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Israelitische Wochenschrift · 1891-06-11 · 24 (11.6.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
24 (11.6.1891)
Date
1891-06-11
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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a»$ ol)nt tauft, mit ihre Segnet Zorwand nehmen, ln den erblicken, die mit der übrigen Mer Will. Allerdings müssen auch die Beibehaltung offnen und ih der il» entwaffnen und fhnen den eine Körperschaft zu!heit mchtS gemein haben hristen das Ihrige thun. «scheS Blut in sich, — sind sie tsche, al» die reiner gebliebenen Durch Gleichberechtjgung der Juden mit den übriae» Staats- «gehörigen werden sich sene diesen mit der Zeit in Deutschland eben so sehr assimilieren, wie dies in England und Frankreich längst geschehen ist.") Indem wir uns nun gegen die blinden Feinde der Juden wenden, müssen wir vor allem fragen: wann hat die Hetzerei gegen die Juden in Deutschland oder genauer gesagt, in wenigen Theilen diese- Landes, ihren Anfang genommen? ES ist bekannt, daß von einer solchen Hetze, von dem derüchtigten Hep-Hep-Sturm in der reaktionären Zeit nach den Freiheitskriegen bi» zur ,Gründerzeit" von 1873 keine Rede war. Man wirst den Juden die Gründungen jener Zeit als ihr Werk vor. ES ist aber noch in lebendiger Erinnerung, >wie viele und welche hohe christlich-germanische Herren an diesem ,Tanz um das goldene Kalb" theilge- ,tmnmen haben. An die Anklage der Juden wegen des »Gründen»", welche erwiesenermaßen nicht sie allein trifft, haben sich nun weitere Klagen und Vorwürfe gegen die «ater den ,Germanen" lebenden .Semiten" gereiht. Die und vielleicht schwerste Beschuldigung ist diejenige, daß da- Ehristenthum angreifen und verhöhnen. Wo aber > sie diethun? »In der jüdischen Presst," sagt man. aber ist ״jüdische Presse"? Mit dieser Bezeichnung geht in sehr leichtfertig um. Wir haben Blätter al» jüdische hnen gehört und gesehen, unter deren zahlreichem RedakiönSpersonal sich kein einziger Jude befand. Aber selbst wo »ntermaßen die Eigenthümer und Redakteure einer ung Juden sind, fehlt eS derselben niemals an christlichen ' ern. UebrigenS sind die Christen stlbst mit Herabwürdigung , und Beleidigung christlicher Ansichten und Einrichtungen \ leider so lange vorgegangen, daß dies den Juden nicht mehr ^al» verwerflich erscheinen tonnte; mag aber auch in .jüdischen" ^Blättern gesagt sein, was will, — wer möchte immer entscheiden, db eS nicht von christlichen Mitarbeitern herrührt? -Der fragliche Borwurf läßt sich daher in keiner Weise b«ründen. Ja, hätten sogar sämmtliche jüdische Zeitung»- schreibet sich gegen da» Christenthum versündigt, — wäre > ein Grund, gegen alle Juden zu Hetzen? Ein zweiter schwerer Borwurf gegen die Juden ist ^det; daß sie da» deutsche BolkSthum fälschen, ihm einen Scholen und unsoliden Beigeschmack geben, e» wohl gar Demoralisieren! Der Borwurf, den wir besprechen, ist die eine» Irrwahn», nämlich desjenigen, daß die ein reine» und unvermischte» germanische» Bolk Man braucht nur nach dem Osten de» Lande» zu wo so viele flavische Laute ertönen, so weiß man, e» sich mit jenem Wahn verhält. In Berlin, dem wendischen Fischerdorf, wird heute vom urgerma- Stuudpunkt gegen die Juden geschrieen! Nicht die aber, sondern tolerante Männer waren es, e» waren lessing, die Humboldt, die Schleiermacher, Berlin zu einem Sitze höchster Bildung de» Deutschgemacht haben, und nicht wnng hat dazu ein Moses ,«delSsohn beigetragen. Warm soll denn etwa da» Juden zu reinigetwe Deutschthuu bestehen? Ist unser etwa da» der noch reinen aber wilden und Germanen in ihren Urwäldern und nicht vielmehr wie e» sich durch mancherlei Mischungen im Laust Zesten gebildet und verfeinert hat? Die West- und ־" haben viel römische» und keltische», die Ost׳ Ater gerade dieser Htnwet» aas «»^land «w Kr,aireich! dieser Htawet» aas «, a destra de» Autor»! lasst» sollen. <md füll Vatrrlaade», die sich »o» «id GW, der if I Autor» Lerlaum», m| Mc Jude» »o» ihren m. Haben die« Mc Jude» l» England ». Kremtsie nicht de»nl»g«ache»t getf, treue «»d »uhüng- - ‘ * * - - “ * -^ ■ l > e ®״■ deutschen noch mehr slavii darum weniger gute Deuts, Riedersachsen und Westfalen? Und warum sollten nun die deutsch sprechenden, in Deutschland geborenen und erzogenen, an d7r deutschen Litteratur, Kunst und Wissenschaft theilnehmenden ,Semiten" weniger oder keine guten Deutscheu sein? Nein, e» ist ein Wahn und Aberglauben, daß e» ein Wahn und Aberglaube^ daß eS ein unvermischte» deutsche» Bolk gäbe; im politischen Leben ist der dem StaatSverbande Eiuverleibte, im geistigen aber der deutsch Sprechende ein Deutscher, er mast stammen, woher er will. Warum soll die kritische und logische Nation nicht auch kritisch und logisch verfahren, warum bei der notorischen Durcheinanderwürstlu der Böller noch etwa» anderes außer dem StaatSverban und der Sprache als Kennzeichen der Nationalität au» der Rumpelkammer adgethaner Vorurtheile hervorsuchen? _ (Schluß folgt.) Böhmische Dörfer. IL Der Centralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag hat den richtigen Empfang de» in Nr. 13 und 14 unter diesem Titel erschienenen Aufsatzes quittirt. Er wendet sich nämlich in einem Rundschreiben an die CultuSgemeiude- Vorstände mit einem Fragebogen, dessen Ausfüllung den Zweck hat, die statistischen Daten zu sammeln, welche zur Bildung einer Alter»- und JnvalioenversorgungSkasse für CultuSbeamte nothwendig sind. Obwohl de« Centralverein die Priorität diese» Gedankenstreitig gemacht werden kann, wollen wir diese Anregung mit vollem Danke und aufrichtiger Anerkennung de» frischen Zuge», der in den Thaten de» Centralvereins sich zeigt, gerne zur öffentlichen Kenntniß bringen. Leider hinkt ein garstiger Pferdefuß nach. In dem Rundschreiben heißt e» nämlich wörtlich: So ist e» denn natürlich, daß auch de« israelitischen CultuSgemeinden da» Bedürfniß nach einer Vorsorge für die bei ihnen angestellten Religion-weiser,. Lehrer, Cantoren, und andere Funktionäre in» Bewußtsein getreten ist." Wir fragen, wo bleibt der Rabbiner, der nach § 11 de- Gesetzevom 21. März 1890 für jede Gemeinde zu bestellen ist, wodurch die Institution der ,Religion«weistr" glücklicherweise beseitigt, oder richtiger gesagt, aufgehoben wurde, denn beseitigt ist dieser Uebelstand msolcmge nicht, als die Gemeinden sortfahren, Lehrern, Cantoren oder gar armen MischnajoSlerneru den Rabbinertitel verschaffen zu wollen. Wo bleibt also der Rabbiner? Meinte etwa der Referent de» Centralverein», daß der Rabbiner so glänzend gestellt sei, daß er der Altersversorgung entbehren könne? Er dürste doch wisst», daß der höchste Rabbinergehalt im Lande, der de» Prager Oberrabbiner», nur 3000 fl. beträgt, der bei dem Umstande, daß demselben keine Amt»wohnn«g gegeben wird, ei» den Berhältniffen und den Anforderungen der Stellung durchaus nicht angemeffener ist, während die, zweitgrößte Gemeinde de» Lande», Pilsen, laut ihre» kürzlich veröffentlichten Loncurses bei freier Wohnung nur 1800 fl. Gehalt giebt. Da» sind, doch durchaus keine derartigen Ein» nahmen, daß jemand bei standesgemäßem und honettem Leben soviel erübrigen könnte, um m seinem Alter von den Zinsen de» ersparte« Capital» leben oder im Falle frühzeitigen Absterben« Weib und Kinder versorge» zu könne«. Dabei muß man noch in Betracht ziehen, daß e» nt Böhmen - Rabbinerstelle» giebt, die von. würdigen, vollkommen fachlich befähigten Männern bekleidet werden und nur mit 800 fl. dotirt sind. Verdienen diese Männer nicht ebensogut eine Altersversorgung als ,Cantoren, Lehrer und andere Funktiouäre", unter welchen doch nur Schächter, Synaaogeudiener und Todtengräber verstanden werden können? Ich glaube auch nicht, daß der Verfasser dieses Entwürfe» die Rabbiner für so Mt^nd_datirt mHH. daß sie die Hrsfioa entbehren rt׳ י ■ ^־

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