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Israelitische Wochenschrift · 1891-05-28 · 22 (28.5.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
22 (28.5.1891)
Date
1891-05-28
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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fr ׳m _ . fc* tzSchftrn Ratz« errorkn. Cmk Anflchtr» ülfcr vffentkiche Magen innerhalb und '-außerhalb de- GeschikstSkreise« der anglikanischen Kirche, »aren nicht nur lichtvoll und gesund, sondern er verstand «t auch, sie recht nachdrücklich zn« Ausdruck zu bringen. ״di steht un» ein Brief au» dem Jahre 1882 zur Verfügung, in welchem der Vorschlag gemacht wurde, die Angelegenheit der russischen Judenverfolgung im Hiuse der Lords zur Sprache zu bringen. Derselbe war an Herrn Oswald Simon gerichtet und lautet in deutscher Uebersetzung: '.Jede Bewegung im Hause der Lord», welche die ׳schnckliche Judenverfolgung in Rußland zu verurtheilen würde meine wärmste Sympathie und Unterstützung siuden. Die einzige Schwierigkeit für mich, wen» ich bei einer Debatte zugegen sein und zu sprechen veranlaßt werden sollte, würde darin bestehen glauben zu müffen, daß noch ^pgend Jemand dagegen opponiren könnte oder kräftigeres Argument als die bloße Erwähnung der Thatsachen anführen Pi müssen. Ich bctheilige mich jetzt selten an den Debatten \urc Hause der Lords, würde aber gern bereit fein, bei jeder ״sich bietenden Gelegenheit die Vertheidigung einer Motion, ׳wir die von Ihnen erwähnte, zu übernehmen." Ihr aufrichtigster Dr. Mager. Der Tod eines solchen Geistlichen ist ein Verlust, den auch das Judenthum schmerzlich zu beklagen hat. — Seine -Seele ruhe in Frieden! Kermifchte »nt Kaufte KOchrtchteK. MogtzsAmkch. I« einem österreichischen Blatte wird anläßlich -der in so erschre<tender Weis.׳ in Korfu wieder ausgetauchten wahnsinnigen Beschuldigung. als ob die Jude» zu Ostern llhristenblut '«rauchen, mit Recht die Krage ausgeworsen, warum e« denn immer Mädchen sind, die ermordet «erden, nie aber Knaben. Di« Ant- »ort geben di« Vorfälle in Korfu. Da» ausgesundene ermordete Mädchen M«r bekanntlich «in jüdische« Mädchen, was der Pöbel allerding« nicht -glaubte Wäre ti die Leiche die «ine» Knaben gewesen, so hätte sich ja vnrch die vollzogene Veschneidung sofort Nachweisen lassen, daß das Utztnd jüdischer Religion gewesen ist. Aber auch in allen anderen £MOra, in denen di« zufällige Ermorderung eine« Kinde« durch unde- ' kannte Hand zur Auswärmung de» Vlutmärchrn» benützt wurde, »oaren , di« Opfer immer Mädchen Man müßte also in einem gegebenen Kall« untersuchen, ob nicht von denjrnigen Personen, die an der ver- «Ritnag der Blutbeschuldiguna ein Interesse haben, und die zweifellos um den betreffenden Mord wissen müffen, eben deshalb rin jüdisches;Mädchen ermordet wsrden ist, weil die Ermordung eine« Knaben 7«ntzl»» gewesen wäre. Jedenfalls für den ilnlersuchung«richtrr ein nicht hm>adenllick»es SaUiium. Wedin, 34. Mai. (Or.-Cor.) vor Beginn der heutigen Re- .-!Pdiseutantensitzung, zu welcher auch der viesammworstand erschienen »ar, wurde Herr Jnftizrath Dr. M a k o « e r, der an diesem Dag« : da vierte liahrhunder» lang dem llolleaium angehört, durch Uebergab« '. «wer Danntdrefse mit entsprenchender Anrede de« Vorsitzenden, Herrn ־ Kastizrath Meyer, begrüßt, worauf der Gefrierte in Anknüpfung an . den Spruch de« Antiaono« (Tpr d. Väter 14) dankte. (Wir kommen ■«uf diese Sitzung in der nächsten Rümmer zurück ) Brest««, >1. Mai. Der Verein i«rael. Lehrer in Schlesien!nud Posen hielt am 17. und 18. seine jährliche Generalversammlung;1d» kleinen Saale der neuen Börse ad. Di« zahlreich besucht« ver- "Muamlung wurde mit Referaten der Rabbiner Dr. Ehodow«ky»Lel« .^yid Dr Rosenthal-Brdlau über di« Behandlung de« geschichtliche» in der Religi»n«schule eröffnet In der zweiten Sitzung n«angelegenheiten zur Besprechung, ikin Referat de«;Waddiner« Dr. Bra nn-Pleß konnte dervorgerückten Zeit halber nur in Kütz« erledigt «erden. Der bi«herige Vorstand, bestehend au» den SHirrrn Dr. Samuelsohn, Dr. Bad, und Dr. Freudenthal in zBreSlau. Blumenfeld-Tchweidnitz, Dr. Eohn-Kattowitz, Herbst- ^Liffa und Dr Matterödors-Gleiwitz, wurde durch Acclamation ׳ «dederaewählt. Di« Mitgltederzahl beträgt zur Zeit 102. Ein aus- ׳: führltcher Bericht folgt in einer der nächsten Rummern. Veipzitz, 23. Mai. Der Antisemit Theodor Fritsch, welcher dem Rechtianwalt Wert heim vorgeworsen hatte, er veranlass« jüdische Kanfieute, welch« von der «Antisemiten-Eorrespondenz" angegriffen ftaorden waren, zu Privatklagen gegen dieselbe, wurde heule in der Berufungsinstanz zu SO Mart Geldftrase verurtheilt. Da» Schönen- Gericht hatte nur aus eine Strafe von 30 Mart erkannt gehabt. BrRMder». 24. Mai. <Or.-Eorr.> Ein gewiß seltener Vorfall sich gestern hier ab. E« sollte nämlich die Bar-Mizwah-Keier Knaiün stattsinden, bei welcher Gelegenheit dieser die Hasiarah t. Der Gotte«»i«nst hatte längst begonnen, di« Thoravorlelung »Heus» auch die Haftaruh-Uorlrsuug — da erst erschien, begleitet »an seinen verwand«,, der BawMlzwahdtnabe. .De» uch benützte» Augenblick aber brachte keine Ewigkeit wieder zurück." nu« thun? Man veranstaltete nochmal« nach Beendigung de« MuffeL gebet«« da» Morgengebet und ließ nun den Knaben sein eiustudtrbe» Pensum vortragen. Man muß sich eben zu Helsen wissen! P»ffr»p«r». Dir Großherzoglich- Regierung hat den Beschlich der Stadtverordneten vom 18. April über das der!irdischen Gemeinde zum Bau der Synagoge zu gewährend« Sudssr von 15,000 Franke», am 25. April bestätlgt. Da». In dem hiesigen Badeorte d.׳r Pyrenäen wurde «in« jüdische Gemeind« eingerichtet. Der Bicepräsidenr de« Eonsistorium« »m vayonne und der Oberrabbiner Astrue hielten Anreden. Mim es. Der Rabbiner Talomon Kahn, welcher schon längere Zeit unentgeltlichen Unterricht im Hebräischen zu Montpellier errhetl», ist durch den Unterricht«mlnifter zum Religionslehrer an de« »nabe«, und Mädchenlyceum letzter Stadt ernannt worden. Wlater. Die Einführung de« neuen Oberrabbiner« Mose« Weil fand am 1». April statt: die spitzen der Militäruns Eivilbehördeu der Stadt und Provinz, di« Handelskammer, die «Bericht»- und Polizeibehörden wohnten der Feierlichkeit an. Laupou- Am 5. Mai eröffne»« Lady Rothschild, begleitet »»» Lord Rothschild, «inen verkaufSbazar von Phaniasicgegenständen •lex Länder, dessen Ertrag für die neue Synagoge zu Hampstead verwendet wird. Einer der Säle ist in kunstvoller Weise in «ine Straße de* neuen Jerusalem« umgewaudelt. Die Wände schmücken die herrlichsten Aquarellbiider erster jüdischer Künstler. Die Damen der Aristokratie in orientalischem Eostüme besorgen de» verkauf. P»»P»». Zum ersten Male find in England 2 Juden zu Großofficteren de« Freimaurerorden« ernannt worden; es sind die« di« Brüder Samuel Valentine und S. B. Abraham. £»»»»». Die jüdische Gemeinde hat einen schweren Verlust zu beklagen. Aus einer Spazierfahrt mit seinem Freund« Rev. A S.Ave liua starb am Freitag, den 17. April an den Folgen eines Sturze« au» dem Wagen, dessen Pferd vor einem Bären, den der Führer am Weg« produzirte, schenkte, Herr A. de Malta« Mocatta im Alter va, 38 Jahren, ivährend seine Gattin sich auf einem Besuche in Paris befand. Der Berstorbene gehörte zu den populärsten Männer» der City und hatte durch auögebreitete» Wissen sich den Titel eine» Magister der Künste an der Loadouer Universität erworben. Er bezeigte stet« ein lebhafte« Interesse für alle Gemeinde», besonder« für Erziehung«» und Unterrichtdangelegenheilen und verwaltete da« Amt eine» Präüm, . deuten mehrrrer UnterrichtSanstalten mit der größten Gewlsseuhaftiakdt. Seine Geistesbildung und HerzenSgüte hatten ihn zum Lieblinge Aller gemacht, welche ihn kannten. Bel seinem Begräbnisse hatte sich dt« Familie alle Blumenspenden ausdrücklich verbeten. MßrlPtstmlest. Der Senat der Universität von Neu-Seeland hat aus seiner Sitzung vom 6. März Herrn Dr. Laut« E Barnett au« London, einen der hervorragendsten Studirenden an der Univer» fitfit zu Edinburg, 26 Jahr« alt, zum Docenten der Ehirurgie und Anatomie ernannt. * Der di« Untersuchung leitend« Staat-anwalt, ve n li», brandmarkte en«rgtsch da« ungeheuerliche Lügengewebe der Berliner Anlisemitenpreff«, speziell der »Kreuzzeitungin Bezug aus de, angeblichen ״rituellen Mord". Der Staatsanwalt konstatirt ausdrücklich den unstligen Einfluß der genannlen Presse aus die Vorgänge in Korfu. Q Daß da» ermordete Mädchen «ine Jüdin sei, unterliege nicht dem. geringsten Zweifel. Da« Mädchen war, wie der Beamte angtchk/ vor der Ermordung in widernatü rlicher Weise vergewaltig».' Bon dem Mörder hat man bisher noch keine Spur. Die Kuppleet», in deren Hau» da« Mädchen sich befand, ist bekannt. Dt« R«gten»P> wird sehr streng Vorgehen. Die Hauptanstifter der Unruhen werden, wie der Staatäanwalt meinte, zum Tod« verurlheilt werden. Odessa, 31. Mai. Die Blätter Südrußland« erhielten den Befehl, eine Zeit lang keine antisemitischen Artikel mehr zu bringen. 800 nothleidend« jüdisch« Familien verweilen in Odessa ohne Mittel ' zur Au«wanderung Tie russische Regierung fordert strengsten» de», Besitz de« Au«wanderung»schein«, für welchen 15 Rubel zu zahlen find. Militärpflichtigen Juden wird die Ausstellung eine« solchen Scheine« verweigert. 300jüdische Familien sind bereit« nach Pa lästi.na abgereist. Warschau. 21. Mai Ein heute erschlencncr llka« befiehlt die «»«Weisung sämmtlicher Juden au» den Städten, wo sie nicht zuständig , sind; kein Jude darf anderwärts Geschäfte und Haudiverk »reiben Ein GlaubenSivechsel der Juden ist nur zur orthodoxe» Kirche gestattet und jivar nur mit tSenehniigung der Synode. Petersbaeg, 27. Mal Der Telegraph meldet heute: Der fanatische »Oberprocureur des heiligen Synod", Herr Pobedonoszcw, der Manu, der einst den Zaren im Staat-recht unterrichtet und zur Zeit auch di« lyottin de« Zaren zur orthodoxen Kirche übergesührt hat, hat eine neue Verordnung cntworsen. welche den Juden verbietet, den Sa dbath zu feiern. Ihr« Läden sollen an Sonntagen und anderen Feiertagen der orthvdoxcn Kirche geschlossen, jüdisch« Angestellte gezwunge» . sein, am Sonnabend zu arbeiten und den Sonntag al« Ruhetag zu beobachten. — (So kehrt Rußland nicht nur zum finstern Mittelalter. sondern bis in die Zeit der hadrtanischen Judenverfolgung, ja bi» zuu^-,('׳ Zeit de« wahnwitzigen Syrerkönig» Aultochus zurück. Da«-־־ ' ' «aoa-taüal wird nrcht a»«bleiben!)

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