Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 24 (11.6.1891)
- Date
- 1891-06-11
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/6492344-5935076-5959664--0665-5374433- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
löiis .en und glaube ferner nicht, daß er sie davon ausschliehen wollte, vielmehr durfte es sich darum gehandelt haben, diesen vorlauten Herren, die sich erkühnen, manchesmal submiffest eine eigene Meinung zu äußern» welche sich mit der des gestrengen Herrn Vorstehers nicht deckt, einen Klaps zu versetzc.1. Und das war weder fein noch witzig. Doch wir wollen nach der talmudischen Maxime handeln, indem wir ta» Tute anerkennen, wer eS auch immer gethan haben mag und finden darum diese Anregung als eine dankenswerthe That dcS rührigen Centralvereins, deren Richtigkeit schon daran erkannt werden maa, daß die Repräsentanz der Landesjudenschast auch ihrerseits ein solches Projekt ausgearbeitet hat. Der große Fehler liegt aber in der Aufnahme des Principes der Versicherungsgesellschaften, nährend nur eine allgemeine obligatorische Versicherung zum Ziele führen kann. Und das wäre nicht so schwer zu machen. Hauptsächlich mußten die Gemeinden durch eine Umlage den Pensionsfonds bilden helfen, wodurch sie die Versicherung erhielten, daß sie von der Zahlung der Pensionen, welche das Gemeindebudget ungebührlich belasten, befreit würden. Des Weiteren müßten die Cultusbeamten selbst ihren Theil beitragen und endlich müßte eine entsprechende Agitation eingeleitet werden, damit Gemeinden und private Wohlthäter den Fonds durch Schenkungen stärken. Sollte er aber nicht hinreuhen, um den Anforderungen zu genügen, dann müßten die Gemeinde» nach einem vereinbarten Ouotenschlüssel Zuschüsse leisten. Vor allem aber müßte die Wittwen- und Liisenversorgung, welche der Centralverein nicht in das Statut aufnimmt, einbezogen wert-.,:. — und die Auszahlung fca Pensionen dürfte nicht von der Höhe des Pensionsfoyds, also von etwas Unberechenbarem abhängig gemacht, sondern müßte garantirt werden. Da wir einmal beim Lobe des Centralvereins sind, so ist rL unsere Pflicht das Verdiensr hervorzubeben, welches dieser Verein durch die Anregung zur Ausbildung jüdischer ArankenwSrterinnen sich erworben hat. Es ist in der That beschämend, daß unsere Religion, welche vor zwei Jahrtausenden die Krankenpflege als Pflicht des frommen Jsraeliten, als ein Mittel zur Erwerbung der Seligkeit bezeichnet hat, heute darin zurückstehen soll, daß der Verdienst einer solchen Thätigkeit, von welchem arme Wittwen sich ernähren könnten, kacholischen Nonnenklöstern zufallen soll. Wollte Gott, daß für solche Kurse sich die genügende Anzahl von Frauen fände und sie werden sich finden, wenn man sie während der Lehrzeit von Sorgen um ihren Unterhaft befreit. Für diese glückliche Anregung gebührt dem Vereine unser aufrichtiges n2 ״שר, woraus er sehen mag, daß es nicht böser Wille ist, wenn wir seinen Bestrebungen um Einführung einer sechswöchentlichen Kündigungsfrist für die Rabbiner, um Promotion von Schüchtern und Schamoßim zu Rabbinern und um Ausrichtung eines SummepiskiPat» des Prager Oberrabbiners über alle Rabbiner deS Landes tadeln. ▲d Tocem: Prager Oberrabbiner, — da fällt mir ein lustiges Geschichtchen ein. Bei seinem Amtsantritte wollte Herr Dr. Ehren seid nach dem Princip der Orthodoxen dir Seelsorge beim Magen beginnen. Di« Fleischbank, in welcher orthodoxe Schächter und Aufseher sungirten, konnte nicht genügen, da sie am Sabbath offen ist und darin auch was übrigens schon zu Rapaports Zeit der Fall war — mcht-koscheres Fleisch verkauft wird. Man suchte nun , einen Fleischer, der sich verpflichtete, nur koscheres Vorderfleisch zu verkaufen und seinen Laden am Sabbach geschloffen zu halten. Die meisten Fleischer stellten horrende Anforderunarn; endlich fand sich em beschäftigungsloser armer Teufel, der sich mit einer Subvention von 3VV fl. begnügte, CNB. bei Befreiung von Gebühren für Schlachtung und ע($). Man nullhte eifrig Propaganda, aber es giebt schlechte Leute, die nicht nur koscher, sondern auch aut eff« wclllen. Das Geschäft ging M^t und siehe da: tiac# Ina kmMt eis christlicher Metzger zum Herrn Oberrabbiner und bittet Sr. Hochwilrden^hm Summe zu verhelfen, welche der PP. Koscher-Fleischhäuer ihm " schulde. ,Wofür schuldet er Ihnen da» Geld?' ,Für ge•1 lieferte« Fleisch." ,Wer schlachtet bei Ihnen?" ,Ich schlachte gar nicht." — Mieße Geschichte! Der Mann erhielt sein G«d und sollte sHveigen. Neugierige Leute erfahren aber Manches und so bin ich in die Lage gekommen, Ihnen diese Thatsache' mitzutheilen. Selbstverständlich ist diesem Tenoffen Amaleks das Recht des Koscher-Fleisch-Berkauf» entzogen worden, aber in seinem innersten Magen verwundet bleibt zurück Ihr ergebenster CosmaS Pragensis. Geeichte ««fl Correspmsfle«^«. Demtschilau». Magdeßnrg, 9. Juni. Angesichts des unsäglich traurige« Geschicks, welches über unsere russischen Glaubensbrüder hcreingebrochen ist, regt und bewährt sich allenthalben auf dem Erdenrund der wohlihätigc Sinn Israels; in alle« Gemeinden werden Sammlungen veranstaltet und überall ist das Resultat ein glänzendes. Es muß Geld, viel Geld herbeigeschafft werden; aber eS bedarf auch eines weisen bedächtigen Zusammenwirkens aller leitenden Kräfte, um eine gemeinsame Act ion in'SWerk zu setzen. Wie wir kurz vor Schluß unseres Blattes hören, ist auch diese berestS im Werk. In Berlin soll eine Conferenz stattfinden, zu der jüdische Notabilitäten aus den größten Gemeinden Europa'» und Amerikas eingeladen sind, die über die Frage: Wohin ist der Sttom der landeSverwieseuen russischen Auswanderer zu lenken, berathen wird. Gott segne die Berathungen und befrei« Israel au« allen Nöthen! 6. Merk», 2. Juni. Dahier in'» Leben getretene Central- Comite« für die russischen Juden hat sich mit eine« Circular an die Gemeindevorständ« iu Deutschland gewandt und dieselbe« zur Bildung von Lokalevent. Provinzial-Eomitee's aufgefordert, die sich rückhaltlos der Centtalleitung unterordnen sollen. Diese Anordnung ist sicherlich im Interesse der Vermeidung jeder Zersplitterung geboten, nur vermißt mau in dem Circular noch jede Andeutung darüber, in wecchem Berhältuiß dieses deutsche Central-Eomitre zur Alliance israelitt steht, die ja ebenfalls ihre Tomitre's in Deutschland zu schleunigen Geldsammlungeu aufgefordert, und diesen eine« sehr ranonellen Organisationsplan über die zu leitende Aus-׳ Wanderung der russischen Juden eingrsandt hat, der sich mit den Plänen des Baron Hirsch deckt. Ein enges Zusammengehen de» Berliner Central-Comitee's mit der Alliance in dieser internationalen Auswanderung»- und Ansiedelung»- angelrgenheit ist nicht nur wünschenswerch, ,sondern npthwendrg. Es uimmt darum Wunder, daß in das neugebildete; Leattal-Comite« für die russisches Juden nicht der «währte - umsichtige Präsident des hiesige« Comitee's der Alliouc« isr. universale, Herr Eanitätsrath Dr. Reumann, gewählt wutt>e. —Nur keine Zersplitterungin der Leitung, ׳ fester Anschluß des Berliner Lomitee's an das Central- Comitee der Alliance iSr. universell« und aemeiasame Actio« mit diesem und mit der .Auglo-Jrwsch-Affociation" in London. (Wie telegraphisch gemeldet wird, hat dies« letztere Sountag beschloss«, Herr« Hermann Adler, den Bruder des Oberrabbiners, nach Bermn zu entsenden behufs! Berathyngeu über Maßregeln, durch welch« der Sttom der. jüdisch!» Auswanderer von Rußland nach Amerika und; anderen Ländern geleitet werde. 9tcb.> " Werk», lieber die vorbereitenden Baron Hirsch bisher' prr Unsiedl u«d Argentinien »e.