Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 23 (4.6.1891)
- Date
- 1891-06-04
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Dte <bb __ Loh» für aamffniVtftt Gesetze«beobacht»»g versprach bar jüdische Gesetzgeber, bafi sie lange lebe» solle« auf bar Erdscholle, welch« ber <bm^e ihn« zugeschworrn Hai; «ab wenn ber Prophet den höchste« Trumpf aosspielen will, so sagt er: ״Und sie sollen nicht wieder au« ihrem Lande vertrieben werden i« alle Ewigkeit!" So schöa eauch kliagrn «mg. so sind die Semiten doch keine Nomaden, sondern allezeit ein seßhafter Kulturstamm gewesen, wie nur irgend ein« andere indoeuropäische Nation. Die Semiten stellen sich auch nicht, als ob sie die Arbeit verachteten, sagt doch unter anderem der von Frftsch und Tonjorttn so sehr geschmähte Talmud: ,Lieb« die Arbeit» hasse die Ehrsucht. — Groß ist die Arbeit, sic ehrt ihren Mann. — Wer seinen Sohn kein Handwerk lernen läßt, erzieht ihn zum Straßenränder! — Als zu Adam der Ewige sprach: .Dornen und Disteln soll dir die Erbe sprossen", flössen heiße Thränen aus Adam» Augen. Als Gott aber hinzufügtr: ,Im Schweiße deine- Angesichtes sollst du dein Brod essen," beruhigte er sich wieder.׳ Wir ersehen hieraus, daß der Semit keineswegs ein Verächter der Arbeit ist, und sich auch durchaus nicht für «inen solchen au-giebt. (Forts, folgt.) Gerichte «ttfc S»rrrfP»»de«)e». Dr»tschil««tz. ■j,' -יי. Magbeß»rg, 29. Mai. Es wäre Undank, wenn »vir an dieser Stelle nicht von dem trefflichen Artikel Notiz unhmen, welchen die .Magdeb. Ztg." an der Spitze ihrer gestrigen Nummer gegen den hier seit einiger Zeit laut um sich reden machenden Antisemitismus brachte. Vorige Loche hausten nämlich in den Mauern unserer friedliebende Lutherstadt die Führer der deutschen Antisemitenpartei, die Höckel und Pickenbach, die Zimmermann und Werner, Mector a. T. Ahlwardt und Witte (auch der Wiener Rrichstoasabg.Dr. Türk fehlte nicht)und hielten ihrenDelegirtenrag ab, dem tagsdarauf die durch Riesenplakate angekündigtc r-ffentliche antisemitische Volksversammlung (gegen 30 Pfg. Eströe) folgte. Der Saal war von Neugierigen, die Deutsch, lsnds Antisemitenhäuptlinge einmal von Angesicht kennen lernen wollten, gefüllt, so daß die Unternehmer mit dem Ertrag zufrieden sein konnten, ob aber auch die Zuhörer auf die Kosten kamen? Es wurde weidlich auf Juden, Judenthum und Judenblätter, Freisinnige und Sozialdemokraten losgeschimpst(,Bande, Msindrl, Ohrfeigen" gehörten zu Bbckel'S Redeblüthen), aber es waren alles alte, abgestandene, hohle, bis zum Ueberdruß vernommen« Phrasen. Der Antisemitismus wird schließlich an der Gedankenschwindsucht hinsiechen. — Der gelinge mannhafte Leitartikel der ,Magdeb. Ztg." ist eine derbe Abfertigung, welche die hiesigen Herren kleinlaut hinnehmen mußten. Wir!offen hier einige. Stellen daraus folgen: ,Seit länger als einem Jahrzehnt trieb der Antisemitismus in Berlin sein Wesen, und nachdem er dort völlig abgcwirthschaftet hat, so daß dort alle Welt achselzuckend daran vorbeigeht, kommt die abgetakelte Sache, als wäre sie gut genüg für die .Provinzler", hierher und es gescheit״ Zeichen und Wunder: auch Leute, die sonst einen freien Uebcrblick haben «nd den Zusammenhang der Dinge kennen, gerathen ins Stolpern und fallen in die Netze der ödesten und dreistesten neuen Auflage von Judenhetze. Las es mit dieser ,hessischen" Bewegung auf sich hat, haben wir schon früher dargelegt. Wir haben gesagt, daß das Lager, wo Gustav Freylag, in dem das liberale Deutschthum verkörpert ist, seine Fahne zusammen mit so vielen «,deren glänzenden Vertretern des deutschen Volkewehen läßt, wahrlich nicht das schlechtere sein kann. Nun wohl, Gtchav Freytag warnt vor den Finsterlingen, die da auSziehen, um d« bösen Justinkte im Bolle auSzunützen und Wir lebe« hier in einer Stabt von Häufle, Unser Handelsstand nimm» eine ruhmrriche Stellung i« der, Welt ein; überall weiß man ih« wchen seines weiten Blicks seinesoliden Auftretens zu loben. Können denn da Glieder dieses angesehenen, ehrenfesten Standeihren Beifall dazu ׳ gegeben haben, daß gleich ber erste Plan, der hinter der fanatischen Judenheye zum Vorschein kam. darauf gerichtet war, Stimmung gegen den deutsch-österreichischen HanbaSvertrag zu machen? Die Magdeburger Bürgerschaft ist i« ׳ Lande bekannt als,recht hell" uNd kann darum auch ga»L unmöglich ihren Mifall dazu geben, wenn so abscheuliche Behauptungen aufgestellt wurden,' wie z. B. daß Rußland »Mnt seiner Judenverfolgungen an der Spitze der Eivilisati on marschiere «nd daß bei unS etwa 80 pEt. — so hoch ungefähr lautete ja wobl der Satz? — aller Offiziere und Beamten in d^n Händen von jüdischen Wuchern seja^ u. dergl. mehr. Wer uns mit der Judenheyerei ködern will, hinter der nicht» weiter steckt als Feindschaft gegen den Liberalismus und eine erbitterte Opposition gegen die verständige Pflege der Volk-interessen, wie sie nach lang» Stagnation von der jetzigen Regierung endlich wieder in die Hand genommen wird, wer uns mit einem wüsten Phrase»' schwoll und wahnwitzigen Schimpstreien und Hetzerei«» imponiren will, der verwechselt unsere Bürgerschaft mft jene« bekannten Leuten, ,die nicht alle werden", und mft der Einwohuerschaft hessischer Dörfer oder hinterpommerscher Distrikte." Wie wir erfahren,' ziehen sich dir anständigen Leute von der hiesigen, kaum 300 Mitglieder zählenden Antisemit»- Partei immer mehr zurück, man schämt sich und widerrufe öffentlich, mit ihr in irgend welcher Beziehung zu stehe» oder gestanden zu haben. 8p. Msgbeßturß. Im Anschluß an die in voriger 'Nummer der Wochenschrift befindliche Notiz über die i« den Pfingsttagen zu Mannheim stattgefundene .Allgemeine Deutsche Lehrerversammlung" berichte ich Ihnen, geehrter Herr Redakteur, noch fügendes interessante Faktum, damir mein Bruder, der Theilnehmer jener Versammlung war, mitaetheilt hat. Z» dem Bortrag des Herrn Direktor» Doktor BartelS-Gera, »Die Erziehung unstrer Mädchen für de» häuslichen Beruf" befand sich unter den gedruckte di« bereitfrüher vor unzähligen pädagogischen und politis Zeitungen veröffentticht worden waren, eine mit folge«! Faffung: ,Die wohlgeordnete christliche Familie ist der Todfeind des SocialÄmus." DaS ist ein entschied«; engherziger Satz, der im Widerspruch mit den Ideen der Ge- Wissensfreiheit und GlaubenSduldung steht, die stet» di» Allgemeinen Deutschen Lehrerversammlungen hochaehalten habe«; was that darum der vorsichtige Referent? Er Verladie These in folgendem Wortlaut: .Ein wohlgeordnete» Familienleben ist der Todfeind de- SocialismuS. Diese These können auch wir Juden unterschreiben.' Werk», 31. Mai. (Or.-Eorr.) Es war eine cbcnfo .j erhebende wie rührende Feier, der wir heute beigewohat.;^ Der Verein ,äockick« Ilmim* (.Freunde ber Taubstummen") übergab ihr neuerbautes HauS sewer Bestimmung. Die Anstalt, welche jetzt den Namen führt: .Israelitische Taubstummen-Anstalt für Deutschland" befindet sich m dem Vororte Weihensee, einige Minute« seitwärts von der Hauptchaussee in der Parkstraße. Das geräumige Hau-, da- ) schon von Außen her einen nÄrdigen Eindruck macht, ist im ׳v Inneren geräumig, bell und framdlich, zum Theil auch durchs die Munifizenz einiger Wohlthäter, z. B. Mstülider der.1 Familie Nachod-Leipzig und Geh. Sanitätsrach Marcuse, י glänzend eingerichtet. Dce Anstalt kann bequem 60—75 Zögu«ge cuffnehmen und hat zur Zeft der» 22 caubstumme k Linder im Alter von 6—14 Jahren, die hier körperliche und geistige Ausbildung sin! 4