rentier Lorenz' von dort »ege« Beleidigung der jüdischen Geschäftsleute zu Görlitz zu je 180 Mk. Geldstrafe verurcheilt worden. Da! Gericht hatte den Beleidigten die Bejugniß zueikannt, dal Urtheil in de« Blättern bekannt zu machen. Beide Angeklagte sind Vorstands, milglieder des antisemitischen .deutschsocialen Verein!' in Görlitz und haben all solche den Beschluß des Vereins-^ Vorstandes, mehrere antisemitische Flugblätter in größeren: Mengen zu verbreiten, auSgrsührt. Die Verbreitung fiel etwa/ in die Zeit vor Weihnachten vorigen Jahres. Die Flug-' blätter sind in Leipzig gedruckt und von dem bekannte« Antisemitenführer Theodor Fritsch, der sich Thomas Frey nennt, herausgegeben. (ES handelt sich hier speziell um die Flugblätter: .Warum wir Antisemiten sind', .Wer schreibt unsere Zeitungen?* .Weihnachtsflugblatt Nr. 1“, - Aadutar j «t alten, para*.) Die Verbreitung fand sowohl^ in Görlitz als in der näheren und ftrneren Umgebung diese! Orte! .' statt und wurde hauptsächlich durch den Angolaate» Lorenz bewirft, der den Flugblättern tut Begleitungsschreibe« beilegte, welches folgende Worte enthielt: .Indem wir us» a« di« dewührtk demsche usd christlich« Grsinsnsg Lw.Tohlgtborrs »>r»drs, bin«« wir Sie, da» beiliegende FisgblaU im Kreise Ihrer Urtasntrn zs vrrbrrite« usd dieselves für sssrr« / Ideen »u isteresfires." ,׳ / Da! Gericht hat nun sestgestellt, daß die Flugblätter eine Reihe schwerer Beleidigungen gegen di« jüdischen Einwohner und insbesondere gegen dies/ jüdischen Geschäftsleute enthalte«. .Mr geben hier zur veleuchtusa dieser Feststellung ssr eisige Stichproben: .Allerhand Vorrecht« erschlichen", .Wuchersde» Ungeziefer", .Betrüger, Lpitzbsbes. Halunken, freche Loncurrenz" K. Di« urihell»» gründe sagen, dab «» des Angeklagten sicht bla» darum |n tüss war, ihre Ansicht über die Indes i» Allgemeines kund in gebe», sonders daß die jüdisches Geschäftsleute von Görlitzns944.■ Um gegen» mit jenen Beleidigungen iresfes wollten. .Damil", heißt e» weiter, .ist eis genügend esa begrenzter Persosrnkrri» gegeben, um jedes einzelnes der Strafantvagsteller alt getroffen usd bei de» M Angeklagten da« Bewußtsein aszssehmes, daß durch diese Flugblätter U die Ehre »er betreffendes Personen schwer verletzt «erde. Ass Gras» /?־־: de» Anträge« jener jüdisches GeschSfttleute, die dem GenchGhes» al» solche bekam» find, mußte dethalb die Bestrafung der Angeklagten erfolgen." .! Gegen dieses Urtheil hatte« die Angeklagten Revision eingelegt. Die Verhandlung hierüber fand in der letzte« Sitzung des vierten Strafsenate! de! ReichSgvrichte! statt, welcher da! Urtheil wegen einiger RetfstSirrthümer aufhob und di« Sache an bas Görlitzer Landgericht zurückmerwieS. (Wir werden die Gründe diese! Beschlusses, die in de« Anträge de! ReichSanwaltrS Trepliu geltend gemacht wurden in nächster Nummer mittheilea. gl».) ZA» Hppek«, 14. Juni schreibt man uns: Ein hies^er Christ, Herr W.a, der keineswegs zu den Rochst« gehört, hat zum Besten unserer au! dem barbarische» Rußlaod auSaewiesene» SlaubeuSgenoffe» 80 Mk. aespordet und schickt außerdem ftia Gefährt, um die hier übernachtenden und zu verpflegenden Armen von der Bah« abutholen. U ist dringend zu empfehlen, daß» da unter de« LuSaewiesene» bisweilen sich einige Lhristen befinden, auch diese an de» Bahnhöfen mü Speise und Trank bewirthet werde». Hier geschieht es. Wir «all» «S au! Humanität thtut, die »ich! ׳ an Wtedervergeltung denkt.

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