Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 23 (4.6.1891)
- Date
- 1891-06-04
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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׳ «w .. wi■—■ ■i«r'kp>n fange tot gerinn der Arier von eine» auserlesenen Publikum angefüllt. Wir sahen einige Repräsentanten der Hauptaemeinde (vom Borstände jedoch ftetnen), die Direetoren der pimmtliche» jüdischen Schulen Berlin'-, einige Rabbiner, den Gesammworswnd der Anstalt und Eltern oder Angehörige der Zöglinge. Herr Rabbiner Dr. Maybaum hielt die Weihrede. Anknüpsend an da» Psalmwort: ,Bon dem Ewigen ist dies geschehen, da» so wunderbar in unseren Augen" feierte er .diese» Werk der Menschenliebe al» eine Wichlthätigkeits- ׳Anstalt, die sich würdig den übrigen humanen Institutionen der Gemeinde der Menschenliebe anreiht. Redner schildert da- Unglück der Taubheit, den Schmerz der Mutier, Wenn sie erkennt, daß ihr Lind für jede» Liebeswort unempfänglich und unempfindlich ist, endlich da» Glück der Eltern, wenn sie ihre unglücklichen Kinder hier dem geistigen Leben wiedergeben. . Mtt einem innigen Gebete für das Kaiserhaus, für die Anstalt und deren Leiter schloß der gefeierte Redner. ־ Nach chm bestieg der Gründer und Director, Herr Reich, die Tribüne. Ohne jeglichen rhetorischen Schmuck, mit einfache», aber desto ergreifenderen Worten, wie es einem so würdigen Erzieher geziemt, schildert der Redner in kurzen Lügen die Geschichte der Anstalt, die nun bereits seit 18 Jahren tii Fürstenwalde besteht. Er habe, zur Zeit al» Lehrer der Künigl. Taubstummen-Anstalt in Berlin, erkannt, wie nochwendig e» sei, auch eine solche Stätte für israelitische Taubstumme zu errichten, di« entweder in den christlichen Anstalten überhaupt nicht ausgenommen wurden, oder dort eine religiöse Erzichung erhielten, welche mit den Gefühlen ״der jüd. Eltern nicht übereinstimmen konnte. Mit Hülfe eine» der edelsten aller Menschenfreunde, de» unvergeßlichen Jakob Rach od; unter Mitwirkung de» (taubstummen) Malers Ginsberg und Juliu» I. Meyer, die ebenfalls nicht mehr unter den Lebenden weilen, konnte er die kleine Anstalt m Fürstenwalde s. Z. errichten, und bi» zur Gründung des Vereins: ,Freunde der Taubstummen" konnten im Laufe von 11 Jahren 24 Knaben durch chn erzogen und einem Berufe zugeführt werden. Nun sehe er seinen Herzens- «unsch erfüllt, sehe er dieses schöne Gebäude, die glänzende Einrichtung, die Frucht der echten wahren Menschenliebe, die sich hier so schön wieder bewährt. Er könne nicht vergelten, wa» ihm von Seiten der Mitglieder und des Vorstandes hier Gutes bereitet worden, aber, so schloß der Redner, an diesen unglücklichen Kindern will ich es vergelten, chnen will ich mein Leben weihen, auf daß sie, die Kinder, dann einst mit den Worten de» Patriarchen auSrufen können: .Wahrlich, die» ist ein Hau» Gotte» und hier wurde uns die Pforte de» Himmels erschlossen!" Kein Auge blieb thräuenleer: denn diesem Lehrer, der 18 Jahre für sein schönes, edles Werk gekämpft und gelittten, merkte man eS an, daß eS ihm heiliger Ernst mit seinem Hohen Beruf ist und daß Sr mit Hülfe des Allmächtigen noch Große» wirken wird. Zum Schluffe übergab der 1. Vorsitzende des Vorstandes der Anstalt, oer Geh. Sanitütsrath Marcuse, das Haus -seiner Bestimmung mit einem warmen Apell, daß auch ferner für diese» Hau» sich zahlreiche Wohlthäter finden mögen. Der Feier schloß sich die Generalversammlung des Vereins an. Au» #Otaf geht uns folgende interessante Mittheilung LU, die geeignet ist» unsere Verehrung und Liebe zu unserem Kaiser womöglich noch zu steigern: Christourg, 26. Mai. Der Sohn des hiesigen SPorteurs Behrendt, welcher jetzt das Geschäft seines Vaters Hierselbst führt, hatte seiner Zeit, als der Kaiser noch Hauptmann der 2. Compaguie de» 1. Garderegiments zu Fuß war, bei dieser Compagnie al» Soldat seine Militärmenstzeit abgeleistet. Bei der früheren Anwesenheit de» Kaiser» in Prökelwitz hat derselbe öfter» den Bemendt geschen und quch .Western wurde nun derselbe, eoenfalls nach , hinausbefohleu, da ihn der Kaiser nach beendeter zu sprechen wünschte. Gegen 10 Uhr Abend», »ährend de» Ausweiden» und ׳ AohörnenS^der geschossenen zwei Böcke, welchem der Kaffer vor der Thür stehend zusah, ließ derselbe den Behrendt zu sich herantreten, unterhielt sich lewsckig mit chm, erkundigte sich nach seinen Famuienverhältniffen und wünschte ihm zu seinem weiteren Fortkommen viel Glück. Der Kaiser reichte dem Behrendt zum Abschiede die Hand. Al» derselbe die Hand später öffnete, sah er, daß der Kaiser ihm zwei Hundertmarkscheine in die Hand gedrückt hatte. (Ich bemerke «noch, daß Behrendt ein Jude fft und Prökelwitz bei Christburg liegt. Daß der Kaiser sich dort jede- Jahr zur Jagd auchält, dürfte bekannt sein. L.) Z», K-»«er». (Or.^orr.) Am 17. d. M. tagten in Belgard die jüd. CultuSbeamten des RegierungSbeznck» Cüslin. Das Alterspräsidium der versammelten Herren trat mft recht beredten Worten für die Gründung eine- Bezirk»- verein» ein. unter besonderer ausführlicher Hervorhebung der Gesichtspunkte, daß die College» in der Nähe um chrer selbst willen einander bekannt sein sollten, daß das Bewußtsein der Collegialität durch den persönlichen Verkehr gestärft und gefördert wird und endlich, daß gemeinsame Interessen auch gemeinsam besprochen werden müssen. Als Zweck des Bereins wurde die Förderung der Schule, al» Ziel, die Hebung der socialen. Stellung und die Sicherstellung der Zukunft der jüd. CultuSbeamten bezeichnet. Vollbewußt der Riesenarbeit und des harten Kampfes, der dem Verein bevorsteht in der Erreichung seiner Ziele, trat die Versammlung den Borschlügen bei, sich den Bestrebungen de» D. I. Gemeindebunde» anzuschließen, die Synagogenvorstände ganz besonder» für Zweck und Ziel des Vereins zu intereffiren und die hochwürdigen Herren Rabbiner deS Bezirks auhufordern, de« Verein al» Ehrenmitglieder beizutreten und die Bestrebungen desselben zu unterstützen. Die Stellung dieses Bereis zu dem bestehenden Cantorenverein ist dermaßen, daß er den Anschluß seiner Mitglieder an den Hülfsverein jüd. Cantoren so viel wie möglich anstrebt, mit dem direkten Wunsche, daß die Gemeinde bei der Anstellung der Beamten gleich die Forderung stelle, der detreffende Beamte werde Mitglied genannten Hülfsverein», um so oen Beamten vor der allergrößten Noch zu schützen,; — und Ihr Gemeinden, wir wünschen den kleinen Beweis LureS Interesses für uns und die Unserigen: der Beamte zahle das Eintrittsgeld und die Gemeinde den jährlichen Beitrag zu jener HülfSkcsse jüdischer Cantoren. Zur Bearbeitung ganzen Materials wurde eine Commission von folgenden drei Herren: B a u e r - CSSlin, Kahn-Rügenivalde, Käme rase-Belgard, gewählt, deren Aufgabe es ist, nach diesen Beschlüssen die Statuten auszu arbeiten und die übrigen Collegen der Provinz aufzuforder«, auch solche Bezirksvereine zu gründen, um in gemeinsamer Arbeit unser Aller Wünsche und Hoffnungen zu realffiren, denn nur im eigenen Streben liegt unsere Zukunst, nur durch Selbsthülfe kann uns geholfen werden. In strermer Geistesarbeit verging der Tag, ein gemein» schastliches Essen vereinigte uns noch am späten Abend und wir schieden herzlich von einander mit dem Wunsche: auf ein baldige», frohtÄ Medersehen in CoeSlin. Llm. Ans Jtmfcfe«, 22. Mai. Die .Hess. Blätter", ein streng kirchlich-konservatives Blatt, gehen mit der .Kreuzzla." und chrein rohen Antffemitismus in schärffter Weift ins Bericht. Zu dem Korfu-Artikel des ftommen Berliner Bettes bemerken die ״Hess. Bl." u. A.: »Erst vor neun Jahren, im Jahre 1882, hat das ln Folge der elende» ungarischen Justiz leider unaufgeklärt gebliebene Verfchtvinden eine» llhristenmLdchen», der Esther Solymoffy, in der «»»garische» Stadt Titza-Etzzlar Veranlassung geboten, die Gag« von dem rituell»» Mord der Juden einer gründlichen wissenschaftlichen Untersuch-eng zu unterziehen, und dabei haben die bedeutendsten und unbefangensten Autoritäten aller -onsrffione» — »ir nennen nur de« EathobSea Ignaz-»on Diillinger und den Lutheraner Franz Delitzsch -י-