Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 25 (18.6.1891)
- Date
- 1891-06-18
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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:diönetei wftlftsBäckel, bcnS«<ftt »»de» ■uh tntti qnanti. ^Dft Epitaph««, durch Gericht »nd crspruch unzweifelhaft erhärtet, lauteten: Betrug, -stahl, Unterschlagung, Unzucht, fahrlässiger l scheid, Sucher. Beutelschneiderei, Wechselreiterei dergl. «ehr. Heute giedt eein neue« Begräbnißl promvcki» —! Bo» de« Schwurgericht in Wiener - Neustadt wurde ‘hnmig erklärt, daß die von einem früheren Parteigenossen n den ehemaligen Reichsrath«- und gegenwärtigen Land- - Abgeordneten Proftstor Dr. Fiegl k. k. Mittelschuvehrrr 6. Bruch de« Lhrmwortr«, auf Felonie und FeigSeit er» tz *nt Ankag« aus Wahrheit beruhe. Man denke nur! c-״ Generalpachter der deutschen Treue brach sein Ehren- - >, ein urgermcknischer Judeufteffer ist feige und ein her Weltverbesserer begeht Felonie. Liu angeborene« lichkeitSgefühl verhindert un«, unsere Leser mit den km bekannt zu machen, in welch« dieser Proceß unter Hesinnt« Genossen blicken läßt. Sie sind alle Einer r änderen würdig, dieser Schönerer und dieser Türk, ,. ־ Bergani und dieser Schneider, dieser Pattai u dieser Fiegl. Kein bischen Wahrheit, kein Tropfe» <rzeugunwStreue» Lug hüben und Trug drüben. Und * Leute bilden unter dem Patronate deS Fürst« Liecht«-! and Lueger die Partei der ^vereinigten Christen!' ^! wir nageln dies« Richterspruch mit ungeheucheltrr : dmfrmde fest. Aber die Sach« hat auch ihre misten; Wir Hab« dm Herrn Dr. Fiegl mit den ihm zu»!>. nrud« Ehren begrab«. D« proftmdi•!.... aber d«se kt :re lebt fort als k k. Mittrlschullehrer, als Lollege vieler ei: nwerther und unbescholtener Berufsg«ost«, als Lehrer de- Jugend. als Lehrer auch israelitischer Schüler. einem Officiercorp« dürfte ein also Gebrandmarkter nicht' ei. Stunde länger verbleib«, als Lehrer darf er ungehindm w •:x mit seinem Hasse und mit seiner unlauter« Gest: 2ng die Juden vergift«? Ein« Schneider, d« em ü-, -erer Abgeordneter in das Zuchthaus verwies, kann der :! hsrath nicht abschütteln, er umritt seine gleichwerthig« Lr ^ler, aber ein« feig«, treulosen und ehreuwortbrüchigen i'J nschen al« Jugmdbildner in seinem geuerationenverer r.den Amte werter zu belast«, da« ist eine Gefahr für ö Mmschheit, da« ist eine Gefahr für d« Staat. V: -e&nt ooosoIm! Schließlich woll« wir als getreuer Todtengräber auch ni i Unterlasten, unserem alten getreu« Freunde, dem £־׳־ rt Profeffor Trcitschke, dem Urvater des AntstemitismuS o: hohen Befehl, herzlich zu condolirm. ES muß ein Ul iige« Gefühl sei., urdeutsche« Herz durchziehen, wenn er ir . wie herrlich weit e« sein« nicht hosenverkauftude, aber Ä nuug und Ueberzmgung wie Hosen wechselnde Jüngerj:! ft gebracht hat. Vivat aeqaeas! C. ««» th«t »e« ve«tsche» Reiche »och? Bon Dr. Otto Henne am -khy». 0' si: T» UN R de, 1; 3‘" fSchlnb.) Und nun komm« wtr zu der dritten schweren Anklage 1! die Juden, welche sich an d« Gedanken knüpft, daß nicht mehr gedrückt sind, man wirst ihn« nämlich vor 1 beschuldigt sie, die Herrschaft in Deutschland anzu- *n. Zu all dem oberflächlichen Gerede in den antstemitischm ammlung« kommt noch die Angst vor einem neu« Zischen Reiche deutscher Nation'. Wir müssen leider n, daß zu dieser Besorgniß die Judm oder vielmehr ein >! derselben durch allzu hastige« und zahlreiches Hervor- Hinzudrängm zu Abgeordneten-, Stadtverordneten- und!erstellen vielen Anlaß gebottn haben. Aber ist da« ein nd dazu, daß ,urkräftige German«', 49 Million« an johl. fürcht« müflen, von einer halb« Million Semit« 1 jocht zu werd«?' Es ist immer und überall dafür : gt, daß die Bäume nicht iu die Himmel wachs«, «nd drängen, so kann die« »icht fortdaur«, Zahl nicht un«, und da« »Erde ja da« jüdische nicht erlaub«. Wahrlich, der jüdische Zudrang zu amtung« wird bald aufhären, w«a der« Zugänglichkeit einmal nicht mehr neu ist und chr« Reiz verloren hat! Zuguterleht aber: wann hat man je gehört, daß deutsche Beamte mel zu herrschen und nicht vielmehr sauer zu arbeiten uud schwere Pflicht« zu erfüll« haben? Und nach solchen Stellungen sollt« die Jud«, denen man Arbeitscheu und also auch Pflichtschm vorwirft, lüste« sein? Man wirst ihn« zugleich vor. nicht zu arbeiten und sich doch nach Arbeit zu fthnen? Da« begreift wer kann! Da« ,jüdische Reich deutscher Nation' ist daher auf Sand gebaut. Dft antisemitische Agitation verlangt Ausschließung der Juden von Richter- und Lehrerstellen in gewissem Maaße. Wir mächttn das Gesetz sehen, das eine solche Maßregel in Borte zu kleiden hätte: .Juden sind .... ausgeschlossen.' Wer sind aber Juden? Da« müßte doch näher präzisirt werden. Angenommen, eS hieße: Anhänger der mosaischen Religion; die nach Stellen der angegebenen Art« lüstern« Judm ließen sich aber tauftu? Getaufte Juden sind ja nach Versicherung der ״Antisemiten' (und die müffm e« doch wist«!) nicht bester als die ungetausten! WaS wollt« da die Judmftiude machen? Oder die stellenlustigen Jud« erklären sich einfach al« konftssionSlo«, versichern, Mitglieder keiner Synagogengemeiude zu sein? Wa» dann? un. da würden sich v,elleicht die Antisemiten damit Helfta, daß sie in den erfthntm Gefttz« zu sag« Vorschlägen: ,Leute von israelitischem Stamme?' Glaubt man aber wirklich, e« ließ« sich ehrbare Gesetzgeber in Deutschland finden, dft einer solchen, den Stempel der Gehässigkeit an der Stirne ttagenden Bestimmung zur Geftung verhelft» würden? Und wenn auch — wie wollte man getauft« oder konfesfioasloftn Juden beweisen, daß sie dem Bolft Israel angehvrm? Nach der Physiognomft? E« giedt Nichtjud« mit entschieden jüdischem Typus und Juden ohne solchen; eine Rücksichtnahm« darauf würde zu ebensoviel häßlichen wie lächerlichen Scrvn, führ«! Oder nach dem Namen? Wo entscheidet denn der noch? Welche Löwenberg, Brenner, Meyer sind Juden und welche sind e« nicht? Gftbt e« nicht gute Christ« und Germanen, welche dft alttestamentlichen Namen David und Zacharias führen? Nicht echft Jud« mit dem Familiennamen Hermann? Kurz, 'man möchte sich stüchtm hinter welch« Wortlaut man wolle, so stieße man auf ein« Anachronismus und zugleich auf eine unüberwindliche Schwierigkeit! Und schließlich, — »er steht denn d« 8u» . tiftmiten dafür, wie lang« ihr Au»schließungSgesetz in Kraft bleiben würde? Könnte nicht eine Gegenströmung e« schon nach kürzester Zeit wieder wegblasen? Tendeazgefttze sind immer eine gefährliche Waffe um» lockern dft Achtung, welche daS Gefttz unter dem Volke genießen soll. Diejenigen dm Jud« gemachten Borwürft endlich, welche in da« sittliche Sebftt gehören, wird man un» er- : last« ausführlich zu behandeln. E« gftbt, wa» keinen billig.-ß. denkend« und gerecht urtheiftnd« Menschen näher an»- eiuandergefttzt zu werden braucht unter jeder Nation uud unter den Auhätmern jeder Religion gute und schleuste Mensch« und zahllose Zwischenstufen verschimener Mischung« ׳ von Charakteren. Daß dft Judm irgmd einem Laster-in? auch nur rSativem Maaße «ehr ergeben wären al» Nich»-^ judm, dafür gftbt e» schlechterdings kein« Nachweise. Eine׳ Ausnahme könnft vielleicht bezüglich de« Wucher« zugeständ« werden, aber warum? Weil dft Christen, welche früher den-;״ selb« ihren BlanbmSgenoff« untersagt«, dre Juden'selbstH» zum Wucher herangezog« haben, während jetzt zahlreiche jW christliche Wucherer de« jüdisch« alle erdenkliche Konkurrenz machen, gerade wie im Wahrlich dft heuttge logische und eine unsittliche Vernunft׳ wft von der Moral maartät ist zugleich eiue un-