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Israelitische Wochenschrift · 1891-06-11 · 24 (11.6.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
24 (11.6.1891)
Date
1891-06-11
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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7tnrr geachteten, nur in gebildeten Areffen grlesenen Zeitschrift Sie Behauptung ausgestellt wurde, «in bekannter reicher Israelit sei der Nachfolger de» einstmal» gervaliigea deutschen ils^er», der seinen Plast Hab« räumen müssen und «renn *וז־ Gegensatz zu dieser Traumwellherrschaft so viele Juden nicht nässen, ivo sie ihr Zelt aufschlagen sollen. Da» sollen wir thun in dieser Noch, in dieser Düste Feindschaft und der Verachtung? Das am meisten «ot chut in dieser Not scheint UN» ausgedrückt in folgender Umtung unserer Alten. Dir lesen an der Spitze unsere» Docheizabschnitts den einfachen Vers: וידב" י׳ י אל משה TD במדבר .Gott sprach zu Mose in der Düste." Dazu, so sagen die Allen, paßt das Dort des Propheten: »o ihr Geschlecht seht das Dort Gottes, war ich «ine Düst« für Israel, ein finsteres Land, warum spricht mein Volk, wir find am Boden, wir können nicht mehr zu Dir gelangen." Dir müssen aushören, bei allen versuchen der Rettung nur mtt dem leidigen Mammon zu rechnen, sondern uns daran erinnern, daß Israel ein Volk de» Geiste» ist, dazu berufen, den Nationen der Erde zu;eigen, daß Leid uns nicht entwurzelt. Dir schätzen es nicht gering, wenn unsere begüterten Genossen willig spenden, um dem Glend zu steuern; aber mll Geld allem ist es nicht gethan; es wäre erbaulich für uns, und wäre eindriuksvoll aus die Außenwell, wenn ein allgemeiner Bettag ausgeschrieben würde und in allen Landen, wo Juden wohnen, in einem feierlichen Gottesdienste durch Gebet und predigt die Augen :׳.nd die Herzen auf den gerichtet würden, von dem di« hilft kommt. Israel ist wieder einmal wie in einer Düste; Geld allein wird uns nicht helfen; ja man kann ohne irgend «inen Ein^lnen anzuklagen, behaupten, das jüdisch« Geld, der übergroße Reichthum Deniger hat uns bisher weit mehr geschadet als genützt. Aber es gilt, uns bewußt zu werden unserer idealen Aufgaben, uns fernzuhallen von jedem Aufwand, von allem was auffällt und Anstoß giebt, und es un» zu vergegenwärtigen, daß, wenn auch da» Leben den Israeliten so oft zur wüste geworden ist, Gott ihnen niemals «me Düste gewesen, sondern Trost und Labsal geblieben ist. Merkt mau es unserem äußeren Leben an, daß Sorg« un» erfaßt um die Brüder, sind wir nicht darum doch wie sonst di« Ersten bei jedem Vergnügen? wir fühlen es, daß der Boden unter unseren Füßen bebt, daß feindliche Mächte wie unterirdische Feuer gegen uns toben und in allen Landen un» bedrohen, die Erdkruste zu durchbrechen, den staatlichen Schutz, den Boden, auf dem wir leben, un» zu rauben; und wie vielen ist di« Sorge um putz und Flitter nicht imgleich dringlicher und wichtiger, als die, was mtt den Hunderttausenden Genossen geschehen soll, die nicht wissen, wo sie ihr Haupt hinlegen sollen! Unsere Reichen sind unser« Großen, dagegen wäre nicht» «inzuwenden, da ja noch heule «in goldener Schlüssel manch feste» Schloß rascher öffnet, wenn nur unser« Reichen wahr- Hast groß dächten, wenn sie sich nur mtt der Alughett, die ihnen sonst eigen ist, darüber klar wären, daß unser eigenes hau» gefährdet ist, wenn da» hau» des Nachbars brennt! Aber auch den Brüdern im Dsten wollen wir nicht nur leiblich, sondern auch geistig aufhelfen, «vir wollen ihnen prüfen, daß fie lassen sollen von dem wüsten Aberglauben, durch den cham di« Religion selbst zu einer Düst«, einem Land« der Finst-rniß wird, daß fie aufhören sollen, durch ihr Gebühren vorurtheil« gegen Juden und gegen Indenthum zu nähren. Gottes Lehre und Gebot ist keine wüste und kein Land der Finsterniß, wir müssen auch die Uebuna der Religion so gestalten, daß selbst unse.-en Feinden die Waffe de» Spotte» entwunden wird. Vas Wichtigste ist, daß wir nicht r.-rpveifein, daß wir nicht, wie einstmal» die Zeitgenossen de» Propheten Jeremias gegenüber dem ungeheuren Elend die Waffen Much» und ansmrfen: wir fiod Gott ist «», der die herzen der Aönige lenkt, er unser Gebet nicht verstoßen, er wird, so hoffen wsr, Seufzer unserer gequälten Brüder zu dem Ghre und Herzen de» Fürsten gelangen lassen, der durch ein durch «inen Wink dem Unheil hall gebieten kann: Gott die Irrenden zur Heimat führen. Noch hat di« Grd« Raum - genug, daß eine nicht zu groß« Schaar redlicher, nüchternes j anspruch»los«r Menschen, die für ihren Glauben dulden, «ine ׳ Heimat und ein Arbeit»seid finden kann. Die Aufgabe, die un» ob-< liegt, ist nicht damtt abgtthan, daß wir unsere Beutel öffnen «nd Geld spenden. Vas ist da» Erste, da» ist da» Noth- "" wendigste, aber da» ist bei Weitem nicht Alle», es ist. ein gefährliche» vorurtheil unserer Zeit, daß da» Geld allmächtig sei. wichtiger ist es, zu sinnen und zu planen und. ־ von der Hoffnung nicht zu lassen, daß Gott, der für Israel — um mtt dem Propheten zu reden — nie eine wüst« und י| ein Land der Finfterniß gewesen ist, un» in der Wüst« in der Finsterniß einen Ausweg zeigen und sich bewähren H wird al» den Erlöser Israels. . & B. WaS th«t »e« Herrische« Reiche «sttz? Bon Dr. Ctto Henne am Rhyn.^ Das Haüptübel, an dem das neue Reich krankt, ist, wie übrigenin jedem andern nicht absolut regierten Lande, daS. Parteiwesen. Dieses Uebel vergiftet ein jedes Bol^ unterdem eS wütet; denn eS ist von vornherein zu großem Theis eine Lüge, weil es sich den Schein giebt, als handle esich,"« im Auftreten und Wirken der Parteien um die Verfechtung^ von Grundsätzen, während leider in Wahrheit die GewiuuuUg - von Macht und Einfluß die Haupttriebftder bildet. Man' frage sich nur einmal gewissen hist, welche Partei al» solche ' stets nur da» erstrebt hat, was dem gesummten Land und! Volke, und nicht auch ihr selbst zum Bortheil gereicht und'st beantworte dann ehrlich und auftichtig diese Frag«! Um mit dem Unedelsten zu beginn;«, sagen wir ei» Worte über die Antisemiten. Wir haben vor mehreren! Jahren etwa folgende» über das Treiben dieser .Partei^ geäußert, welches leider heute noch unverändert wird ' "־ werden darf. E» ist zwar schon manches kernige und wahr« Wo gegen dieses Treiben gefallen, aber n«ht in der Art w Weise, wie ti der Verfasser dieser Zeilen gerne gehört hätte^ Es hat diesem geschienen, die bisherigen Aeuherungen Art seien mehr oder weniger im Dienste irgend « Partei gethan worden und eS habe dabei der wahrhaft uv fangen«, wenn wir so saßen dürft«, kulturhistorische <?*־־ Punkt gefehlt. Wir vermissen in der obschwebenden Dif eine Avisierung, die den Kern der Sache trifft, welche geschichtlichen und völkerkundigen Thatsache» entftmcht. --■1J Die Juden durch dick und dünn gegen alle Auss verthechiaen, ist gerade so wenig ei« berechtigter Stand als sie für alle Erscheinungen einer gewisfeu Art v »örtlich machen und aus der Gemeinschaft de» Bolle», dem sie ftüntürrchtttch und sstrachü» gehören, hi, werftu zu wollen. Wir verherrlichen keine Religion, Nationalität, keine Raffe, und verdamme» auch kine Ab ' des Menschengeschlecht» als solche, sind daher auch g>, keiner deyrlbeu blino und besangen. Wir verschweigen.» keineswegs die Fehler, dft aus jüdischer Seite beg werden, so wenig sie auch t heilweise al» eine Folge de»! _ fahren» aus christlicher Seite verkannt werden könne». diesen Fehlern gehört namentlich die Thalsache, daß die I ' sich, und zwar nicht nur etwa die Ungebildete«, soudern | ein großer Theil der Gebildete», durch Beobacht« veralteten Ritualvorschriften von der Welt absondern, sft sich voll nud ganz der europäischen Kultur ans 1 An» tessenfoebe» erschienenen t

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