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Israelitische Wochenschrift · 1891-06-18 · 25 (18.6.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
25 (18.6.1891)
Date
1891-06-18
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nntzt ut verwerfen ist und von der Kulturgeschichte, al» unparteiische Richterin über da» Thun und Lasten der Menschen unnachstchtlich an die Seite der groben Der« irrungen und GeisteSepidrmien aller Zeiten gefetzt werben muß. Schreitet die. Regierung gegen diese Bewegung nicht ein. so wird sie sich selbst unberechenbare Nachtheile bereiten; denn dem Fanati»mu« läßt sich nicht mehr Halt gebieten, wenn «S einmal zu spät ist. Hoffen wir wdessen, auch diese .Mode" werde sich wieder ausleoen. Es werden ander« Erscheinungen sie verdrängen, die uns "* und die ganze Menschheit auf andere Bahnen führen Man wird zur Erkenntniß kommen müssen, daß e» dringendere und wichtigere Angelegenheiten giebt, die uu» iw Interesse unserer selbst und unserer Familien weit «ehr in Anspruch zu nehmen das Recht haben, als die Hetze gegen die sogenannten Ämiten. Der hekräische UwLerricht. Die Ansicht KronrrS in Nr. IS über die Nothwrndigkeitde» ^hebräischen Unterrichts wird getheilt, auch wir unterscheiden Zwischen der hebräischen und den allklassischen Sprachen, ereu Unterricht beschränkt werden soll. Aber die Frage fft nicht, ob der hebräische Sprachunterricht beschränkt werden soll, saktisch ist er beschränkt, ja vernachlässigt. Die Frage ist vielmehr: können wir ihm aufhrlfrn, und wenn nicht, was ist zu thun? Das in Palästina die hebr. Sprache wieder al» Umgangssprache angestrebt wird, ist für uns in Deutschland nicht maßgebend; unsere Frage ist, wie machen wir unser« Gottesdienst zu einem verständlichen, da die Forderung, daß er verstanden werde, eine unerläßliche ist? Bei unS verstehen die Wenigsten die hebr. Schriftvorlesunaen, welche sie hören, nicht einmal das Kadisch-Gebet für Ber» storbene, die Tora-Benediktion, da» Sch'ma, unser mono» theistischrS, specifisch»jüdisches Bekenntnis Auch in nicht reformistischen Gemeinden liegt auf dem Lesepult das ge» fchriebene Formular der Tora-Benediktion, welche abgelejen wird, für Viele muß da» Kadisch»Gebet der Trauernden oder Jahrgedächtniß - Feiernden in deutschen Lettern um» geschrieben werden, weil sie hebräisch nicht lesen, geschweige verstehen können; die hebräische« Ehorgesänge sind meistens mit deutschen Lettern geschrieben?) die Worte werden gesungen, aber ihr Inhalt wird nicht verstanden. So sehr ist die Lenntnitz des Hebräisch« abhanden gekommen, e» wird immer schwerer, dieselbe in unserem Publikum zu erweitern und zu verbreiten: aber gerade, weil da» Hebräische in unser« Gottesdienste nicht nur Sprache der Priester, sondern der Gemeinde fft. unverstandene Gebete und Gesänge jedoch an» dachtS» und wirkungslos bleiben, zu einem mechanischen und bedeutungslosen. vor Gott und Menschen verwerflnhen Mipendienst sich gestalten, wird die Berücksichtigung dieses Wangels an Bersiäadniß der hebräischen Lultuffprache zum dringenden Bedürfuiß. Der Borzug der hebr. LultuSsprachr Reibt anerkannt, aber ebenso auch die Nothwendigkeit tyte» Verständnisse», und doch erscheint «» unmöglich, diese» in ausreichender Weise zu erzielen. Schon die Vorzeit hatte darin mit Schwierigkeiten zu kämpfen. So hat Esra schon die Tora umgeschriebeo, damit sie gelesen werden konnte, verdolmetscht und erläutert, damit sie verstanden werde; au» der babylonischen Exilzeit haben sich chaldäische Gebete in unsrer Liturgie erhalten, und deutsche werden beanstandet! So viel fft sicher, wenn der Unterricht in den alt<laffischen Sprachen beschränkt werden muß, so ist e» unmöglich, das erwünschte Ziel zu erreichen. Specielle Boffchläge zur Ad- Suderang lasten sich von Einzelnen nicht machen, aber im Princip erscheint es nothwendig, dir vielfach erweiterte hebr. Hturgie zu beschränk«, denn rechtfertigen läßt sich kein Gottesdienst in »«,erstandener Sprache, welcher viel« Stund«, ja ein« ganzen Tag «n Anspruch nimmt. Ein solcher ist ist auch zwecklos, denn er wirkt »«der auf Geist noch Ge» müth und bleibt ohne Einfluß aus Belehrung und Erbauung. Bei einem solch« Gottesdienst hört auch alle religiöse Fortbildung auf, der religiöse Unterricht schließt mit der Schuk ab. Selbst hier bleibt er unvollständig in Erreichung seiner Ziele für Synagoge und-Leben, »eil da» Hau» da» Interesse an der Religion verlor« hat. Di« Jugend faßt beim Unkrricht Religionslehre und -Geschichte nicht mit gleichem Interesse auf. wie alles andere, weil sie die Gleichgültigkeit der Eltern dafür erkennt. Der Vorschlag, ohne Grammatik zu lehren und zu lernen, eignet sich für die verständliche Muttersprache, aber nicht für eine unverstanden«, fremd«, und für diese noch, wenn sie eine lebend«, aber nicht, wen» sie eine tobte. Französisch und englisch hören wir in Hau» und Leb« und ertennm oder rrrathe» die Bedeutung de» Gespräch«« aus Umgang und Verkehr; aber in unser« Häusern ist fast jede» hebräische Wort unbekannt, ja, eS zu sprechen wird oft ängstlich vermieden Da bleibt, wie für da« Lateinische, auch für das Hebräische nur der grammatikaltsche Weg übrig; freilich ohne weitläufige Formenlehre und Syntax, freilich ohne umfangreiches Lexicon. aber doch nicht ohne gedrucktes oder geschrirb«eS Vokabularium. Ja den Zielen und Wünschen sind wir ja alle einig, über die Mittel und Wege werden wir uns wohl verständigen. L.-X. Mi■», ■dl Sdat mm llnls Gerichte ««d DsmüsWkrmA»?ieffi«, 14. Juni. (Or.-Corr.) Auf der Tagesordnung der heutigen Repräseutautensitzung stand di« Bcrathung Über die Slütuseinrichtung in der neurrbauten Synagoge in der Lindrnstraße. Dieser wichtige Gegenstand wurde jedoch von der Tagesordnung abgesrtzt, da er noch nicht genügend vorberath« war. Für die zu beschaffendeu Vorhänge, Thoromäatelch« und sonstigen Paramente sür die im Bau begriffene Synagoge, die noch vor den diesjährigen hohen Feiertagen eingewecht werden soll, wurden 3130 Mt. bewilligt, «ine etwa» geringe Summe für ein BethauS. das bis heute ca. 800,000 Wt. au Bau- und andern Kosten verursacht hat. Für die Malerei« der Wände in der alten Synagoge, die vor einigen Jahren erst restauriert wurde, sind 10,000 ML bewilligt. , Daß sür die Synagoge iu der Kaiser» resp. Heiderenter» sttaße mehrere neu« Vorsteher (nicht au» der Mitte her Rrpräseutauten), gewählt ward«, wäre der Mittheitung kam« werth, wenn nicht der Name eine» der Gewählt« mir Veranlaffung zu einer kurzen Bemerkung gäbe. Herr Fabrikant Jakob Weinberg, der vor einigen Jahre« die große Bewegung gegen den Vorstand und die Reprä» seutanten ins Leben gerufen, woran» bekanntlich der Central» Verein sür die Interessen der Mitglieder der jüd. Gemeinde mfftanden ist, ist jetzt zumBoffteherder Synagoge in der Kaiserstrahe gewählt worden. Man hatte «S seiner Zeit dem Berichterstatter dies. Bl. m d« betr. Kreisen hier gar sehr verübelt, daß er dieses Ziel der damaligen Bewemmg voraussagtr, eS ist aber doch so gekommen. Dem Verdienste seine Krone! Der Vorstand muß der n«m Strömung Rechnung tragen. Möchte er e» nur stets anerkennen, daß Kritik und Tadel die Sache im Auge haben und nicht die Personen. Die Bewilligung von ganz« 75 Mark für das Kranken- Haus zu Ems, wo 20 Betten für arme israelitische Kurbedürftige aufgestellt sind, hatte eine längere Debatte i» folge. Dir Herr« Jsaac und Sach» Selten afft Machst Summe denn doch Kr js gering und der großen Mt aqtftyg•*,

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