Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 23 (4.6.1891)
- Date
- 1891-06-04
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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?,utc (MmXsfcffcit dieser MuKtlUI »»erst von den Heide» W . mfichen Reiche» ba erste» Lhriste» (mpn ihrer Abendmahl»- ־,־■ nnchgesagtt», i« Mittelalter «btt asf die Juden übertragenen, i e fiir Jeden, der einer sachlichen Beweisführung zugänglich ist, . zeugend nachgewiesen. Der selige Delitzsch »anntr diese Vlutsage ׳ - >ch»n eine .Erfindung jndenfrefferische» Haffe»-, eine .unchriftlich, ':■Ai Lüge- und sprach sich dahin au», daß der Gedanke, Menschen < religiösen Gründe» zu schlachte», .»0» talmudischen und überhaupt 1!׳che» Standpunkt au» al» haarsträubender Unsinnzu bezeichnen Dazu kommt, daß weder der Tisza-E»zlar«r noch irgend ei« -errr Fall eine» rituellen Morde» durch Jude» je erwiesen ttmtbc. Ta? >lle« hindert »aber den heutigen Antisemiri»mu» keinen «ni^nbliek, den korfiottschen Iktndennord sosort wieder al» ein« gotte«- d Sittiche Schlachtung durch Juden au»zub«ut«u, und Allem voran iitrser ekelhasten Hetz« «arschirt bietmal die .lkreuzzeitung- ....“ .Die auf Grund eine» völlig unerwiesenen Thatbestaade» »er- Hetze de» Blatte» mit de« streuz an der Stirne kann auch v-r, christlichem Standpunkte au» nur al» sche»tzlich bezeichnet werden, - tappelt scheußlich, weil dabei die Tendenz zwischen den Zeile» * 'esen ist, die Jiche» in Deutschland für da» angebliche Berbrechen ihrer torfiotischeu Glauben»- und Bolkrgenoffen miwerantwonlich zu mache».- Die.Kreuzzeitnng" wird nun wohl mit ihrem ,rituellen" Morvssinn näcUtrns die Entdeckung machen, die .Hess. Bl." seien ,verjudet" oder durch jüd. Geld bestochen — bemerkt die ,Franks. Zeit." hierzu. Oesterreich Ungar» Wie», 26. Mai. Dem Verein zur Abwehr des isemitiSmus sind in den letzten Tagen u. A. bei- .״iea: Die Reichsraths-Abgeordneten Dr. Edler v. Plener, Bntard H « r b st, der erste Bicepräsident des Abgeordneten- Hanse»Baron Ehlumecky, Alsred Fürst Wrede, Michael, ettjtm und Thomas Ritter v. Galatti, Josef Ritter v. Sischini, diplomatischer Agent und Generalkonsul, Professor Ruhm- Freiherr v. Krasft-Ebing, Alfred und Theodor var»n Lsfermann, Prof. Tr. Karl Freiherr». Rokitansky, a. D. Adolf Freiherr v. Schwarz, u. s. w. In der ,ten unter dem Vorsitze des Baron Leitenberger abgehaltenen Sitzung des Akttonscomitees wurde beschlossen, folgenden Aufruf zu erlassen: ,Der Antisemitismus ist eine beklagenswerthe Verirrung. Echtzl inneres Wesen ist der vollkommene Gegensatz und das gänzliche Aufgeben der Gerechtigkeit und Humanität. Seine äußere Bethängung ist das Zerrbild alles Edlen und Guten. Seine Folgen sind dw moralische Verwilderung und Verrohung. Unsere jüdischen Mitbürger, uns gleich in Allem, was dem Menschen eigen ist, unsere Mitarbeiter an den großen Aufgaben der Menschheit, sind den empörendsten Beschimpfungen, ja selbst Gewaltthätigkeiten ausgesetzt. Man ficht ihre gesetzlich gewährleistete GleichberectaHung an und bringt Unfrieden und Verbitterung, .Haß und Neid in unser öffentliches Leben. Unbefriedigend« wirthschoftliche Verhältnisse werden nicht aus ihren inneren Grund geprüft, sondern zum Ausgangspunkt einer leidenschaftlichen und ungerechten Agitation genommen. Eine Anzahl von Männern verschiedener Lebensstellung ist zusammengetrrten, Km ihre Stimme gegen diese gehässige und in chren Aus» ^sc!,reivwgen geradezu unmenschliche Bewegung zu erheben, um an den llaren Sinn und das gute -Herz unseres Volkes zu appelliren und nach Kräften berzutragen zur Wieder! stclimtg des Friedens und der Eintracht in unserer volkerang. ES handelt sich nicht um einen Act der Politik, cs handelt sich nicht darum, aus die gefährlichen Konsequenzen h'i^aveisen, welche die Weiterentwicklung dieser Brwegung fiir Staat und Gesellschaft ergeben muß. Ausschließlich und allein Humanität und Gerechtigkeit sind es, welche in Betracht kommen und unS bestimmen, gegen den Antisrmit»muR Stellung zu nehmen. Zu diesem Zwecke sst die Bild«- des .Berctns zur Abwehr des Antisemitismus״ in Ausficht genommen. Diesem Verein beizutreten fordern wir alle diejenigen auf, welche wie wir denken und empfinden." 2. Juni. Heute hielt^3^«ei«"z«r wehr des Antisemitismus seine eaustituirende Brrsammlung unter zahlreicher Betheiligung hervorragender- Vertreter der Kunst und Wissenschaft. Der Bericht über die Thätigkeit de» vorbereitende» Eomitee's stellt fest, daß die Beitrittserklärungen so zahlreich einaelausrn find und Nomen von so gutem Klange umfassen, daß der Verein darin seinen ersten Sieg erblicken könne. Der Statutenemwurf wurde »n dloo angenommen. Graf E. Zichy, Baron Leitenberger, Hofrath Professor Nothnagel wurden zu Ehren- Präsidenten gewählt. Hofrach Nothnagel sagt: .Es muß licht werden in den Herren, «S muß klar werden in den Köpfen, damit was als Gtst und Krankheit unter uns herumschleicht und am Marke des Volkes zehrt, zum Verschwinden gebracht wird." (Beifall.) SVaflaafc. Ueßerstarg. Jeder Tag bringt- Kunde von neuen. Gewaltmaßreaeln, welche russischer Fanatismus zur Bedrückung der Juden auSsümt. Jetzt meldet eine Petersburger Depesche, die dortige überaus prächtige Synagoge sei aus behördlithen Befthl mit der Motivirung geschlossen worden, es sei nicht abzusehen, zu welchem Zwecke eine Synagoge in einer Stadt nochwendig sei, in der die )»tat überhaupt nicht das Recht hätten, sich seßhaft zu machen. Und noch dazu ein Bau, der die christlichen Gotteshäuser an Pracht überage. — Der Zar ist, wie der .Kreuzzeitung" telegraphirt wird, judenseiudlicher denn je gesinnt. — Man merkt an den neuesten Erlässen diese inhumane Gesinnung. So soll der Titel eines erblichen EyrrnbürgerS, welcher den mit demselben ausgestatteten Juden das Recht zum Aufenthalt Heere angehörenden jüdischen Militärärzte, falls sie den Uebertritt zum orthodoxen Glauben ablehnen, aus ihrer Stellung enttaffen werden sollen. Die Juden ziehen eS nun zum Theile vor, das ungastliche Land zu verlassen. Meldungen aus Kiew zufolge wandern von dort fast sämmtliche Juden auS. Die Auswanderung wird gefördert von einem ins Leben gerufenen philanthropischen Komitee, welches den Auswanderern Beihülfe zum Londankaus gewährt. Ein andetes Komitee will gestützt auf di« Sympathie Englands für die verttiebenen Juden mit der russischen Regieiung unterhandeln, um etwa 60000 in großer Armuth lebende Juden über Libau und Riga zur See nach London zu schaffen. (Siehe weiter unter ״Lotüton".) Krrmijchtr mrd «rveste N^chrichte». Berlin. Hier hat sich i» einer unter de« Barsch« de» Justizrath» Mako wer abgehalttnen Sitzung hervarragender Mitglieder der «emeinde ein .Dentphe» Eentral-Lomtt« für die ruisifchen Judencoastituirt und einen aefchäfttführende» Ausschuß gewählt, welcher an» den Herren Justtzrath S. “ Goldberger, sttllvertr. Walt Bernhard Bre»l»>«..., , «.•hihuvuim Landau, Schatzmeister, Fabrikbesitzer Edmund Lachmann, stellvertr. Schatzmeister, sowie den Herr«» Dr. Heinrich Meyer Lohn und Bernhard Eroner besteht. — E» sollen demnächst Provinzial- und- Lokal-Lomitee« eingesetzt werden. — Auch die Alliance Ur universelle erläßt eia Circular betreff» der Organtsatta» der Geldsammlungen, und werden Haupt» und Grenz- Lomitee» (an den Einschiffung» Häfen) gebildet (Ein gemeinsame» Handeln de» Berliner und Pariser Le»tral-Lomitee« ist dringend geboten. Red.) Berit», 1. Juni. An der Börse wurden am Sonnabend 180 000 Mark für Me russischen Jude» gesammelt. Aus de« Bahnhef Eharlatttnburg ist permanent rin Lomüe van Dame» in Thätigkeit. Dieselben speise« die Ankömmling«, kleide» sie neu «in und tzülen ihnffi Reisegeld au». Auch Beritt leiste» unentgeltlich Dienst«. Fast jede» Nachmittag komme» neue IranSportt von »««gewiesene» an. BeeU», «. «ai Bei der dritte» Lesnng de» «tat» im tt>r» ordnettnhaust «heilte der Jnstizmtnifter mtt, daß der Oberlande tgericht»- - Präsident in BrttÜan di« Beifügung betreff» *rt jüdischen Geschivarem»- znrüekgrzage« habe. «n Antrag «ms AuDschlnß der Jecken.««» der l Turnrrschast kam 1».