Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 22 (28.5.1891)
- Date
- 1891-05-28
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Generalversammlung findet aw 15. Jnm b. I. In Danzig tu» — Ploeki. JCH!4rrrridf>-lIi10«r*. Wien, bcn 18. Mai. (Or.-Cor.) Heute fand bei Baron Lritenberger eine Sitzung des provisorischen Comitre de» Bereins zur Abwehr des Antisemitismus patt, in welcher der Aufruf und der Statutenrntwurs, die in den nächsten Tagen zur Veröffentlichung kommen tollen, berathen wurden. Ihren Beitritt hatten u. A. neuerding» angtmeldrt: Fürst und Fürstin Metern ich, Graf Wilczek, Baron Ebrr-Entenbach, Gras Arthur KinSky, Ritter von Carneri, ReichSrath-Abgeordneter Superintendent Haase und Universitäts-Professor Hofrath Albert. Superintendent Haase hat an den Ausschuß ein Schreiben gerichtet, in welchem es u. A. heißt: An Mitgliedern wird es Ihrem Verein gewiß nicht fehle», denn wer aus Seite der Cultur, der allgemeinen Menschenliebe nnd der Freiheit steht, der muß eine Gcistcsrichtung be> kämpfen, welche den Haß auf ihre Fahne schreib», eine ganze Kategorie hochachtbarer Mitbürger von dem Genüsse der staatsgrundsetzlich gewährleisteten Freiheiten ausschließen will, der Barbarei rntgegentreibt, und schamlos genug ist, mit ihrer Gemeinheit auf dem öffentlichen Markte zu treten. Im Kampfe gegen diese Gesellschaft kein Neuling, bitte ich, mich in Ihren Verein als Mitglied aufzunehmen. Earneri erklärt, daß er mit der ganzen Begeisterung, deren er fähig ist, dem Vereine beitrcte. 51. Kisch. Wie», 16. Mai. Gestern wurde dem Professor Noth- »agel seiten» seiner zahlreichen Hörer eine begeisterte Ovatun dargebracht, indem die Studentenschaft nach Schluß der Borlesung in stürmische Hochrufe ausbrach. Während der Vorlesung war nämlich die Nachricht von der Constituierung de» Bereins zur Bekämpfung des Antisemitismus und der echt humanen und menschenfreundlichen Rede, welche der allgemein beliebte Lehrer bei diesem Anlässe gehalten hatte, brfannt worden. Professor Nothnagel, der im erste» Moment sichtlich überrascht war, erklärte, daß ihm diese Kundgebung, obwohl nicht ganz Platze, dcimoch freue, weil sie als Beweis gelte, daß die siudirende Jugend, die Hoff» mag und Blüte des Staates, Herz und Vrrständniß für Humanität und echte Bildung besitze und sich nicht von Mschrn Aposteln und -Hetzern bethörr» lasse, welche die wSdesten Instinkte im Menschen erregen und da» Ebenbild Gotte» zu einem reißenden Raubthirre machen wollen, das kin Recht und keine Gerechtigkeit kennt. Möge die akademische Jugend allezeit den unvergänglichen Ideen wahrer Menschenliebe, echter Bildung und Gesittung treu bleiben. An» Mngarn, 13. Mai. (Lr.-Corr.) Tic 25 jährige Jubelfeier des Pcster Israel. FrauenvcrcinS bildet ein hervorragendes Ercigniß der Hauptstadt. Notabilitätcn der Frauenwelt, des Staates, der Stadt, des gesetzgebenden Körpers, der Israel. tNuneindc und der öffentlichen Wohltllätigkeit feierten den Abschluß des Picrteljahrhunderts des Vereinsbcstandes, und hat der Verein in dieser Zeit: (Gebäude i» Wertste von 207,500 Gulden; ein Vermögen in Werthpapieren von 208,800 Gulden erworben und 852,183 Gulden an Unterstützungen verabfolgt. Baron Hirsch hat dem Berlin Stiftungen von 78000 Gulden überwiesen und leistet jährlich 12000 Gulden regelmäßigen Beitrag. Die um das Gedeihen des Vereins wohlverdiente Vorsitzende, Frau David B i s ch ü tz, wurde zur lebenslänglichen Präsidentin erwählt. Ihre Majestät die Kaiserin Elisabeth hat im Jahre 1891 die Institute d«S Vereins besucht, welchen durch die Jury der Pariser Ausstellung im Jahre 1878 das Ehren-Diplom zurr könnt wurde. Der Verein hat ein Mädchen-Waisen- Haus, eine Armen-Speise-Anstalt und eine rituelle Volksküche Sründet, und widmet jeder patriotisch > humanen Beran-!uiig seine edle Kraft. Möge der Frauenverein recht lange blühen und gedeihen! 9«fM, 15. Mai. fÖr-ttbrr.) Der hiesige 130 Mit glirder zählende ,Israelitische Frauenverein' darf mit Genv m thuung auf sein segensreiches Wirken im verflossenen Jahres zurückvlitken, er hat seinen Opfersinn auch über die Grenzen T der engeren Heimat hinaus bewährt and nach Kräften Gutes«- stiftet. Er hat seinen Statuten gemäß zunächst seinen Mtgliedern in Krankheit»- und Todesfällen hilfreich beigestanden und bedürftige Wöchnerinnen und Kranke unterstützt. Der' überaus strenge und langandaucnide Winter hat an ihn erhöhte Ansorderunaen gestellt, doch mit Freuden darf.' constatirt werde», daß jedem der zahlreich eingereichten Vittgesuchc, wenn wirklich würdig befunden, entsprochen werden konnte. Wenn wir das verfloffene Jahr in Bezug aus die. Wirksamkeit des Vereins als ein besonder» segensreiches betrachten können, so haben wir doch auch anderseits Verluste erlitte». Frau Wyler, die das Amt der Kassirrrin 15 Jahro hindurch mit seltener Tüchtigkeit bekleidete, mußte dasselbe^, wegen Wegzugs von Zürich niederlegen. Ein sehr schwerer^ Schlag traf den Verein durch den Tod seiner hochverehrten^ Schriftführerin, der Frau Tr. Landau. Sie ward von uü-7.-H allen hoch geachtet und geliebt und ist ihr Ableben era^lf schwerer Schlag nicht nur für den venvitNveten Gatten, die,fJ beiden mutterlosen Kinder׳, sondern auch für unser» Vereist,, in welchcnr sie durch ihr edles ideales Streben uns allen tin^S schönes Vorbild der Ausopserungssähigkeit war. Trotz ihrer schwankenden Gesundheit war ihr kein Ziel zu hoch, rvenn' cs galt, Gutes zu erstreben, kein Weg zu weit, keine $tunbf ■jJ zu spät, wenn es galt, Gutes zu thun. Ausgestattet mithoher (Mistes und Herzensbildung, vereinte sie ein gewinnendes fbescheidenes Wesen nrit staunenSwerthcr Willenskraft, so daK^T? die schon mit dem Tode Ringende ihren Angehörige» u> Freunden noch rührende Beweise ihres tiefen Äemüthes, il Zartgefühls gab, die ihren Verlust den Räherstchenden noch herber erscheinen lassen. An ihr bewahrheitete sich der Aus spruch des George Sand: .Und immer wird das .Herz Frauen das Hciligthum der Liebe, der Sanstmitth, der Geduld, der Barmherzigkeit, kurz, das Hciligthum der mildesten Reflexe sein". Der isr. Frauenverein wird ihr eine dauern! tkinfbarc Erinnerung bewahren! Ave pia •nima! 5raafr»id>. Varl» Tic ״Revue des dcux mondes' vom 1. Mai enthält die Fortsetzung des Artikels von Anatolc Lcroy-׳> Beaulieu ülvr den Antisemitismus und behandelt die nationalen Borurtheile gegen die Juden, sowie den angeblichen Kasten» gcist derselben. Ter Artikel, 40 Seiten umfassend, au» dein | ich Ihnen nächstens die markantesten Stellen übersetzen werde, schließt in richtiger Weise niit der Behauptung: ״TaS Ghetto ist gefallen, aber der (tzcist, der es in da» Leben gerufen, dauert noch fort in seiner unheflsaincn Wirksamkeit. Ich ging in dem Parke Moncrau spazieren und sah die Kinder niit einander spielen, seitwärts bemerkte ich ein Kind allein, das sich, so gut cs ging, zu zerstreuen suchte. Warum, ftage ich die andern Kinder, spielt ihr nicht mit diesem? Weil es ein I u d e n k i n d ist, lautete die Antwort. Entziehet in den halbbarbarischen Ländern das jüd. Kind dem Ehcder und dem Melamcd und lasset cs theiliwhmen an i eurer Eulturentwickclung. öffnet in den gebildeten Staaten' dem Juden eure <8escllschöfien, eure Civil- und Militärcasinot» seid vorurtheilsftei und gerecht gegen eure jüdischen Mitbürgcr und der jüdische Kastengeist wird verschwinden.' EttElnnb. 'Derü. Der plötzliche Tod des Erzbischof» von Uork, welcher deffen Erhebung auf den erzbischöflichen Thron foji bald folgte, hat die innigste Theilnahme de» ganzen Lande»'" wachgerufen. Nicht nur die Familie des Verewigten, sondern auch die Kirche hat einen unersetzlichen Verlust erlitten. Wir Juden nehmen an diesem allgemeinen Schmerze den innigsten Anthril. Erzbischof Magee war unbestritten einer der tüchtigsten Männer de» Lande». Im Haufe de» Lord» der selige Dr. Magre, als er noch